erschöpft

Gerne möchte ich die Erschöpfung an mir abtröpfeln lassen, aber es gibt ein technisches Problem. Ein inneres Leck.
So rinnt denn auch meine Seele voll bis oben hin mit Erschöpfungstropfen.
Mittlerweile ist auch der Überlaufbehälter namens Körper vollgelaufen und ich strecke alle Viere von mir.

Ich bin erschöpft.
Heute hat mich diese Krankheit aus der Vergangenheit erwischt. Volle Breitseite sozusagen.

Jetzt ziehe ich den Stöpsel und setze auf Entleerung.

Was ich nicht brauche, kann auch weg.

aufgefallen

Ich mag diesen Fensterblick zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Muss mir jetzt noch zwei Links festhalten. Den über die Socialbots.
Dann noch IFTTT – If this than that. Damit kann man sich Dienste gegenseitig vernetzen. Auch nicht schlecht.

Auf Facebook ist mir gerade aufgefallen, wie viele tolle Sachen ich mit dem Internet gelernt habe und wie viele tolle Menschen ich durch das Internet getroffen habe.

Mir ist es ein Rätsel, dass es so viele Menschen gibt, die Internet-Abstinenz für eine intellektuelle Großtat halten.
Leises Bedauern meinerseits, denn ich gönne allen etwas ab vom Guten.

Ihr verpasst was, kann ich da nur sagen.

Als letztes noch: ich bin ganz sicher, dass Stricken die Welt verbessert und befriedet. Ebenso wie häkeln, spinnen, nähen und was es da noch so alles gibt.

Merkt ihr was?
Ich blogge mir die Welt, wie sie mir gefällt.

es sprießt

Hab heute ein Handvoll Lob geerntet und jetzt sprießen schon die Knospen.

Stephan Hawking

Jetzt wird er 75.
Überirdisch im Geist. Überirdisch im Körper.

Was bedeutet die Zeit? Was bedeutet das Leben?

Sie.
Sie hat es nicht geschafft.
So stark.
So präsent.
So sehr von dieser Welt.

Mir bleibt es ein Rätsel, wie ein Mensch so körperlos leben kann.

(Dabei weiß ich genau: Körperlos ist Wunschdenken. Die Muskeln schwinden, die Schmerzen brennen.)

Überschlag

Das Jahr dreht einen Salto und schwups, hast du 2017 an der Backe.
Kalt und unberechenbar, ein bisschen schnodrig, mit himmelblauen Potential, dafür mit der Duftnote hoffnungslos ausgestattet.

Ich rechne mein Leben durch. So ein Hamsterrad-Leben ist schnell durch kalkuliert. Was noch fehlt, ist die sinnvolle Auswertung der Berechnungen.

Aber lassen wir uns doch noch etwas Zeit dafür. Die Sinnsuche endet nicht mit einer Kalkulation.

Die Kopfschüttelmentalität greift um sich, ist längst schon ein Merkmal der Corporate Identidy.

Zynische Danksagungen lassen tief in unsere Wertesystem blicken.

So genau, wollte ich das eigentlich nicht wissen. Nein, so genau nicht.

Durch Mauern gehen

Marina Abramović ist sicher die zur Zeit bekannteste Peformancekünstlerin.

Mit 70 Jahren veröffentlicht die Partisanentocher ihre Autobiografie und gibt Einblicke in ihr Leben, ihre Beziehungen und ihr künstlerisches Schaffen.
Sie erzählt von Eltern, die beide in der Nacht mit einer geladene Pistole neben sich schliefen. So ist es nicht überraschend, dass sie zu dem Schluss kommt, dass die glücklichste Zeit ihrer Kindheit das Jahr war, das sie im Krankenhaus verbrachte.
Ihre Performances sind voller Schmerzen, Blut, Wunden und Narben.
„Der Schmerz ist wie eine Tür, die einen schützt, die einen davor bewahrt, die Wahrheit auf andere Weise zu sehen. In dem man durch den Schmerz hindurchgeht, öffnet man diese Tür und erfährt eine neue Art der Wahrnehmung.“

