Geschichten erzählen

Ich gebe zu, das mit dem Geschichten erzählen, habe ich noch nie verstanden. Das ist ein Nachteil. Dieses Nichtverstehen. Ich weiß das und komme nicht darüber hinweg.
Nähe bedeutet für mich, Geschichten überwinden. Gefühle austauschen. Worte verlieren.

Ja, ja ich weiß. So klappt das nicht. Nicht, wenn ich mit euch kommunizieren will. Aber wissen, heißt trotzdem noch lange nicht verstehen. Begreifen. Verinnerlichen.

Da sind wir beim Thema: Innen und außen. Mir sind Geschichten immer zu sehr außen. Unanständig weit außen. Die wahren ebenso wie die fiktiven.

Mittlerweile habe ich aber kapiert, dass das eine wichtige Angelegenheit ist. Geschichten sind so etwas wie das Alphabet. Die Buchstaben allein bringen es noch nicht. Aber im Kontext werden sie zu Wörtern und Sätzen.
Zur Grundlage der Verständigung.

Ganz vage sehe ich die Zusammenhänge. Gerne würde ich mich in dieser Hinsicht verbessern auf meine alten Tage.

Comments (6)

LouMai 13th, 2018 at 20:03

Ich verstehe dein Nicht-Verstehen nicht. Ich empfinde Geschichten als das innerlichste, was es überhaupt gibt. Duie maximale Nähe zum Eigentlichen. Geschichten sind nicht das Alphabet, also die Hülle / Werkzeuge, sie sind der Inhalt des Gesagten, sie sind das gebaute Schloss. Für mich zumindest.

KonstanzeMai 13th, 2018 at 20:42

Ob Assoziationen oder „fertige Geschichten“, eine liest Gedanken und baut sie unwillkürlich zu Bildern und Geschichten, eine andere liest eine Geschichte vielleicht wie eine kantige Unvollendete. Will sagen, zum Verständigen gehören zumeist mehrere Subjekte und eine Geschichte wäre doch nur eines der möglichen (ent)äußerten Bezüge der Verständigung, oder?

JuliaMai 14th, 2018 at 09:38

Nicht so pessimistisch denken. 😉 Gute Geschichten schreiben sich (zumindest bei mir) immer dann, wenn man auch vorher etwas Lustiges/ Schönes/ Trauriges erlebt hat. Ich sehr es mehr als Verarbeitung des Bereits-Passierten an. Und auch die Weiterführung der Realität mit Hilfe der Phantasie finde ich besonders reizvoll.

SammelmappeMai 14th, 2018 at 18:26

@Lou
Ja. Das weiß ich. Und deshalb mag ich deine Kunst so gerne und hoffe, dass du noch viel davon machst.
Für dich. Für mich. Und für viele andere.

LouMai 16th, 2018 at 15:14

Wow, danke dir. Ich habe fast allen Glauben an mich verloren gerade. Sowas zu lesen tut gut.
Max Frisch (und nicht nur er) hat so etwas geschrieben, dass man die wahre, eigentliche Wahrheit eigentlich niemals direkt sagen kann, weil sie einem auf dem Wege in die Worte und ins Außen entschlüpft, eigentlich unsagbar ist – man kann sie aber mittels (Schreib-)Kunst aus der unüberbrückbaren Distanz heraus transformieren, umwandeln, also die Grundmasse der Wahrheit umformen, zu einer „Geschichte“ eben, die dann die Wahrheit ist, ohne die Wahrheit zu sein; weil sie zugleich nah und distanziert ist – die einzige Weise, wirklich wahrhaftig zu sein, über Kunst eben. Davon bin ich tausendprozentig überzeugt. „Give a man a mask and he will tell you the truth“ oder so, sagte es Oscar Wilde, Picasso sprach von einer Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt. Spricht alles von der Macht von Geschichten. Wenn etwas vergangen ist – ein Abschnitt, Leben, eine Ära, ein Volk – bleiben Geschichten zurück. Und nähren das, was danach kommt. Ist kein Zufall, dass Geschichten und Geschichte denselben Wortstamm haben, im Englischen & Französischen auch… Deshalb ist es so gefährlich, wenn jemand böswillig Geschichten manipuliert. Wer die Geschichten beherrscht, beherrscht die Geschichte, wer die Geschichte beherrscht, beherrscht das Bewusstsein, und wer das Bewusstsein beherrscht, kann alles, alles machen, was er/ sie will.

SammelmappeMai 16th, 2018 at 19:12

Wer Kunst macht, kann auch viel bewirken. Im Inneren und im Äußeren.
Ich mag die Bilder, die ganze Geschichten erzählen.

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