Identifikation

Beim Lesen identifiziere ich mich mit den Hauptfiguren.

Beim Lesen von Selbstzeugnissen wie z.B. Tagebüchern und Autobiografien identifiziere ich mich entschieden mit der schreibenden Person.
Bis zum Anschlag.

Selbst bei Personen, die meiner Persönlichkeit sehr fern stehen. Für die entwickle ich eine besondere Anziehungskraft, weil sie mir so bedauernswert erscheinen.

Etwas in Verwirrung – aber nicht aus dem Konzept – bringt mich das kurz Aufeinanderlesen von Selbstzeugnisse der Konkurenten oder gar Feinden.
Identifikation von Zeile zu Zeile. Von Wort zu Wort.

Ja, das klappt.

Journal16062018

Es gibt so viel zu Lesen bei mir, dass es locker für vier Parallelwelten reicht. Oder fünf.
Der Kalender neigt sich bedrohlich seiner Mitte zu und will gefüllt werden. Kostbare Anlässe mit Bleistift auf das bunte Papier eingetragen.

Alles wird gut, sage ich mir unaufhörlich und beiße die Zähne zusammen. Der allgemeinen Dreistigkeit habe ich nichts entgegen zu setzen. Wie immer tickt der Wecker viel zu schnell und erfordert meine Aufmerksamkeit.

Das Leben rennt und manchmal fällt es mir schon schwer ihm zu folgen.
Die Atempausen werden im Lesestatus verbracht.

Geboren im Zeichen der Schnecke führe ich mein Heim mit mir.
Das beruhigt und besänftigt das aufgewühlte Gemüt.

Demokratie schwächen

Im Moment passieren wieder so viele politische Dinge, dass eine gar nicht mehr weiß, wohin sie schauen soll.
Die Sache mit den Upload-Filtern wird das Internet so richtig durchschütteln. Da bleibt uns dann wohl nur noch das Darknet zum Flanieren. Gemütliche Zeiten also, die auf uns zukommen.

Gesellschaftlich noch gravierender sind allerdings die hartnäckigen Bestrebungen, militärische und zivile Grenzen immer weiter zu verwischen, wenn es um irgendetwas geht, vor dem sie “Cyber“ davor schreiben können. Das macht Angst und rüttelt kräftig an den Fundamenten der Demokratie.

Wenn das Militär nicht mehr an seinem Platz ist, dann wanken die Machtstrukturen. Um Diebe und kleine Gauner zu fangen braucht es auch im Netz kein Militär.
Aber sie sind halt sehr geschickt. Sie arbeiten auf der emotionalen Ebene und verpacken ihre Ungeheuerlichkeiten geschickt mit dem Mäntelchen der Alternativlosigkeit.

Journal12062018

Ein Tag der bis oben hin vollgestopft war mit Kleinkram. Das ist zu tun und dies ist zu tun. Und noch was und nichts geht von der Hand.

Die Strümpfe rutschen in die Schuhe, der Regenschirm verliert seinen Griff. Die S-Bahn steht und fährt nicht weiter, die U-Bahn fällt aus.
Der Ausweis für die Bücher lässt sich nicht verlängern ohne Formular, der Seminarschlüssel versteckt sich in einer Schublade, in die er nicht reingehört.

Jetzt mache ich Pause und denke mit Schrecken daran, dass ich noch lange nicht fertig bin mit diesem Tag – oder er mir. Das trifft es vielleicht besser.

Meine persönliche ToDo-Liste wird jeden Tag länger und nirgends kann ich einen Harken dran setzen.

Aber morgen wird ein anderer Tag und morgens wird vielleicht alles gut.

Unwetter

Die Hitze macht mir schwer zu schaffen. Vor allem in der Kombination mit den schlechten Arbeitsbedingungen im Büro. Ein gewerblicher Arbeitgeber würde dafür Ärger bekommen, ein öffentlicher Arbeitgeber kann es sich über Jahrzehnte leisten, nichts an diesen Bedingungen zu ändern. Das ist rechtlich tatsächlich so. Keine Ahnung, warum mit zweierlei Mass gemessen wird.

