Vermeidung
Im psychischen und mentalen Bereich ist Vermeidung mittel- oder langfristig keine gesunde Strategie. Das lernte ich, als ich durch meine tiefen Täler schritt und war stolz darauf, dass meine Gesesungsstrategie fast ohne Vermeidung auskam. Beharrlich und hartnäckig immer wieder aus dem nächsten tiefen Tal hochkrabbeln, war da meine Devise. Beim Schreiben hier in der Sammelmappe ist das anders. Da ist Vermeidung meine Hauptstrategie. Früher vermied ich es konkret über die Arbeit und mein Berufsleben zu schreiben. Über andere Menschen zu schreiben. Heute vermeide ich es aktuelle Themen anzusprechen. Themen aus der Tagespolitik. Alles was polarisieren könnte.
Ich schreibe um meine Aufgeregtheit herum. Ich taste vorsichtig die noch verbleibenden Räume ab. Es sind nicht mehr viele. Erkunde verborgene Ecken und hole alte Erinnerungen vor. Ich vermeide alles, was mein Blut in Wallung bringt und das ist eine ganze Menge. Die Welt und ich – wir sind schon lange nicht mehr im Gleichgewicht. Also wende ich mich ab und konzentriere mich auf die schönen Dinge, die verbleiben. Die Natur und die Poesie. Das Licht und die Träume.
In diesem Fall trägt die Vermeidung dazu bei, dass ich einen Ausgleich finde. Dass ich ein winziges, kleines Plätzchen heile Welt mir gestalte. Heile Sammelmappen-Welt. Wie sollte ich es sonst hier aushalten?

