Kanns nicht und wills nicht

Lese zum ersten Mal ein Buch von Lydia Davis und fange nach fünf Seiten mit dem inneren Jauchzen an. Diese Texte sind ganz nach meinem Geschmack. Warum sind sie mir nicht früher über den Weg gelaufen?

Ernsthafte Fragestellung. Vertane Lesezeit ist vertane Lebenszeit. Sie ärgert mich mehr, als wenn der Süssigkeitenautomat mir die Süssigkeiten nicht ausspuckt.

Mein Herz

Hab mein Herz nie verschenkt, weil ich nicht ohne es dastehen wollte. Aber manchmal hab ich es in die Hand genommen und ihm einen kleinen Schubs gegeben. Damals als ich noch sicher war, dass das Schubsen hilfreich und nötig sei. Später im Leben, habe ich verstanden, dass es mein Herz ist, das mich durch das Leben stupst. In ihm eigenen Rhythmus.
Und immer war ich stolz darauf, dass mein Herz links schlägt.
Nicht nur weil das am besten in jede Weihnachtsgeschichte passt. Vielleicht weil rot die einzige wahre Farbe ist.

Mein Herz flüstert mir auch heute noch manchmal Ungeheuerlichkeiten ins Ohr. Viel weniger als früher, aber nachdrücklicher.

Nie alleine

Kann es etwas Schlimmeres geben als das Versprechen, nie alleine zu sein?

Eine Beschreibung für die Hölle der Introvertierten könnte so lauten.
Oder der alte Slogan für die Rund-Um-Überwachung.

And the world remembers his name

Jedes Jahr im August wieder das Entsetzen. Dass das kein Alptraum war, sondern Realität. Grausame Realität.

Heute ist der Jahrestag des Abwurf der Hiroshima-Bombe. Little Boy war ihr Name. Was für ein furchtbarer kleiner Junge! Aber warum lernen die Menschen nicht aus ihren Fehlern? Warum lernen sie nicht daraus?

Ich werde das nie verstehen können, so alt ich auch werde. Diese Überheblichkeit der Grausamkeit. Dieses Ausschalten der Moral.
Oder schlimmer noch: im Namen der Moral diese Grausamkeit zu rechtfertigen.

Eigenes Fenster
There’s a shadow of a man at Hiroshima
where he’d pass the noon
in a wonderland at Hiroshima
‘neath the August moon

And the world remembers his face
– remembers the place was here…

Unendliches Spiel

Unendliches Spiel, unendlicher Spaß, unendliche Leserei.

Vielleicht komme ich wirklich nie am Ende des Hörspiels an, weil es immer wieder Szenen gibt, die ich unbedingt noch einmal hören muss.In einer Unendlichskeitsschleife gefangen. Aber dieses Mal bin ich vorgewarnt und greife zum Mittel der Dokumentation. Schriftlich, um mir die Beweisführung zu erleichtern.

Daneben lese ich im Rekordtempo schon einmal Gelesenes zur Demenz. Der Versuch, über die Literatur zu verstehen, was eigentlich nicht begreifbar ist.

Oder doch. Nur anders als alles sonst, was mir im Leben so begegnet.

 

 

 

Superheldinnen

Cover Superheldinnen
Superheldinnen von Barbi Markovic<br><br>

Die Superheldinnen treffen sich Samstag in einem Cafè in Wien und arbeiten dort Texte für ein esoterisches Magazin aus. Aber das ist nicht ihr eigentliches Anliegen. Tatsächlich versuchen sie zu dritt ihre jeweiligen dunklen Kräfte zu kanalisieren. Denn es ist schwierig, solche Kräfte wie den „Blitz des Schicksals“ oder gar die „Auslöschung“ in den Dienst der Gerechtigkeit zu stellen, da ist es schon gut, wenn sie zu dritt sind.
Gleichzeitig versuchen sich die Superheldinnen im Aufstieg in den Mittelstand, aber das ist selbst für Superheldinnen schwierig, wenn sie wurzellos sind.
Ich mag diese Geschichte. Sie handelt von der Erbarmungslosigkeit des Kapitalismus, von der Heimatlosigkeit, der Einsamkeit und der Suche nach Wohlstand. Sie handelt von Heimat und Wurzellosigkeit, von Einsamkeit und Freundschaft, von Liebe, Zuneigung und Hass sowie von Krieg und Frieden.

Wochenende

Nein, Urlaub noch nicht. Der muss noch etwas warten. Aber zum Glück ist wenigstens Wochenende. Auch ein Lichtblick. Heute morgen mit einem heftigen Allergieanfall gekämpft, der nur mit medizinischer Gegenwehr in den Griff zu bekommen war. Mit all den ungeliebten Nebenwirkungen. Trotz der “neuen Generation“ der Medikamente.
Das sind alles die Dinge der Kategorie, “braucht kein Mensch“, die aber sofort unwichtig werden, wenn dir die K. von ihrer dritten Krebsdiagnose in sechs Jahren erzählt. Da werde ich ganz still und schweigsam. Das Leben war noch nie gerecht. Allerdings immunisiert mich dieses Wissen auch nicht gegen die eigene Mimosenhaftigkeit. Ich werde nicht stark und entdecke auch keine Superkräfte in mir.
Nur ein beständiges Verlangen nach Ruhe.

Feierabend

So tief kann ich gar nicht mehr seufzen, dass der Staub der Arbeit von meiner Seele bröckelt.
Eher ist zu befürchten, dass sich da eine klebrig, fettige Masse draufgelegt hat. Eine Schicht, die die Seele nicht mehr atmen lässt.
Es wird dringend ein geeignetes Reinigungsmittel gesucht. Sanft und zuverlässig. Ohne Schäden zu hinterlassen.
Urlaub vielleicht?

Mantra

Überwachung schadet Deiner Demokratie.
Gewöhn Dich nicht an Überwachung!
Gewöhn Dich nicht an Überwachung!
Gewöhn Dich nicht an Überwachung!

Fleißiges Bienchen

Es ist bekannt,dass ich Fleiß nicht für eine Tugend halte. Fleiß sagt nichts darüber aus, wie sinnvoll eine Arbeit ist, die ich mache oder welche Qualtät sie hat.
Aber manchmal umgibt den Fleiß so eine Pseudo-Beruhigung. Ich arbeite, das ist wichtig und nur ich entscheide, ob ich mich davon abbringen lasse und mich um den Kram von anderen Menschen kümmere.
Ich arbeite vor mich hin und mein Kopf wird leer. Weiter und weiter. Nur nicht unterbrechen lassen, es fühlt sich richtig an.

Nicht denken, nur den Stapel bearbeiten. Gute Strategie um Distanz zu schaffen.
Eine Aura von Geschäftigkeit.

So ein Tag war das heute.