Llanca in Wolle

Jedes Mal wenn ich nach Llanca komme gibt es dort andere wollige Kunstwerke im öffentlichen Raum. Dieses Jahr ist es eine riesige gehäkelte Landkarte der Region. Hier auf dem Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen.

Umgestellt

Zwei Tage Llanca und mein Körper und Geist sind umgestellt. Heruntergefahren auf einen Modus, der mir gut gefällt.
Leise, langsam, innig.

Den „Bungalow“ von Helene Hegemann las ich beeindruckt zu Ende. Irgendwie ist es das weibliche Gegenstück zu „Tschick“. Heftig, stark.
Es erzählt von Ängsten, Gewalt, alltäglicher Bedrohung. Einer Zukunft, die nichts Gutes bringt. Oder vielleicht doch?
Eine Gesellschaft, die auseinander rückt und doch in Sichtweite bleibt. Die Welt gerät aus den Fugen.

Ja, die Welt gerät aus den Fugen. Nicht nur in diesem Roman.

Der vertraute Blick


Der vertraute Blick in Llanca auf die Kirche. Am Freiheitbaum. Der ideale Platz zum Lesen.
Bungalow – von Helene Hegemann habe ich mir zum Einstieg ausgesucht. Ich ahne, worauf sie hinaus will.
Das aber hängt mit meiner Lebenserfahrung zusammen.
Ja, es ist gut das Millieu zu beschreiben. Sehr gut sogar. Weniger gut ist das das Millieu immer eine Rahmenhandlung bedarf. Es genügt nicht, dass die Armen arm sind und die Reichen reich. Das ist ungenügend. Immer bedarf es einer besonderen Begründung.

Als hätte es jemals eine Begründung dafür gebraucht arm zu sein.

Ankommen

Ankommen und da sein.
Bewusstsein.

Es fühlt sich an, als ginge ein Schalter an und alles ist präsent. Alles ist gleich wichtig, gleich bedeutend.
Die Zeronomie des Alltäglichen mit der Einschränkung, das das Alltägliche das Gegenteil von Urlaub ist.

So vertraut. So nah.

Ankommen in Llanca.

Zum letzten Mal.

Entäuscht

Enttäuschungsstatus:
Ich habe Feierabend und bin zu erschöpft um meinen Schreibtisch zu verlassen.

Mir geht alles nah und viel zu viel geht in mich und durch mich hindurch. Ich bin als Emotionensaugerin zur Welt gekommen. Alle Emotionensauge ich weg, aber nun habe ich vergessen, wie der Beutel gwechselt wird. Bis oben hin bin ich voll mit Emotionsdreck und -staub und wie immer kümmert sich niemand um die Entsorgung.

Diese Fähigkeit hat mir nie jemand beigebracht.
Vielleicht wollte ich sie aber auch nie lernen.

Langweilig

„Das Leben wird langweiliger, damit man nicht enttäuscht ist, wenn man stirbt.“

Ella in „Please like me“

Journal09092018

Der Blick ins Feuer ruft die Vergangenheit wach. Die nahe und die ferne. Das Knistern im Holz sorgt für ein ausgeprägtes Geborgenheitsgefühl. Die Funken fliegen bis zu den Sternen und verwandeln sich in Träume und gute Wünsche. Gutes Karma wird in die Welt hineingeschickt in dieser Nacht.

Gutes Karma und ein wenig Segen.

Sonnenblumen

In den Gärten wachsen hier überall Sonnenblumen. Bis in den Himmel. Oder kurz davor.
„Die Vögel verteilten ihre Samen im Winter.“
„Vogelfutter?“
Sie nickt und verteilt die abgebrochenen Blüten auf die Vase.

Sonnenblumen überall.

Journal05092018

Heute habe ich viel gelernt über die Ethik des Sammelns.
Und heute Morgen habe ich gelernt wie wichtig meine Präsenz ist.
Am Mittag wurde mir klar, dass man nicht genug Feedback geben kann.
Und am Nachmittag habe ich mich kräftig über eine doof Ziege geärgert.

Alles in allem ein erfüllter Tag.

Journal04092018

2500 Schritte bis zur U-Bahn-Station.

Früh am Morgen lege ich immer meine Schrittgrundlage für den Tag. Damit es mir leichter fällt, das Ziel von 10.000 Schritten nicht zu verpassen.

Am Bahnhof angekommen lacht mir die Anzeigetafel höhnisch zu: Zug fällt aus.

Am liebsten würde ich die Dienstreise einfach sausen lassen. Die nächste Verbindung ist abenteuerlich und zeigt auch schon zehn Minuten Verspätung an.

Den Schrittezähler im Auge laufe ich das Gleis hin und her. Eine Zigarette erschnorrt sich der Obdachlose am Ende des Bahnsteigs von mir. Zwei Euro die Frau, die mich nach Kleingeld fragt.

Als endlich der heiß ersehnte Zug einrollt, stürzen sich Menschenmassen hinein. Das Glück hält mir einen guten Strickplatz bereit.

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