Journal25112022

Sachstand: Mitten in der Bürokratiehölle zusammengebrochen.

Aussicht: Ohne professionelle, rechtliche Unterstützung geht es auf keinen Fall weiter.

Ich sammle meine mentalen Splitter ein. Soviel zerbrochen.

Bin nicht sicher, ob das ein Unfall oder ein Unglück ist.

Aufstehen und Krone richten.

Weitergehen.

Bei mir bleiben.

Was war das?

Journal19112022

Ich sah die Kraniche ziehen!

Es beginnt immer damit, dass ihr Lärm sich in mein Bewusstsein drängt. Sie sind laut. Was ist so laut? Obwohl ich jedes Jahr sehnsüchtig darauf warte sie ziehen zu sehen, geschieht es meistens unverhofft. Aus dem Nichts heraus. Ich dachte schon: Dieses Jahr hast du Pech. Sie sind weg. An anderen Orten waren sie schon. Du hast sie verpasst.

Aber heute morgen auf dem Heimweg vom Einkauf hörte ich plötzlich ihre Schreie und nahm sie erst nicht bewusst wahr. Dann sah ich endlich in den Himmel und da flogen sie. Hoch oben. In ihrem anmutigendem V. Da bleibt nur noch stehen zu bleiben und mit offenem Mind zu staunen. Was für ein Anblick.

Was für eine Erhabenheit.

Ich sehe die Kaniche ziehen.

Journal18112022

Die schweigsamen Tage halten an. Novembertrüb.

Jede einzelne Entscheidung wiegt schwer. Ja, nein, vielleicht. Nein doch nicht.

Journal11112022

Ich ziehe meine Kreise eng und enger. Konzentriere mich auf das was geht und ärgere mich, dass die Arbeit einen Raum in meinem Leben einnimmt, der ihr nicht zusteht. Irgendwann hab ich nicht aufgepasst und hab mehr von ihr in mein Leben gelassen, als mir gut tut. Ein systemischer Fehler. In meinem Fall wenigstens mit Geld gegengewichtet.

Seid gegrüßt und lasst euch treiben!

Journal06112022

Schlimmer Traum mit vielen durchdringenden Schreien. Es waren die Tiere, die schrien voller Verzweiflung. Passt zur Weltuntergangsstimmung, hängt aber wahrscheinlich eher mit den Allergiemedikamenten zusammen.

Ich fühle mich schweigsam.

Mehr Gefühle als Worte in mir.

Möchte die Welt durchschütteln und zurechtpusten.

Eigentlich wäre das doch alles nicht so schwer. Wir haben alles, was wir brauchen. Nur nicht überall da, wo es gebraucht wird.

Journal02112022

Die neue Abwanderungswelle von Twitter rollt. Seit 2018 bin ich gelegentlich auf Mastodon zugange. Mittlerweile kennen wir das Ritual. Ein Auslöser in der Welt der großen Giganten schickt uns in die weite dezentrale Welt der Homemade-Server, die Blase legt fleißig Accounts an, aber dann spielt die Musik halt doch wieder bei den Bösen. Dieses Mal belebt sich das Fediverse* bunt und fröhlich. Es sieht so aus, als bleibt dort mehr hängen.

Twitter wird damit nicht ersetzt. Aber mir war der Gedanke immer unheimlich, dass dort das Netzwerk immer an einen Faden hängt. Falls der abgeschnitten wird, dann bleibt eine Leere. Das passiert oft den Frauen, die sehr sichtbar, sehr politisch sind. Ich bin seit April 2008 auf Twitter und habe dort so viel erfahren und gelernt. Hab kluge Leute getroffen, in Welten geschaut, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Hab mir bewusst eine Wohlfühl-Timeline zusammengestellt und hatte fast nie schlechte Erfahrungen gemacht.

(Bis auf ein Ghosting der besonderen Art, darüber schreibe ich vielleicht, wenn es nicht mehr schmerzt.)

Ich finde es jedenfalls sehr angenehm noch einen weiteren virtuellen Wohnort zu haben. Das passt ganz gut. Und dann warten wir mal ab, was dieser irre Elon Musk noch alles so anstellt.

