Wa(h)re Gefühle

„Wie kann das menschliche Handeln gleichzeitig zunehmend rationalisiert und emotional intensiviert worden sein?“

Wa(h)re Gefühle – Eva Illouz

Paris is burning

Großartige Dokumentation auf Netflix. Sie zeigt die historischen Hintergründe der Serie Pose. Atem anhalten und anschauen.

Fensterblick

Die Sonne geht über dem Bornheimer Hang auf. Blutrot am Horizont. Das Versprechen eines wunderschönen Tages.

Journal15022019

Ein schwarzes Loch tut sich auf am Horizont. Mit ungeheurer Kraft zieht es mein Leben an. Noch stemme ich mich dagegen, aber um mich herum wird alles in den Strudel rein gezogen.

Naturgesetze, die zu akzeptieren sind.

Einmal gesagt und für immer verinnerlicht. Den größten Unsinn in mir verfestigt. Ein sozialer Klos im Hals und im Gedärm.

Es ist Zeit, sagen die Stimmen im Kopf. Es ist Zeit, dich neu zu schütteln. Komplett umzurühren.

Journal13022019

Nur selten nützt es recht zu haben, wenn man miteinander auskommen muss.

Alte Weisheiten wieder ausgepackt. Ich bin eine große Rechthaberin. Nachdrücklich und eindrücklich. Aber dankenswerter Weise profitiere ich von einem Einsichts-Gen, leider eins mit Spätzünderantrieb.

Journal12022019

Das Leben hat mich hinterrücks gepackt. Mich geschüttelt und vergessen um zurühren.

Ich danke.

Für alles was war.

Und ich hoffe, für das was kommt.

Weichen

Wörter weichen
bis sie zart werden und sanft
eine neue Farbe erhalten
einen neuen Duft ausströmen
bis sie wörtlich werden

Sätze lüften
nach draußen in den Wind damit
sie flattern und verdrillen sich
kühlen aus und hängen

bis ich sie zusammenfalte

Journal10022019

Das törichte Herz kichert leise in sich hinein.

Das Wetter ist trostlos. Ziemlich aufsässig. Darin gleicht es meinem Herzen. Weiß ich doch längst:

Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.

Journal09022019

Zu viel Melancholie ist nicht öffentlichkeitstauglich.

Die Melancholie ist die kleine Schwester des Weltschmerzes. Beides sind großartige Lebensverstärker, die unter ihrem schlechten Ruf leiden.

Sie werden oft im Dunstkreis ihrer weit entfernten, toxischen Verwandten, der Depression vermutet. Aber die macht alles platt und würde die beiden nie in ihrem Viertel dulden.

Journal08022019

Heute überraschend festgestellt, dass ich länger bei meinem Arbeitgeber beschäftigt bin, als mein Leben aller Voraussicht nach noch dauern wird.

Überhaupt lässt sich der Ablauf der Lebenszeit in erstaunlich vielen Maßstäben beschreiben. Alle laufen auf das Gleiche hinaus: zum Alter hin wird die Endlichkeit des Lebens immer unfassbarer. Mit dem Näherrantreten an den Tod geht Übersicht verloren. Nur die Präsenz, die ist spürbar.

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