Da machen sich gerade ein paar Menschen auf, die Blackbox Schufa und ihren dunklen Algorithmus zu erkunden.
Sie wollen feststellen, ob sich die Vermutung bestätigt, dass das bisherige Verfahren diskriminiert und bestimmte Bevölkerungsgruppen benachteiligt. Sie nutzen dazu das Recht auf Selbstauskunft. Außer Selbstauskünften sammeln sie auch noch Geld für ihr Vorhaben.
Die Schufa selbst findet das nicht so gut und wettert gegen die Initiative. Sie verbreitet, dass eine Offenlegung des Algorithmus zu betrug führen würde. Hat aber offensichtlich nichts dagegen, wenn durch die Intransparenz Menschen von der Schufa betrogen werden, z.B. weil auf veraltete Daten zurückgegriffen wird.
Das Argument Transparenz würde zu Missbrauch führen ist alt und unsachlich. Es passt nicht in eine freiheitliche Gesellschaft. Ich bin jedenfalls gespannt, wie weit diese Bürgerbewegung kommt.
Woche für Woche die intensiven Leseaufbereitung aus den Jahrestagen von Uwe Johnson durch Birte Förster bei der FAZ. Die Woche mit Frau Cresspahl.
Ich bin etwas in Rückstand geraten. Diese Bände könnte ich auch in einer Unendlickeitsschleife lesen. Neu beginnen, wenn ich am Ende angelangt bin. Aber die Lesebegleitung ist natürlich noch eleganter. Führt durch das Dickicht, den Untergrund, aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
Gestern ist Gesine Cresspahl 85 geworden. Zuerst hatte ich wäre geschrieben, aber dann fragte ich mich, warum sie denn gestorben sein sollte. Nichts spricht dagegen, dass sie gestern ihren Geburtstag feierte.
Linktipps von Birte Förster zu den vier Bänden der Jahrestage:
Kleines Adressbuch für Jerichow und New York
Kommentar zu den Jahrestagen – Uni Rostock
Weiß. Heute gibt es einen Blick in weiß.

Der März zeigt sich noch mal von seiner winterlichen Seite. Die letzten zwei Tage hat er uns klirrend zittern lassen, heute hat er uns in der Nacht eingeschneit. Nun ja, was wir hier eben so als Schnee bezeichnen. Ein bisschen mehr als eine PuderzuckerSchicht.
Im Laufe des Tages erfolgt seine Verwandlung in eine braune, schlammige Masse.
So schnell verliert sich der Zauber eben wieder. Alles wie im richtigen Leben.
Das Licht birgt die Hoffnung. Lässt den Frühling ahnen. Er ist nicht mehr weit, sagen mir auch die zwitschernden Vogelstimmen.
Bald ist es soweit.
»Schweren Herzens haben wir von John Abschied genommen«, stand auf unserer Danksagungskarte an Angehörige und Freunde. Die Karte mit dem Bild von John steht auf meinem Schreibtisch, jeden Tag sehe und lese ich sie, und deshalb habe ich mein Buchprojekt »Schweres Herz« genannt. Ich werde hier nun einfach mal die ersten drei Kapitel einfügen, die mehr oder weniger fertig sind. In den nächsten Monaten habe ich leider wieder viel Arbeit, so dass ich nicht weiß, wie sehr ich dazu komme, die weiteren Kapitel zu überarbeiten. Aber es hat ja auch keine Eile.
claudia März 2nd,2018
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Jedes Jahr diese Ungeduld zum Ende des Winters. Diese Sehnsucht nach Licht und Wärme.
Seltsam das Leben in einem Land, das den Wechsel des Lichts in dieser Form nicht kennt.
Ich lenke mich ab und drehe mich im Kreis. So viele Geschichten, die nicht erzählt werden sollen. So viele Geheimnisse, die verborgen werden. Mit Mühe und unaufhörlich. So viel Energien verbuddelt. Ganz tief und unauffindbar ist das Ziel.
Zarte Pflänzchen wachsen darüber. Zuwendung und Liebe, wo früher nur Aggression und Häme war. Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Eine banale Erkenntnis, die sich immer wieder neu ihren Weg in mein Bewusstsein bahnt.

