Heute gibt mir chatgpt lauter Zitate aus, die mir nicht behagen. Motivationssprüche, die höhnisch in meinen Ohren klingen. Alles schon tausend mal gesagt, aber hilfreich sind diese Zeilen nie. Streng dich an und alles wird besser. Es liegt nur an uns, dann wird sich die Welt verändern. Wir verändern die Menschen und alles wird gut. Und überhaupt, wenn die Welt nicht gut ist, dann sind wir unsere eigene Hoffnung. Da dreht sich ein Kreis. Ich beende meine Befragung des pseudointelligenten Tools.
Vielleicht sehe ich noch einmal die Kraniche in diesem Vorfrühling. Das wäre schön!
Am Sonntag haben wir die zurückkehrenden Kraniche gesehen. Sehr weit oben. Aber deutlich erkennbar mit ihren fließenden Formationen. So schön.
Heute morgen war ich im Bethmannpark und überrascht, was es dort schon alles zu sehen gibt. Die Frühblüher stecken die Köpfe heraus. Einige Sträucher blühen. Alles schön und besinnlich.
Solange bis aus dem chinesischen Garten wilde Schreie kamen. Zuerst dachte ich, die Schreie kämen aus der Anlage hinter dem Garten. Da treffen sich oft Obdachlose Menschen. Aber dann sah ich, dass dort ein sehr verwirrter Mensch hinten im Garten die Steinfiguren mit Tritten traktierte. Diese neue Drogen, die seit einigen Jahren auf dem Markt sind, verwandeln die Menschen in ferngesteuerte Aggressionsmonster. Ich habe mich aus dem Staub gemacht. Das erschien mir die klügste Option.
„You are your best thing.“ („Du bist das Beste, was du hast.“)
Chatgpt gibt mir heute dieses Zitat mit auf den Weg. Aber erst nachdem ich nach der Quelle fragte. Das mache ich nur selten, denn die Sammelmappe ist ja keine wissenschaftliche Hausarbeit. Es bringt mich zu schmunzeln, wenn chatgpt einfach Zitate von Frauen erfindet. Am Anfang wollte chatgpt mir immer Männer unterjubeln. Aber da war ich hartnäckig. Ein bisschen Anstrengung muss schon sein. Diese Anstrengung lag jahrelang bei mir, wenn ich Zitate von Frauen suchte. Die sind rar gesät. Es sind immer die gleichen, die durch die Sammlungen kreisen. Eine Handvoll, immer neu durchgewürfelt.
„Hope is the thing with feathers that perches in the soul.“
Emily Dickinson
„Hoffnung ist das Ding mit Federn, das sich in der Seele niederlässt.“
Emily Dickinson beschreibt Hoffnung als einen Vogel, der in uns wohnt, singt und uns durch schwierige Zeiten trägt. Doch manchmal ist dieser Vogel so leise, dass wir seinen Gesang kaum hören. In solchen Momenten scheint die Hoffnung unsichtbar – eine flüchtige Begleiterin, die sich fast wie ein Geheimnis verhält. Aber sie ist da.
Die gute Nachricht: Hoffnung lässt sich nähren. Sie lässt sich hegen und pflegen wie ein Vogel, der Wärme, Nahrung und ein sicheres Nest braucht. Kleine Dinge reichen oft schon aus, um sie zu stärken – ein gutes Gespräch, ein Spaziergang in der Natur oder das Lesen eines Gedichts wie diesem von Dickinson.
Gerade in den Tagen, in denen alles düster erscheint, wird das Füttern des Hoffnungsvogels zu unserer Aufgabe.
Aber nicht nur das: Auch Freundschaften und Beziehungen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Denn sie sind das Netz, das uns auffängt, wenn der Vogel Hoffnung zu schwach scheint, um uns allein zu tragen.
Also: Den Vogel nähren, ihm Raum geben, ihn nicht übersehen. Und vielleicht auch daran denken, dass wir nicht allein sind. Denn Freund*innen sind wie der zweite Flügel der Hoffnung – und gemeinsam fliegen wir weiter.
Poetisches Zitat des Tages: „Es gibt so viele Himmel, über die man noch gehen kann.“ – Else Lasker-Schüler
Heute Morgen glüht der Himmel in einem Feuer aus Gold und Orange, während auf der Erde die Kälte klirrend beißt.
