Journal24082022

Unangenehme Arbeitsträume, die mich durchschütteln und packen. In der Nacht bin ich wehrlos und ausgeliefert. Die Angst zeigt vielfältige Maskerade.

Am Morgen dauert es lange, bis ich mich tröste.

Häusliches

einigeln

stacheliges Schneckenhaus

explosionsgefährdet

mit Glitzer gepudert

ein Heim für mich

Journal21082022

Niemand bleibt unversehrt. Alles Lebendige ist verletzlich.

Zwischenstand

Jetzt lebe ich eine weitere Woche zwischen den Welten. Zwischen den Weichen.

Am Tag nach der Operation ging es mir am Besten. Wahrscheinlich waren die Narkosmedikamente wirklich so beflügelnd wie von der Narkosepflegerin angepriesen. Danach ließen meine Kräfte nach. Ich war heilfroh, dass ich die ganze Bürokratie sofort hinter mich gebracht hatte, denn ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Ein seltsames Gefühl. Alle mentale Energie ausgelaufen. Wer bin ich ohne mentale Kraft?

Ich beobachte meine Wunden. Nicht mit Misstrauen, aber mit Distanz.

Nur nicht zu nahe kommen, nicht aus Versehen in der Weiche verheddern.

Nachts schlafe ich schlecht. Stundenlang liege ich wach, bis ich in eine schwarze Schlafgrube falle. Ich träume nicht.

Ich warte. Ich hoffe, ich bange.

Journal17082022

Eingeschlafen und wieder aufgewacht.

Ein mittiges Loch in den lädierten Körper gestanzt.

Geduld. Einfach weiter gedulden.

Bildbeschreibung: Blick ins Zimmer vom Krankenbett aus

Schritt für Schritt

Erster Teil des Wochenplans hinter mich gebracht. Die Voruntersuchungen, samt Bürokratie und Gedöns erledigt. Am Besten komme ich in diesen Situationen klar, indem ich auf Autopilot umstelle. Rumstehen, rumsitzen, warten und die Zeit vergehen lassen. Warten, warten, warten. Warten im Freien, Warten im Foyer mit Nummer, Warten im Wartezimmer, Warten auf dem Flur, Warten vor dem Aufzug, Warten vor dem Lagerraum. Manche sitzen zwischendurch auf dem Boden, so weit gehe ich nicht.

Zur Begrüßung reicht mir jemand heute morgen freudestrahlend den Umschlag mit den Unterlagen, die ich zwei Wochen lang vergeblich einsehen wollte. Ich grüße dankend zurück. Alle Wege führen irgendwo hin. Manchmal auch zu mir.

Wünscht mir Glück. Ich glaube ganz fest an die Macht der positiven Gedanken.

Kurz und knapp

Montag: Voruntersuchungen und PCR-Test

Dienstag: Isolation und am Nachmittag Bekanntgabe der Uhrzeit des OP-Termin

Mittwoch: OP-Termin mit Gewebeentnahme

Diagnose dauert dann mindestens eine Woche. Wie lange die Wunde zum Heilen braucht scheint nebensächlich zu sein, denn dazu gibt es keine Informationen.

Fühle mich gleichzeitig transparent, wehleidig, verloren, nervös, aufgeregt, empfindlich und ein kleines bisschen pragmatisch.

Journal11082022

Ich traue mich nicht mehr, hier in der Sammelmappe einen Mucks abzugeben.

Dabei wäre es so wichtig und notwendig für mich, mich an meine Angst heran tasten zu dürfen, ohne gleich wieder andere beschwichtigen zu müssen.

(Ich zähle die Tage, die Stunden. Bin nach einer vierzehntägigen Bürokratie-Parodie-Episode sogar mit einer Kopie meines Aufklärungsprotokolls versehen. Wünsche mir dringend eine Glaskugel, für die Nachsorgeoptionen. )

Journal02082022

Ich verliere den Mut und die Zuversicht, trauere und ehe ich mich versehe, fange ich mir die Hoffnung wieder ein.

Journal01082022

Countdown. Rückwärts zählen. Final Countdown wäre jetzt ein bisschen zu zynisch. Ich will ja die Hoffnung nicht verlieren und Zeit für die Dramaqueen bleibt immer noch.

Also: Konzentration, bitte.

Fokussieren sagen sie neuerdings dazu. Herausfinden, was wichtig ist für mich in dieser Situation.

Bisher ging es meistens um Gespräche. Weitergeben, was ich weiß und was ansteht. Nicht viel Informationen und doch ein Wumms. Erstmal.