Manchmal sehne ich jedenfalls das Gewitter herbei und erschrecke dann, wenn aus dem herbeigesehnten Gewitter gleich ein handfestes Unwetter wird.

Dann muss ich mich wie ein Kind beruhigen und mich trösten, dass es nicht meine Schuld war.

Obwohl doch immer gilt: Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst.

Streng

Mit der Anwendung von Filtern bei den Fotos bin ich ganz schamlos. Ratzfatz sind alle Falten weg.
Noch ein bisschen Wärme rein und schon ist dieses Angesicht fertig, das mir ähnelt und das ich dennoch nicht bin.
Nicht bin und nicht war.

Aber ich sehe wie im Spiegel Charakterzüge von mir.
In diesem Foto ist es die Strenge, abgemildert durch den Wärmefilter, der über dem Foto liegt.

Vielleicht beschreibt das einen charakterlichen Aspekt von mir.

klar und rein

Die Luft ist klar und reingewaschen. Der Regen bringt hier für ein paar Stunden Erleichterung.
Den anderen hat er einen harten Feierabend beschert. Der S-Bahn-Tunnel war wohl sofort unter Wasser gestanden und nichts ging mehr. Die große Info-Tafel am Bahnhof konnte nicht mal alles aktuell verspäteten Züge aufnehmen.

Wie leicht, doch immer wieder die ganze Logistik dieser Stadt aus den Angeln gehoben wird.

Warteposition

Das Zertifikat ist noch nicht da und ich warte.
Warte, warte, warte.

Manchmal vergesse ich ganz, dass es die Sammelmappe überhaupt gibt. Dann fällt sie mir wieder ein und ich vermisse sie.
Sie ist mir ans Herz gewachsen. Wie ein Haustier, nur dass sie nicht kommt und mich anstupst. Wie bei einem Haustier, fühle ich mich auch in der Verantwortung. So viele Jahre habe ich sie gehegt und gepflegt und was ist jetzt?

Die Zeiten ändern sich, die Publikationswege ändern sich.
Wer weiß wie die Zukunft der Blogs aussieht? Ich kann es nicht sagen.

Aber noch ist das Band stark. Die sozialen Medien sind kein Ersatz, denn sie sind eben keine Wohnzimmer. Sie sind öffentlicher Raum, wie intim auch immer. Ein Blog ist ein Stück Privatraum.

Und noch ist der mir wichtig.

Geduld

Das Zertifikat ist immer noch nicht da und ich brauche Geduld. Geduld, Geduld, Geduld.

Aber das wird schon werden. Ich weiche jetzt erst mal hier auf die Ersatzseite aus und sehe dann, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Es ist schade, dass das jetzt alles so verquirrlt hochkocht. Wenn die Situation wirklich dazu führt, dass es weniger Blogs gibt, wäre das sehr schade.

Ich habe mich so an das Leben mit der Sammelmappe gewöhnt, dass sie mir fehlen würde. Nicht zuletzt, aber auch, als Lebensdokumentation. Als Erlebensdokumentation.

Das Bloggen auf der eigenen Domain hat allerdings auch Nachteile. In dem Augenblick, wenn mir die Domain nicht mehr gehört, ist alles weg. Auch wenn ich sterbe, ist alles weg. Dann kann niemand mehr rein schauen.

Bei einer unabhängigen Plattform ist das anders. Da bleiben die Bilder und Texte solange, wie die Plattform das vorgibt. Aber jede Plattform kann jede Person auch wieder rauskicken. Vom Ansatz her ist das nicht das, was ich mir wünsche. Das Internet braucht Vielfalt. Es braucht einen kleinen öffentlichen Raum, der uns gehört. Das ist wichtig.

Davon bin ich überzeugt.

Jedes kleine Blog das bleibt ist Teil einer diversen Netzkultur.

Bunt wünsche ich mir das Netz. Ein bisschen Farbe sollte es behalten.

Das wünsche ich mir.

Eintauchen

Eintauchen und abtauchen. Das Gefühl wächst mir über den Kopf. Am Liebsten wäre es mir, wenn ich mich unsichtbar machen könnte.

Nicht sichtbar, nicht hörbar, fast gar nicht vorhanden.

Es sind die schönsten Tage für mich, wenn ich abgetaucht bin.

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