Herzenssache

meine Liebe
mein kostbarstes Gut

mein Herz
ist nie verschlossen
nur in sich

gekehrt

Sommer – jetzt auch für mich

Jetzt ist endlich auch für mich Sommer. Seit ein paar Tagen lebe ich wieder. Glücklich. Sommerlich.

Mit ein paar Sorgen im Herzen. Etwas Hoffnung und mit dem Bewusstsein, dass diese Zeit etwas Besonderes ist.
Es ist nicht mehr so wie früher. Da schien ein Meer von Zeit vor mir zu liegen. Das Meer hat sich weit zurückgezogen.

Abschied nehmen ist nun eine Vokabel die einen festen Platz in meiner Geschichte hat. Abschied nehmen. Ich bin ungeübt darin. Nicht mutig.
Aber jetzt geht es auch ohne Mut.

Mir ist es wichtig, dem Lauf der Zeit ins Auge zu sehen.

Aber es fällt schwer und mein alter Körper ächzt und stöhnt als Begleitmusik dazu.

Abendspaziergang

Journal 14082018


Sag den Wölfen ich bin Zuhause – ein wunderschöner Buchtitel und ein noch schöneres Buch.
Hab gestern bis um 2 Uhr Nachts gelesen. Seite um Seite, obwohl klar war, dass mein Tag um 5:15 starten muss. Kurz vorm Ende zögerte ich und entschloss mich dann, nicht mehr weiter zu lesen. Um eine Nacht und einen Tag, die verschiedenen unterschiedlichen Möglichkeiten des Ausgangs der Geschichte in mir zu tragen.

Was für eine Lesefreude!
Was für ein Vergnügen!

Dabei ist sie so traurig, die Geschichte.

#12von12 im August 2018

Stimmen in mir

Du könntest längst fertig sein.
Und viel erfolgreicher.

Du könntest es besser machen, länger und weiter.
Du müsstest mehr rechnen und resoluter entscheiden.

Das meiste kannst du sowieso nicht.
Und falls doch, dann machst du alles falsch.

Es braucht Jahrzehnte die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die sie in dir säaten, nur zu deinem Besten. Das flächendeckende Kontaminieren von Kinderseelen wurde empfohlen von Staat, Kirche, Gesellschaft und den Nachbarn sowieso.

Journal 10082018

So ein bisschen Zorn bleibt ja immer.
Dieser Groll darüber, dass die Welt so ungerecht ist, wie sie ist.
Das Schicksal sowieso. Da bleibt nur demütiges Fügen.

Aber die Menschen, die machen mich kirre.

Wie sie sich so selbstverständlich den Rahm vom kapitalistischen Leben abschöpfen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie es so toll anstellen, die anderen Menschen auszubooten.

Hurra, wir sind die Gewinner, wir schubsen täglich andere Menschen weg vom Futtertrog, aber wir wissen doch alle, dass in Deutschland niemand verhungert.

Ha ha. Wir setzen uns ein Rahm-Häubchen auf, vielleicht auch zwei oder drei und prämieren die tollste Rahm-Häubchen-Trägerin. Wir tragen Wettbewerbe aus, damit wir eine klare Rahmhauben-Rangfolge unter uns ausmachen.
So viel Rahmabschöpferei wie heute war noch nie.

Und die, die nicht zum Rahmtopf vorstoßen können oder die, die nicht wissen, wo er steht, sind irgendwie doch alle selbst schuld. Wahrscheinlich sind sie einfach ein bisschen langsam und nicht so tüchtig.

Deshalb brauchen sie weder Butter auf ihr Brot noch Messer, um es zu bestreichen.
Ach ja, und die Teller würden sie auch nur belasten, die sind doch zerbrechlich. Es weiä ja schließlich jede, dass diese Menschen nicht auf Zerbrechliches aufpassen können.

Dann nehmen wir ihnen diese Sorge doch auch gleich ab.

Wie gut das alles klappt. Wie leicht das Rahmabschöpfen doch fällt.

Journal 09082018

Ich ändere jetzt meine Hitzebestastungsstrategie und erkläre diesem Sommer meine uneingeschränkte Liebe.
Mit jeder Faser meines Herzens werde ich ihn erdrücken.
Darin bin ich sehr gut.

Ich werden ihn erdrücken bis er nur ein klägliches Restchen Spätsommer ist.
Auf dass er dann genug Kraft in sich trägt, um sich zu einem gemäßigten goldenen Herbst zu mausern.

Letzte Chance für ihn.

Allerletzte Chance.

P.S. Falls ihr den Regenguss gesehen habt, der hier immer wieder angekündigt wird und nicht auftaucht: Schickt mir ein Foto von ihm. Mir dürstet.

Journal 07082018

Meine Selbstdisziplin ist dahin geschmolzen in der wochenlang anhaltenden Hitzehölle. Ich kann nicht mehr. Vorallem kann ich mir selbst nicht mehr zuhören. Seit Tagen – Wochen – fixiere ich die Wetterdaten, aber die Abkühlung kommt nicht. Andere Menschen halten die Hitze besser aus und das macht mich kirre.
Ich will das nicht! Ich möchte robuster sein und belastbarer. Wie ein Kind im Trotzalter akzeptiere ich meine Grenzen nicht. Das ist ungewohnt für mich. Normalerweise kenne ich meine körperlichen Grenzen recht gut und kann es auch aushalten, dass andere Menschen weitere Grenzen haben.
Aber hier in der Hitzehölle kommt doch etwas anderes hoch. Etwas Existentielleres. Ich gerate in Panik, weil ich nicht mehr funktioniere. Keine Kontrolle mehr habe.

Also jammere ich. Ich jammere mir meine Kontrolle wieder herbei.

Die Hoffnung auf Donnerstag scheint sich auch in Luft aufzulösen.
Satz mit x. War wohl nix mit der Abkühlung.

let the sky explode

Jedes Jahr wenn es August wird, heiß, Sommer, dann kommt die Erinnerung an das Schreckliche. An das Grauen.
An den kleinen Jungen. The Little Boy. So nannten sie die Bombe.

Nie, nie, nie hab ich das Leid ermessen können.

Hiroshima.

There’s a shadow of a man at Hiroshima
where he’d pass the noon
in a wonderland at Hiroshima
’neath the August moon

And the world remembers his face
– remembers the place was here…

Fly metal bird to Hiroshima
and away your load
Speak the magic word to Hiroshima
let the sky explode

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