Vom Winde verweht

Der Wind nimmt mit,
was nicht mehr bleiben will.

Das Altern besteht aus Veränderung. Stetiger Veränderung. Jeder Tag eine neue Herausforderung. So würde ich heute das Leben von Hochbetagten beschreiben. Der andere Aspekt ist die Gelassenheit, die notwendig wäre, mit den ständigen Veränderungen klarzukommen. Nicht jeder ist mit Geduld gesegnet. Fehlt sie, zerrt das an der Lebensqualität. Wirbelt Unglück auf.

Die Kunst des geduldigen Alterns wird also darin bestehen, sich in Gelassenheit zu üben. Zulassen, dass der Wind des Lebens die Dinge verweht, deren Laufzeit abgelaufen ist. Vertrauen, dass der Wind freundlich aufräumt. Das Leben leichter zurück lässt.

Journal20260202

Langsam werden die Tage länger, aber die Kälte fährt dennoch durch mich hindurch. Die Frühblüher bahnen sich ihren Weg durch die Erde, strecken ihre grünen Knospen dem Licht entgegen. Es gibt Licht, es gibt Schatten. Die Winterlinge kommen zum Vorschein.

Ich versuche krampfhaft die Sammelmappe politikfrei zu halten. Sie vor den Aufregerthemen zu verschonen. Von allen Seiten prasseln die Unvorstellbarkeiten auf mich ein. Die obskuren Reden und Taten. Wie ein trotziges Kind, denke ich: Ich will das alles nicht.

Ich will das nicht und weiß sehr gut, dass die schlimmsten Dinge in meiner Lebenszeit nicht mehr überwunden werden.

Journal20260201

Caretag. Im Prinzip ist jeder Tag ein Caretag, aber manchmal sind die Caretage lang und anstrengend. Das gehört dazu. Ist eben so. Manche Aspekte daran schwanken zwischen lächerlich und ärgerlich. Meistens ist das der bürokratische Kleinscheiss. Wenn wir Boomer in den Pflegekreislauf hineingeworfen werden, wird sich kaum noch jemand dem organisatorischen Mikromanagment der Pflegeleistungen widmen können. Bin sehr gespannt, was zuerst zusammenkracht: die Pflege oder die Bürokratie der Pflege.

Kleine Schritte

Das Eis trägt nicht die Eiligen.
Es trägt die, die horchen.

Der Tag ging mir entgegen
mit blanken Stellen.
Der Weg ein Spiegel,
der mich prüfte.
Ich setzte den Fuß
wie eine Frage.
Kein Sprung heute.
Nur das leise Verhandeln
mit dem Boden.
Ein Vor, ein Zögern,
ein Atem, der bleibt.
So lernt man gehen,
wenn der Winter spricht.
Die Kälte legt ihre Hand
auf alles Bewegliche,
doch darunter
arbeitet ein heimliches Grün.
Es schiebt,
es hebt,
es glaubt an das Weiter.
Vielleicht ist Vertrauen
kein Aufbruch in die Ferne,
sondern das Einverständnis
mit dem nächsten Schritt.
Nicht das Fliegen.
Das Gehen
auf unsicheren Flächen.
Und irgendwo im Eis
ein feiner Riss –
genug für Licht.

Journal20260130

Friedvolle und ruhige Tage. Tage auf die ich zurückschauen werde.

Lebensidylle.

Ein Stück vom Glück.

Journal20260129

Heute wieder das Abenteuer Bahn hart am Limit erlebt. Große Enttäuschung meinerseits, dass es mir nicht gelingt, die ewig gleichen Szenarien mit mehr Gelassenheit zu ertragen. Das Trauerspiel ist jeweils absehbar und dennoch zum Verzweifeln. Und kein Ende in Sicht.

Abends höre ich mich mit dem Briefwechsel von Astrid Lindgren und Louise Hartung in den Schlaf. Dabei gilt immer noch, was ich damals über die Lektüre schrieb.

Journal20260128

An trüben Tagen
lausche ich gespannt
ob ich sie höre

die Lebensmeldodie

An trüben Tagen
erfreut mich das rote Glimmen
der Herzenswärme

An trüben Tagen
führt das Ziel zum Weg
das Leben in den Tag

An trüben Tagen
strahlt das Herz
die Liebe aus

An trüben Tagen
heißt mein Glück

Geborgenheit

Journal20260127

Vor 16 Jahren zeigte mein Außenthermometer Minus 15 Grad an. Heute schmolz das Wintermärchenland dahin. Auch die großen Schneemenschen, die die Kinder aus unserem Gelände herzallerliebst zusammentrugen. Alles dahin geflossen. Vergangen wie die Lebenszeit, die hinter mir liegt.

Journal20260126

Winterzauber

Fahrräder mit Schnee bedeckt.

Vor einem Jahr kamen an diesem Tag schon die ersten Kraniche zurück. Hoch oben flogen sie und grüßten mich.

Journal20260125

Digitalisierung ist manchmal ein Segen und ermöglicht uns wunderbare Erlebnisse. Zum Beispiel kann ich heute am Geburtstag von Virginia Woolf in ihren persönlichen Fotoalben blättern. Kann mir alle Seiten mit ihren Flecken und Knicken ansehen. Visuell Eintauchen in das, was wichtig für sie war. Jedenfalls so wichtig, dass Sie es dokumentieren wollte. Die Fotos sind so laienhaft, sie berühren mich sehr.

←Older