Journal20260520
Die Schnaken fressen mich. Sie überfallen mich und laben sich an meinem Blut. Keine Ahnung, wo sie in diesem Mai so zahlreich herkommen. Mein Körper wehrt sich heftig, was zu Kollateralschäden führt. Das kenne ich aus anderen Zusammenhängen schon von ihm. Ansonsten vergehen die Tage ruhig, ohne Daueralarmierung. Es dauerte eine ganze Weile, bis Körper und Seele dies nicht wieder als Ruhe vor dem Sturm deuteten und diese gespannte Wachsamkeit, beiseite legten. So schnell geht das bei mir mit dem Umschalten nicht. Manchmal beobachte ich andere Menschen und bewundere sie für ihre Leichtigkeit. Oder Ihre Beweglichkeit. Für ihr Anpassungsvermögen. Bei mir geht alles immer nur langsam und schwerfällig. Beharrlich. Wie immer im Leben bringt das Vor- und Nachteile mit sich. Es gibt nie nur die eine Seite der Medaille, aber trotzdem blinkt die eine Seite, die ich nicht haben kann, manchmal mehr als meine.
Draußen regnet es gerade. Der Mai macht gerade alles grün. Alles wächst und gedeiht draußen und ich finde eine Gedicht von mir, das fast 20 Jahre alt ist. Ich schenke es euch heute für einen Augenblick.
der Mai weint
nicht über mich
denn ich
gebe ihm keinen Grund
zum Weinen
ich weine mit
dem Mai

