Journal 03082018

Kein Ende, kein Ende.
Mit großer Verzweiflung sehe ich mir die Wettervorhersage an und frage mich, wie ich die Tage noch überstehen soll. Irgendwie sah es heute morgen noch so aus, als wäre es morgen etwas kühler. Aber nein, nein. Kein Erbarmen, keine Besserung.
Die Hitzehölle lässt mich nicht entkommen. Mit Selbstdisziplin ist ihr nicht beizukommen. Der Körper macht schlapp. Die Seele verzweifelt, das Gemüt schmilzt dahin.

Das Gejammere nervt und ich hasse es selbst, aber es entlastet wenigstens ein bisschen von dieser Verzweiflung.

Der Sommer meines Lebens findet also nicht im Freibad sondern in der Hitzehölle statt.

Journal 01082018

Zur Hitze ist alles gesagt und doch fehlt noch so viel.
Es geht weiter und weiter und weiter. Jenseits aller Arbeitsschutzbestimmungen beginnt und endet der Tag.
Wir machen weiter, ich leide weiter.

Jeden Tag ein wenig mehr.

Ein Ende ist nicht abzusehen.

Es ist einsam im heißen Land.

Freundschaften festigen

Vielleicht brauchen wir überhaupt mehr Freundschaftsrituale, die Freundschaften festigen. Ihnen Tiefe geben und dafür sorgen, dass sie gut verwurzeln können.
Allein so ein Artikel bringt Bewegung in unser Freundschaftsbild.
Da wir mit der sich verändernden Gesellschaftsstruktur in Zukunft mehr soziale Verantwortung über Freundschaften statt wie früher ausschließlich über Familie und Verwandtschaft abdecken müssen, sollten wir schon mal mit dem Üben beginnen.

Nachdenken über Freundschaft durch die Anregung eines Artikels, der die Sinnhaftigkeit des Standartsatzes auf Krisen der Freundinnen anzweifelt: „Melde Dich, wenn Du etwas brauchst.“

In vollen Zügen

Das Leben in vollen Zügen genießen. Die Bahn übertrifft sich mal wieder selbst mit ihren schlechten Nachrichten. Ein liegengebliebener Güterzug. Technische Störungen am Vorgängerzug. Ein Zugausfall aus undurchsichtigen Gründen. Eine Streckenänderung mit Verspätung, weil auf der Strecke ein Zug entgleist ist. Die Bilanz eines Wochenendes. Nur Hin und zurück auf eine Entfernung von weniger als 100 km. Keine Deutschlandtour oder Europa-Rundreise.

Ich trage es mit Anstrengung und Fassung. Immerhin: die Züge fahren und bringen mich hin.

Sie lenken ab von den Sorgen. Den Wolken, die über mein Leben ziehen. Der Lauf der Welt. Altbekannt und doch so anders, wenn die Mühlräder des Lebens dich und deine Nächsten erfassen.
Das Leben kann schmerzen. Kann das Herz sprengen.
Manchmal scheint es sich in Luft aufzulösen.

Auf festen Grund möchte ich weitergehen.
Immer vertrauend auf die Stimme, die mir die Vor- und Nachteile des eingeschlagenen Weges flüstert.

Journal 29072018

Einen mehrwöchigen Sommerschlaf würde ich gerne machen. Aufwachen, wenn das Thermometer wieder auf vernünftige 25 Grad sinkt. Der Blick auf die Wettervorhersage zeigt für die nächsten zehn Tage keinen Tag unter 30 Grad an. Die Hitzewelle rollt mich platt, bin zu nichts mehr zu gebrauchen.
Draußen zirpen die Grillen und die Autos sind laut, ein schwüler Hauch Luft findet den Weg durchs geöffnete Fenster.

Ich denke an die Lebenszeit, die vergeht. Kostbare Tage. Unbrauchbar gemacht, mir selbst triumpfierend vor die Füsse geworfen.

Es ist Sommer.
Er zeigt mir nachdrücklich, wo der Hammer hängt.

Am Anfang

Am Anfang weiß man nicht, dass es ein Anfang ist, dass etwas beginnt.

Manchmal erklärt dir das Leben erst später, dass es diesen Augenblick gab, der der Anfang war.

Du versuchst dich zu erinnern, an diesen Tag, an diese Stunde, an diesen Moment, der so vage in deinem Gedächtnis sich verbirgt. Nur im Film kündigen sich die historischen Augenblicke mit spannender Musik an. Im eigenen Leben musst du schon sorgfältig selbst nachspüren, um deine eigene Geschichte nicht zu verpassen.

Mondfinsternis

Die spektakuläre Mondfinsternis mit dem attraktiven #mofi ist Morgen.

Das Heute wird belebt durch kernigen Allergie-Schnupfen, eine zünftige Zugverspätung in klimatisierten Zügen und einem abstrusen Fehlalarm.

Journal25072018

Um halb sechs am Morgen zeigt das Display an der Apotheke 24 Grad an. Es ist nicht weiter herunter gekühlt in dieser Nacht. Es wird ein heißer Tag im Büro werden, aber wer will schon jammern, wenn in den Nachrichten die Todesopfer der Waldbrände in Griechenland gezählt werden.

Verbrannte Erde, verbrannte Menschen. Die Klimakatastrophe zeigt erst ganz langsam was sie kann. Sie wird uns das Fürchten lehren.

Aber vorher gehe ich noch mal ins Büro. Wie jeden Werktag.
Ich schüttle mich, drehe mich um und ziehe mir ein anderes Leben an.

Mit direktem Draht in ein ganz spezielles Paralleluniversum.
Heiß wie die Hölle, unfruchtbar wie eine Wüste.

Journal24072018

150 Tage seit der Rückkehr aus Kuba.

Ich sammle Zahlen, um meinen Leben einer Struktur zu geben.

Die hohe Kunst den Weltschmerz intensiv zu zelebrieren, gehört zu meinen persönlichen Kulturkompetenzen.

(An dieser Stelle verlangt die Vorstellungskraft das Gif einer wunderschönen Frau, die traurig durch den Regen schreitet.)

Dass die Welt aus den Fugen gerät, kannst du leicht daran erkennen, dass am Polarkreis die Wälder brennen.

Oder die Jungs in den schwarzen Klamotten eine Währung hypen, die nach Energie hungert. (Sie verbraucht schon jetzt ein Mehrfaches des Energiebedarfs von einigen Staaten.)

Wir taumeln gemeinsam am Abgrund entlang.

Begleitet vom gröllenden Gesang der Populisten.

Es wird ein lauter Weltuntergang.

(Freitagnacht ist Mondfinsternis. Ein Highlight bei Nacht passt in diese Zeit.)

Nah und fern

Die Nähe hat sich als Irrtum herausgestellt
Leider mit dem falschen Maßstab vermessen
Keine Freude für die geschundene Seele
So fern, so weit

Im Traum dann doch
Zum Greifen nah.