Journal14042021

„Wenn man lange genug wartet, kommt der Tod“, schreibt Ruth Klüger. “ Man muss fliehen können.“

„Die Toten stellen uns Aufgaben.“

Journal11042021

unterwegs verloren – ich lese den zweiten Teil der Erinnerungen von Ruth Klüger und denke dabei an den Sommergarten in Klagenfurt, als sie ihren wunderbaren Vortrag hielt und ihre Notizen dazu auf dem Kindle nachsah.

Wenn mir etwas fehlt in dieser Pandemie, dann das zwanglose Zusammentreffen, mich in Menschenmengen verlieren, in die Atmosphäre einer Konferenz eintauchen. Von einem Ort zum anderen reisen. Fehlt es mir wirklich? Jedenfalls gefällt es mir in solchen Erinnerungen zu schwelgen.

Heute wird Deutschland die 3 Millionen Neuinfektionen erreichen. Die Intensivstationen sind voll, genau wie vorhergesagt. Wir werden verraten und verkauft, das alte Lied.

Langsam bekomme ich das Gefühl übrig zu bleiben. Rings um mich herum gibt es Impftermine, ich gratuliere jeder einzelnen dazu von Herzen. Aber mit den Wochen, die vergehen und der Gewissheit, dass sie den Impfabstand vergrößern werden, bleibt für mich realistisch nur Ende des Jahres für einen gesicherten Impfschutz übrig. Das ist noch eine lange Zeit.

Möge sich bis dahin die Pandemie verpissen und mögen möglichst viele Menschen nicht vergessen, wer ihnen das angetan hat.

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das Spiegelbild im Wasser / ertränkt die Stadt

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So also ist es gewesen. – / Man frage bitte nicht, was. / Ich hab die Scherben wieder aufgelesen. / Aber alle Scherben zusammen / machen noch immer kein Glas.

Mascha Kaléko

Journal10042021

Frühlingsregen

Bildbeschreibung: Roter Regenschirm auf nassem Tisch vor blühenden Sträuchern an der Straßenecke

Journal09042021

Fundstücke aus dem eigenen Blog:

„Wenn einer erst einmal beschlossen hat: Wo gehobelt wird, da fallen Späne, ist er nicht mehr erreichbar für seine Freunde, denn er hat bereits entschieden, keine mehr zu haben, er hat sie bereits alle geopfert.
Lauter Späne.“

Auszug aus dem Denktagebuch von Hannah Arendt. Sie wäre eine geniale Bloggerin und Twitterin gewesen.

Bei mir blüht die Allergie und umhüllt mich mit einer seltsamen Atmosphäre. Diese Ausgangslage lässt sich durch die Einnahme einer Allergietablette toppen. Beseelt und benebelt taste ich mich durch Raum und Zeit. Allergie in Pandemiezeiten fühlt sich absolut nicht gesellschaftskompatibel an.

Jubiläum

Sechzehn Jahre Sammelmappe. Auf den Tag genau. Hätte ich heute vielleicht feiern sollen. War eine gute Entscheidung damals. Ich hab ja etwas Zeit gebraucht bis ich über die Fachblogs zum persönlichen Blog kam. Musste mich erst langsam heran tasten und einen Weg finden, wie ich persönlich bleibe und trotzdem mein Umfeld nicht preisgebe. Manchmal geht das nur, wenn die Einträge etwas kryptisch ausfallen. Aber das kommt mir entgegen. Zwischen den Zeilen lesen ist eine Kunst, die ich sehr schätze. Zwischen den Zeilen Raum lassen für das Leben ist genau mein Ding.

Wünsche euch allen alles Liebe und viel Kraft!

Zitat des Tages

„Inkompetenz hat ein hohes Identifikationspotential.“ Hanna Engelmeier auf Twitter zum aktuellen Politiker-Dummgeschwätz namens Brücken-Lookdown.

Was soll das sein? Eine Luftbrücke nach Mallorca und weitere (haha) Einschränkungen der Kontakte im privaten Bereich?

Also mein Kontakttagebuch in der Corona-Warn-App ist nahezu kontaktfrei im privaten Bereich. Weniger als null geht nicht. Möchte mich wirklich nicht auf den letzten Metern noch anstecken. Ich schätze mal, dass ich erst Ende des Jahres damit rechnen kann, komplett geimpft zu sein.

Abhängigkeiten

Für dich, der Schutz bei einer suchte,
die allzu ängstlich war und voller Sorgen,
für dich sumn ich ein Wiegenlied,
zwischen Nacht und Morgen

Tove Ditlevsen, Abhängigkeiten

Letzten Endes bedeutet es gar nicht so viel, was man erzählt solange man sich gut versteht.

Der dritte Band der Autobiografie von Tove Ditlevsen haut mir rein in alle Glieder und in das Gemüt.

Lebensticker

Karsamstag. Andere nennen es treffender Care-Samstag. Ohne Sorgearbeit funktioniert das Leben nicht.

Hab Wäsche gewaschen und kurz darüber nachgedacht, ob das gesellschaftskonform ist. Nicht, dass es in der Karwoche so merkwürdige Regeln analog zu den Raureifnächten gibt und ich aus Versehen euer gutes Karma zerstöre und wir landen gleich in der nächsten Pandemie oder ohne Umwege auf dem Wüstenplanet.

Meine Recherche hat keine karmaschädigende Hinweise gegeben, also hab ich gleich die nächste Maschine gewaschen und sie auf dem Balkon in den Wind gehängt.

Schäfchenwolken kündigen nun polares Unheil an.

Es ist kalt, ihr Blümchen. Es ist eisekalt.

Journal02042021

Karfreitag. Oder einfach nur der Beginn von vier Tagen freie Zeit. Frohe Zeit. Vorbei schielen an Infektionszahlen, Impfquoten und schrägen Politikzitaten. Aus- und einatmen.

Sonne und Wind aufnehmen. Lesen und Leben. Futtern nebenbei.

Leise glücklich sein.

Bildbeschreibung: Blühende Magnolie vor blauem Himmel mit Baumhaus

Journal29032021

Vollmond vorbei. Frachter schippert wieder. Fast 9.000.000 Erstimpflinge. Die dritte Welle rollt. Ich übe mich im Twitter-Fluch und bedaure meine eingeschränkten Voodoo-Kenntnisse.

Bildbeschreibung: Vollmond über den Häusern und den Bäumen im Park, die Lichter spiegeln sich im Teich

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