Sonnenaufgang

Zuerst ist da nur dieser helle Schein. Aber er kündigt Großartiges an. Licht, Helligkeit. Morgenröte. Die Silhouetten der Bäume genießen ihren Bühnenauftritt und bewegen sich sanft zu ihrem dramatischen Hintergrund.
Der Tag bricht an und verspricht kalt zu werden. Ein Wintertag mit Lichtversprechen. Es ist lange her, dass ich der Sonne beim Aufgehen zusah. Sonst bin ich längst bei der Arbeit um diese Zeit und am Wochenende scheint sie keinen Bock darauf zu haben für mich ein Spektakel aufzuführen.

Ich nehme das zur Kenntnis und dokumentiere für eine spätere Aufklärung die Einzelheiten.

Erinnerungen

Claudia am Sonntag

Claudia am Sonntag


Ich mag die Erinnerungsfunktion von Facebook. Es gefällt mir, wenn die alten Beiträge von früher hochgespült werden. Aus diesem Grund habe ich auch wieder damit begonnen, die Sammelmappe mit Twitter und Facebook zu verbinden.

Alltagsdokumentationen haben für mich sowieso ihren speziellen Reiz. Diese Blicke in das eigne Leben oder das von anderen Frauen. Die Leben von Männern werden ja generell sehr viel häufiger und selbstverständlicher dokumentiert. Darum sind sie uns zum Teil präsenter als unsere eigenen Alltagsrealitäten.

Es ist schön, dass es jetzt zu den traditionellen Formen wie z. B. das Tagebuch und den Briefwechsel auch die vielen Online-Formen gibt. Instagramm, Facebook und wie sie alle heißen.
Nicht zuletzt das Blog, dieses seltsame Ding, das für mich bedeutet, eine Tür zu öffnen und gleichzeitig nur zu ausgewählten Räumen Zutritt zu gewähren.

Ich mag diesen Blick auf mein Leben.
Ich mag diesen Blick in euer Leben.

450 Tage duolingo strike

450 Tage durchgehend Duolingo genutzt.
Ich habe keine Ahnung, wie lange es beim ersten Mal war, bevor mir Kuba dazwischen kam.
Und jetzt wieder. Kuba scheint wirklich der einzige Ort auf der Welt zu sein, wo es schwierig ist online zu sein.

Aber dafür ist es wunderschön. Ein Traum. Ein richtiger Märchentraum für uns, die wir für ein paar Tage kommen. Harter Alltag für die, die dort leben.
Jedesmal wenn ich wieder zurück bin, merke ich, wie Prinzessinnenhaft mein Leben ist. Wie eine Diva bewerte und verurteile ich.
Ich, die ich mich für sanftmütig und weich halte. Haha.

In Kuba gibt dir dein Alltag wenig Gewissheiten vor. Das ist total ungewohnt. Kommt der Bus oder kommt er nicht? Hält er heute hier oder anderswo? Bekommst du am Ende der Schlange eine Telefonkarte mit der du fünf Minuten telefonieren kannst oder nicht? Kannst du heute in irgendeinem Geschäft Salz kaufen oder ist allen der Zucker ausgegangen?

Es ist verblüffend wie sich die Persönlichkeit ändert, wenn du nicht mehr alle Kontrollstränge in deiner Hand hast.

Virginia Woolfs Fotoalbum

Virginia kucken.

In ihrem Fotoalbum blättern. Ideal für Tage mit Weltschmerz und zur Melodie der Melancholie.

Die Digitalisierung ist manchmal ein Segen für die Seele. Eine Quelle der Inspiration.

Müde

Es gibt kaum etwas, das unsexier ist als Müdigkeit.

Vor allem dieses Müdesein, das sich über deine ganze Seele legt, über dein Gemüt und deine Persönlichkeit.

Irgendwann ziehst du dir ein Mäntelchen drüber mit einem extra-freundlichen Design. Mit einem Muster aus „Alles in Ordnung Blümchen“.
Dann legst du dir einen Gesichtsausdruck zu, der „Ich bin ganz bei Dir“ signalisiert.

Und wenn du die Tür hinter dir zuziehst, dann bist du endlich allein mit deiner Müdigkeit. Die dankt es dir, indem sie Treue und Anhänglichkeit beweist.
Hinter geschlossenen Türen entfaltet sie sich gut.

