Kulturtagebuch

Stelle gerade fest, dass Jenny Erpenbeck in ihren Buch “Dinge, die verschwinden” ein bisschen die Idee der Einträge in einem Kulturtagebuch einbringt.
Ich denke immer noch darüber nach, dass es ein tolles Projekt wäre, die Idee des Techniktagebuchs auf ein Kulturtagebuch zu übertragen.
Alltagskultur wird viel zuwenig beschrieben, weil sie uns so selbstverständlich ist, aber ähnlich wie bei der Technik verändert sie sich doch. Mal schleichend, mal mit einem Schlag.

Es wird anders und andere Anlässe gefeiert, als früher. Der Körper wird anders wahrgenommen. Freundschaften und Beziehungen haben einen anderen Stellenwert, Grußkultur hat sich verändert. Da gibt es so viel, das sich systematisch beschreiben ließe.
Allerdings macht so ein Projekt nur gemeinsam Sinn und mir ist im Moment nicht so danach ein Netzwerk zusammenzutrommeln.
Aber wenn eine Lust darauf hat: ich bin gern mit dabei und folge den Trommeln.

Sanftes Geschehen

Liebäugeln – mir fällt auf, wie schön das Wort ist. Die Augen schicken die Liebe in die Welt.

Hab noch nie darüber nachgedacht, wie beruhigend das ist.

Urlaubsticker

Nach einer Woche Urlaub kehrt sich das Innerste nach außen.
Wie so oft.
Windstärke sieben ist nicht meine Freundin, wird sie auch nicht werden, aber sie gehört hierhin – ich bin Gast.
Lesen – lesen tut gut. Genauso wie stricken. Und Sonne. Und alles hell. Und trotzdem keine heile Welt.
Obwohl: nein, die Partei Podemos gibt es bei uns nicht. Hier denken die Menschen mehr nach, sagt der junge Mann, den die Krise in Spanien schwer in seiner biologischen Biographie getroffen hat. Aber da gibt es noch das Netz, das den doppelten Boden gut simuliert. Die Gnade des wohlgefälligen Erbes, dämpft den Absturz ab.

Keine heile Welt und dennoch existentiell wichtig für mich. Außen. Innen. Alles erlebbar und fühlbar. Endlich ein Aufatmen zwischen den Alltagszeiten, kaum erklärbar, kaum beschreibbar.

Manchmal versuche ich es zu äußern, was mir am Alltagsleben so schwer fällt, aber es scheint nicht nachvollziehbar zu sein. Dass ich nicht dreidimensional sehe zum Beispiel, das ist offiziell keine Sehbehinderung, aber anstrengend. Manchmal laufe ich über die Straße, wenn in 500 m ein Auto kommt, manchmal schlendere ich, weil das Auto in 5 m Entfernung nur ein Schatten für mich ist. Ist es weit weg, kann ich das nicht umsetzen, mein Warnsystem springt an und sagt: rette dich.
Das ist allerdings nur die Schilderung des Straßenverkehrs, mir fällt es auch schwer, Sachen wieder zu finden, sie erstmal zu finden oder eben die ganze visuelle Welt mit meinem zweidimensionalen Blick einzuscannen und daraus einen dreidimensionalen Erlebnishorizont zusammenzudenken.

Es ist ja auch nicht so wichtig und übrigens nicht der einzige Grund, warum für mich Erholungsphase so wichtig sind. Symptomatisch ist, dass ich mich rechtfertigen will, dass ich mich nicht ganz wohl in meiner Haut fühle und unter Erklärungszwang leide, nur weil mir die Reizüberflutung im Alltag zu schaffen macht.

So alt geworden und so wenig klug. Oder doch? Wenigstens ein bisschen.

Wehmütig

Ach, Willy, deine Enkelinnen und Enkel schämen sich nicht #SPD draufzuschreiben. #Tarifeinheitsgesetz

Techniktagebuch

Ich wiederhole mich, aber das Techniktagebuch ist eine Wucht. Als Blog und als Buch. Technikeinträge ohne Geschimpfe bzw. Ikonen-Gedöns, ohne Heldinnen und Helden – das hat was.

