Journal20260106

Der Januar kommt leise, mit kalten Händen und klarer Luft.
Die Tage sind noch kurz, doch sie halten etwas bereit, das man nur spürt, wenn man langsamer geht:
ein besonderes Licht.
Kein Versprechen, eher ein Angebot.
Der Winter sagt nicht: Jetzt.
Er sagt: Noch ein wenig.

Unter der gefrorenen Erde geschieht Arbeit.
Unauffällig, geduldig, ohne Applaus.
Samen erinnern sich an Wärme, Wurzeln an Richtung.
Auch in uns liegt ein solcher Vorrat verborgen:
Gedanken, die noch keinen Namen haben.
Hoffnungen, die sich nicht drängen.

Der Januar erlaubt es, nicht fertig zu sein.
Er erlaubt das Zögern, das Sammeln, das Ruhen zwischen zwei Atemzügen.
Und vielleicht ist Hoffnung genau das:
nicht das große Leuchten, sondern das stille Wissen, dass etwas wächst, auch wenn wir es noch nicht sehen.

Es wächst genug für alle, die warten können.

Bald nimmt das Licht zu, kaum messbar und doch zuverlässig. Tag für Tag ein paar Minuten mehr.
So arbeitet auch Zuversicht. Nicht mit Eile, sondern mit Beständigkeit.
Vielleicht genügt es im Januar,
die Hände offen zu halten.


Dem Winter zu vertrauen.
Und dem, was in uns leise sagt:
Ich bin noch da.
Ich wachse.
Ich habe Zeit.

Comments (1)

GraugansJanuar 6th, 2026 at 22:35

Hinter diesem Text spüre ich Dein warmes Herz schlagen. Ganz ganz wunderbar.

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