Weiß und kalt

 

Weiß ist es heute.
Und kalt.

Der Schnee probt schon mal vor für Weihnachten und bepudert alles. Am romantischsten natürlich die von der Kindergruppe geschmückten Weihnachtsbäume in Bornheim.

Bei mir ganz profan die Wäsche auf dem Wäscheständer auf dem Balkon.
Aber unter dem Schnee wird fast alles zur Idylle.

Mit Ausnahme der obdachlosen Menschen vor der Bäckerei natürlich. Armut lässt sich nicht bepudern.

Trügerische Sicherheit

Zitate aus dem Buch “Trügerische Sicherheit“ von Peter Schaar

“In der Demokratie stehen Freiheit, Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit in einem fragilen Verhältnis zueinander. Stets besteht die Gefahr, dass dieses Gleichgewicht gestört wird und damit die Statik des Gesamtsystems verloren geht.“
Peter Schaar geht in dem Buch “Trügerische Sicherheit“ dem Gleichgewicht zwischen diesen vier Säulen auf dem Grund und beleuchtet die dazugehörigen Aspekte. Er steigt dazu tief in die politischen Zusammenhänge ein, die zu einer übermächtigen Angst vor Terror und Kriminalität führte. Außerdem zeigt er sehr deutlich auf, warum es kein “Supergrundrecht Sicherheit“ geben kann.

“Grundrechte sind dann bedeutsam, wenn staatliche Stellen in die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger eingreifen wollen. Grundrechte, die immer dann zur Disposition gestellt werden, wenn dies aus staatlicher Sicht oder nach der öffentlichen Stimmungslage gerade opportun erscheint, sind nichts wert.“ Peter Schaar macht sehr deutlich, dass ein staatliches Gewaltmonopol ohne demokratische Kontrolle in einer Diktatur endet.

“Fakten verlangen Reflexion, während man die noch so abstrusesten Theorien einfach glauben kann.“
Das ist leider genauso. Wir müssen uns erst durch die Fakten kämpfen und uns dann ein eigenes Bild machen, um zu unserer Meinung zu kommen. Das ist anstrengend und fordert uns. Aber es ist auch ein Privileg in einer freiheitlichen Gesellschaft.

Dazu gelernt

Eben gelernt, dass selbstgemachte Meisentöpfchen so viel besser sind als gekaufte Meisenknödel, weil sich in ihrem Netz die Vögel verletzen können.

 

Wieder was dazu gelernt.

Die Geschichte der getrennten Wege

Der dritte Band der neapolitanischen Saga von Elena Ferrante haut so richtig rein. Die beiden ersten Bände empfand ich eher wie so ein Sog, der eine immer weiter in die ausufernde Erzählung hineinzog.

Im dritten Band treffen die Welten der beiden Freundinnen und ihren Familien mit Schmackes aufeinander. Die Intellektuellen und die Armen, die Kommunisten und die Faschisten, die Gewalt und die Demütigung.  Und nicht zuletzt die Frauen und die Männer. Die Starken und die Schwachen.

Alles aus Frauensicht und von einer Erzählerin vorgetragen, die es sich wagt, ihre Protagonistinnen auch in einem schlechten Licht darzustellen. Jetzt schlagen die Funken aus den Reibungen der parallelen Biografien.

Jetzt schlägt das Ferrante-Fieber erst so richtig zu.

 

Wortgewalt

Es gibt eine Informationsstrategie der Mächtigen im Umgang mit den Mitbestimmungsgremien, die nennt sich Informationsflut.

Überschütte sie mit Informationen und sie werden sich darin vergraben, werden die wunden Stellen nicht finden, werden in der Aufgabe zu sichten und zu priorisieren untergehen.

Diese Strategie passt gut in unsere Zeit. Mit Worten lassen sich Machtkämpfe austragen, nicht unbedingt durch die Inhalte, die die Worte transportieren. Manchmal durch ihre große Anzahl oder durch die Lautstärke mit der sie durch reale und virtuelle Räume schallen.

Die große Kunst Weisheiten in kurze Sätze und kompakte Gedanken zusammenzufassen wird gelegentlich gelobt und selten angewandt.

Die Untugend der Wortverschmutzung breitet sich aus.

