Journal20260103
Es ist weiß draußen. Weiß und kalt. Winterlich. Passend zur Jahreszeit. Ich habe vorsorglich meine Abschlagszahlung für die Heizung erhöht und ab und zu sehe ich nach den sinkenden Füllständen der Gasspeicher.
Ansonsten versuche ich noch immer, die Nachrichtenlage genauso draußen zu lassen, wie die Kälte. Im letzten Jahr habe ich etwas über mein Nervensystem gelernt, was ich zwar immer wieder gespürt habe, aber nicht erklären oder benennen konnte. Eine Überanpassung meines Nervensystems an die Gefühle von anderen Menschen. Das ist anstrengend und funktioniert sogar bei fiktionalen Charaktären. Deshalb schaue ich nur ungern Filme an, die für mehr als 12 Jahre freigegeben sind. Mein Nervensystem leidet mit und zieht keine Grenze zwischen dem, was anderen passiert oder mir. Natürlich ist das jetzt stark vereinfacht. Das Nervensystem ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, es entwickelt Eigenheiten um zu überleben. Diese Eigenschaft meines Nervensystems ist eine Traumareaktion. Früher dachte ich immer, ich sei so geboren. Das sei das, was mich ausmacht. Die Meisterin der Empathie.
Tja. So einfach ist es dann wohl doch nicht. Mit den Informationen zu den Eigenheiten meines Nervensystems kann ich praktisch nur sehr wenig anfangen. Ich kann mir kein neues, weniger empfindlicheres zulegen. Aber ich kann besser Stopp sagen. Stopp. Ich schaffe das jetzt gerade nicht. Ich kann mich nicht durchgehend mit der Schlechtigkeit der Welt beschäftigen. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die das besser können. Aber es ist auch gut, dass ich mitfühlen und mitleiden kann. Aber Stopp sagen zu können, ist eine entscheidende Verbesserung meiner Situation. Dadurch kann ich meine Kräfte und meine Gefühle besser konzentrieren.
Das ist neu für mich.


Gratulation zur Entdeckung und Durchführung des „Stopp“. Immens wichtig. Das machen andere nicht für einen, das muss man selbst machen.