Heimatliches

Das Heimatministerium stellt seine Führungsriege vor. Eine geballte Ladung Männlichkeit. Ein Bild sagt in diesem Fall mehr als 1000 Worte.
Hinter jedem Mann steht eine mitgemeinte Frau. Vor ein paar Jahren noch, haben sie solchen Unsinn ganz offen gesagt.

Heute ist es ihnen dann selbst nicht geheuer. Sie nehmen das Bild ganz schnell wieder weg und lassen uns eine menschenleere Heimat übrig.

Wahrscheinlich üben sie sich noch in heimatlicher Verschleierungstaktik.

Zerwürfnis

„Zerwürfnis mit dem Pudel wegen seiner Unfolgsamkeit nach Auffindung abstoßender Dinge.“

So kann man das auch ausdrücken.

Meine emotionale Landkarte

Auf meiner emotionalen Landkarte sind viele kleine Dörfer eingezeichnet. Verbunden durch eine Straßenbahnlinie, die mich durch meine Kindheit und Jugend fährt. Es tauchen Feldwege auf und Einbahnstraßen, ein großer Fußballplatz, ein Reitplatz und ein Bach.
Hinter den Feldern liegt ein Wald, der sich durchstreifen lässt. Der Material für Pfeil und Bogen bietet. Höher, schneller, weiter wollten wir schießen. Erst spät kam die Erkenntnis, dass aus dem Spielzeug auch eine Waffe werden kann.
Mit der Pupertät begann das Spiel mit dem Feuer. In unserem Fall ganz wörtlich, Tag um Tag entfachten wir unsere Feuer. Kleine und große. Als Lagerstätte oder als Flächenbrand.

Mit jedem Lebensjahr begann sich unsere Landkarte auszudehnen. Jetzt kamen Kinos dazu, Eisdielen und Pommesbuden. Mofas knatterten in alle Richtungen. Auf vertrauten Wegen, aber auch abseits von allen eingezeichneten.

Irgendwann kam der Zeitpunkt, da reichte mir die Ansicht der Karte nicht mehr. Es war Zeit geworden, eine weitere Faltung aufzuklappen. Jetzt lag mir sozusagen, die Welt zu Füssen. Erst nur als Sehnsuchtsort.
Dann als mein Leben.

Fortsetzung folgt.

Bitte nicht

bitte nicht
einigeln!
es ist zu früh
für den Winterschlaf
und zu ernst
für die Totenstarre

Heimat

„Heimat ist diese geistig-seelische Verbundenheit, die sich als Netz zwischen Menschen spannt.“

Das Zitat ist von Christa Wolf und stammt aus dem Briefwechsel mit Charlotte Wolff.

„Ja, unsere Kreise berühren sich“ ein wunderbarer Titel für ein schriftliches Gespräch.

Neugierig auf dieses Buch hat mich Julia auf Twitter gemacht.
Ein kleiner literarischer Schatz, würde ich sagen.

Bin glücklich, dass ich ihn gefunden habe.

Töchter

„Töchter“ heißt das Buch von Lucy Fricke und handelt von zwei Freundinnen und ihren Vätern.

Rasant geschrieben ist es und kein bisschen geizig. Viel Witz, viele Anekdoten, viel Dramatik, viele Anspielungen, viel Wortakrobatik.
Von allem viel. Was der einzige Nachteil dieses Buchs ist, das noch ein bisschen mehr könnte, wenn es auch etwas leiser ginge.

Aber das ist nur mein eigener, mein persönlicher Einwand. Das ist das Potential nach oben, das auch noch da wäre. Auch so wie es geschrieben ist, ist es ein außergewöhnlicher Roman.
Unterhaltsam und voller Spannung.

Journal21032018

Wir haben inzwischen eine gute Zeit miteinander, meine Krise und ich.

Ach, das ist keine existentielle Krise. Mehr so eine literarische Krise. Damit lässt es sich gut kokettieren.

Zum Welttag der Poesie noch das Gedicht „Wort an Wort“ von Rose Ausländer auf mich wirken lassen.

Journal20032018

Claudia

Porträtfoto Claudia

Der Schreibtisch ist heute nicht mein Freund. Er arbeitet gegen mich und meine Ordnungsliebe.
Zum Glück konnte ich heute dem Morgen eine Stunde Stille entwenden. Stille ist kostbar. Selbst wenn sie leicht mit dem Geräusch der einfliegenden Flugzeuge unterlegt erscheint.

Journal19032018

Der Blick auf den weißen Schnee weitet das Herz. Der Effekt stellt sich auch nach fast sechs Jahrzehnten ein. Obwohl ich ihn heute ganz und gar nicht brauchen kann und die Glätte mich verunsichert.
Aber dieses Licht! Diese Helligkeit!

Für einen Moment vergesse ich, das Hindernis.

Heute war so ein Tag mit viel Arbeit und noch mehr Arbeit auf der Warteliste. Privat und dienstlich: die Listen werden länger und breiter. Vermehren sich aus dem Nichts.

Länger wird auch meine Leseliste, ich schleppe Bücher an, lasse mir welche schicken und die ausgeliehenen Medien in der Onleihe bewegen sich zum ersten Mal im zweistelligen Bereich.

Jetzt wird es Zeit wieder auf die Bremse zu treten, damit diese Listenlawine sich nicht in Bewegung setzt und mich unvermittelt unter sich begräbt.

Journal18032018

„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“

Der Schrecken verliert sich vor Ort. Bin nicht ganz sicher, ob ich dem Titel vertraue. Lasse mich aber lesend in die Versuchung führen. Aber wie wappnen gegen die Grausamkeit und die Verrohung der Menschheit?

Unbehaust – in der ard-Mediathek ist gerade ein wunderbares Radio-Interview mit Elke Brüns über ihren Essay „unbehaust“ verfügbar. Eine gute Hilfe um den eigenen Armuts-Bewusstseins-Filter wieder einzuschalten.

„Ein freundliches Gespenst ängstigt uns mehr als ein widerlicher Mensch, und das ist nicht ganz zu verstehen.“
Marlen Haushofer – sie verfolgt mich ein bisschen. Hab jetzt gelesen, dass nach „Die Wand“ und „Wir töten Stella“ jetzt auch „Die Mansarde“ verfilmt wird.

Was diese Frau mit Sprache als bloß legt. Fast im Vorbeigehen, leise und nebenbei legt sie Wunden frei. Löst Schmerzen aus.
Frauenleben tiefgespült.