Journal13092024

Hab mir Farbstifte gekauft, die mich glücklich machen. Pinselmalstifte sozusagen. Ich wußte gar nicht, dass es so etwas gibt. Damit kann ich wunderschöne Muster malen. Die beste Ablenkung ever.

Aber so leicht wie mich die kleinen Dingen glücklich machen können, gibt es auch welche, die mich unglücklich machen. Die seit zwei Wochen geschlossene Stadtbücherei zum Beispiel. Das ist in den vergangenen Jahren schon mehrfach passiert, dass sie plötzlich schließen musste, weil ihre Software Zicken machte.

Hast du keine andere Sorgen? Doch. Ich habe einen riesigen Berg voller Sorgen. In allen Skalierungen und Farben. Aber da gibt es auch eine kleine feine Ecke mit den Freuden und dem kleinen Glück.

Das kleine Glück ist das Filetstück aus der Serie der Glückseligkeiten.

Je nach Perspektive

Spätsommer und Frühherbst. Am Bornheimer Hang findet sich beides.

Je nach Perspektive.

Gerade waren es 31 Grad, jetzt schüttet es bei 18 Grad. Es ist schwül. Es ist kühl.

Wie in einem Kippbild. Nur mit dem ganzen Empfinden. Mit allen Sinnen.

Das Rauschen des Regens lässt Sehnsucht nach der Gemütlichkeit des Winters aufkommen. Der Jahreszeit, in der das Drinnensein keiner Erklärung bedarf.

Die hermeneutische Sekunde

Auf beziehungsweise – weiterdenken findet die hermeneutische Sekunde viel Resonanz in den Kommentaren. Caroline Krüger hat ihren Impuls von der Denkumenta 3 schriftlich aufbereitet, sodass auch diejenigen, die nicht in Götzis sein konnten, an diesem schönen Gedanken teilhaben können.

Wenn ich einen Text lese oder einer Person zuhöre, gibt es eine hermeneutische Sekunde, während derer ich noch nicht weiss oder ahne, was dort steht oder was die Person sagen möchte. Noch bevor ein Vorverständnis einsetzt, gibt es diesen Moment der Offenheit.

Die kleinen roten Stühle

Edna O’Brien: „Die kleinen roten Stühle“

Es ist das erste Buch von Edna O’Brien, das ich las. Es kommt mit einer Wucht und einem Zauber daher, die nur in wenigen Büchern steckt.

Aber Vorsicht! Es ist ein Buch voller Grauen.

Journal29082024

Noch schaffe ich es nicht, die vergangenen Tage auf der Denkumenta 3 zusammenzufassen. Es ist so viel passiert und ich wünsche mir sehr, dass ich es schaffe, bevor die Erinnerung zu sehr verblasst. So viel ist dort geschehen.

Besonders berührt hat mich der Eindruck des Wiedersehens. Die Tatsache, dass die Denkumenta in so großen Abständen stattfindet, lässt mich das Vergehen der Zeit und die Erfahrungen des Lebensalters wie durch ein Brennglas wahrnehmen. Die meisten der Frauen, die ich dort wiedertraf, habe ich in meinem Leben genau dreimal gesehen: 2013 auf der Denkumenta 1, 2019 auf der Denkumenta 2 und in der letzten Woche auf der Denkumenta 3. . Wir sind also alle ein Lebensjahrzehnt weitergegangen, haben Lebenslinien überschritten und sind deutlich älter geworden. Einige waren altersbedingt bereits nicht mehr auf der Denkumenta 3 vertreten.

Einige jüngere Frauen sind hinzugekommen, was erfreulich ist. Sie setzen neue Akzente. Ob das Format der Denkumenta jedoch zu ihrer Generation passt, wird sich erst noch zeigen. Und falls sie stattfindet, bleibt fraglich, wer daran teilnehmen kann.

Ich bin jedenfalls gleichzeitig beseelt und erschöpft von diesen Tagen. Die Gedanken und Gefühle tragen mich und fordern mich gleichzeitig heraus.

Wenn ihr mehr über die Denkumenta lesen wollt, findet ihr bei beziehungsweise – weiterdenken jede Menge Artikel dazu.

