Journal26102020

Meine angezeigten Risikobegegnungen auf der Corona-Warn-App mehren sich. Frankfurt hat jetzt die 200er Marke (Neuinfektionen per 100.000 Einwohner) gerissen. Klar, dass dann der Corona-Verharmloser von Amtswegen an der Spitze des Gesundheitsamtes noch von oben belobigt werden muss.

Wir sind eine Demokratie, die die Vielfalt (!) der Meinungen aushält.

Vielfalt! Meinungen! An der Spitze des größten Gesundheitsamtes mit den umfassendsten Ressourcen!

Das fass jetzt ich wieder nicht.

Journal24102020

Der Herbst zeigt sich von seiner milden und farbigen Seite.

(Bildbeschreibung: Birke vor den Kleingärten, am Zaum rotes Laub)

Ich verlasse das Haus verschlafen und unruhig am Morgen für den Samstagseinkauf. Lange versuchte ich die aktuellen Zahlen der Neuinfektionen abzurufen, aber sie kamen und kamen nicht. Nicht für Hessen, nicht für das ganze Land. Dann ärgere ich mich über meine Fixiertheit und entscheide mich losziehen. Je früher, desto weniger Menschen unterwegs. Eine einfache Gleichung.

Alles erinnert an diese Tage im März. Diese Zögerlichkeit. Das Elend in den Nachbarländern, die leeren Regale bei den Hygieneprodukten. Die Gewissheit, dass sie wieder alles in den Sand setzen.

Mehr als 10.000 Menschen sind nun in Deutschland an dem Virus gestorben.

Dort wo ich jetzt gerne eine Stütze wäre, darf ich nicht sein. Da breitet sich von Tag zu Tag eine größere Dunkelheit aus. Das schmerzt.

Journal23102020

Habt ihr Angst?

Nerven behalten, schrieb ich mir auf die Fahne, als die Zahlen wieder stiegen. Nerven behalten und Ruhe bewahren. Immer leichter gesagt als getan.

Die Nachrichten mit den neuen Zahlen melden sich immer früher im Morgengrauen bei mir auf dem Telefon. Manchmal blende ich für Stunden die Gedanken an das Virus aus, dann kommt dieses unheimliche Gefühl zurück. Wie wird sich diese Welt verändern?

Was wird sein?

In einem Monat?

In einem Jahr?

Journal21102020

Goldener Herbst in düsteren Corona-Zeiten. Dieses Licht. Diese Farben. So ein Geschenk!

Aber ich könnte trotzdem den 125.000 Eintrag über meine Müdigkeit schreiben. Dieses Mal sogar mit Anlass, bin ich doch mitten in der Nacht aufgewacht und nicht wieder eingeschlafen. Zerschlagen und geplättet.

Morgen wird ein besserer Tag. Mit anderen Sorgen.

Falls ihr meine gute Laune findet, einfach hier bei der Sammelmappe wieder abgeben. Sie hat sich auf und davon gemacht, dabei wird sie hier dringend benötigt.

Journal20102020

Die Zahlen steigen. Die Frisur hält.

Allerdings nur im übertragenen Sinn: Ich setze die Mütze auf.

Zuhause ist es kuschelig und lesenswert. (Ja, es wird viel gelesen.) Im Büro lebt eine Parallelwelt ihre Aufregungszyklen. Soweit nichts Neues. Alles schon mal dagewesen, wenn du drei Jahrzehnte dabei bist.

Ich habe auf FFP2-Maske aufgerüstet und fühle mich besser dabei. Die Maske sitzt besser, die Brille beschlägt nicht so und je kälter es draußen wird, desto wärmer hält sie mein Gesicht.

Journal18102020

Dieses Jahr hätte so schön sein können. Voller Harmonie.

Für die Navajo ist es wichtig, den Weg der Schönheit zu gehen. Danach richten sie ihr Leben aus. Ihre ganze Lebensweise orientiert sich daran.

Es hat so lange gedauert bis ich verstand, was das bedeutet.

Journal17102020

Was wir in den nächsten Wochen viel brauchen werden:

Gegenseitige Zuwendung.

Also besser nicht zuviel Energie auf toxische Menschen und Medien verschwenden.

Journal16102020

Dieser Winter wird viel Kraft kosten. Ich werde lernen mit der Situation umzugehen, dass die Ängste der Menschen überbrodeln. Die Ängste, die Ungeduld, das Misstrauen.

Mein Lebensherbst überspringt die goldenen Zeiten.

Vielleicht kommen ungeahnte, neue Farbtöne zu Stande.

Die Hoffnung stirbt zuletzt und meine Hoffnung ist eh anhänglich und klebrig. Die bleibt mir auch an grauen Tagen erhalten.

Journal15102020

Durchgängiger Müdigkeitsgrad 10 von 10.

Zu diesem Tag gäbe es Zahlenmäßig noch einiges zu sagen. Wir haben uns pandemietechnisch selbst überholt. Auf, auf zu neuen Höhen!

Wenn jetzt jede seine Kontakte um die Hälfte reduziert … , heißt es. Aber da gibt es einen Haken, halbe Kontakte gibt es nicht und das wäre eben meine Hälfte. Ein halber Kontakt.

Da muss eine andere für mich schon noch etwas drastischer einschränken, damit mein Einschränkungs-Verlust wieder wettgemacht wird.

Es werden harte Wochen werden. Eine Aufgabe wird darin bestehen, die Nerven nicht zu verlieren.

Kann ich gleich als Aufgabe in meinen Gewohnheitstracker formulieren: Heute die Nerven durchgängig behalten.

Heute die Hoffnung in die Menschheit nicht verloren.

Heute ohne Verzweiflungsanfall überlebt.

Vergänglich

  • Bildbeschreibung: Verwelkende Sonnenblumen auf meinem Balkon

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