Herbst 2018

Frau Herbst macht sich fein.
Es fühlt sich seltsam an in T-Shirt und Badeschlappen das Herbstlaub wegzukehren

Das ganze Jahr 2018 führt sich wie ein schlechter Horrorfilm auf. Wettermäßig.
Oder klimabedingt.

Ganz wie ihr das haben wollt.

Ich halte den Atem an und warte was es noch bringt.

In der Zwischenzeit ziehen die Kraniche auf und davon.

Journal14102018

Der Herbst strahlt golden wie im Märchenbuch. Sechsundzwanzig Grad zeigte gestern die Anzeige der Apotheke in der Bergerstraße an. Ein Traum.
Ich rücke die Möbel in meiner Wohnung zurecht. Bald werden die Fenster ausgetauscht und da heißt es Platz zu schaffen. Bewegungsraum für die Handwerker.
So viele Sachen, denke ich bei mir. Ich besitze immer noch so viele Sachen. Obwohl ich kaum jemand kenne, die weniger Dinge besitzt als ich.

Fünf Jahre in dieser Wohnung haben aber dann doch wieder dazu geführt, dass andere Sachen dazu gekommen sind. Es sind die Gefühle, die sich unversehens in Materie verwandeln.

Mein Zoom-Loom Webrahmen ist jetzt auch gekommen. In Rekordzeit.
Das beste Stück für die Herbst- und Wintertage.

Ich freue mich, auf die Kuschelzeit.

Wünsche

Mir geht die ganze Zeit, dieser kleine Zoom Loom Webrahmen nicht aus dem Kopf. Mit ihm kann man kleine Quadrate weben, aus denen man schöne Sachen machen kann.
Das Teil ist sehr einfach, kostet allerdings mehr als 50 Euro in der Plastik-Ausführung.
Aus Holz gibt es sie nur mit Lieferung aus Amerika, also ungefähr vier Wochen Lieferzeit und ebenfalls sehr teuer.

Obwohl das Prinzip so einfach ist, traue ich mir nicht zu, mir selbst einen Zoom Loom zu bauen.

Am Schönsten wäre es, ich könnte das Teil einfach mal irgendwo probieren und auf Tauglichkeit dabei achten.

Aber auch gebraucht ist so ein Rahmen nicht aufzutreiben.

Errungenschaft

Wie konnte ich jemals ohne Bed-Side-Bag leben?

Das Wort Bettkantentasche gefällt mir auch sehr gut.
Da ich zum „Nestbau“ rund um meine Schlafstelle neige, scheint sie mir die einzige Möglichkeit zu sein, vor meinem Bett Ordnung zu schaffen. Nun ist mir auch noch klar geworden, wie praktisch so eine Tasche auch bei Übernachtungen im Hotel ist.

Fein, sehr fein.

Stillleben

Ein Erfahrungsbericht also. Die Erfahrung in einem fremden Alltag aufzuwachen. Mit Kind sieht der Alltag anders aus, das wissen wir. Aber Antonia Baum schreibt nicht über die Beziehung zwischen Mutter und Kind, sondern über die Beziehung der Mutter zu ihrem direkten Wohnumfeld. Sie schreibt über die Gesellschaft in der wir leben, über diffuse Bedrohung, tiefe Ängste, große Unsicherheiten. Sie setziert das Milieu aus dem sie kommt und zeigt die Widersprüche auf.

Mich hat das Buch gepackt.

Lotte Laserstein

Von Angesicht zu Angesicht.

Ich bin jetzt stolze Besitzerin einer Museumsufercard.
Eingeweiht habe ich sie mit der Ausstellung der Bilder von Lotte Laserstein.

Fotografieren in Ausstellungen muss ich allerdings noch lernen. Gut zu erkennen am beigelegten Beweisfoto.

Carter

Es fällt mir nicht leicht, das Buch zu beschreiben.
Das erste Wort, das mir dazu einfällt, ist intensiv. Die Sprache, die Figuren, die Atmosphäre. Alles ist intensiv.

Aber es ist kein Buch, das sich sogleich erschließt. Als Leserin habe ich manchmal das Gefühl, nicht mehr hinterher zu kommen, nicht immer den Überblick zu haben.

Die Sprache überwältigt mich.

Ich erinnere mich beim Lesen noch stark an Ally Klein bei ihrem Auftritt in Klagenfurt. Da saß ich während ihrer Lesung hinter ihr. Sie schien fast mit dem Text wegzurennen.

Journal29092018

Mein lila Rollkoffer und ich haben es auf Umwegen also wieder Nachhause geschafft. Nach einem wehmütigen Abschied vom Traumland gilt es im Alltag wieder Fuss zu fassen. Mich wieder in mein kleines, enges, wunderbar freies, festgelegtes Alltagsleben einzupassen.
Ein paar Vorsätze habe ich für mich mitgebracht. Kleine nur. Eher einzelne Punkte auf die ToDo-Liste gesetzt, die dort schon länger ihren Platz hätten haben sollen. Haben können.

Nachdenklich bin ich. Wie sollte es auch anders sein?
Das Nachdenken wurde mir mit in die Wiege gelegt, wer weiß was sie stattdessen aus ihr herausgenommen haben.
Ich grüble über die Zeit, die noch bleibt und darüber ob ich ihr immer gerecht bleibe. Ob ich zu viele Kompromisse mache oder zu wenige. Ich bin die Weltmeisterin im Grübeln und werde mit dem Alter immer besser darin.

Der Übergang zum Alltag fällt nicht leicht. Mit den Jahren immer weniger.

Ein letzter Blick

Ein letzter Blick zurück. Mit viel Wehmut, voller Dankbarkeit und mit tausend Erinnerungen.

Dieser Ort gab mir so viel in all den Jahren. Aber manchmal muss eine Abschied nehmen.
Die Zeichen bei uns stehen eindeutig auf Abschied, auch wenn der Kopf es nicht so richtig begreifen kann.
Noch ein Monat, noch einen Sommer, noch ein Jahr – flüstert diese unerstättliche Stimme, die nicht loslassen will.

Aber die Stunde schlägt.

Unerbittlich.

Mir bleiben die vielen Erinnerungen.

Journal26092018

Heute ist das Meer aufgewühlt und zeigt uns tosend seine Kraft. Die Fischer sind vorsorglich an Land geblieben.
Wir stehend staunend am Strand.

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