Packen

 

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach meine Sachen packen und ins Land der Dünnhäutigen, Sanftmütigen und Mimosen ziehen. Mir ist das Klima zu rauh geworden und die Evolution hat es versäumt mir einen giftigen Stachel mitzugeben.

Ich wünschte, ich könnte meine Sachen packen und mir einen Pass besorgen für das Land „Soziale Demokratische Republik“ ohne kackbraune Flecken auf der Fahne.

Ich sehne mich nach einer gerechten Gesellschaft, die Leistung als sich kümmern definiert. Die Platz lässt für die schönen Künste, für Spaß und Freude. Mit Lust auf das Neue und Achtung für das Beständige.

Einen Platz wünsche ich mir, an dem ich in Ruhe und mit Gelassenheit altern kann. Platzverbot für Trolle. Die mögen bitte draußen spielen.

Die Poesie der Hörigkeit

Der Leben der Mopsa Sternheim in Schwulst und Schweiß verpackt.

Gut erkennbar schon am Titel. Trotzdem lese ich mich durch die Seiten. Würde gerne mehr wissen. Und noch mehr. Über dieses Frauenleben.

Immer am Rande des Abgrunds entlang.

 

 

Wege entstehen beim Gehen

Kafka wieder. „Wege entstehen beim Gehen.“

Auch, denke ich. Wege entstehen auch beim Gehen. Aber ehrlich gesagt: was sind Wege wert, die nicht beim Gehen entstehen? Und was heißt das für mich, für mein Leben?

Was heißt es genau jetzt – in diesem Moment – für mein Leben? In dieser Lebensphase in der mich die Geduld und die Zuversicht verlässt?

Wege entstehen beim Gehen. Wenn ich meinen Weg finden will, dann sollte ich losgehen. Dann darf ich losgehen.

 

Storniert

Ein Klick und die Reise ist storniert. Monatelang die Vorfreude im Herzen getragen, mich dann aber doch der Realität gebeugt.

Es wird andere Möglichkeiten geben. Mittlerweile bin ich in einem Alter, wo das nicht mehr für alle Anlässe gilt. Manche Möglichkeiten wird es definitiv nicht mehr geben, bei anderen sinkt die Wahrscheinlichkeit.

2018 ist in dieser Hinsicht ein Einschnitt für mich. Oder vielleicht so etwas wie ein Wendepunkt.

 

Federhalterwäsche

Seltsame Wortgebilde in den Tagebüchern von Thomas Mann.

Federhalterwäsche.

Kopfwaschung.

Venuskrankheiten.

Ausfüllung der Formulare.

Schlechtes Benehmen des Pudels im Badezimmer.

 

 

 

„K. trennt das Nerzfutter aus meinem Pelz zu einer Jacke für sie; Weihnachtsgeschenk von mir.“

„Der Pudel geschoren.“

(Der Pudel wird verdammt oft geschoren.)

„Für eine dezente liberaldemokratische Republik ist das Land verloren.“

 

 

 

 

 

 

Unkonzentriert

Lange voraus geplant und jetzt doch in den Sand gesetzt. Die französische Eisenbahn streikt im 2-Tage-3-Tage-Rythmus. Arbeitnehmer, die sich ihrer organisierten Macht bewusst sind. Eigentlich eine gute Sache.

Nun ja, wer weiß, wozu Planänderungen gut sind.

Rentenverlauf

Seit drei Tagen verbringe ich meinen Feierabend damit, dass ich meinen bisherigen Rentenverlauf studiere.

Die Lektüre wird von Tag zu Tag spannender.

Kein Witz.

An meinen jährlichen Rentenpunkten kann man die politischen Rahmenbedingungen ablesen. Die Nullrunden im öffentlichen Dienst, die Benachteiligung beim zweiten Bildungsweg.

Mir erschließt sich gerade ein ganzer Kosmos in Gestalt von Rentenverläufen. Hab schon andere Menschen angesteckt, die jetzt auch abends in ihren Unterlagen wühlen.

Diese Rentenverläufe sind immer sehr lang. Sie enthalten Textbausteine, zu den einzelnen Leistung, Voraussetzungen, zu den Abzügen usw.
Wenn man die mal verstanden hat und dann auch tatsächlich mal verschiedene Verläufe von unterschiedlichen Lebensbiografien verglichen hat, beginnt es interessant zu werden.

Da kommen harte Zeiten auf uns zu.

Die Ladenhüterin

Sayaka Muraka

Ein Buch über das Anderssein. Über Angepassenheit und Individualität. Einsamkeit, Alleinsein und Zusammensein. Ein Buch über die Schwierigkeit in der Gesellschaft zum Agieren verpflichtet zu sein.

Und außerdem eine wunderbar seltsame Lebensgeschichte.

Träume verwirklichen

„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, daraus zu erwachen.“

Josephine Baker

Bot – Clemens J. Setz

Gespräch ohne Autor
Zuerst frage ich mich, was das sein soll: Ein Buch, das als Untertitel von sich sagt, dass es ein Gespräch ohne Autor sei. Herausgegeben von Angelika Klammer steht dann noch da. Angelika Klammer ist eine Lektorin, das finde ich durch googlen heraus.

Ich beschließe nun einfach das mit dem Buch zu machen, was man mit einem Buch so macht: Ich lese es.
Und das war eine gute Entscheidung.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, was im Vorwort steht. Das mit der Endlos-Datei und dass die Antworten automatisiert herausgesucht wurden. Dass sie das Gespräch ersetzen sollen. Ich habe keinen blassen Schimmer und es ist mir auch egal.
Bot ist ein wunderbares Journal-Lesebuch. Es streift viele Themen und kommt von hier nach dort. Manchmal an die entlegensten Orte im literarischen Gelände. Ich mag dieses Mäandernde.

Mich regt es zum Denken an, genauso wie zum Innehalten.

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