Kartoffelfeuer

Jetzt ist es Herbst geworden. Die Zeit der Kartoffelfeuer an die ich so gerne zurück denke. Früher mochte ich den Herbst sehr gern. Den Wind, der die Blätter durcheinander wirbelt. Die Bewegungen der Bäume. Die Farben sowieso.
Heute steht der Herbst eher für den Beginn der langen dunklen Jahreszeit. So viele Monate bis das Licht wieder kommt. Mir fehlen eindeutig die Feuer. Die machten den Übergang erträglich.

Ich stehe jetzt auch im Herbst meines Leben. Eine Tatsache, die ich immer wieder erstaunt zur Kenntnis nehme. Die Lebenskerze brennt dem Ende entgegen. Noch ist Frühherbst. Aber die Tage werden schon deutlich kürzer.

Weiter Spinnen

Hab die restliche Wolle rausgekramt, um mir mit der Handspindel noch Wolle für die letzte Lampe fertig zu spinnen. Es hat lange gedauert, aber einmal bin ich mit einem Lampenschirmmodell noch fündig geworden. Allerdings in einer Form, die mich vor Strickrätsel stellt. Bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das lösen kann. Angefangen habe ich, die Inspiration wird sich hoffentlich noch einstellen.

Das Spinnen, Haspeln, Wickeln, Zirnen, erneut Haspeln und Wickeln kommt mir endlos vor. Trotzdem mag ich die Handspindel sehr. Es ist einfaches Prinzip und das Ergebnis ist ein tolles Material. Es macht so viel Spaß, das Garn anwachsen zu sehen.

Nur den Goldfaden, den kann ich noch nicht spinnen.

Das Wochenende fest im Blick

Sturmhöhe

Es stürmt ein Wind quer über Deutschland, den ich nicht kommen sah. Die Filterbubble löscht den Sturm radikal aus meinen Nachrichten aus.

Jetzt habe ich versehentlich den völligen Bubble-Status erreicht.

Ein doppeltes Feuer durch das der Leser auf die Handlung blickt, so beschreibt die Wikipedia die Erzählperspektive bei „Wuthering Heights“.
Feuer durch Wind entfacht, mehr und größer kann die Metapher für Leidenschaften kaum ausfallen.

Es irritiert mich, dass mich jetzt wichtige Nachrichten in der Filterbubble nicht mehr erreichen.

Ich werde in mich gehen. Mich ans Gleis setzen und warten, dass das Glück ankommt.

Morgen auf Gleis 17 habe ich eine gute Chance.

Achtsamkeit

Pass auf dich auf!
Sei achtsam mit dir!

Wie geht das überhaupt? Wie passt eine auf sich auf? Wie sorgt sie sich um sich?
Die großen Erwachsenenfragen sind nicht immer einfach zu beantworten. Nicht mal für fürsorgliche Menschen.

Achtsamkeit wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Auch nicht davor. Aber wenigstens habe ich mit den Jahren eine Ahnung davon bekommen. Wie sie aussehen könnte. Wie sie sich anfühlen könnte.
Leider entfernt sie sich trotzdem immer wieder von mir. Ehe ich mich sehe, habe ich wieder nicht aufgepasst und sie ist verschwunden. Einfach aus dem Blickfeld geraten und nicht wieder aufgetaucht.
Dann geht die Suche von neuem los. Ich versuche sie anzulocken und zu überzeugen, dass sie be mir bleibt. Ein endlicher Kreislauf.

Tödlich endlich.

Ruhetag

Vierundzwanzig Stunden nach der Abreise aus Llanca sehe ich mir Videos auf YouTube von Llanca an.
Regenvideos. Wenn die Sonne oft scheint, ist der Regen das große Ereignis.
Die Sonne ist selbstverständlich. Ein bisschen so wie im wirklichen Leben.
Da merken wir manchmal auch erst wenn der große Sturm kommt, dass nicht immer alles sonnig bleibt.
Nun ja, mit 50++ muss ich das nicht mehr lernen, das habe ich längst verinnerlicht.
Selbst als ich jung war, habe ich jeden Lichtstrahl, der auf mich fiel als ein besonderes Geschenk betrachtet.
Mir hat nie jemand einen Rosengarten versprechen müssen und ich wäre auch nie auf den gedanken gekommen, dass es rote Rosen für mich regnen sollte. Ruhe habe ich mir immer gewünscht.
Stille. Liebe. Leises Leben.

Ruhe habe ich jetzt mehr als früher im Leben.
Aber seltsamer Weise wächst das Bedürfnis immer weiter.
Vielleicht auch eine Alterserscheinung.

Oder eine andere Form des Bedürfnis nach: mehr.

Ankommen

Ankommen.
Wiederkommen.
Heimkommen.
Vorbeikommen.

Nach Hause kommen.
Gar nicht so einfach, dieses “zwischen den Welten wechseln“. Ich komme nach Hause und sehe mich ungläubig um. Hier ist es also, dieses Leben, das zu mir gehört. Es fremdelt dann immer noch eine Weile mit mir und ich gebe mir Mühe, es freundlich wieder in Besitz zu nehmen.

Minute für Minute. Raum für Raum.
Dieses Leben, das so genau nach meinen Bedürfnissen maßgeschneidert ist, dass ich es manchmal mit der Angst zu tun bekomme. Prinzessinnendasein. Diva-Alarm.

So fremd, so vertraut.
Da stecke ich drin in meiner Haut und kann nicht wieder raus.

Nur für Momente sah es so als, als hätte ich eine andere Wahl.

Staatsmacht

Da standen sie heute alle in der Schlange. Die nationalistischen alten und jungen Menschen mit und ohne Kinder. In der Nacht davor wurden die Urnen an geheimen Plätzen aufbewahrt und zu den Wahllokalen gebracht.

Da standen sie auch später noch und bewachten die Türen zum Kulturzentrum und mit etwas Abstand dazu die zwei Polizisten, die am Morgen schon das Wahlgeschehen beobachteten.

In Barcelona ging es ganz anders zur Sache und nach den vergangenen Tagen war schon klar, was für Bilder folgen werden. Gewalt gegen Menschen, die zur Wahlurne gehen kommt irgendwie nie gut rüber. Egal wie umstritten das Referendum ist.

So kommt es immer, wenn Populisten Politik machen. Eigentlich können sie immer nur eins: die Muskeln der Staatsmacht spielen lassen.
Aber das ist im Prinzip keine Politik. Das kann auch ein Bandenchef in der organisierten Kriminalität. Das ist zuwenig, wenn es um Politik geht.

Warum wird das nicht häufiger diskutiert?

Blockchain

Das muss ich mir noch anschauen.

Ein Ort des Ankommens

Heimat – ein Ort des Abkommens.

Die intensivste Leseerfahrung der letzten Wochen bereitete mir das Lekture-Blog zu den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson.
Birte Förste schreit darin jede Woche etwas zu Gesine Cresspal und ich kann darin schwelgen und mich erinnern, an diese wunderbare Lektüre über ein fiktionalen Leben, das so lebendig und klar vor mir erscheint.

Diese Woche widmet sie dem Begriff der Heimat in den Jahrestagen einen schönen Artikel. Dem Gedanke, dass die Heimat, der Ort des Ankommens ist.
Ein Ort, der seine Bedeutung durch unser Tun erhält und dass er langsam entstehen kann, dort wo ihn keine vermutet.

Von Woche zu Woche erscheinen diese wunderbaren Texte.