Faltreifen

Es stellt sich heraus, dass es Faltreifen für Fahrräder gibt.
Überhaupt diese Fahrräder! Sie sehen so unscheinbar aus mit ihren zwei Rädern, dem Sattel und den Lenker, aber wehe, wehe, du beginnst damit dich mit ihnen zu beschäftigen.
Dann stellen sie sich plötzlich als komplizierte technische Gebilde heraus, bei denen jedes Detail durch weitere Details von Details geprägt wird.

Das Fahrrad, das unbekannte Transportmittel.

Wo war ich gerade.
Ach ja: Faltreifen. Es gibt Faltreifen und die Technologie, die hinter ihnen steckt ist besser als die der gewöhnlichen Reifen.

Meine Reise ist gerettet. Das passende Geschenk ist gefunden. Im Reisegepäck lassen sich faltbare Träume transportieren. Materielle Träume von existientiellem Wert.

Grace and Frankie

Jetzt bin ich doch noch einmal bei Netflix gelandet. Dort gibt es sehr viel mehr Serien mit unterschiedlichen Synchronisationen als z. B. bei amazon prime.

Bei mir ist zur Vorbereitung der Kuba-Reise gerade Spanisch angesagt. Also tauche ich unter und arbeite duolingo penetrant ab. Zur Entspannung gibt es dann „Grace and Frankie“ in spanischer Synchronisation. Es gibt nicht viele Serien in denen starke Frauenfiguren jenseits der 70+ eine Hauptrolle spielen dürfen. Aber in dieser Serie kommen sie zu Wort und setzen sich in Szene. Mit Schwung und Nachdruck. Mir gefällt das gut.
Auch wenn ich nicht allen Dialogen folgen kann. Netflix macht es mir etwas einfach indem es zu den Synchronisationen auch eine große Anzahl von Untertitel bereit stellt. Audio und Untertitel selten Wort wortlich synchron, aber es reicht, damit ich mich durchwühlen kann.

Amazon prime ist in dieser Hinsicht eine Enttäuschung.

Prioritäten

in der Kindheit
mich vor allem klein
gefühlt

groß werden war
ein Ziel

das Innigste

Lauf, Mäuschen lauf

5:30 in der Frühe
Schon von weitem sehe ich sie huschen. “Das ist bestimmt keine Maus,“ sage ich mir aufmunternd. In hundert Fällen ist es nur einmal eine Maus, sonst eher ein Blatt oder etwas, das der Wind vor sich herträgt. Aber sie huscht wieder zurück, dann wieder hin.
Ich gehe immer langsamer in der Hoffnung, dass sie die grosse Bedrohung erkennt, die sich ihr nähert. Deckung! Sie sollte sich lieber Deckung suchen, sich verstecken und mir den Weg freimachen. Aber sie läuft weiter, hin und her über den Gehweg. Sie immer schneller, ich noch langsamer. Sie soll aufhören damit. Ich will jetzt hier vorbei.
Aber ich will auch nicht, dass sie mir über die Füße läuft. Einmal in meinem Leben ist mir das passiert, dass eine Maus über meine Füße lief.
Das war gar nicht gut. Überhaupt nicht.
Keine Ahnung, warum ich in dieser Hinsicht so zimperlich bin.
Mir fällt Franz Kafka ein mit seiner Mäusephobie. Oh, wie ich den verstehen kann!

Aber ich muss da jetzt weitergehen. Das Mäuschen ist außer Rand und Band und bei mir rast der Puls.
Wir kreuzen unsere Wege haarscharf.
Puh, aber ohne Berührung.

So ist es gut, denke ich im Weitergehen.
Keine Grenzüberschreitungen.
Das ist gut.

Louise

Ungefähr die Hälfte habe ich jetzt gelesen vom Briefwechsel zwischen Astrid Lindgren und Louise Hartung.

Sollte ich mein Empfinden dazu ganz kurz zusammenfassen, dann fällt mir kaum etwas originelleres ein als: Louise, Louise, Louise!

Die Briefe der Astrid L. verblassen geradezu neben denen von Louise.

Die von Louise sind so ziemlich das Beste, was ich in den letzten fünf bis zehn Jahren gelesen habe.

Lass es Leben sein. Lass es Louise sein. Lass uns lesen, lesen, lesen.

Was für ein Leben!

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