Die Luft ist klar und reingewaschen. Der Regen bringt hier für ein paar Stunden Erleichterung.
Den anderen hat er einen harten Feierabend beschert. Der S-Bahn-Tunnel war wohl sofort unter Wasser gestanden und nichts ging mehr. Die große Info-Tafel am Bahnhof konnte nicht mal alles aktuell verspäteten Züge aufnehmen.
Wie leicht, doch immer wieder die ganze Logistik dieser Stadt aus den Angeln gehoben wird.
Das Zertifikat ist noch nicht da und ich warte.
Warte, warte, warte.
Manchmal vergesse ich ganz, dass es die Sammelmappe überhaupt gibt. Dann fällt sie mir wieder ein und ich vermisse sie.
Sie ist mir ans Herz gewachsen. Wie ein Haustier, nur dass sie nicht kommt und mich anstupst. Wie bei einem Haustier, fühle ich mich auch in der Verantwortung. So viele Jahre habe ich sie gehegt und gepflegt und was ist jetzt?
Die Zeiten ändern sich, die Publikationswege ändern sich.
Wer weiß wie die Zukunft der Blogs aussieht? Ich kann es nicht sagen.
Aber noch ist das Band stark. Die sozialen Medien sind kein Ersatz, denn sie sind eben keine Wohnzimmer. Sie sind öffentlicher Raum, wie intim auch immer. Ein Blog ist ein Stück Privatraum.
Und noch ist der mir wichtig.
Das Zertifikat ist immer noch nicht da und ich brauche Geduld. Geduld, Geduld, Geduld.
Aber das wird schon werden. Ich weiche jetzt erst mal hier auf die Ersatzseite aus und sehe dann, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Es ist schade, dass das jetzt alles so verquirrlt hochkocht. Wenn die Situation wirklich dazu führt, dass es weniger Blogs gibt, wäre das sehr schade.
Ich habe mich so an das Leben mit der Sammelmappe gewöhnt, dass sie mir fehlen würde. Nicht zuletzt, aber auch, als Lebensdokumentation. Als Erlebensdokumentation.
Das Bloggen auf der eigenen Domain hat allerdings auch Nachteile. In dem Augenblick, wenn mir die Domain nicht mehr gehört, ist alles weg. Auch wenn ich sterbe, ist alles weg. Dann kann niemand mehr rein schauen.
Bei einer unabhängigen Plattform ist das anders. Da bleiben die Bilder und Texte solange, wie die Plattform das vorgibt. Aber jede Plattform kann jede Person auch wieder rauskicken. Vom Ansatz her ist das nicht das, was ich mir wünsche. Das Internet braucht Vielfalt. Es braucht einen kleinen öffentlichen Raum, der uns gehört. Das ist wichtig.
Davon bin ich überzeugt.
Jedes kleine Blog das bleibt ist Teil einer diversen Netzkultur.
Bunt wünsche ich mir das Netz. Ein bisschen Farbe sollte es behalten.
Das wünsche ich mir.
Eintauchen und abtauchen. Das Gefühl wächst mir über den Kopf. Am Liebsten wäre es mir, wenn ich mich unsichtbar machen könnte.
Nicht sichtbar, nicht hörbar, fast gar nicht vorhanden.
Es sind die schönsten Tage für mich, wenn ich abgetaucht bin.
claudia Juni 3rd,2018
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Die Sammelmappe ist vorübergehend etwas verstummt. Das liegt an der Kombination des Umzugs der Serverinfrastruktur meines Providers und der europäischen Datenschutzgrundverordnung.
Jetzt ist die Sammelmappe entschlackt und stubenrein, transparent und durchsichtig soll sie auch sein, aber ich kann das nicht testen, weil auf der neuen Infrastruktur das Zertifikat noch nicht gültig ist. Das kann noch eine Weile dauern, bis es von der Zertifizierungsstelle verifiziert wird. Unter diesen Umständen habe ich wenig Lust aufs Bloggen.
Eigentlich wollte ich mich nie anstecken lassen von denen, die immer gleich die Sinnfrage stellen. Von denen, die alles hinwerfen. Hier gibt es nichts zu werfen, denke ich mir.
Aber es gibt noch viel zu erzählen.
Und hier oder dort werde ich weiter machen. Erzählen. Für mich.
Besonders für mich.
Wenig gute Stimmung, viel Handgepäck.
Was andere Menschen eben so in ihr Tagebuch schreiben.
claudia Mai 29th,2018
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Mein Freund der freche Spatz ist wieder da. Listig und anhänglich.

Im Moment fühlt sich die Lebenszeit an wie im Schleudergang einer Maschine, die ganz unruhig läuft.
Langsam wird es ernst, denn die zu erlebende Zeit läuft eindeutig ab. Ihre Dehnbarkeit ist endlich. Außerdem ist längst klar, dass kein Mensch ausgeleierte Sachen mag. Nicht mal auf Lebenszeit.
Gerade die nicht.
Ich komme an und kehre wieder zurück. Was die letzten drei Jahrzehnte selbstverständlich war, gerät jetzt an meine Grenzen.
Vielleicht komme ich noch einmal an, aber zurückkehren scheint keine Option mehr zu sein.