Journal20260119
Der Tag steht niedrig und kalt über den Gärten.
Ich sehe ihn mehr, als dass ich ihn betrete.
Zwischen dem noch harten Boden die ersten Schneeglöckchen –
als hätten sie sich verabredet, heute aufzutauchen,
unauffällig, aber entschlossen.
Daneben die Triebe der Krokusse,
grüne Fragezeichen im Frost.
Sie drängen nicht.
Sie wissen offenbar, dass Zeit auf ihrer Seite ist.
Ich selbst bin verschnupft.
Der Atem kratzt, der Kopf ist wattig,
alles klingt gedämpft,
als läge ein Tuch über der Welt.
Vielleicht macht gerade das die Zeichen deutlicher.
Die Sonne kommt nur in kurzen Sätzen.
Ein Aufhellen,
ein Blinken auf den kahlen Zweigen,
dann zieht sie sich wieder zurück,
als müsse sie prüfen, ob man ihr traut.
Heute einen medizinischen Abschluss gefunden.
Kein Paukenschlag.
Eher ein leises Abstellen
ein Satz, der nicht mehr wiederholt werden muss.
Der Körper merkt es früher als der Kopf:
ein kleines Nachlassen,
eine andere Müdigkeit,
nicht ganz schwer,
eher offen.
Ich gehe langsam durch diesen Tag
und nehme mit, was er anbietet:
Kälte, die wach hält.
Pflanzen, die nicht fragen.
Ein Ende, das sich nicht groß macht.
Vielleicht ist das genug.
Vielleicht ist genau das der Anfang.

