Das Tagebuch der Prinzessin Leia

Das Tagebuch der Prinzessin Leia
von Carrie Fisher

Ein außergewöhnlicher autobiographischer Text

Prinzessin Leia lässt uns in ihr Tagebuch schauen – und zwar buchstäblich. In Carrie Fishers letztem Buch erzählt sie von der Zeit der Dreharbeiten am Set der Star Wars Filme. Sie erinnert sich an eine junge, verunsicherte Frau, die von Selbstzweifeln geplagt wurde und die erst mal in eine Abnehmklinik geschickt wurde, bevor sie die Rolle spielen durfte. Ängstlich hoffte sie, dass niemand merkte, dass sie die Klinik mit genau den 55 kg verließ, mit denen sie gekommen war. Während den Filmarbeiten kommt es zu einer Beziehung zwischen ihr und dem verheirateten Harrison Ford, die sie sehr verunsichert. Die Tagebuchaufzeichnungen der jungen Schauspielerin lassen erahnen, wie innerlich vereinsamt sie in dieser Zeit war. Das verletzte Selbstwertgefühl liegt in diesen Seiten offen.
Da ist eine Frau, die sich wieder und wieder öffnet, weil sie geliebt werden möchte. Von ihrem Geliebten, aber auch von den Menschen mit denen sie zusammen arbeitete, vom Publikum. Von allen Menschen, die ihr begegneten. Man ahnt, dass das ein anstrengende Leben werden muss.
„Unablässig versuche ich, dich dazu zu bringen, mich zu lieben, aber ich will die Liebe nicht – denn ich will die Suche danach.“
Das letzte Drittel des Buches erzählt von den Begegnungen mit den Fans bei Autogrammstunden oder Comic-Messen. Auch hier wird immer wieder deutlich, wie sehr diese Frau um ihre eigene Identität kämpfen muss.

Wer ist Carrie? Wer ist Prinzessin Leia? Mit jedem Lebensjahr entfernte sich die Illusion und blieb doch immer Teil ihres Lebens.

Sei gegrüßt und lebe

Sei gegrüßt.
Und.
Lebe.

Ich kann mir kaum eine schönere Ansprache von einer Kollegin und Freundin denken.

„Sei gegrüßt und lebe“ ist der Titel des Briefwechsel von Christa Wolf und Brigitte Reimann. Da treffen zwei Frauen aufeinander, die charakterlich und von der Persönlichkeit her, wie Feuer und Wasser zueinander stehen und sie bestärken und befruchten sich gegenseitig.
Diese Herzlichkeit mit der sie miteinander umgehen ohne sich in Oberflächlichkeiten zu verlieren ist ansteckend. Da sprechen zwei gleichwertige Kolleginnen sehr ehrlich mit einander.

„Und ist Dir nicht klar, dass die Pubertätszeit bei allen schöpferischen Menschen verlängert ist und eigentlich ihr ganzes Leben lang dauert …“
Das schreibt diese verkopfte und immer auf rationale Handlungsweisen bedachte Christa Wolf, der ewig zwischen Manie und Depression schwankenden, dauer-dramatisch verliebten Brigitte Reimann und wirft ihr damit einen Anker hin, an dem sie sich festhalten kann.

Das ist großartig.

Frau Auge verschenkt

Frau Auge verschenkt Gedichte.
Auf dem Wochenmarkt.

Wenn ich dort vorbei käme, würde ich mich sehr freuen über ein geschenktes Gedicht.
In der Zwischenzeit borge ich mir die Gedichte halt aus.

Geht auch.
Aber geschenkt ist eindeutig besser.

Momente der Klarheit

Momente der Klarheit

von Jackie Thomae

 

Zuerst bin ich schwer reingekommen in das Lesen dieses Episodenromans. Nach einer Weile konnte ich dem Stil des Buches dann folgen und mich auf die Trennungsgeschichten einlassen. Mir gefiel die Sprache und auch das Tempo in dem das Buch geschrieben ist recht gut.

Schwierigkeiten hatte ich mit den Figuren aus dem Medienmilieu. Mag ja sein, dass das Buch ein Spiegel dieses Kreises ist, aber dann sind das doch zu viele willkürlich ausgesuchte unreife Figuren aus diesem Milieu, die als Typ auf Dauer eher nerven als interessieren.

Die einzelnen Episoden sind sprachlich geschickt ausgearbeitet und legen die Persönlichkeiten der Figuren frei. Ihre Schwächen, ihre Wunden, ihre Narben. Es ist der Autorin gut gelungen, diese Momente jeweils einzufangen, in denen sich in den Menschen etwas in Bewegung setzt, etwas das eine Veränderung einläutet. Dass diese Veränderung all zu oft in einem Muster endet, das auch seine absehbaren Tücken in sich birgt, verschweigt sie nicht.

Vielleicht

Wie immer geht mir nach den Tagen der Ruhe viel durch den Kopf. Die Sicht auf mein Alltagsleben ist wieder klarer geworden. Ich bringe Ideen mit für neue Projekte und Experimente an die ich mich wagen will. Gerade im Moment sind mir meine Prioritäten sehr bewusst. Auch das Anhäufen von Vergangenheit in meinem Leben. Mein Anspruch ist es immer mehr, runde Entscheidungen zu treffen, die mir dabei helfen in meiner täglich kürzer werdende Zukunft ein gutes Leben führen zu können.