Sie lebt ein kompromissloses Leben und strebt Beziehungen an, in denen sie ganz aufgeht. Es verblüfft, wie wahrhaftig sie über den Schmerz des Verlassenwerdens spricht.
Dabei verspürt sie ständig den Drang die Welt vollständig zu erfassen. Fährt zu den Aborigines nach Australien und lebt eine Weile mit ihnen, sie holt sich Rat zu ihrem gebrochenen Herzen bei einer Schamanin.
Sie ist eine großartige Künstlerin und beherrscht das Marketing auf dem Kunstmarkt.

Das Buch rundet ihre Selbstinszenierung perfekt ab.

Was wird sein?

Was wird das für eine Welt sein in 2017?

Diese Frage habe ich mir in den letzten Wochen oft gestellt.

Brexit, Trump als Präsident, in der EU Staaten, mit totalitären Systemen, Russland gibt sich kriegerisch in der Ukraine und anderswo, die Türkei ist ein machtpolitischer Alptraum, in Syrien ist Krieg, Menschen sind auf der Flucht und werden nicht aufgenommen und von denen, die immer noch verhungern wird kaum noch gesprochen.
Das ist die Welt in der ich lebe.

Das ist die Welt, die ich nicht verstehe und vor der ich mich fürchte.

Ich mag nicht in einer Schutzzone leben, arbeiten oder feiern.
Ich mag meine Sicherheit nicht in die Hand des Staates legen, der seine Gewaltenteilung nicht im Griff hat.
Ich mag es nicht, dass nur der Konsum zählt und den Menschen nicht die Wertschätzung entgegen gebracht wird, die ihnen zusteht.

Nach einigen Wochen und Monaten persönlicher Verunsicherung habe ich nun eine Position für mich gefunden. Sie ist noch wackelig und instabil, aber sie ist die einzige, die ich habe.

Die Welt ist, wie sie ist und ich werde meinen Weg darin suchen. Eigentlich war sie schon immer bedrohlich, feindlich und ungerecht – nur in den letzten Jahren halt ein bisschen weniger zu mir. Für viele andere Menschen galt es leider nicht.

Also:

Ich werde Angst haben und ich werde mich fürchten. Aber damit werde ich leben, so gut ich eben kann.
Ich werde mutig sein. Weil ich in meinem Leben auch immer wieder mutig gewesen war.
Ich werde öfters neue Perspektiven einnehmen.
Ich werde lernen mehr zu vertrauen.
Ich werde meine Freundschaften vertiefen.

Ich werde mir selbst mehr Gewicht geben.

Ich werde klug und umsichtig sein.

Ich werde lieben.

Mit dem Wunsch nach Frieden

Mit dem tiefen Wunsch nach Frieden sehe ich dem Jahreswechsel entgegen. In der kindlichen Hoffnung, dass Sehnsucht die Welt verändern könnte.
Es sieht nicht gut aus. Aber wer sagt, dass es immer so weiter gehen muss?

Meine Lebenszeit wird mir immer wichtiger. Immer weniger mag ich davon vergeuden und verprassen. Das Leben ist fragil. Schicksalsschlag lauern und machen sich zum Sprung bereit.

Ich wappne mich mit Liebe im Herzen. Der einzige Ausweg, der mich jemals irgendwo hin brachte.

Überhaupt ist das die Lösung für so vieles.
Liebe im Herzen.

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals

Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals: Zelda und F. Scott Fitzgerald

Ein rasanter Titel für eine Doppelbiografie über zwei rasante Leben. Die Goldenen Zwanziger Jahres lassen es krachen und immer dort, wo es am schillerndsten ist, taucht dieses Ehepaar auf. Das Fest ist rauschend, der Kater gewaltig. Zwei Menschen zerbrechen.
Ich wollte mehr über Zelda Fitzgerald erfahren und weiß nun nicht so recht, ob ich in dieser Hinsicht klüger geworden bin.
Die häusliche Gewalt wird kaum angesprochen, viele Hintergründe bleiben unklar.

