Journal20260621
Die letzten Jahre im Büro haben bei mir so etwas wie ein Hitzetrauma ausgelöst. Sobald in der Wettervorhersage Werte wie 38 Grad auftauchen, kommt eine tiefe Verzweiflung in mir hoch. Obwohl ich mich heute viel besser schützen kann als damals, inszeniert mein Körper im Zusammenspiel mit meiner Psyche ein Gefangenendrama. Objektiv weiß ich, dass die Hitze sehr unangenehm, aber nicht existentiell gefährlich für mich ist. Nicht mehr. Aber der Rest von mir weiß das nicht. Ich fühle mich wie in einer Falle, aus der ich mich nicht befreien kann. Es kostet mich viel Überwindung, die dunkle Wohnung zu verlassen und den Sommer von außen zu betrachten. Manchmal schaffe ich das, manchmal gelingt es mir nicht. Wenn ich es schaffe, geht es mir besser, weil ich merke, dass ich der Hitze nicht mehr so schutzlos ausgeliefert bin, wie damals in diesem heilos überhitzten Büro. Für einen Moment weiß ich genau, es wird etwas dauern, dann lernen Körper und Seele, dass Hitze etwas ist, was ich ertragen kann. Wohldosiert selbstverständlich. Aber diese Erkenntnis vergeht wie ein Hauch. Es wird ewig dauern, bis sich das in mir eingeschriebene Hitzetrauma löst. Bis dahin lebe ich meine Verzweiflung aus. Meistens Tagsüber. Wenn es schlimm kommt Nachts. Das ist unschöner.
Am Dienstag früh mache ich mich auf den Weg nach Klagenfurt. Dort sind 33 Grad vorhergesagt. Und jede Menge Lesungen. Das wird eine Freude. Ich war schon so lange nicht mehr dort und langsam wächst die Vorfreude.

