Nachts

Nachts zwischen zwei und drei nehme ich es der Zeit übel, dass sie vergeht. Mit all meiner Gedankenkraft versuche ich die Welt anzuhalten, sie davon abzuhalten sich mit diesem Schwung immer weiter zu drehen.

Es heißt, unsere Zeit sei schnelllebig.

Schwindelerregend schnell pustet sie uns mit sich fort. Nachts zwischen zwei und drei wird sie ganz langsam.
Da trägt sie die Hoffnung mit sich, ein Jetzt zu sein.

Ein Hier und Jetzt.

Dieses Fass

Dieses Fass, das so kurz vorm Überlaufen steht.
Steter Tropfen, der den Stein nicht höhlt. Nur weiter läuft.

Diese Wut, die langsam wächst.
So absehbar.
Das Überlaufen.

Kleine Katastrophe mit Anlauf.
Mit Ansage.

Ich mag das nicht.

Regenjahr

Ob Frühling, Sommer, Herbst und Winter, immer wenn sich im Jahr 2017 für mich etwas Wichtiges ereignete, regnete es. Zum Sound dieses Jahres nominiere ich daher das Plätschern des Regen auf Blätter, Markisen, Dächern und Regenschirmen.

Die heiße Schokolade dampft vor sich hin und versteckt geschickt und hinterhältig ihre Klumpen.

Rühren will gelernt sein. Auch die einfachen Jobs erfordern Konzentration und Aufmerksamkeit.

Zuviel Wir-Gefühl heute beim Lesen verschiedener Texte. Wer soll das nur sein? Dieses Wir.

Den Tag beenden

Große Unlust den Tag zu beenden. Nicht weil er so schön war, eher weil ihm etwas Besonderes fehlte. Ein Werktag ohne Glanz. Ein typischer Dienstag im Dienst.

If live throws shit on you, cover it with glitter.

Bestes Motto ever. Leider bin ich die ungeeignetste Person, um es durchzuführen.

So ende ich oft in der Sackgasse. Oder am müden Ende eines trostlosen Dienstags. Mit einem Soundtrack, der meinen Kopf von innen zerhackt.
Irgendwo ist das kleine Lichtchen Hoffnung versteckt. Oft muss ich lange suchen bis ich es wiederfinde.

Glitter ist notwendig.
Jeden Tag.

Zurückgreifen

Zurückgreifen auf Vergangenes.
Sicherheitsstrategie für fragile Tage.

Ein Plan V.

Dokumentation der Hilflosigkeit.

Bekenntnis zur Langsamkeit

Der Himmel ist grau und bietet eine prima Kulisse für die Umrisse der Bäume, die sich leicht mit dem Wind bewegen.
Hier drinnen ist das Zimmer angefüllt mit Zeit. So wohltuend, wie langsam sie vergeht nach dieser hektischen Woche.

In der Mediathek ist das Filmportrait über Peter Handke versteckt. Auch er ein Meister der Langsamkeit. Ganz bestimmt auch im Zeichen der Schnecke geboren mit einem Aszendeten bissiger Waschbär.

Es ist ein großes Privileg, sich in diesem Langsamkeitsmodus bewegen zu können.

Ein Geschenk an das Leben.

Erlebnisbasiert

beim Versuch die Zeit zurecht zu rücken
in ein Zeitloch gefallen

Alles unter Kontrolle

Ich habe alles unter Kontrolle. Jede Minute meines Lebens.
Ich habe mich im Griff, habe alles im Blick. Das steht sogar auf meiner Tafel im Büro.
Alles im Blick.
Und darüber hat jemand ein strenges Augenpaar gemalt.

Keine Ahnung wer das war.

Alles im Blick. Alles im Griff.
Die Tarnung ist wohl aufgeflogen. Oder war nicht ganz so gelungen, wie ich dachte.

Gehen wir einfach von einem Zufallstreffer aus.

Das hilft beim Weitermachen.
Ich lege mir ein beruhigendes Deckmäntelchen zu und strahle Unbesorgtheit aus.

Und lege heimlich die Erbse unter das andere Bett.

In Auflösung

Immer wieder der verzweifelte Versuch durch das akribische Dokumentieren und Festhalten, die Kontrolle zurück zu erlangen.
Verzweifelt und sinnlos.

Hartnäckige Hoffnung. Unsinnig noch dazu.

Jeden Tag erlebe ich spezielle Aufführungen auf großer Bühne. Auf der Leinwand erschienen sie viel zu platt, hier im Büro treiben die Klischeesprossen aber besonders gut.

Meine besondere Fähigkeit: hintersinnige Beobachtung.
Ich bin die Meisterin des Lesens zwischen den Zeilen.

Am Liebsten lese ich die, die sie mir gar nicht preisgeben wollten.
Ganz still nehme ich sie in mich auf.

Schon längst in Auflösung begriffen.

Alltagsticker

*** hab die Weihnachtsfeier überlebt *** den Schreibtisch verkrümmelt *** mich von den WerbeNervesägen vergrätzen lassen *** das rührende Interview von Handkes Tochter gelesen *** mich aus dem Staub gemacht *** mein Lieblingsbuch verschenkt *** an meine Schwester gedacht *** Einkäufe geplant und nicht getätigt *** mich an der Onleihe erfreut *** den Mond bewundert – am liebsten angebetet *** mir Raum genommen *** mir Zeit geschenkt *** gekramt in allen Taschen *** gerätselt über Anrufslisten *** doofe Witze über verlassene Pakete gemacht *** gefuttert und reingehauen *** seltsame Rezeptbeigaben erfunden *** mich in Geduld geübt *** gesorgt und geliebt *** den Freifunk-Stammtisch verpasst *** die Erinnerungen sacken lassen *** be- und verwundert *** und zuletzt noch geträumt ***

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