Die Dinge, die mir wichtig sind, sind überschaubar. Das erleichtert die Angelegenheit. Außerdem gibt es eine Menge Rahmenbedingung, die außerhalb meiner Kontrollmöglichkeiten liegen. Es bleiben also nur noch wenige Stellschrauben, die für mich zugänglich sind. Deshalb ist es mir wichtig, dass ich diese Stellschrauben gut bedienen kann. Ich arbeite daran und fühle mich wohl dabei.

Nachhinein

Nachhinein
von Lisa Kränzler

Ich schaffe es nicht, dieses Buch zu lesen. Es erscheint mir unnötig grausam, um den Konflikt zwischen den beiden Mädchen zu erzählen und die sogenannte Unterschicht wurde auch schon mal kreativer beschrieben.

Sieht so aus, als hätte sich seit der Lesung im Jahr 2012 bei mir dieses Gefühl nicht geändert. Diese Sprache geht mir tierisch auf den Geist, sie ist mir fast körperlich unangenehm.

Sie schließe den Reader, denn niemand verpflichtet mich, dass ich das bis zum Ende aushalten muss.

Dinge, die vom Himmel fallen

Dinge, die vom Himmel fallen

von Selja Ahava

Trotz des spektakularen Geschehens ist es ist eins von den wunderbar leisen Büchern. Es handelt von Tod, Trauer und vom Schicksal, das wir Menschen so schlecht verstehen können, wenn es so auffällig zufällig daher kommt. Wenn Dinge vom Himmel fallen, in diesem Fall buchstäblich und die Mutter von einem Eisklumpen erschlagen wird.

Die Geschichte wird mit unterschiedlichen Erzählerstimmen weitergetragen. Zaghaft, im Märchenstil und eindringlich.

Nachdenken über Vergangenes

Manchmal gehen zeitgenössische Trends an mir vorbei und holen mich dann nach Jahren ein. Nach Jahrzehnten kommt auch vor, denn schließlich bin ich im Zeichen der Schnecke geboren.
So geht es mir gerade mit Christa Wolf und ihren Texten. In den 80ern war ich mit anderen Sachen beschäftigt, in den 90ern war sie mir zu langatmig und umständlich, nach der Jahrtausendwende war mir der DDR-Stasi-Hintergrund zu abgründig und irgendwann hab ich dann die Stadt der Engel gelesen und war hingerissen. Dieses Buch habe ich sicher dreimal komplett gelesen und viele, viele Male lange Passagen daraus wiederholt nachgelesen. Ich hielt diesen Text für untypisch für sie und nichts, aber auch gar nichts hat mich neugierig auf ihre anderen Texte gemacht.
Jetzt lese ich mich im Urlaub langsam durch ihre Biografie. Ganz langsam, damit ich den Überblick nicht verliere. In dieser Biografie staubt so richtig der Mief der DDR. Die endlosen Taktierereien usw., aber langsam werde ich immer neugieriger auf die Texte von ihr. (Dazu tragen auch die Tagebücher der Brigitte Reimann bei.) Aus der Onleihe habe ich mir einige Texte heruntergeladen und kurz rein gelesen und merke jetzt, dass da viel mehr ist, als ich je wahrgenommen habe.

Manche Dinge brauchen ihre Zeit.

Drift

Drift von Anne Kuhlmeyer

Mit der Einordnung dieses Romans als Krimi tue ich mich schwer. Als Krimi kann ich ihn nicht deuten.

Was ist es dann? Ein spannend geschriebener Roman über die Magie des Geschichten erzählen, des Schreibens und Lesen. Über das Erinnern und das Vergessen. Es ist ein Roman über Schuld und Schuldhaftigkeit. Über das Leben und wie schwierig es ist,  seinen Platz darin zu finden.

Es ist ein Buch mit Unterhaltungswert. Seine Schwäche liegt für mich in der doch etwas zu einfach geratenen Gestaltung der Figuren, die für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche bleiben. Aber da ja das Erzählen und die Geschichten im Mittelpunkt stehen, bietet der Roman trotzdem spannenden Lesestoff.

Madame Rosella und die Liebe

(Die zwei Bücher von Max Frisch ersparen ich euch. Die las ich, weil er in der Biografie der Christa Wolf so oft auftaucht und ich ihn etwas einordnen wollte.)

Also geht es weiter mit:

Madame Rosella und die Liebe

von Tuna Kiremitci

Eingeladen zum Lesen hat mich die Zusammenfassung des Romans, der in der Türkei ein Bestseller ist: Die Geschichte der Berliner Jüdin Rosella, die während des Zweiten Weltkrieges nach Istanbul geflüchtet war, sucht jemanden, der sich auf türkisch mit ihr unterhält und trifft dabei auf die Studentin Pelin.

Der gesamte Roman ist in Dialogform geschrieben, ohne Beschreibung der Umgebung, ohne zu erläutern wer gerade spricht. So eine stilistisch anspruchsvolle Form gelingt nur, wenn der Autor hervorragend schreiben kann. Aber in diesem Buch gelingt das leider nicht. Die Figuren sind beide nicht besonders überzeugend gezeichnet, die Erzählung bleibt an der Oberfläche, ohne zu langweilen.

Ich schwanke bei der Bewertung zwischen drei und vier Sternen. Entscheide mich dann für vier, weil es sich leicht liest.