Übergänge
Wie oft in deinem Leben standest du vor einer Schwelle und zögertst, sie zu überschreiten? Wie viele Male hast du eine Schwelle übertreten, ohne es zu bemerken?
Es gibt die leisen Übergänge, die wir erst im Rückblick erkennen. Es gibt andere, vor denen wir gebannt stehen bleiben, zögern und nicht weiterwissen. Die Angst, die Unsicherheit oder der Respekt halten uns davon ab, weiterzugehen. Wir erstarren in Ehrfurcht und treten nie ein. Dann sind da noch die lauten, rumpeligen Schwellen. Bei denen wir uns erschrecken und wir befürchten, dass sie gleich unter uns hinwegkracht. Dass das Fundament ins Wanken gerät und bald alles über uns hereinstürzt.
„Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trägt.“ schrieb Hilde Domin und ich wünschte mir, ich hätte ihr Vertrauen. Dieses tiefe Vertrauen, dass es weitergeht.
„Noch ist es Zeit“, flüstert mir die Dichterin ins Ohr. Noch bleibt mir Lebenszeit, um über einige Schwellen zu treten. Ich muss nicht mehr jede nehmen.
Das ist mein Luxus, den ich jetzt habe.

