Storniert

Ein Klick und die Reise ist storniert. Monatelang die Vorfreude im Herzen getragen, mich dann aber doch der Realität gebeugt.

Es wird andere Möglichkeiten geben. Mittlerweile bin ich in einem Alter, wo das nicht mehr für alle Anlässe gilt. Manche Möglichkeiten wird es definitiv nicht mehr geben, bei anderen sinkt die Wahrscheinlichkeit.

2018 ist in dieser Hinsicht ein Einschnitt für mich. Oder vielleicht so etwas wie ein Wendepunkt.

 

Federhalterwäsche

Seltsame Wortgebilde in den Tagebüchern von Thomas Mann.

Federhalterwäsche.

Kopfwaschung.

Venuskrankheiten.

Ausfüllung der Formulare.

 

 

„K. trennt das Nerzfutter aus meinem Pelz zu einer Jacke für sie; Weihnachtsgeschenk von mir.“

„Der Pudel geschoren.“

(Der Pudel wird verdammt oft geschoren.)

„Für eine dezente liberaldemokratische Republik ist das Land verloren.“

 

 

 

 

 

Unkonzentriert

Lange voraus geplant und jetzt doch in den Sand gesetzt. Die französische Eisenbahn streikt im 2-Tage-3-Tage-Rythmus. Arbeitnehmer, die sich ihrer organisierten Macht bewusst sind. Eigentlich eine gute Sache.

Nun ja, wer weiß, wozu Planänderungen gut sind.

Rentenverlauf

Seit drei Tagen verbringe ich meinen Feierabend damit, dass ich meinen bisherigen Rentenverlauf studiere.

Die Lektüre wird von Tag zu Tag spannender.

Kein Witz.

An meinen jährlichen Rentenpunkten kann man die politischen Rahmenbedingungen ablesen. Die Nullrunden im öffentlichen Dienst, die Benachteiligung beim zweiten Bildungsweg.

Mir erschließt sich gerade ein ganzer Kosmos in Gestalt von Rentenverläufen. Hab schon andere Menschen angesteckt, die jetzt auch abends in ihren Unterlagen wühlen.

Diese Rentenverläufe sind immer sehr lang. Sie enthalten Textbausteine, zu den einzelnen Leistung, Voraussetzungen, zu den Abzügen usw.
Wenn man die mal verstanden hat und dann auch tatsächlich mal verschiedene Verläufe von unterschiedlichen Lebensbiografien verglichen hat, beginnt es interessant zu werden.

Da kommen harte Zeiten auf uns zu.

Die Ladenhüterin

Sayaka Muraka

Ein Buch über das Anderssein. Über Angepassenheit und Individualität. Einsamkeit, Alleinsein und Zusammensein. Ein Buch über die Schwierigkeit in der Gesellschaft zum Agieren verpflichtet zu sein.

Und außerdem eine wunderbar seltsame Lebensgeschichte.

Träume verwirklichen

„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, daraus zu erwachen.“

Josephine Baker

Bot – Clemens J. Setz

Gespräch ohne Autor
Zuerst frage ich mich, was das sein soll: Ein Buch, das als Untertitel von sich sagt, dass es ein Gespräch ohne Autor sei. Herausgegeben von Angelika Klammer steht dann noch da. Angelika Klammer ist eine Lektorin, das finde ich durch googlen heraus.

Ich beschließe nun einfach das mit dem Buch zu machen, was man mit einem Buch so macht: Ich lese es.
Und das war eine gute Entscheidung.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, was im Vorwort steht. Das mit der Endlos-Datei und dass die Antworten automatisiert herausgesucht wurden. Dass sie das Gespräch ersetzen sollen. Ich habe keinen blassen Schimmer und es ist mir auch egal.
Bot ist ein wunderbares Journal-Lesebuch. Es streift viele Themen und kommt von hier nach dort. Manchmal an die entlegensten Orte im literarischen Gelände. Ich mag dieses Mäandernde.

Mich regt es zum Denken an, genauso wie zum Innehalten.

Zukunft sortieren

Mit fortschreitendem Alter wird das Sortieren der Zukunft zu einer wichtig, dringlichen Angelegenheiten. Akribisch wird der Ist-Stand ermittelt und trotzdem durchgängig darauf hingewiesen, wie unplanbar und unberechenbar die Zukunft daher kommt.

Aber eins wird immer klarer: Sie wird kostbarer. Jedes Tröpchen Lebenszeit wird kostbarer. Tag um Tag.

Ich reagiere mit verdichteter Dokumentation auf die vergebende Zeit. Ich halte mein Leben fest.
Und meine Liebe.

Ich ordne meine Gedanken und meine Zuversicht.

Schlage meine Erinnerungen in schöne Tücher ein, suche nach Lebensbildern und Gruppenfotos. Details werden herausgeputzt und durch gebürstet. Familienerzählungen vom Staub befreit und neu gepolstert. In den Ritzen des alten Sofas wird nach den Ahnen gefragt und der Stammbaum erforscht.

Aber vor allem eins wird getan: es wird alles aufgeschrieben.

Zehn Jahre Twitter

Twitter gratuliert mir zum zehnjährigen Jubiläum. Die Online-Dokumentation meines Lebens nimmt langsam historische Dimensionen an.

Es sind die kleinen Spuren im Leben, die mich faszinieren. Die, die mich auf Abwege führen. Links und rechts vom Wegesrand.

Dreimal tief durchatmen, dann weitergehen. Für die nächste Woche habe ich mir Ruhe verordnet. Bisher ist mir nur noch nicht ganz klar, wo ich diese abholen kann.

Irgendwann, da bin ich ganz sicher, werde ich lernen, mich gut auszuschütteln.

Freitag der dreizehnte

Freitag der 13te um vierzehn Uhr, Christine.
Wisst ihr noch?

Ich habe etwas gebraucht um zu merken,
dass heute Freitag der dreizehnte ist.

Zuerst war wieder Wandertag durch Frankfurt angesagt. Keine U-Bahnen, keine Straßenbahn.
Mein kleiner roter Koffer rollt sich knatternd seinen Weg durch die Stadt. Noch bin ich gut zu Fuß und von oben bleibt es trocken.
Das miese Karma der vergangenen Tage wird in die Berger Straße eingehämmert.

Das reicht aber nicht, das langt nicht, flüstert mir das Schicksal zu. Mir reicht es nun und ich schließe meine Bürotür konsequent von außen ab.

Freiheitsberaubung für jegliches mieses Karma.

War ja klar, dass das ein Trugschluss ist. Spätestens als dann die Straßenbahn von der Seite gerammt wurde.
Alles gut, flüstere ich mir zu.

Alles, alles gut.

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