Journal02052019

Ich suche, aber ich finde nichts. Nicht mal mich selbst finde ich an diesem heutigen Tag. Es ist einer dieser Tage, die sich nicht gut eignen für das Familienportrait. Es ist einer dieser Tage, an dem es laut kracht beim Grenzübertritt.

Manchmal wäre mir die einfache Variante meines Lebens lieber, aber dann erinnere ich mich daran, dass ich schon die Prinzessinnen-Ausgabe lebe. Auf dem Teppich bleiben gehört daher nicht zu meiner Kernkompetenz.

Zu mir gehört

Zu mir gehört die Angst und die Unsicherheit, die mir die böse Fee in die Wiege legte. Genauso wie der Mut und die Hartnäckigkeit, die mir die wohlwollende Fee heimlich unterschob.

Zu mir gehört mein Bedürfnis nach Alleinsein und Stille. Die Tendenz zum Träumen und die magische Fähigkeit, in den Raum zwischen Realität und Fantasie abzutauchen.

Zu mir gehört der Wunsch nach Ordnung und Struktur, die Veranlagung Nester zu hinterlassen und mir mein eigenes Bild zu machen.

Zu mir gehört das Bedürfnis zu Lieben und zu Kitten, den Weltfrieden herbei zu sehnen.

Zu mir gehören die schwarzen Tagen. Das Grausen und das Fürchten.

Zu mir gehört die Hoffnung und das Glück.

Journal28042019

Es ist kalt draußen. Aber die Schäfchenwolken wechseln immer wieder mit den Regenwolken ihren Platz am Himmel.

Schäfchenwolken über dem Bornheimer Hang

Ich bin heute extrem ungeerdet. Unterkühlt und allergiegeplagt.

Fataler Irrtum

dem Bösen die
Schulter zuwenden
im fatalen Unwissen
dass die kalte Schulter
der beste Platz zum
Umklammern ist

Im Zweierteam

Ab heute lebe ich in einer Wohngemeinschaft für Liebende. Ganz formal und amtlich. Leider hat das Bürgeramt keinen Smiley-Drücker mit dem ich meine Freude bekunden könnte. Den hätte ich gerne mehrfach gedrückt.

Was das für ein Gewimmel und Gewusel war! Dieses Amt, das so hocheffizient die Massen abfertigt, dass du Angst bekommst mit deiner menschlichen Reaktionsverzögerung, den Ablauf zu stören.

Regen. Regen gab es heute auch noch. Erst zögerlich und dann freundlich zurückhaltend. Nicht genug, sagen die Expertinnen. Noch lange nicht genug.

Reisepass ins Glück

Journal25042019

So richtig komme ich nicht in den Tag. Nicht in die Woche. Nicht ins Leben. Claudia, die Schwerfällige – so kann ich mich in diesen Tagen nennen. Der Gemütsstatus pendelt zwischen allergie-erschöpft und welt-verzweifelt hin und her. Zwischendurch leicht gewürzt mit einer Brise Übermut.

Morgen ist der Jahrestag von Tschernobyl. Ganz aus dem Zusammenhang herausgerissen, muss ich immer wieder daran denken. Tschernobyl und die Menschheit hat nichts gelernt. Wie immer halt.

Außerdem wird es rechts immer ungemütlicher. Es stinkt nach Faschismus durch alle gesellschaftlichen Ritzen.

Journal24042019

Es ist Frühling, Frühling, Frühling.

Draußen und drinnen. Die Natur überschlägt sich geradezu in ihrem Farbenrausch. Nichts Böses kann geschehen unter einem blauen Sonnenhimmel. Nichts Schlimmes, nichts Schlechtes.

Ein winziger Teil in meinem Herzen teilt immer noch diesen Kinderglauben.

Journal22042019

Heute ist Earthday. Was das genau bedeutet, weiß ich nicht. Hab nicht danach gegooglet.

Santa Clara

Was die Zukunft für die Erde bringt, kann ich mir ohne googlen vorstellen. Es ist alles ziemlich verwirrend. Einige Menschen sind aufgewacht und bringen ihr moralisches Mäntelchen in Stellung. Sie kaufen sich einen Becher für ihren Kaffee, den sie unterwegs trinken und posten vergnügt Fotos aus dem Flieger vom Wochenendtripp.

Ich bin gerade sehr unfair, denn ich wähle eine Beispiel, bei dem ich mich gut und überlegen fühlen kann. Das ist aber nicht stimmig, denn wenn es um das Klima geht, wird die Sache schnell doppelbödig und windig. Auch bei mir.

Wenn wir ehrlich sind, dann gibt es nur einen Weg, der gut ist für Mutter Erde: Konsumverzicht.

Verzicht, Verzicht, Verzicht. Alles andere ist Augenwischerei. Aber sind wir nicht dabei immer mehr Konsummöglichkeiten zu entdecken? Gefühle werden heute zelebriert. In jeglicher Hinsicht und mit vollem Konsumeinsatz. Genauso wie Events, die Eventwirtschaft boomt. Es sieht so aus, als wäre dein Leben einsam und grau, wenn du nicht teilnimmst an dieser Eventindustrie. Und wer will das schon? Ein graues Leben?

Sonnenschein

Diese Ostertage sind so sonnenverwöhnt, dass mir dabei etwas unheimlich wird. Die Pflanzen schleudern prächtig ihre Pollen in die Luft, aber was macht das schon? Ich stehe am Fenster und schaue über den Hang in die Richtung aus der die Traurigkeit herüber schwappt. Es ist der Lauf des Lebens, ich bin alt genug um ihn zu kennen.

Drüben spielt die Musik und die Karussells drehen ihre spektakulären Runden. Die Stimmen der Menschen und das Gelächter erinnern an längst vergangene Zeiten.

Llanca

Es gibt keine Llanca-Pläne mehr. Aus und vorbei. Mehr als zwei Jahrzehnte sollten reichen, um das Paradies auf Erden im Herzen zu Tragen.

So weit, so cool. Dem #Llanca folge ich aus Nostalgie auf Instagram. So dachte ich es mir: Nostalogie. Eine wehmütige Erinnerung. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, dass es mir fast das Herz zerreißt. Dieses Herz, das die Kälte der Realität nicht erträgt. Das immer mehr will, als realistisch ist. Sich nicht mal daran stört, wie egoistisch es tickt.