Unwillkürlich fragt man sich, was wäre aus Zelda Fitzgerald geworden, wenn sie ein bessere medizinische Behandlung gehabt hätte? Aus heutiger Sicht, würde bei ihr als Jugendliche sicherlich ADHS diagnostiziert. Die Aussichten für sie ein selbstbestimmtes Leben zu führen, stünden heute besser, aber dann fällt einem wieder ein, wie wenig das im individuellen Einzelfall manchmal nutzt.

Es geht eine tiefe Traurigkeit von den beiden Lebensbiografien aus.

Hochsensibilität

Mir gefällt das Wort nicht: hochsensibel.
Oder Highly Sensitive Person auf Englisch.

Das klingt abgehoben. So nach etwas Besonderem und vorallem hört es sich an, als seien andere Menschen nicht empfindsam. Für mich fühlt es sich auch anders an.
Überempfindlich trifft es in meinem Fall besser. Mein Bild mit der Mimosenseele finde ich passend. Manchmal auch das der Schnecke, denn die ist nicht nur langsam sondern zieht sich bei Berührung schnell in ihr Haus zurück.

Aus hochsensibel wird schnell mal ein Mix gemacht, da sind die betreffenden Personen auch gleich hochintelligent und hochbegabt. Hauptsache „hoch“, so scheint es. Hoch über den Wolken in Wolkenkuckucksheim.
Ach nein, da wollen sie dann doch nicht sein. Denn das „hoch“ bezieht sich auf den Vergleich zu anderen Menschen.

Das ist kein Bild, das mir zusagt. Aber ein Bild brauche ich, um meine Situation zu verstehen. Um mich in der Welt zu verorten und meinen Platz in der Gesellschaft zu begreifen.

Nur als Kind war das für mich nicht notwendig. Bis ich acht oder neun war reichte es mir, mich in mir selbst zu verorten. Dann stand ich vor der Wahl: Entweder ich klinke mich in die Erfahrungswelten meiner Mitmenschen ein oder ich werde ständig Konventionen, Regeln und Menschen verletzen. Das wollte ich auf keinen Fall. Dazu war ich zu weiblich sozialisiert. Ich wollte mich anpassen. Nett sein. Keine Menschen versehentlich verletzen.

Es war ein langer und harter Prozess. Einer der erst in die eine Richtung überdrehte, dann in die andere. Es dauert bis heute an, dass ich die Balance suche, zwischen meiner Empfindlichkeit und der von anderen. Zwischen meinem Bedürfnis nach Ruhe und meinem Wunsch mich nicht gänzlich abzuschotten.

Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Theorie dazu. Das ist schade, denn mir würde sie helfen. Meine eigene Analyse dazu ist, dass es eine Form der Reizüberflutung ist. In meinem Fall der visuellen Reizüberflutung, denn alle anderen Sinne kann ich „abstellen“. Ich kann mitten im Fabriklärm stehen und den Lärm ausblenden. Gerüche kann ich bis zu einem bestimmten Grad ignorieren. Aber die visuelle Reizüberflutung macht mich kirre.

Was ich auch kann, ist mich in Menschenmassen zu bewegen, zu denen ich keinen Kontakt habe. Große Konferenzen und Zusammenkünfte. Auch Demos. Aber es überfordert mich, wenn ich ein Gespräch mit mehr als fünf Leuten gleichzeitig folgen soll. Oder ein Rahmen, der von mir ständig eine vorgegebene soziale Interaktion erfordert.

Das ist hinzunehmen. Das bin ich. Das ist Teil meiner Persönlichkeit und meine Aufgabe ist es damit klarzukommen und diesen Teil so in mein Leben zu integrieren, dass ich als sozial verantwortliche Person agiere.

Nichts daran ist hoch.

Oder vielleicht doch.

Manchmal ist es hoch kompliziert.

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