Journal07112020

Neuer Höchststand bei den Neuinfektionen mit 23.399. Neuer Höchststand beim Frankfurter Index mit 263 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Das Argument, das beim ersten Fakt noch scheinbar zieht, funktioniert beim zweiten nicht mehr, denn Frankfurt beschränkte die Kontakte schon früher und strenger als im bundesweiten „Lookdown Light“ realisiert. Diese Beschränkungen bringen genau das, was eine vermutete: nichts.

Aber wir wollen hier in der Sammelmappe nicht negativ in die Zukunft schauen. Dazu ist das Wetter zu schön, die Welt zu friedlich, die Träume zu intensiv.

Alles wird gut. Irgendwann.

Manches ist heute schon gut.

Immernoch.

Lady in black

She came to me one morning
One lonely Sunday morning
Her long hair flowing in the midwinter wind
I know not how she found me
For in darkness I was walking
And destruction lay around me
From a fight I could not win

Videobeschreibung: Lady in Black von Uriah Heep aus 1971 Fernsehaufzeichnung Disco 71

Ken Hensley ist verstorben.

Da war ich wohl zehn Jahre alt, als diese mysteriöse Lady durch die Lande lief.

Acht Jahre später bin ich dann auf und davon und heiratete einen Mann mit ähnlicher Haarpracht und weißem Plüschhemd.

Das konnte nicht gut ausgehen.

Journal05112020

Das Handy zeigt ein Grad, als ich heute Morgen das Haus verlasse, die Apotheken zeigen übereinstimmend alle vier Grad an. Vier ist heute auch die Zahl, die sich die Corona-Warn-App für meine Risikobegegnungen aussuchte. Zwischen eins bis fünf liegen die Zahlen der positiven Corona-Test in meinem Umfeld am jeweiligen Arbeitsplatz. Mit zwei Ausnahmen ganz ohne. Die eine glückliche bin ich.

Die Zahl der Neuinfektionen traut sich noch nicht ganz, die 20.000 Marke zu knacken.

Dänemark meldet einen mutierten SARS COV2 Erreger und riegelt einige Gegenden ab. War klar, dass das Virus mutiert. Wussten wir schon im Januar. Wir haben ein Gehirn, mit dem wir denken könnten.

Was wir nicht haben, ist ein Plan.

Nachtgemälde

Bildbeschreibung: Wolken vor dem Mond am dunkelblauen Himmel

Journal01112020

Einsperren und wegsperren – diese Vision hält sich hartnäckig und beharrlich. Die Alten und die Kranken in ihre Zimmer verbannen. Immer die anderen natürlich. Immer aus der Sicht des Nabels der Welt. Der braucht nämlich Freiheit und Auslauf.

Ach. Großes Ach.

In ein paar Tagen sind die Bäume vor meinem Haus kahl. Fünf lange Monate werde ich geduldig warten bis sie wieder knospen.

Bildbeschreibung: Treppenaufgang zur Parkanlagen mit nassem Herbstlaub überdeckt, im Vordergrund leuchtend rotes Herbstlaub

Journal31102020

Kurz notiert für die persönliche Geschichtsschreibung:

In Deutschland haben sich mittlerweile mehr als eine halbe Million Menschen mit Corona angesteckt. Die Zahlen steigen.

In Frankfurt gelten einige Maßnahmen, die bundesweit für nächste Woche angesagt sind, schon seit einigen Tagen in restriktiverer Form. Bisher ohne erkennbares Ergebnis.

Es wird über die Corona-Warn-App diskutiert. Viel Unsinn, aber immerhin, sie ist im Gespräch. Ich halte sie nach wie vor für ein unverzichtbares Werkzeug bei der Infektionsbekämpfung. Hoffe die Verantwortlichen kümmern sich darum, dass sie ein bisschen mehr Sexappeal bekommt. Nicht für mich, ich mag es nüchtern und knapp, aber andere Menschen brauchen sie ein bisschen pfiffiger.

Die Impfstoff-Kiste nimmt im Hintergrund Gestalt an. Es sieht so aus, als müsste im Moment die optimistische Situation offiziel etwas trüber eingefärbt werden, da zwischen dem Herauskommen des Impfstoffes und dem Zustand einer durch Impfung geschützten Bevölkerung verschiedene logistische Probleme zu bewältigen sind. Wenn während diesem Zeitraum ein Teil der Bevölkerung in Sorglosigkeit verfällt, dann wird das vielleicht ein gruseligeres Szenario als die momentaneSituation. (Menschen sind kompliziert.)

Und wenn hier schon Notizen für die Geschichtsschreibung festgehalten werden, dann darf nicht fehlen, dass Europa und Amerikaner dieser Krise eine schlechte Figur machen. Überheblichkeit richtet großen Schaden an.

Journal29102020

Im Notfall träume ich mir den Weg frei.

Journal281020

Heute Nacht im Traum Karmapunkte gesammelt. Beim Aufwachen gemerkt, dass sie ganz, ganz leicht ihre Wirkung entfalten.

Journal27102020

Die Zahlen der Neuinfektionen steigen exponentiell in Europa und ich kämpfe mit meiner Gemütsausstattung. Denn sie ist zum emotionalen Ausgleich verdammt. Mir fehlt in dieser Hinsicht ein Filter in den Einstellungen: Gibt es Leid auf der Welt, dann leide ich. Steigt das Leid exponentiell, dann leide ich exponentiell.

Als Kind konnte ich kaum begreifen, dass die Menschen einfach in dem Wissen leben, dass so viele Kinder an Hunger sterben.

Als Jugendliche konnte ich kaum begreifen, dass Menschen weiterleben können, mit der Gewissheit, dass es Faschismus gab und gibt und immer weiter geben wird.

Als Erwachsene hab ich mir antrainiert, mir bei anderen abzuschauen, wie sie das machen: das mit dem Leid der Welt und der Unmöglichkeit es auszuhalten.

Heute bricht mein mühsam konstruierten Gerüst mir unter dem Hintern weg und ich bin wieder da, wo alles begann.

Ich leide.

Irrational, aber hartnäckig.

Und am Meisten leide ich unter dem von Menschen gemachten Leid.

Journal26102020

Meine angezeigten Risikobegegnungen auf der Corona-Warn-App mehren sich. Frankfurt hat jetzt die 200er Marke (Neuinfektionen per 100.000 Einwohner) gerissen. Klar, dass dann der Corona-Verharmloser von Amtswegen an der Spitze des Gesundheitsamtes noch von oben belobigt werden muss.

Wir sind eine Demokratie, die die Vielfalt (!) der Meinungen aushält.

Vielfalt! Meinungen! An der Spitze des größten Gesundheitsamtes mit den umfassendsten Ressourcen!

Das fass jetzt ich wieder nicht.