Was für eine Unhöflichkeit, die Aufmerksamkeit der anderen ständig so ausufernd zu missbrauchen. Fasse dich kurz. Stand früher an den Telefonzellen. Damals aus monetären Gründen. Menschen in Wortwolken einzuhüllen passt nur, wenn es um emotionale Bezüge geht. Wenn das Gespräch ein Austausch von Zuwendung ist. In sachlichen Zusammenhängen sind Wortwolken unnötig und ärgerlich – sie zeigen ein Machtgefälle zwischen der Person, die ihre Wortgewalt zum Einsatz bringt und der, die sich dieser aussetzen muss.

 

 

 

Bewältigungsstrategie

den Tag in Stücke gießen

in kleine Häppchen

nicht eins davon verdaulich

aber alle in Sorgfalt

gepackt

Geschichten erzählen

Die Sammelmappe ist kein geeigneter Ort um Geschichten zu erzählen. Eher ein geschützter Gedankenraum in dem ich mich ausbreiten kann.

Manchmal ist das etwas schade, aber es gibt eben die unterschiedlichen Schreibplätze. Jeder hat seine Eigenheiten, jeder steht für eine andere Schreibsituation.

In der Sammelmappe versuche ich trotzdem Meilensteine zu hinterlassen, Markierungen und Wegweiser, damit ich einst aus der Zukunft heraus zurück schauen kann.

Im Augenblick werfen große persönliche Ereignisse ihre Schatten voraus. Sehr intensive. Mein Leben wird sich verändern und ich bin sehr dankbar darüber. Die Zeit ist so kostbar, ich weiß die Tage zu schätzen. Jeden einzelnen.

Ich bin sehr glücklich, sehr erfüllt. Aber klar, dass mein Kopf auch gleich mit dem Ausmalen beginnt. So oder so könnte es gehen, so oder so soll es sein. So oder so will ich es haben.

Ich mache Pläne, kleine Pläne. Ich mag diese Zeit.

 

Die Fotos der Annemarie Schwarzenbach

Das ist wunderbar.

Die Fotos der Annemarie Schwarzenbach sind jetzt online zugänglich.

Das Internet ist manchmal dann doch eine gute Sache.

Novemberstimmung

Der Tag ist grau und nass, trotzdem sanft auf seine Art.

Keine Ansprüche, kein Druck.

Nur ein müder Körper, der mir subtil mitteilt, dass er erwartet, dass ich mehr Rücksicht auf ihn nehme.
So ein Zwischenstand zwischen gesund und krank.
Aber er lässt nichts aus: Verdauung, Bronchien, Lymphknoten und leichte Infektion im Mund.
Ich nehme an, dass ihr es gar nicht so genau wissen wolltet. Ich nehme diesen Sammelmappen-Eintrag nur zum Anlass, mir selbst zu spiegeln, dass es einen Anlass gibt, mich in einen Gesundungsmodus zu begeben.

(Sprich: ich darf im Bett bleiben und lesen.)

Als bräuchte ich einen Anlass oder die Erlaubnis, um mich in das Leseparadies zu begeben!

 

Erleichtern

Der Fußboden um mich herum liegt voller alter Karten, Briefe und Bilder. Ich muss vorsichtig sein, wenn ich aufstehe, mein Rücken knarrt wie eine alte Zimmertür. Es war die denkbar ungünstige Position, um mich diesen Erinnerungsstücken zu widmen.

Ich sammle schriftliche und bildliche Erinnerungsstücke wie andere Menschen Bücher, Zeitschriften oder Platten und CDs. Nicht ganz, denn ich bin eine leidenschaftslose Sammlerin. Ich stecke die Sachen in die Kisten und dort bleiben sie dann. Sie gehören mir. Sind Teil meines Lebens. Obwohl sie das nicht tun sollten. Ballast ist nicht gut. Ich kann in anderer Hinsicht gut Ballast abgeben. Brauche nicht viel Raum und nicht viele materielle Güter.

Und vorallem mag ich den Gedanken, wenig zu brauchen. Vergleichsweise wenig muss ich dazusagen. In der Zwischenzeit gibt es ja eine Bewegung, die sich Minimalismus nennt und die diese Lebensform gerade perfektioniert. In diese Liga passe ich nicht, dazu habe ich zu viele  Sachen und zu wenig System. Denn ich bin auch die, die sich mit all ihren materiellen Sachen immerzu ein Nest baut. Wo ich gehe, stehe, reise oder sitze. Ratzfatz hab ich ein kleines Nest gebaut. Dazu sind Dinge wirklich gut: als Nistmaterial.

Mein kleiner Stapel mit den Papieren zum Wegwerfen wird und wird nicht größer. Sieht so aus, als müsste ich woanders nach Erleichterung suchen.