Journal20260220

Der alte Baum vor meinem Haus ist umgefallen. Die Last des gestrigen Schnees hat ihn zu Boden gedrückt. Es sieht traurig aus, wie er jetzt so hilflos auf der Wiese liegt und die Äste ganz verdreht zum Himmel streckt. Im letzten Jahr war es die alte Weide, die abstarb. Sie stand monatelang kahl und aufrecht, ehe sie professionell gefällt und abgetragen wurde. Auch da war ich schon traurig. Die Weide war mein Lieblingsbaum. Ich habe sie immer bewundert. Im Frühjahr, wenn sie langsam ihre Gestalt annahm. Im Sommerwind, wenn sie fast tanzte, im Winter mit ihrer schönen Silhouette. Jetzt gibt es sie nicht mehr. Irgendwer hat einen neuen Baum gepflanzt. An einer anderen Stelle, keine Weide. Nicht mein Baum, denke ich jedesmal beim Vorbeigehen. Du wirst nie mein Baum sein.

Jetzt, wo der alte Baum auch noch gestürzt ist. Bin ich wieder traurig.

Aber es wird neue Bäume geben. Vielleicht ist einer dabei, der mit meiner Seele spricht. Wie die alte Weide.

Leise

leise, leise
leise, bitte nicht so laut


leise, leise,

ich lausche,
was die Seele wispert
leise, bitte
ich hör sie leise summen


leise, hörst du nicht?

Wintertage

Mitte Februar ist zu früh, um aufzuatmen. Der Winter ist noch nicht durch, aber trotzdem lässt sich der Frühling ahnen. Die Luft, das Licht. Überall findet sich eine Ahnung von Vorfrühling. Die Vögel sind übermütig. Noch nie kamen so viele verschiedene Arten zur Fütterung auf den Balkon. Dabei bin ich diesen Winter extrem vorsichtig mit dem Futter umgegangen. Es gab eine strickte Meisenknödel-Diät, weil die Tauben sonst zur Plage werden.

Bald werde ich meine Koffer packen und dem Frühling einfach ein Stück entgegen fahren. Ein Tag. Eine Nacht. Ein Tag. Bis ich im Süden angekommen bin.

An Kuba denken

Es ist 12 Jahre her, seit ich mich zum ersten Mal auf den Weg nach Kuba machte und dort liebe und freundliche Menschen kennenlernte. Inzwischen hat sich deren Leben komplett verändert. Die, die überhaupt noch dort sind, sind einsam, weil so unvorstellbar viele schon weggegangen sind. Und von Tag zu Tag werden die Lebensbedingungen härter und härter. Den Lebensunterhalt zu organisieren ist eine Herausforderung.

Ich weiß, Kuba ist nicht das einzige Land, das leidet. Aber das tröstet nicht. Es ist einfach zu viel Leid. Und so wenig Hoffnung in Sicht.

Sie halten durch

Gelbe Winterlinge im Schnee.

Die gelben Winterlinge halten durch und lassen sich nicht unterkriegen. Hinter dem Haus blühen die Schneeglöckchen in dichten Bücheln.

Ich bleibe und ich blühe.

Kann es ein besseres Statement geben?

Checklisten

„Mein Leben fühlt sich an, wie eine nicht enden wollende Todo-Liste. Oder eine rotierende Checkliste zum Abhaken.“ Das schrieb ich vor vielen Jahren in mein Tagebuch. Heute habe ich Mitleid mit meinem Vergangenheits-Ich. Wie verstrickt ich in meine fremdbestimmte Arbeit war! Auf gute und auf schlechte Art. Die gute hat mich weiterentwickelt, die schlechte krank gemacht. Es kam sicher selten vor, dass mir das so bewusst war, wie in diesem Moment, als ich diesen Satz von oben aufschrieb. Wahrscheinlich fand ich das kurze Zeit nach dem Aufschreiben schon wieder übertrieben und pathetisch. Bestimmt.

Wie müde ich damals war.

Überheblichkeit

Ich habe einen Fehler gemacht. Eine Fehleinschätzung aus Überheblichkeit. Gleich zwei Vorurteile schlugen so vollständig durch, dass ich erst nach vielen Jahren merke, dass ich mich täusche. Und wie!

Das erste Vorurteil war, dass ich jemanden aus Altersgründen die Kompetenz nicht zugestand, die sie hatte. Zu jung, um kompetent zu sein. Am liebsten würde ich jetzt an dieser Stelle dreimal hintereinander schreiben: So bin ich sonst nicht.

War ich aber. Und weil ich das nicht wahrhaben wollte, hat es so lange gedauert, bis mir mein Fehler bewusst wurde.

Das zweite Vorurteil bestand darin, dass ich glaubte, ich wüsste ganz genau, worin die von anderen zugeschriebene Kompetenz besteht. Ich hatte eine klare Vorstellung davon, auf welchem Qualitätslevel sich diese Kompetenz bewegt und das war mir nicht hoch genug. Zu diesem Urteil kam ich ohne Überprüfung. Ich wusste es einfach.

Meine Überheblichkeit hat mich also von zwei Seiten so eingekeilt, dass sie ziemlich fest saß. Das macht mich irgendwie fassungslos, aber ich muss auch ein bisschen über mich selbst lachen. Klassischer kann eine nicht in der Vorurteilsfalle sitzen.

Zum guten Schluss, kann ich mir anrechnen, dass ich es jetzt nach Jahren der Fehleinschätzung selbst gemerkt habe, was für seltsame Schlüsse ich da zog.

Eine Warnung an mein Zukunfts-Ich. Ab und zu mal auf Überheblichkeit prüfen, kann nicht schaden.

Journal20260213

Vor kurzen teilte ich den Link, der die Mails der Epstein Files als Postfach aufbereitete. Heute habe ich eine Adresse gefunden, die die Files übersichtlich durchsucht. Ich hoffe sehr, dass da viele noch sehr lange und intensiv recherchieren.

Stress als Statussymbol

Mein Geschenklink für euch zum Artikel bei den Krautreportern.

Was für eine blöde Idee: Stress als Statussymbol

Faulheit ist das Recht zu existieren, ohne zu produzieren, noch nicht einmal schöne Gedanken. Und ohne schlechtes Gewissen.

Wege

Wege finden
ist nicht meine Begabung.
Mir trat das Leben nie
entgegen.


Ich habe mich verirrt
und war doch nie allein,
nur verwundert,
dass die anderen
so weit
vom lichten Gelände abkamen.


Nie einen Weg
frei gehauen,
nicht einmal mit Werkzeug.
Warum auch –
wer weiß schon,
welcher trägt.


Ich blieb ängstlich.
Ohne Pose von Kraft.
Ohne das Dröhnen von Mut.


So nicht.
Zum Glück.

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