*Fediverse: Fediverse (ein Kofferwort aus „federation“ und „universe“) oder Fediversum bezeichnet ein Netzwerk föderierter, voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke, Mikroblogging-Dienste und Webseiten für Online-Publikation oder Daten-Hosting.

Journal24102022

Satz mit X. Das war wohl nix.

So sagten wir als Kinder. Meine ganze Hoffnung steckte in diesem Termin, der einfach nur verpuffte. Abharken. Von dieser Seite ist also wie befürchtet keine Hilfe zu erwarten. Einen Augenblick lang war ich platt und am Boden zerstört, aber dann wuchs in mir wieder etwas an. Es war als würde ich all die Verzweiflung der letzten Tage zusammenkehren und mich besinnen, dass ich es auch so schaffen kann. Ich habe mich, ich habe ein paar Anlaufstellen, die sich zwar fachlich so speziell nicht auskennen, die mir aber wohlgesonnen sind. Das ist eine gute Basis. Schlimmer wäre es gewesen, wenn meine Odyssee mit so einem Termin begonnen hätte, wie er heute gelaufen ist.

Ich packe meinen Rucksack und lege eine Portion Hoffnung hinein. Ein Paket Zuversicht und Zuvertrauen.

Das wird schon. Vielleicht anders als geplant, aber das wird schon.

Journal20102022

Die Ärztin zuckt bei der Kontrolluntersuchung zusammen. Kein beruhigendes Zeichen. Helfen kann sie nicht. Warte immer noch auf den Facharzttermin während die Krankheit in meinem Mund eskaliert.

Bitte an die Mitlesenden nicht zu viel Ungutes hineinzulesen.

Es gibt Schlimmeres und ich bin mit dieser Krankheit noch nicht vertraut und suche noch. Muss lernen mit der Krankheit umzugehen.

Außerdem lebe ich mit der Philosophie: Jammern hilft.

Dank dem Dringlichkeitscode hat das Warten ein überschaubares Ende. Ein bisschen Glück brauche ich trotzdem. Hoffe dass ich kompetente Hilfe finde.

Ausgehaucht

heute
und nicht nur heute
atmet es sich schwer
leichter wäre es
wenn die Luft dünner wäre
hauchzart
hauchfein

ein Hauch von Leben
ausgehaucht

Journal13102022

Neu dazugelernt: Es gibt einen Dringlichkeitscode, der auf dem Überweisungsschein ausgestellt sein muss. Damit kann man einen dringenden Facharzttermin über das System 116117 ausmachen. Also noch mal zum Arzt und den Code besorgen.

Mir fällt es schwer, mich zu konzentrieren. Die Gedanken jagen in die Zukunft, durch die Vergangenheit, schlagen Purzelbaum und schießen wie eine Rakete in den fernen Horizont. Sie führen ein Eigenleben ähnlich wie es diese Krankheit mit mir macht. Ich bin weit davon entfernt, ihr ein stabiles Grundgerüst entgegenzusetzen.

Weiter dazugelernt: Wie sehr es nervt, wenn Fragen zur Krankheit gestellt werden, die ich noch nicht beantworten kann. Noch mehr nervt es, wenn gutgemeinte Ratschläge mir Handlungsaufforderungen mitgeben. Es fällt auf, dass Gesprächspartner*innen keinen Stillstand beim Sachstand dulden. Da wird wild spekuliert, was jetzt zu tun ist und falls das nicht, dann das. Kein Fortschritt? Das kann nicht sein.

Vielleicht sprechen deshalb viele Menschen gar nicht über ihre Krankheiten oder Diagnosen. Das Gegenüber, das gerade sachlich einen Informationsstand erhalten hat, fühlt sich dazu berufen „Diagnose und Behandlungsstrategien“ zu verkünden und (ganz wichtig) einzufordern.

Einerseits ist das witzig, weil es abstrus ist, andererseits trifft es auf eine verunsicherte Seele, die sich gerade sehr schützen muss, um zu heilen.

Sich in andere Menschen hineinzuversetzen ist keine Kernkompetenz in unserer Gesellschaft. Das erklärt auch viele andere Probleme, die wir im Moment haben.

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