Sommer 2026
Es fühlt sich an, als müsste ich kriechend den letzten Kilometer eines Marathons zurücklegen. Die Hitze schafft mich mehr als ich zugeben möchte. Auf allen Ebenen. Mental und körperlich. Gleichzeitig fährt eine große Trauerwelle durch mich hindurch. Bald ist er vorbei. Das wars dann. Das war der Sommer 2026. Eine einzige Aneinanderreihung von heißen Tagen oder von Tagen an denen die Hitze schon wieder aus der nächsten Ecke kroch. Eine einzige Aneinanderreihung von Tagen in einer dunklen Wohnung. Die Furcht vor dem Blick in die neue Wettervorhersage. Und die nächste. Und immer so weiter. Wie lange wird es dauern, bis ich mich erholt habe? Gleichzeitig das Gefühl etwas verpasst zu haben. Etwas, was andere Menschen erlebten. Einen Sommer im Freien. Sonne, Freude, Heiterkeit. Es gibt so etwas wie eine hitzebedingte Depression. Eigentlich ist das einleuchtend, denn Hitze ist ein Belastungsfaktor und jeder Belastungsfaktor wirkt auf die Psyche. Trägt sein Steinchen bei zu dem Päckchen, das eine mental zu tragen hat.
Wie ich es hasse, solche negativen Einträge in die Sammelmappe zu stellen. Die zerren an meinem Selbstbild. Ich wäre gerne jemand, dem die Hitze nichts ausmacht. Jemand, der die Hitze mit Würde trägt. Der sich beschwert im Namen der anderen, der Verletzlichen, der Schwachen. Aber wie ich es auch drehe und wende, ich bin ausgelaugt und müde. Physisch und psychisch. Sommer 2026. Noch will ich dich nicht abschreiben. Spätsommer. Altweibersommer. Ich nehme, was ich kriegen kann.

