verstummt

Die Sammelmappe ist vorübergehend etwas verstummt. Das liegt an der Kombination des Umzugs der Serverinfrastruktur meines Providers und der europäischen Datenschutzgrundverordnung.

Jetzt ist die Sammelmappe entschlackt und stubenrein, transparent und durchsichtig soll sie auch sein, aber ich kann das nicht testen, weil auf der neuen Infrastruktur das Zertifikat noch nicht gültig ist. Das kann noch eine Weile dauern, bis es von der Zertifizierungsstelle verifiziert wird. Unter diesen Umständen habe ich wenig Lust aufs Bloggen.

Eigentlich wollte ich mich nie anstecken lassen von denen, die immer gleich die Sinnfrage stellen. Von denen, die alles hinwerfen. Hier gibt es nichts zu werfen, denke ich mir.

Aber es gibt noch viel zu erzählen.

Und hier oder dort werde ich weiter machen. Erzählen. Für mich.

Besonders für mich.

so oder so

Wenig gute Stimmung, viel Handgepäck.

Was andere Menschen eben so in ihr Tagebuch schreiben.

letzter Tag

Selbstporträt Claudia mit Hut und Brille

Urlaubsgesicht

Mein Freund

Mein Freund der freche Spatz ist wieder da. Listig und anhänglich.

Ankommen und zurückkehren

Im Moment fühlt sich die Lebenszeit an wie im Schleudergang einer Maschine, die ganz unruhig läuft.
Langsam wird es ernst, denn die zu erlebende Zeit läuft eindeutig ab. Ihre Dehnbarkeit ist endlich. Außerdem ist längst klar, dass kein Mensch ausgeleierte Sachen mag. Nicht mal auf Lebenszeit.

Gerade die nicht.

Ich komme an und kehre wieder zurück. Was die letzten drei Jahrzehnte selbstverständlich war, gerät jetzt an meine Grenzen.

Vielleicht komme ich noch einmal an, aber zurückkehren scheint keine Option mehr zu sein.

Unbehagen

Wenn wir über Frieden reden, dann reden wir über etwas, das es nicht gibt.

So ähnlich hat das Astrid Lindgren in einer Rede mal gesagt. Als ich es zum ersten Mal las, erschrak ich heftig. Daran hatte ich vorher nie gedacht. Mein Wunsch, dass eine friedliche Welt möglich sein könnte, war immer so stark, dass ich Frieden als etwas ansah, das ganz nah bei uns ist. In meiner Vorstellung müssten wir uns nur alle ein bisschen recken und strecken, uns anstrengen und dann würde das schon klappen mit dem Frieden.
Da war ich mir ganz sicher.

Aber mit der Gewissheit, dass es Frieden nicht gibt, wird die Welt ziemlich unbehaglich.

Journal09052018

Den Schleier des Vergessens über mich legen. Auf mich legen.
Das wäre mir am Liebsten.

Verdammt, sie sollten mich hören, wenn ich leise spreche. Am liebsten: wenn ich bin.

Diese Lautstärke vertrage ich nicht. So schrill, so dumpf. So durchdringend.

Mich sichtbar und hörbar zu machen. Oh je, was für eine Aufgabe!

Aber wie sollen sie sonst wissen, was in dir ist?

Journal08052018

Sitzungstag. Da sind viele Dokumente zu unterschreiben. Jedes Mal setze ich zum Datum an und denke: der 8. Mai.
Der 8. Mai. Der Tag des langersehnten Ende des zweiten Weltkriegs. Der Untergang des faschistischen Reiches der Größenwahnsinnigen.

Geschichte wiederholt sich, heißt es manchmal. Sie wiederholt sich und bleibt trotzdem nicht gleich. Es ist gruslig daran zu denken, dass wir in siebzig Jahren nicht weitergekommen sind. Die dunkle Saat geht in der Finsternis auf.

Es sind schon wieder viel zu viele. Zu viele ohne Moral. Zu viel Grausamkeit.

Erhitzt

Geboren im Zeichen der Schnecke. Habe es nie geleugnet, dass ich einen Hang zur Langsamkeit in mir hege.
Ich denke langsam, ich fühle langsam, ich erlebe langsam und ich verändere mich langsam. Bis dann der Punkt des Wechsels des Aggregatzustands kommt. Dann kann plötzlich alles sehr schnell gehen und die Schnecke verwandelt sich in eine Traumtänzerin oder eine Bienenkönigin oder was auch immer.

Im Moment sieht es aber eher so aus als verwandle ich mich in geschmolzene Buttercreme. Die Hitze steigt in mir hoch und entgegen den Beschreibungen, die ich kannte, löst sie ein angenehmes Wohlbefinden aus.
Ich schmelze dahin und wieder zurück. Es fühlt sich sehr intensiv an. Sehr stark. Es passiert etwas mit mir, das Körper und Seele erfasst. Eindrücklich. Nachdrücklich.

Gestern las ich, dass es eine neue Theorie zu den Figurinen wie z.B. die Venus von Willendorf gibt. Diese kleinen Skulpturen sind die ältesten dreidimensionalen Menschendarstellungen und finden sich an weit von einander entfernten Fundorten. Es sind immer Frauen, immer ohne Kopf, immer sehr ausgeprägte Brüste und Bäuche. Jetzt sagt eine Theorie, diese Statuen könnten dadurch entstanden sein, dass die schwangeren Frauen diese Statuen als Selbstbildnis angefertigt haben, in dem sie an sich herunter schauten!

Was für eine Perspektive!
Und irgendwie ergibt es Sinn.
Ist einleuchtend.