Journal23102021

Immer wieder neues Lebensglück einsammeln. Ich halte es fester als in früheren Jahren. Inniger.

Mit jedem Lebensjahr wird das Leben kostbarer.

Das ist dann wohl mein Lebensherbst.

Er wechselt zwischen stürmisch, grau, golden und launisch. Zaubert Farben.

Hoch im Kurs: Trost.

Bildbeschreibung: Die Birke ist im Sturm gefallen.

Journal20102021

Hab mich unsterblich in David von Schitt’s Creek verliebt.

Journal15102021

Sieben Grad zeigte heute morgen das Display über der Apotheke an. Ich hätte es kälter geschätzt. Aber vielleicht kam die Kälte auch von innen. Ich kaue immer noch an dem harten Brocken, der mich seit Tagen beschäftigt. Vielleicht bin ich Weltmeisterin im Gedankenkreisen?

Das Wochenende empfange ich mit offenen Armen. Hab es mal wieder knapp über die Ziellinie geschafft. Die Arbeit zehrt und zerrt.

Zum Ausgleich gibt es auf dem Balkon emsiges Treiben. Die Meisen tanzen. Gestern kam ein Eichelhäher-Päarchen auf Stippvisite und heute balanzierten zwei unbekannte Vögel kopfüber an der Futterstange. Etwas größer als die Meisen, mit leicht rötlichen Bauchgefieder.

Vielleicht stellen sie sich morgen vor.

Journal11102021

Bildbeschreibung: Goldene Flammen in der Nacht

Einen ganzen Abend lang in das Feuer geschaut. Und in den Sternenhimmel. Die Welt gespürt. Den Wind gefühlt.

Akute Herbstlustigkeit entdeckt.

Viel Energie gespeichert.

Träume ein- und ausgepackt.

Nur an einer Stelle hab ich mich verfangen. Seit vierzig Jahren immer die gleiche Stolperfalle, der ich erliege.

Journal07102021

Der Herbst holt all seine Seiten raus, kurz blitzt auch seine goldene Ansicht auf. Er lässt sich nicht lumpen, mag es farbenfroh, lebendig, durchgewühlt, überschäumend, traumverhangen, manchmal dröhnend.

Ich habe beschlossen, dass es witterungsbedingt Zeit ist, die Vogel-Futter-Bar zu eröffnen. (In diesem Satz ist ein Hauch von Ironie versteckt.)

Der Blick auf diese Bar schmeichelt dem Herz und balsamiert die Seele.

Journal04102021

Treffer. Letzte Woche zum ersten Mal in Pandemiezeiten mit Menschen zusammen gekommen, schon eine fette Erkältung eingehandelt. Das Immunsystem muss wohl erst wieder in die Gänge kommen. Oh, wie mir das stinkt!

Aber gut, so ist das nun mal.

Heute morgen bin ich noch unter meinem Regenschirm durch die dunkle Stadt gelaufen, da war die frische Luft eine Erleichterung. Morgen werde ich wohl passen müssen.

Ansonsten bin ich in meinem Alltagsleben konfrontiert mit unangemessener Empörung, fadenscheinigen Machtspielchen, diversen Abschieden und traurigen Anlässen, sowie einer Reihe von rätselhaften Aggressionsanfällen.

Als Highlight des Herbstes erwartet mich ein Kartoffelfeuer. Das macht alles wieder gut.

Journal30092021

Acht Grad und stockdunkel auf dem Weg ins Büro. Trotz Jacke und schnellem Gang war mir sehr kalt. Die Heizung im Büro springt nicht an. Jeden Herbst beginnt das gleiche Glücksspiel: Schaffen Sie es die Anlage im Keller hochzufahren, ohne dass sie in die Luft fliegt? Hört sich spektakulär an, aber ich vermute, dass die Aussagen dazu näher an der Wahrheit sind, als uns allen recht ist.

Nun ja, vielleicht wird in diesem Jahr alles anders. Hat sich eh schon so viel geändert.

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Wenn ich durch die Stadt laufe oder fahre, tippe ich neuerdings meine Umgebung mental durch: Da ein Löwe. Dort ein Wasserspeier. Ah, hier Initialen und dort oben eine Taube.

Ein Nebeneffekt der June’s Journey Spielerei. Ich sehe Dinge, die mir vorher nie aufgefallen sind.

Journal27092021

Morgen früh setze ich mich in den Zug und fahre zurück nach Hause. Das Meer aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Bin bereit mein Päckchen wieder auf meine Schultern zu laden.

Von den Bundestagswahlen habe ich mir gestern nur im Livestream der Heute Nachrichten um 19 Uhr und der Tagesschau um 20 Uhr etwas flüstern lassen. Zu mehr konnte ich mich nicht aufraffen. Mehr davon konnte ich nicht ertragen.

Ich halte diesen Gemütszustand hier fest, weil er sich so von den vergangenen Wahlen unterscheidet. Da hatten mich die Emotionen noch voll im Griff. Heute sitzt nur die Ratlosigkeit tief.

Wenn ich mir etwas von dieser Gesellschaft wünschen könnte, dann wäre es mehr Wertschätzung der jeweiligen Lebensrealität. Ich würde mir Respekt für die Careberufe wünschen, Respekt für alle, die sich irgendwie kümmern: um Menschen, Kultur und Natur.

Dankbarkeit fürs Miteinander.

Verantwortung für das Gemeinwohl würde ich mir wünschen.

Ich träume weiter, bin noch nicht ganz aufgewacht.

Journal25092021

Kann sein, dass ich mich auf- und losgelöst habe in diesen Tagen. In einen bisher unbekannten Aggregatszustand verwandelt. Leicht über dem Boden schwebend.

Bildbeschreibung: Ein regenbogenbuntes Segelschiff mit Friedenstaube, im Vordergrund leuchtend gelbe Blumen

Journal23092021

Alle Wege führen führen uns instinktiv zum Meer. Es ist laut und meine Verdauung gibt mir einen eigenen Rhythmus vor. Schnell begreife ich, dass Widerstand zwecklos ist. Mein Darm zeigt keinerlei Charme, er zeichnet sich aus durch sein autoritäres Gehabe.

Was soll’s. Ich lege mich hin und lese. Dabei bin ich gut aufgehoben.

In einer Atmosphäre voller Leichtigkeit. Ich hab die Sorgen vergessen. Sie abgestellt, irgendwo auf dem Weg hierher. Sie werden sich wieder melden und mit Wucht auf meine Schultern springen. Aber hier und heute sind sie verloren.

Abgetaucht.

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