Aber entfaltet der Aufschreibzauber nur bei der Technik seine Wirkung? Könnte er nicht auch bei anderen Alltagsbeschreibungen wirken? Wir verändern uns so stark in unseren kulturellen Verhalten oder in den politischen Meinungen, auch das könnte spannend sein, es aufzuschreiben.
Seit wann sind Achselhaare ein Grund zum Ekel?
Halloween – nie gehört? Die Zeit gab es auch.
Seit wann ist schwul ein Schimpfwort auf dem Schulhof? Ist es das noch oder wurde es abgelöst?
Und wann hat sich in der Kinderabteilung ein abgetrennter pinker Bereich gebildet?
Wie haben sich Hochzeitsfeiern verändert und wann haben sich diese elenden Junggesellenabschiede eingeschlichen?
Seit wann kollidieren Stammtische, die sich montags treffen mit den Anti-Pegida-Demos? Und vor allem: Wie lange noch?

Ja, ein Kulturtagebuch. Das wäre schön.

Ruhe

Ruhig ist nicht ruhig genug. Ruhe lässt sich also steigern. Abschotten von innen und von außen. Eine notwendige Maßnahme zum Schutz des Seelenlebens. Die Sonne und das Meer als Verstärkung birgt auch Gefahren. Der Körper wehrt sich umgehend. Versteht es trefflich seine Funktion als Seelenschutzschild herauszukehren.
Bis hierhin und nicht weiter!
Nein, selbstverständlich nicht weiter. Ich hüte mich.

Auf der Fischtheke

Auf der Fischtheke sitzt ein großer Hummer mit verbundenen Scheren auf dem Eis. Gebundenen Scheren sollte ich wohl schreiben, aber gerne würde ich ihm einen Verband gönnen. Er sitzt da zwischen der Dorade, dem Wolfsbarsch gegenüber den Austern, die ich ins Auge fasse und hebt sanft den einen Fühler an. Mich durchzuckt es, der Hummer mag ein Blickfang sein, aber nicht für mich, neben den Austern interessiert mich der Tintenfisch, da hebt der Hummer ein anderes seiner vielen Glieder, ihm ist eindeutig kalt aus dem Eis.
So kalt.

Das Foto dazu erspare ich euch und mir natürlich auch.
Den Schreck nehm ich mit nach Haus.

So viele Jahre schon.

Verwunschene Orte

IMG_20150515_213218Wie aus der Zeit gefallen wirkt das Gelände des alten Campingplatz.
Aber 5m weiter wird klar: alles verändert sich. Das Rad dreht sich weiter und das Wort Krise verliert hier seine Bedeutung.
Aber noch hat der Ort seinen Zauber für mich nicht verloren. Ich komme hier an und bin verzaubert.
Innerlich verzaubert. Mir wird so vieles klar, mir fährt vieles durch das Gemüt. Menschheitsfragen stellen sich, aber mich wundert nicht, dass es kaum Antworten gibt.

Kleine Dinge

Vreni und ihre Boutique – für jede ist was dabei.

Ich bin heute in Fav-Stimmung und verteile Sterne.

Unfallverhütung in allen Lebenslagen.

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Schwarze Wolle und ein eintöniges Muster ist die Pest für meine Augen. Ist aber ein Wunsch-Strickwerk da kann ich nicht nein sagen.

Der Mützenfalterin lauschen
.

Dinge die verschwinden

Gelbe Telefonhäuschen aus dem Straßenbild und grüne Schlaghosen aus dem Kleiderschrank. Dinge die schon verschwunden sind. Genauso wie der Dutt auf den Köpfen der alten Frauen. Die sind auch nicht mehr in schwarz gekleidet, sondern in beige Kunstfaser.

Dinge die verschwinden. Tagebücher aus der Jugendzeit und Erinnerungen, die für die Ewigkeit geglaubt.

Aber es gibt auch Personen die verschwinden. Manche die sich unvermittelt in Luft auflösen, andere die sich nach und nach entfernen.

Dinge die bleiben? Vielleicht genau die, die morgen verschwinden.

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