Alltagsgedicht

wenn es mir doch gelänge
in Pausen zu dichten
beim Ausatmen
und zwischendurch

wenn es mir doch gelänge
in den Zwischenräumen
zu schreiben

ganz leise nur


doch mit Platz
für mich

Journal13072019

Der Falter erschreckt mich. Warum wählt er nicht die friedliche Methode? Raus aus dem Zimmer und zurück zur Natur? Es hätte so einfach für ihn sein können. Aber er wollte diesen Weg nicht wählen. Was blieb mir nun anderes übrig?

Ich hoffe, die kühle Luft draußen tut ihm jetzt gut und er erholt sich bald wieder. Falls er ein trockenes Plätzchen fand unter triefenden Bäumen.

Journal12072019

Die Erkältung hab ich weggeschlafen. Mich tapfer in den letzten Arbeitstag geworfen. Selbstbild der letzten Tagen ziemlich abgegriffen. Der Fels in der Brandung, die ruhige Person am Horizont, zu der alle aufsehen.

Das Alter bringt einige Begleiterscheinungen mit sich. Würde im Glammerpack. In der Glitzerausgabe.

Der Triumph der grauen Haare.

Aufstieg mit der Rolltreppe am Hauptbahnhof in Frankfurt.

Journal11072019

Bin müde. Der Hals brennt. Die Nase schnieft.

Morgen ist auch noch ein Tag. Zum Glück bald Wochenende. Jahrestag Nummer sechs der Schlüsselübergabe.

Journal10072019

Die Museumsufercard eingesetzt und das Liebieghaus besucht. Keine Fotos. Manchmal bin ich klickfaul.

Dieses Jahr viel zu selten im Museum gewesen. Große Träume, die sich kaum umsetzen lassen. Kleinere können noch tückischer sein.

Über den Main gelaufen mit dem Gefühl frei zu sein. Freiheit unter dem blauen Himmel. Sommerzeit.

LieblingsSehnsuchtszeit.

Journal08072019

Der Termin für die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für das nächste Jahr ist raus. Schnell wollte ich die Buchung für die Übernachtung vornehmen, damit es mir nicht so ginge, wie in diesem Jahr. Beim Anblick der Preise wird mir ganz schummrig. Will ich das wirklich, frage ich mich? Die Hotelpreise liegen doppelt so hoch wie vor vier Jahren. Will ich das wirklich? So viel Geld ausgeben für eine kurze Reise, die ich im jeden Jahr in ein enges zeitliches Korsett drängen muss, damit An- und Abreise mit dem Zug sich eng in meinen beruflichen Rahmen schmiegen. Bisher habe ich es immer bejaht und die Anstrengungen der 12-stündigen Hin- und Rückfahrt auf mich genommen. Mit Freuden.

Aber bei diesen Preisen kann ich das nicht mehr. Es ist ähnlich wie damals bei der re:publica. Klar, könnte ich es mir leisten. Würde ich auch gerne. Aber da ist eine Schamgrenze zur Dekadenz. Das kann ich dann echt nicht mehr machen.

Für die Alternative auf Komfort zu verzichten und Mehrbettzimmer oder andere Ungemütlichkeiten auf mich zu nehmen, bin ich zu alt. Und zu unwillig.

Es gibt da so eine dünne Prinzessinnenlinie, die ich nicht überschreiten mag. Da könnt ihr euren Glitzer halt für Euch behalten. Ich hab keine Lust mich mit ins Land der unbeschränkten Geldströme abtreiben zu lassen.

Aus die Maus.

Schade.

Journal07072019

Im Moment ist die Zeit besonders flüssig. Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart schwappen ständig ineinander und vermischen sich. Von allem ist etwas da. Ausreichend in der Kategorie, Gegenwart und Zukunft. Im Überfluss in der Kategorie Vergangenheit.

Erinnerungen werden mit steigendem Lebensalter zu einem Schatzkästchen. So viel Lebenszeit in Träumen abgespeichert. So viele Geschichten. Mit Tränen, Lachen, Schmerz und Leid.

Journal05072019

Eine Zeitreise. Über die Vergangenheit in die Zukunft hinein gerasselt.

Das Leben mit Erinnerungen überhäuft. Jeder Bahnhof eine Geschichte. Ganz für sich. Manchmal so schnell verblasst.

Journal04072019

Schöner Tag. Schönster Tag.

Ja, gebe ich ihm einfach den Titel “schönster Tag“. Wird noch andere gegeben haben, aber er ist mir mit seinem tiefen Glück so nahe, dass ich ihn nicht in eine Rangfolge stellen will.

Es ist unser Sommer. Ganz eindeutig. Geschenkte Zeit. Exklusiv für uns. Ein Lebensgeschenk. Das Schicksal meint es gut mit mir und ich weiß es zu schätzen. Mit jedem Atemzug.

Mein Glück. Mein Leben. Meine Liebe.

Der Sommer ist die Jahreszeit des Erntens. Hier und heute wurde viel geerntet.

Ich zweifle daran

„Ich zweifle daran, dass Arbeit den Menschen edelt und bei Frauen halte ich das für absolut ausgeschlossen. Deshalb handelt der Roman von der Unlust zu arbeiten, von dem Schrecken, sich denLebensunterhalt verdienenzu müssen, ein Ausdruck, der an sich schon verabscheuungswürdig ist.“

„Im Übrigen glaube ich ohnehin, dass schreiben für den, der das Schreiben liebt, nie Zeitverschwendung ist.“

“ … denn die literarische Fiktion ist gerade dazu da, die Wahrheit zu sagen.“

Zitate aus Frantumaglia von Elena Ferrante

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