Es gibt kein faires Smartphone. Das war das Erste, das ich gelernt habe, als ich mich nach einem neuen Smartphone umgeschaut habe. Aber es gibt mit dem Fairphone einen Versuch, so wenig unfair wie möglich beim Bau eines Smartphones vorzugehen.
Gelernt habe ich jetzt, dass das seinen Preis hat. Nicht nur bei der Anschaffung, auch bei der Stabilität des Systems, bei der Haltbarkeit.
Ich habe mein Fairphone irgendwann im Sommer 2015 bestellt und bezahlt. Geliefert wurde es zum Jahreswechsel 2016. Seither habe ich einen Ersatzakku, zwei regular case und heute ein Slimcase in korallenrot mit seltsam blauen Tastern ausgetauscht.
Für den Preis der Ersatzteile hätte ich in der Zwischenzeit sicher ein günstiges Smartphone erwerben können.
Der Herzensmensch sieht mich immer spöttisch an, wenn ich wieder eine Lieferung von dhl für das Fairphone entgegennehme oder mit mürrischen Gesicht mein Handy auseinandernehme, weil es wieder mal eingefroren und abgestürzt ist.
Trotzdem bleibe ich dabei: es ist wichtig, es zu versuchen. Es ist wichtig neue Wege zu gehen.
Nachhaltige Wege.
Je mehr sie gegangen werden, desto angenehmer werden sie.

Softeis-Maschine in Havanna mit Eisverkäufer
Heute ungefähr so in Form wie ein nasser Waschlappen. Kondition gleich null. Vielleicht sogar leicht unter null.
Aber dafür mächtig Freude über den Anruf aus Kuba zu nächtlicher Zeit. Anzeichen von Anhänglichkeit und sich nicht losreißen können. Vergnügt darüber, das richtige Geschenk ausgesucht zu haben.
Glück.
Das nennt sich wohl glücklich sein.
Aufrecht stehen.
Sich nicht bedrängen und bedrücken lassen.
Für manche Menschen ist das ganz leicht. Das Leben hat ihnen kein sichtbares oder unsichtbares Päckchen mit auf den Weg gegeben.
Anderen Menschen geht das nicht so. Das Schicksal ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht, gute oder schlechte Karten auszuteilen. Manchmal ist es sogar so kreativ und teilt gute aus, die ins Unglück führen oder schlechte, die sich durch Geschick in Erfolg verwandeln.
Heute Nacht sollen es hier in Frankfurt minus zehn Grad werden. Der Winter zeigt erst spät seine richtig kalte Seite. Im nächsten Jahr liegt die Schätzung für die Obdachlosenzahlen in Deutschland bei einer Million Menschen.
Eine Million Menschen ohne ein Dach über dem Kopf. Ohne schützende Wände.

Der Himmel zeigt sich mit seinem schönsten und strahlendsten Blau und tröstet damit über die Minusgrade hinweg. Ich schreibe Mails nach Kuba und bedanke mich für die Großzügigkeit, die mir dort begegnet ist.
Noch lebe ich in einer Zwischenwelt, aus der ich voraussichtlich spätestens morgen vertrieben werde.
Das ist gut so und richtig.
Es ist stimmig, wie so vieles in meinem fortgeschrittenen Leben.
Ich muss jetzt raus, sagt der Herzensmann. Raus in die Sonne und raus an die Luft.
Vorallem muss ich noch ein paar Tannenzweige holen. Ich sorge mich um mein Oleanderzweigchen, das draußen in der Kälte ausharren muss.
claudia Februar 25th,2018
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Einmal ans andere Ende der Welt geflogen und festgestellt, dass die Menschen dort ganz anders sind als hier. Kurz danach zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen am anderen Ende der Welt genauso sind wie hier. Nur eben anders. Aber nicht viel. Ungewohnt eben. Aber doch auch gewohnt.
Ich drehe mich im Kreise und neige zur Verzerrung jeglicher Perspektive.
Urlaube sind seltsame Zwischenweltzustände.
Am Flughafen in Havanna verfolgt mich ein Mann über eine lange Strecke, um mir meine Wollmütze hinterherzutragen, die ich mir für die Minusgrade bei der Ankunft zurechtgelegt habe. Als er sich endlich traut mich anzusprechen, zeigt er ratlos auf das für ihn unerklärliche Kleidungsstück. Sie ist schon sehr außer Form geraten, meine Drittmütze.
Ich bedanke mich beim Überbringer meiner vergessenen Mütze und beim Schicksal, das mich bisher immer mit Wollsachen gegen die Unbillen des Lebens ausgestattete.
Als ich in Frankfurt ankomme, pfeift mir ein kalter Wind um die Nase. Der Winter ist noch nicht vorbei, auch wenn das Licht andere Versprechungen macht.
claudia Februar 24th,2018
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