Journal22082024

Ich bin tatsächlich in St. Arbogast bei der Denkumenta 3 angekommen und mit der Ankunft sofort in eine wunderbar vertraute Welt gelangt. Jetzt bin ich froh, dass ich gefahren bin. Nichtsdestotrotz fühle ich mich sehr angestrengt, sehr zerbrechlich, sehr verwundbar. Alles läuft mit einem „sehr“ daher. Zu welchem Programmpunkt ich heute gehe, weiß ich noch nicht.

Nur einer ist sicher: Das abendliche Lagerfeuer.

Lagerfeuer in der Feuerschale mit lodernden Flammen und Funken

Journal21082024

Ich lese in Blogs und Büchern von Menschen, die Sachen machen. Ausflüge, Urlaube, Hobbies, Tanzen, Fahrrad fahren. All dieses Zeug für das mir die Kraft fehlt oder der Kopf nicht mit machen will.

Es gibt also eine Parallelwelt da draußen in der brummt und summt die Freizeit mit der Freiheit um die Wette.

Morgen fahre ich zur Denkumenta. Mit meinem seltsam schweren mentalen Gepäck.

Journal18082024

Chronische Krankheiten machen das erzähl are Leben eintönig und fade. So geht es mir jedenfalls mit meinen krankheitsbedingten Einschränkungen. Sie sind weder dramatisch noch besonders gravierend, aber sie schränken meine Lebensqualität doch erheblich ein. Außerdem wird mein Lebensradius immer kleiner.

Ich sitze so gerne auf der Bank am Bornheimer Hang. Die Wiese ist nach dem Mähen nicht braun und vertrocknet sondern immer noch wunderschön grün.

Zitate

Bewusstes Abschied nehmen. Mich umschauen und den Schmerz wahrnehmen bevor ich aufbreche.

Mein Abschiedsfahrplan läuft über eineinhalb Jahre und der größte Teil liegt schon in der Vergangenheit.

Haben und nichts geben – ist in manchen Fällen schlechter als stehlen. – Marie von Ebner-Eschenbach

Man möchte die Zeit festhalten, aber wir müssen sie ausgeben, um mit uns selbst bekannt zu werden. – Christa Wolf

Nichts was wir benutzen, hören oder berühren, kann man in Worten so gut ausdrücken wie die Sinne es wahrnehmen. – Hannah Arendt

Journal04082024

Ich habe über die Kommentare zu meinem letzten Blogeintrag nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es ein großes Privileg ist, Lebensentscheidungen individuell treffen zu können, ohne in ein Leben hineingepresst zu werden, das keinen Schritt nach links oder rechts duldet. Wenn ClaudiaBerlin von ihren verschiedenen Erwerbstätigkeiten erzählt, die sie zwar um den Preis einer Minirente gewählt hat, aber dafür mit der Freiheit ausgestattet ist, sich zu entwickeln und ihren eigenen Interessen und Talenten nachzugehen, klingt das für mich nach einer soliden Lebensentscheidung. Ich hingegen habe mich für ein Erwerbsleben mit viel Struktur und Sicherheit entschieden. Allerdings habe ich unfreiwillig genügend Zeiten erlebt, in denen ganze Jahrgänge unter die Räder des Wirtschaftskarusells geworfen wurden. Diese Jahre waren existenziell sehr instabil, und selbst im Nachhinein fühlt es sich an wie ein Leben im Schleudergang. Finanzielle Sicherheit wurde für mich zu einem Strohhalm, an dem ich mich festhielt, um irgendwie die Balance zu finden.

Andrea macht in ihrem Kommentar einen wichtigen Punkt, indem sie darauf hinweist, dass Lebensphasen des Umbruchs oft schwierig sind. Das empfinde ich ähnlich, und deshalb begegne ich diesem speziellen Umbruch in meinem Leben mit einer großen Portion Respekt – zumal er mich mitten in einer psychischen Erkrankung trifft. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Und zu den grünen Damen, liebe Violine: Es gibt noch viel zu sagen, allerdings kann ich das hier nicht öffentlich tun. Es gestaltet sich nicht ganz so einfach, wie ich gedacht hatte. An dieser Stelle möchte ich euch herzlich für eure Kommentare danken und wünsche euch alles Gute.