Journal25022024

Aus den Erinnerungsmitteilungen herausgefischt.

die Gedanken
fallen wortlos durch

die Ruhe der Tage

die Gefühle
schwelgen in Zeitlosigkeit

ich strecke meine

Hände vor mir aus
um die Stimmung abzuschöpfen
mit bloßen Händen
mein Gesicht
mit Atmosphäre benetzen

„Tage wie diese – tränken mich“, schrieb ich damals in die Kladde. Wie recht ich hatte.

Der Fluch des Hasen

Ich lese gerade „Der Fluch des Hasen“ von Bora Chung. Meine Güte, sie schreibt bitterböse. Bin gespannt, wie die anderen Geschichten weitergehen.

Journal23022024

Einen Alltag zu haben ist ein großes Privileg. Er gehört zu den vielen Selbstverständlichkeit des Wohlstands und tarnt sich oft gut als Herausforderung. Erst wenn das Leben durch Krieg, Armut, Ausbeutung, politische Spannung oder die Repressalien einer Diktatur nicht mehr zu einem Alltag findet, wird deutlich, wie existentiell wichtig ein Alltag für Menschen ist.

Journal22022024

Heute Morgen fuhr der Bus ganz alleine für mich zur U-Bahn. Ich weiß nicht mehr, wie lange es her ist, seit ich zum letzten Mal in diesen Bus gestiegen bin. Der Regen hat mich abgeschreckt und so verzichtete ich auf meinen morgentlichen Spaziergang zum Büro. Bemerkenswert daran war, dass ich für die 3,5 km mit Bus und U-Bahn auch nur einen Tik schneller dort ankam, obwohl ich ja bekanntlich im Zeichen der Schnecke geboren bin und Schnelligkeit nicht zu meinen Qualifikationen gehört.

Bildbeschreibung: Selfie von Claudia mit schwarzer Schirmmütze im Bus.

Journal20022024

Gesundheitlich geht es aufwärts in kleinen Schritten. Minischritte, aber immerhin.

Im Büro sehe ich meinen großen Überblickkalender ehrfürchtig an. Es ist der letzte seiner Art. Er hatte so viele Vorgänger, aber das Leben ist endlich. Mein Leben ist endlich, die fremdbestimmte Arbeit ist endlich und 2024 ist mein besonderes Jahr.

Ich zelebriere meinen Abschied. Ich schaffe Distanz. Ich ordne mein letztes Arbeitsjahr. Hab einen Abschiedsfahrplan erstellt. Ich bin eine fleißige und gründliche Abschiedsnehmerin.

Journal16022024

Mein neuer Staubsauger ist ein Traum. Leise, handlich und es ist so einfach damit zu hantieren. Er steht aufrecht in der einzig möglichen Ecke meiner kleinen Wohnung und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, freue ich mich, dass ich diese Kaufentscheidung traf.

Geld bzw. Geld ausgeben macht halt doch manchmal glücklich. Lasst euch das bloß nicht ausreden.

Journal10022024

Der Februar gibt sich heute frühlingshaft. Mir tut die Sonne und das Licht gut. Im Schneckentempo kommt meine Energie zurück. Ich darf nicht zu viel erwarten. Aber es fühlt sich wunderbar an. Auch kleine Schritte verbreiten ihren Zauber.

Journal03022024

Mit dem letzten Satz des letzten Eintrags lag ich absolut falsch. Am nächsten Tag wurde nichts besser. Die Erkältung hält sich hartnäckig und ignoriert meine Wünsche nach Gesundheit und Wohlbefinden.

Aber heute habe ich wieder so ein Gefühl, dass es besser werden könnte. Jedenfalls habe ich zum ersten Mal in der Nacht so einigermaßen geschlafen, dass es als Nachtschlaf durchgehen kann. Das ist ein Durchbruch.

Das Ziel ist in Sichtweite. Jetzt nur nicht übermütig werden.

Journal30012024

Meine Erkältung hält mich im Bett und der reine Wille gesund zu sein entfaltet keine Wirkung außerhalb der träumenden Zone. Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden.

Ich fühle mich von der Welt abgeworfen. Mein Kalender zählt nicht mehr. Meine Prioritäten bröseln auseinander. Seltsam unvernünftige Einstellung zu einer profanen Erkältung.

Die einzige vernünftige Entscheidung in dieser Situation, ist die, dass ich mich nicht für mobiles Arbeiten entschied. Denn das wäre die größte Augenwischerei gewesen. Ich bin krank, ich bin schwach, ich bin quengelig. Ungeduldig. Unruhig.

Morgen wird alles besser.

Journal26012024

Zuhause angekommen und völlig entkräftet zuerst einmal zwei Stunden geschlafen. Nicht eine Sache ausgepackt. Kurz etwas gegessen, dann noch mal eine Stunde geschlafen und erst jetzt habe ich das Gefühl langsam wieder mit meiner Lebenswelt in Kontakt zu treten.

Beim Toilettengang die große Überwindung, das Papier in die Toilette zu werfen. Das gehört sich in Kuba nicht.

Langsam, ganz langsam nehme ich mein Zuhause bewusst wahr. Mit dem Ankommen kommt auch die Dankbarkeit und die Freude über die Bequemlichkeit und die Privilegien, die mit diesem Zuhause verbunden sind. Ein Prinzessinnenreich ganz alleine für mich.

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