Sonnenschein

Diese Ostertage sind so sonnenverwöhnt, dass mir dabei etwas unheimlich wird. Die Pflanzen schleudern prächtig ihre Pollen in die Luft, aber was macht das schon? Ich stehe am Fenster und schaue über den Hang in die Richtung aus der die Traurigkeit herüber schwappt. Es ist der Lauf des Lebens, ich bin alt genug um ihn zu kennen.

Drüben spielt die Musik und die Karussells drehen ihre spektakulären Runden. Die Stimmen der Menschen und das Gelächter erinnern an längst vergangene Zeiten.

Llanca

Es gibt keine Llanca-Pläne mehr. Aus und vorbei. Mehr als zwei Jahrzehnte sollten reichen, um das Paradies auf Erden im Herzen zu Tragen.

So weit, so cool. Dem #Llanca folge ich aus Nostalgie auf Instagram. So dachte ich es mir: Nostalogie. Eine wehmütige Erinnerung. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dass es mir fast das Herz zerreißt. Dieses Herz, das die Kälte der Realität nicht erträgt. Das immer mehr will, als realistisch ist. Sich nicht mal daran stört, wie egoistisch es tickt.

Journal20042019

Ich nehme mir die alte Hardware vor, die bei dem Umzug aufgetaucht ist und tauche ab in alte Datenbestände. Was da alles auftaucht! Audio-Dateien, die ich aufnahm um meine Reden zu üben, missratene Fotos, seltsame Dokumente.

Überhaupt: meine Hardware-Bestände. Das ist eine meine größten Umwelt-Sünden in meinem ansonsten doch recht kargen Konsumentinnen-Leben. Minimalismus mag ich dazu nicht sagen, denn diesen Lebensstil lebte ich schon bevor es dafür eine Klassifizierung gab. Es ist einfach meine Art zu leben. Zwischen Kargheit und Überfluss. Der Überfluss lässt sich bei den digitalen Geräten nicht leugnen. Samt dem tausendteiligen Zubehör. Lauter Objekte, die nach regelmäßiger Aufmerksamkeit verlangen. Sie wollen geladen und entlanden werden, brauchen Updates, neue Software und verlieren ab und an ein Zubehör. Es ist wie ein Garten, der auch immer gepflegt sein will. Nur nicht so naturbelassen und umweltfreundlich.

Den Traum, von dem einen Gerät, das mir alle Wünsche auf einmal erfüllt, träume ich weiter.

Journal18042019

Mit jedem Frühling kommt die Allergie und meine Kraftlosigkeit. Verschnupft, verschnieft, geschwollen. Alle Jahre wieder, denke ich bei mir und muss sofort an die Freundin denken, für die dieser Satz voraussichtlich nie mehr Gültigkeit hat.

Es wird ihr letzter Frühling sein. Das wussten wir im vergangenen Jahr noch nicht. “Alle Jahre wieder“ ist vorbei und gilt für sie nicht mehr.

Das Leben sagt: Stopp. Aus. Vorbei.

Keine Schonzeit. Kein Erbarmen.

Ich schniefe weiter. Hab Grund dazu und einen Anlass. Niemand hat je gesagt, das Leben sei fair.

Journal17042019

Nachdenklich im Büro.

Büroselfie

Journal16042019

Vorsicht.
Es lebt.

Journal15012019

Die letzte Nacht am vertrauten Ort. Die Wände sind wundgekratzt und ich bin müde. Erschöpft und glücklich.
Jetzt geht es anderswo weiter. Eine andere Zeit. Eine neue Epoche.
Wie schnell sich das Lebensrad dreht im Moment. Es scheint immer mehr Fahrt aufzunehmen.
Die Haare im Wind geht es dem Herbst des Lebens entgegen.
Bin froh über mein kleines bescheidenes Nest. So viel Geborgenheit.

Journal13042019

Mein Pflastervorrat ist aufgebraucht, ich lege die Spachtel nieder.
Trotzdem ist noch eine Menge Arbeit übrig. Aber hilft ja nichts. Überstürzen wäre eine unkluge Angelegenheit.

Zuerst werden jetzt die Wunden gepflegt, die zerfledderten Wände müssen sich noch etwas gedulden.

Journal12042019

Ich kratze die Erinnerungen von den Wänden.
Mit Dankbarkeit für die letzten drei Jahrzehnte.

Rohe Wände

Erschöpft gebe ich mich in der Nacht meinen Träumen hin. Ein endloser Schatz an gelebter Erinnerung. Zum Lebensende hin, besteht die Lebenswährung plötzlich aus diesen Herzensgeschichten. Gelebt und gepflegt.
Tausendmal vor mir selbst erzählt.

Journal10042019

In einem anderen Leben war dieser Tag mal mein Hochzeitstag. Eine Erinnerung, die sich auch nach drei Jahrzehnten in einer anderen Beziehung nicht mehr auslöschen lässt.
Eingebrannt in meine Lebensbiografie.
Aber ich lernte daraus:
Mach die Götter nicht eifersüchtig auf dein Glück.

Bewahre es im Verborgenen und hüte deinen Schatz.

Hab so viele Menschen ihr Glück verspielen sehen.
Weil sie nicht wissen:
Das Glück schleicht sich wortlos an.
Es glitzert nicht.

Manchmal versteckt es sich auch zwischen den Ritzen.

Sei achtsam. Sonst fürchtet es sich.

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