Journal20260104

Schmerz ist ein Ort, durch den man hindurchgehen kann, aber man darf ihn nicht bewohnen.

Klug gesprochen. Aber der Schmerz bestimmt meist doch selbst, wie sehr er dich zur Bewohnerin macht. Schmerz und Leid wiegen schwer in dieser Welt. Menschen sind ohne sie nicht denkbar. Sie gehören zum Leben. Aber das Wissen darum, macht es nicht leichter damit umzugehen. Vielleicht geht es darum, für sie einen Platz zu finden, ohne ihnen das ganze Haus zu überlassen.

Vielleicht bedeutet Würde nichts anderes als dem Schmerz nicht auszuweichen und ihn nicht sprechen zu lassen für alles.

Man hält inne. Man atmet. Man lebt weiter, vorsichtig, aber aufrecht.

Vielleicht ist das Einzige, was wir dem Schmerz schulden, Aufmerksamkeit.

Kein Urteil. Keine Eile. Kein Versprechen auf Heilung.

Es genügt, ihn nicht zu übergehen. Ihm zuzuhören, ohne ihm zu folgen. Ihn mitzunehmen, ohne ihn an die Spitze zu stellen. Und irgendwann, oft unbemerkt, öffnet sich ein schmaler Spalt.

Nicht für Glück. Aber für Weite. Für einen Atemzug, der nicht schmerzt. Für einen Moment, in dem das Leben wieder leise anklopft.

Nicht als Antwort.

Sondern als Möglichkeit.

Leave a comment

Your comment

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.