Schattendasein

Urlaubsliebe
große
die

Unverhofft und unverdient.
In den Schoss gefallen.

Nicht nur sprichwörtlich.

Die Kirche im Hafen

Die Kirche im Hafen von Llanca. Als wir sie zum ersten Mal sahen, fuhren die Autos noch ganz nah an ihr vorbei. Erst später wurde mehr Platz für sie gemacht.

Auf den alten Fotos bot sich ein komplett anderes Bild: da war sie von Weinreben umgeben.

Weinreben gibt es hier nicht mehr.

Heute Abend sah ich zum ersten Mal in meinem Leben den Mond – den Vollmond – am Horizont und direkt aus dem Meer aufgehen.
Mein Freund der Mond. So strahlend hell.

Gelernt habe ich heute auch etwas: dass es ein Forschungsgebiet gibt, das die Gefühle der Vergangenheit erforscht.
Dass die Zeit in der wir Leben auch einen großen Teil der Gefühle bestimmt.

Wusste ich nicht.
Dieses große Meer der Umwissenheit in dem wir doch immer wieder schwimmen.

Journal23092018

Sommer is over.
Der Herbst beginnt.

Hier in Llanca zeigt der Sommer aber noch mal, was er zu bieten hatte.
Ich halte mit meinem Kühlakku dagegen. Nicht mal dem Meer gelingt es mich abzukühlen. Meine innere Flamme entzündet die Atmosphäre und alles was um mich herum wächst und gedeit.

Journal22092018

Wochenendstimmung in Llanca. Kombiniert mit Sommerende-Feeling. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in all den Jahren so eine sommerliches Vorsaison und Nachsaison-Atmosphäre hatten.

Bei mir ist jetzt auch angekommen, dass PKWs nicht mehr überwiegend dunkel sind. Der Mittelstands-PKW trägt nun ein stolzes Weiß. Wann ändern sich solche Äußerlichkeiten eigentlich? Und wie? Ich merke das ja immer erst, wenn die Welle überschwappt.

Auch der Mond trägt weiß. Das allerdings schon seit einer Ewigkeit.
Weiß steht ihm ausgesprochen gut.

Das Meer spiegelt in der Nacbt das weiße Mondlicht in all seiner Pracht.

Es ist genug Licht für alle da.

Wenigstens das.

Journal21092018

Hier ist Zeit nachzudenken und nachzufühlen.
Aber ich halte nur ständig den Atem an. Da rollt eine kackbraune Welle auf uns zu. Voller Abscheu, voller Aggression.

Wie kann es sein?, frage ich mich.
Ich frage mich das ganz ernsthaft – wie kann es sein, dass die SPD vergisst, dass rechts das Auge nie blind sein darf? Verkauft und verloren.

Woran halten sie nur fest? Die Demokratie wankt und schwankt.
Mir wäre lieber, da gäbe es mehr Vertrauen.

Die, die unter so vielen lieblichen Fähnchen ihren Sorgen ausbreiten, wissen ganz genau wohin mit ihrem Hass. Es reicht ihnen nicht eine Wahl zu gewinnen. Es reicht ihnen nicht die Deutungshoheit an sich zu reißen.
Sie wollen alles und noch viel mehr. Aber so funktioniert Demokratie nicht. Wer sie wählt, wählt die Demokratie ab. Wählt Hass und Gewalt. Wählt Blut und Verderben.

Alles spricht dafür, dass sich die Fehler der Geschichte wiederholen.

Würdet ihr euch bitte widersetzen!

Journal20092018

Es liegt ein Hauch von Streik in der Urlaubsluft, der die Ruhe etwas stört.
Reiserouten werden gesucht, gefunden, verglichen, verworfen, angepasst.
Viel zu früh. Ganz sicher ins Blaue hinein.

Für alles gibt es hier eine Kennzahl. Selbst das Lebensglück ist zahlenabhängig. Aber ich glaube nur bedingt an die Macht der Zahlen. Wenn sie mir nicht gefallen, tausche ich sie gnadenlos aus.

Eine Reizzahl im Jahr 2018 ist die 30 und ihre Geschwisterchen. Die üblen Kleinen. Die hartnäckigen Drahtzieher konsequenten Herzpumpens.

Journal19092018

Die Katalanen hinterlassen ihre gelben Schleifen überall. Riesengroß am Berg im Stil einer Inschrift, zu Hunderten an den Zäunen, an das Rever bzw. die Brust geheftet bei den Alten. Selbst aus dem Altenheim rollt ein Elektrorollstuhl mit der katalanischen Flagge und einem fidelen Schleifenträger.
Das Thema ist also noch lange nicht durch.

Es ist warm in Llanca und ich habe mir zusätzliche Hände bereitgelegt. Eisgefüllte Handschuhe, die mir als Kühlakkus dienen. Selbst bei 27 oder 28 Grad gelingt es mir nicht mehr mich ohne Hilfsmittel runterzukühlen. Jetzt verfüge ich über groteske kalte Zusatzhände.
Das Leben wird bizarr im Alter. Darauf hat mich nie jemand vorbereitet.

Llanca in Wolle

Jedes Mal wenn ich nach Llanca komme gibt es dort andere wollige Kunstwerke im öffentlichen Raum. Dieses Jahr ist es eine riesige gehäkelte Landkarte der Region. Hier auf dem Foto ist nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen.

Umgestellt

Zwei Tage Llanca und mein Körper und Geist sind umgestellt. Heruntergefahren auf einen Modus, der mir gut gefällt.
Leise, langsam, innig.

Den „Bungalow“ von Helene Hegemann las ich beeindruckt zu Ende. Irgendwie ist es das weibliche Gegenstück zu „Tschick“. Heftig, stark.
Es erzählt von Ängsten, Gewalt, alltäglicher Bedrohung. Einer Zukunft, die nichts Gutes bringt. Oder vielleicht doch?
Eine Gesellschaft, die auseinander rückt und doch in Sichtweite bleibt. Die Welt gerät aus den Fugen.

Ja, die Welt gerät aus den Fugen. Nicht nur in diesem Roman.

Der vertraute Blick


Der vertraute Blick in Llanca auf die Kirche. Am Freiheitbaum. Der ideale Platz zum Lesen.
Bungalow – von Helene Hegemann habe ich mir zum Einstieg ausgesucht. Ich ahne, worauf sie hinaus will.
Das aber hängt mit meiner Lebenserfahrung zusammen.
Ja, es ist gut das Millieu zu beschreiben. Sehr gut sogar. Weniger gut ist das das Millieu immer eine Rahmenhandlung bedarf. Es genügt nicht, dass die Armen arm sind und die Reichen reich. Das ist ungenügend. Immer bedarf es einer besonderen Begründung.

Als hätte es jemals eine Begründung dafür gebraucht arm zu sein.