Ankommen und zurückkehren

Im Moment fühlt sich die Lebenszeit an wie im Schleudergang einer Maschine, die ganz unruhig läuft.
Langsam wird es ernst, denn die zu erlebende Zeit läuft eindeutig ab. Ihre Dehnbarkeit ist endlich. Außerdem ist längst klar, dass kein Mensch ausgeleierte Sachen mag. Nicht mal auf Lebenszeit.

Gerade die nicht.

Ich komme an und kehre wieder zurück. Was die letzten drei Jahrzehnte selbstverständlich war, gerät jetzt an meine Grenzen.

Vielleicht komme ich noch einmal an, aber zurückkehren scheint keine Option mehr zu sein.

Unbehagen

Wenn wir über Frieden reden, dann reden wir über etwas, das es nicht gibt.

So ähnlich hat das Astrid Lindgren in einer Rede mal gesagt. Als ich es zum ersten Mal las, erschrak ich heftig. Daran hatte ich vorher nie gedacht. Mein Wunsch, dass eine friedliche Welt möglich sein könnte, war immer so stark, dass ich Frieden als etwas ansah, das ganz nah bei uns ist. In meiner Vorstellung müssten wir uns nur alle ein bisschen recken und strecken, uns anstrengen und dann würde das schon klappen mit dem Frieden.
Da war ich mir ganz sicher.

Aber mit der Gewissheit, dass es Frieden nicht gibt, wird die Welt ziemlich unbehaglich.

Journal09052018

Den Schleier des Vergessens über mich legen. Auf mich legen.
Das wäre mir am Liebsten.

Verdammt, sie sollten mich hören, wenn ich leise spreche. Am liebsten: wenn ich bin.

Diese Lautstärke vertrage ich nicht. So schrill, so dumpf. So durchdringend.

Mich sichtbar und hörbar zu machen. Oh je, was für eine Aufgabe!

Aber wie sollen sie sonst wissen, was in dir ist?

Journal08052018

Sitzungstag. Da sind viele Dokumente zu unterschreiben. Jedes Mal setze ich zum Datum an und denke: der 8. Mai.
Der 8. Mai. Der Tag des langersehnten Ende des zweiten Weltkriegs. Der Untergang des faschistischen Reiches der Größenwahnsinnigen.

Geschichte wiederholt sich, heißt es manchmal. Sie wiederholt sich und bleibt trotzdem nicht gleich. Es ist gruslig daran zu denken, dass wir in siebzig Jahren nicht weitergekommen sind. Die dunkle Saat geht in der Finsternis auf.

Es sind schon wieder viel zu viele. Zu viele ohne Moral. Zu viel Grausamkeit.

Erhitzt

Geboren im Zeichen der Schnecke. Habe es nie geleugnet, dass ich einen Hang zur Langsamkeit in mir hege.
Ich denke langsam, ich fühle langsam, ich erlebe langsam und ich verändere mich langsam. Bis dann der Punkt des Wechsels des Aggregatzustands kommt. Dann kann plötzlich alles sehr schnell gehen und die Schnecke verwandelt sich in eine Traumtänzerin oder eine Bienenkönigin oder was auch immer.

Im Moment sieht es aber eher so aus als verwandle ich mich in geschmolzene Buttercreme. Die Hitze steigt in mir hoch und entgegen den Beschreibungen, die ich kannte, löst sie ein angenehmes Wohlbefinden aus.
Ich schmelze dahin und wieder zurück. Es fühlt sich sehr intensiv an. Sehr stark. Es passiert etwas mit mir, das Körper und Seele erfasst. Eindrücklich. Nachdrücklich.

Gestern las ich, dass es eine neue Theorie zu den Figurinen wie z.B. die Venus von Willendorf gibt. Diese kleinen Skulpturen sind die ältesten dreidimensionalen Menschendarstellungen und finden sich an weit von einander entfernten Fundorten. Es sind immer Frauen, immer ohne Kopf, immer sehr ausgeprägte Brüste und Bäuche. Jetzt sagt eine Theorie, diese Statuen könnten dadurch entstanden sein, dass die schwangeren Frauen diese Statuen als Selbstbildnis angefertigt haben, in dem sie an sich herunter schauten!

