Journal210220

Manchmal weine ich sehr.
Nur für mich.
Und die Welt.

Hanau

Es nimmt kein Ende. Wie auch. Sie bereiten den Boden gründlich und systematisch. Auf allen Ebenen. Die faschistische Saat geht auf. Die rassistischen Hasser morden. Die Frauenfeinde bringen sich in Stellung.

Die Morde des NSU, die Anschläge in Halle und Hanau, der Mord an Lübcke. Alles die gleiche Saat.

Dazu jahrelang ein problematischer Leiter des Verfassungsschutzes, für dessen Htung niemand die politische Verantwortung übernimmt.

Heute ist ein trauriger Tag. Gestern war ein trauriger Tag an dem so viele junge Menschen nicht mehr nach Hause kamen.

So viele junge Menschen, die nie wieder nach Hause kommen.

Irgendwie jüdisch schreibt dazu.

Vogel-Futter-Bar

Ich bin die, die Euch immer auf die falsche Fährte lockt. Die, die die Nähe in die Ferne rückt.

Bildbeschreibung: Drei Blumentöpfe, zwei mit Wollmützenverkleidung hängen zusammen mit drei Nussstangen, Meisenringen und einer Vogelfuttersäule an Claudias umstrickten Balkon.
Im Hintergrund kahle Bäume mit Efeu.

Ich bin die, die nicht nur ihre Vogel-Futter-Bar nie im Instagram-Style präsentiert.

Ich bin die, die langsam vor dir hergeht und zum Himmel schaut.

Nachtrag: Hab bei Selim Özdogan ein schönes Zitat aufgesammelt.

Herz ist wie ein Notausgang. Lässt sich nur von innen öffnen.

Tausend Zeilen Lüge

Bildbeschreibung: Cover des Buchs „Tausend Zeilen Lüge“ von Juan Moreno mit dem Untertitel „Das System Relotius und der deutsche Journalismus“

Juan Moreno deckt die Lügengeschichten des preisgekrönten Reporters Claas Relotius auf und riskiert dabei um ein Haar seine Karriere und seine Existenz. Der Autor beleuchtet ein System der Eitelkeiten, der Miteinander-Verbandelten. Nebenbei und ungewollt erzählt das Buch auch eine Geschichte über Alltagsrassismus in Deutschland. In deutschen Medien.

Es dreht sich um ein Stück Zeitgeschichte bei dem niemand eine gute Figur macht. Niemand will die Lügen oder die Fälschungen aufdecken. Die Wahlheit ist zu wenig pittoresk für die Reportage im Gesellschaftsressort.

Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig man Juan Moreno glauben wollte. Wie sehr er nachlegen musste. Immer mehr riskieren, weil nicht sein darf, was nicht sein soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Kollegen diesen brisanten Weg gegangen wären. Es ist hoffnungslos, wenn alle des Kaisers neue Kleider loben und du alleine seine Nacktheit kritisierst.

Der Skandal kam zur Unzeit auf. Zu einer Zeit in der Medien eine vertrauensvolle Säule der Demokratie sein müssen, stürzte ein Medienhaus über seinen eigenen Ehrgeiz.

Juan Moreno hat das großartig aufbereitet.

Signalstörung

In der Nacht spielte der Wind mit allem was er finden konnte. Keine großen Schäden, aber die Gärten sahen aus als hätte ein großes Kind Unordnung gemacht. Ich hab nichts davon mitbekommen: hab tief und fest geschlafen.

Versuche mir die Sorgen aus dem Laib herauszuschlafen.

Signalstörung auf der Rückfahrt. Vielleicht eine Metapher für mein aktuelles Lebens?

Bildbeschreibung: Blick aus dem Zugfenster auf die Gleise, Rückseite einer Häuserreihe vor grau verhangenem Himmel

Journal16022020

Der Weg findet sein Ziel.

Der Februar trägt den Duft des Frühlings mit sich. Unaufdringlich und nachdrücklich. Wir leben in getrennten Welten, keine von uns wurde je nach ihrer Erlaubnis gefragt. Der Weg sei das Ziel, hat man uns gesagt.

Das Ziel kennt den Weg so viel besser als ich.

Draußen

wenn der Blick
zu den fremden Fenstern
steigt
sucht er immer
das Licht
das den Menschen
verrät

Dunning-Kruger-Effekt

Als Dunning-Kruger-Effekt wird die systematische fehlerhafte Neigung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen bezeichnet, das eigene Wissen und Können zu überschätzen.

Journal14022020

Valentinstag –

Ich schenke dir den Vogelgesang, der morgens vor meinem Fenster erklingt. Das Rauschen der Bäume im Wind und das Licht über dem Riederwald.

Das Wochenende startet in diversen Grautöne, ich sortiere die möglichen Reiseverbindungen. Anreise mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen im Sternfahrtformat.

In meinen Rucksack packe ich das Nötigste und wie immer erstaunt mich das Ausmaß, der Notwendigkeit.

Heute vor elf Jahren war die Welt eine andere. Verschneite Zeiten.

Zwei Gründe

Es kann zwei Gründe haben, wenn Menschen über ein bestimmtes Thema schweigen. Mein Vergangenheit-Ich philosophiert vor sich hin. Im Großen wie im kleinen.

Ich wache zu früh auf. Viel zu früh. Mit der kindlichen Freude, dem ErwachsenenLeben ein paar Stunden Unbeschwertheit abzuluchsen. Unter der Decke, im Dunkeln lesen. Den Gedanken nachgehen. Die Wolken draußen erahnen. Sie ziehen davon. Der Wind treibt sie weg. Aber es gibt Nachschub. Es wird dauern bis die WetterGöttinnen den Spaß an diesem Spiel verlieren.

Manchmal gibt es Tränen.

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