Was für eine Perspektive!
Und irgendwie ergibt es Sinn.
Ist einleuchtend.

Wispern

meine Lebenslautstärke ist leise

meine Empfindungen sind tief
meine Hoffnungen umfassen die ganze Welt
meine Liebe ist stark
meine Lebensgeschwindigkeit ist auf langsam eingestellt
meine Gedanken umkreisen die Welt

meine Träume regen auf

meine Zeit vergeht
mein Leben bleibt

Samstagabend

Samstagabend. Der Kampf mit dem Backup endet unentschieden.
Schlimmer als kein Backup, ist ein Backup, das so tut als läuft es einwandfrei.

Lebenszeit in Gigabyte umgerechnet. Übertragungszeit besser gesagt.

Ob sich das alles wirklich noch lohnt wegen der ollen Sammelmappe?

Auf der WordPress-Plattform hab ich noch eine einfachst Kopie der Sammelmappe mitlaufen. Ohne Medien, aber wenigstens die Textbeiträge importiert.

Wenn ich dran denke, wie viel Zeit ich früher in das Blog stecken musste. Heute ist alles so easy und ich hab trotzdem keine Lust mich damit zu beschäftigen. Bin bequem geworden.

Aber noch bin ich nicht so bequem, dass ich die Sammelmappe ganz aufgebe. Ich mag einen Platz im Internet haben an dem ich immer weiter schreiben kann.
Genau wie an den anderen Schreiborten, die mir lieb und teuer sind.

Datenschutz

Die EU DSGVO tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und geistert als abschreckendes Blogg-Gespenst durch die virtuelle Welt.

Drei- viermal habe ich in den letzten Wochen einen Anlauf gemacht, mich darum zu kümmern, hab aber immer relativ schnell entmutigt aufgegeben. Mir fehlt die Zeit, die Geduld und das Gemüt mich durch die fremde, komplizierte Materie zu wühlen.

Aber ich habe mich entschieden weiter zu bloggen, allen Schnickschnack-Kram aus der Sammelmappe zu entfernen und mich dem Minimalismus hinzugeben. Hoffentlich habe ich nichts übersehen.

Aber was soll’s. No risk, no fun.

Datenschutz ist ein blödes Wort, denn wer will schon Daten beschützen. Datenschutz bedeutet eigentlich Schutz von Personen. Von Persönlichkeiten. Von Leben.

Mir ist es schon wichtig, das richtig zu machen. Aber dass dieser irrwitzige Abmahnkram immer noch möglich ist, das nervt mich schon.

Warmherzig und großartig

Porträt Claudia

Zum dritten Mal sehe ich mir den Talk mit Chelsea Manning an.

Sie ist klug, warmherzig, mutig, klar. Eine großartige Frau.

Mir kommen die Tränen, wenn sie von der Zeit im Gefängnis erzählt. Es gibt einen Podcast von amnesty international in dem ein Sprecher – sie durfte das damals nicht selbst aufnehmen – aus ihrem Leben berichtet.

Auch der ist sehr empfehlenswert.

 

 

Chelsea Manning

Die wunderbare Chelsea Manning mit der keynote zur re:publica 18.

Ich könnte mir keine bessere denken. Auf Twitter lese ich ihre Weisheiten nach.

Sie ist so bescheiden, so klug, so bodenständig.

„Du kannst keine Debatte mit jemandem führen, der einen Genozid will“

„I‘m stronger, I‘m older and I‘m more experienced, but I‘m the same person I was 10 years ago.“

„Maybe we can all be our own role model“

 

Vielleicht finde ich nachher auch noch das Video zu ihrem Auftritt, um es hier zu verlinken. Stimmen wie die ihre sind wichtig.

Hier ist der Link!

Ich wiederhole mich: sie ist so wunderbar! Eine großartige Frau.