Von meinem Balkon aus halte ich diesen flüchtigen Moment fest, als wollte ich ihn für immer bewahren. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich mir erlaube, auszublenden. Viel auszu blenden. Damit Raum bleibt für das Wesentliche, für das, was mich wirklich ausmacht – als Mensch, als Frau, als Frau, die den Weg ins fortschreitende Alter mit allen Facetten annimmt. Es ist ein bewusster Prozess, eine Art des Atemholens, um innezuhalten und genau hinzusehen.
Dabei hilft mir die Stille. Das Beobachten. Die Natur mit ihren kleinen Wundern: die filigranen Äste, die sich wie Adern in den Himmel zeichnen, die wärmende Sonne, die trotz der Kälte Hoffnung verströmt. Die Menschen um mich herum, die Jahreszeiten, die kommen und gehen und mir den Rhythmus des Lebens vor Augen führen.
Ich fühle immer deutlicher, dass es mir nicht hilft, mich dem ständigen Lärm der Medien, dem Getöse von außen, ununterbrochen auszusetzen. Zuerst brauche ich innere Ressourcen, Zeit für mich, um Kraft zu schöpfen und zu mir selbst zu finden. Nur so kann ich wirklich präsent sein – für andere und für mich.
Vielleicht ist dieser frostige Morgen eine leise Erinnerung daran, dass auch Kälte und Rückzug ihren Platz haben dürfen. Dass es manchmal notwendig ist, sich zurückzuziehen, um das innere Feuer wieder zu entfachen.
Während ich den glühenden Himmel betrachte, spüre ich einen Hauch von Wärme – nicht nur von der Sonne, sondern auch von dem Wissen, dass in mir selbst genug Kraft liegt, um diese Lebensphase mit Zuversicht zu füllen.
Gestern saß ich auf meinem Rentnerinnen-Faltkissen auf der Parkbank und sah den Wolken zu. Und den Krähen. Die anderen Vögel waren nicht zu überhören, obwohl ich sie nicht entdecken konnte.
Es geht mir gesundheitlich nicht gut. Das lässt mich oft verstummen. Rede oder schreibe ich über andere Dinge, wenn es mir nicht gut geht, kommt mir das wie eine Täuschung vor. Rede oder schreibe ich über meine Schmerzen oder Einschränkungen, komme ich mir seltsam vor. Als sei das sowohl langweilig als auch egoistisch.
Aber mein Leben wird wohl nie wieder ohne Einschränkungen oder Schmerzen sein. Das liegt in der Natur des fortschreitenden Alters. Noch habe ich das nicht verinnerlicht. Es gehört jetzt einfach unspektakulär zu meinem Alltag. Ein auf und ein ab.
Chatgpt findet für mich folgendes Zitat für heute: „Manchmal geht man am Ende des Weges in eine neue Welt hinein.“ – Hilde Domin
Ja, möchte ich antworten. Ja, ich nehme den Weg mit der neuen Welt. Die alte hat mich weit gebracht, aber jetzt geht der Weg weiter. Neues möchte ich lernen und manches von dem alten Wissen einfach über Bord werfen. Da ist so viel, das nicht mehr taugt. Das weg kann. War mal gut, aber heute weiß ich es besser. Augen auf und Neues abgeschaut.
So ähnlich stelle ich es mir vor während ich auf der Bank sitze und den Wolken zuschaue.
Bildbeschreibung: Eine weitläufige, leicht ansteigende grüne Wiese, gesäumt von kahlen Bäumen und einer Hecke im Vordergrund. Der Himmel ist blau mit weißen, watteähnlichen Wolken. Ein parkähnliches Gelände strahlt winterliche Ruhe aus.
Chatgpt schlägt mir für diesen Tag ein Zitat von Virginia Woolf vor:
„Die Tage fallen durchs Fenster und lassen alles grau zurück – ich sehe die nackten Äste gegen den Himmel, und die Kälte legt sich wie eine Hand auf mein Herz.“
Am Hang strecken die alten Walnussbäume selbstbewußt ihre kahlen Äste. Ich schreite zwischen ihnen hindurch. Ihre Schönheit heißt Struktur.
Heute war ich in der Ausstellung „Corner Dry Lungs“ von Akosua Viktoria Adu-Sanyah im Zollamt.
Sie hat den Tod ihres Vaters in ihren Objekten verarbeitet und beschreibt diese Gefühle in Bildern. Wie sich ihr Körper – der stark auf diesen Verlust reagierte – in der Trauer anfühlte.Und ja, das war etwas schwierig für mich. Weil mein Körper auch durch eine harte Trauerzeit durchgegangen ist. Ich hatte große Schwierigkeiten mich in der Ausstellung zu bewegen. Habe mich immer nur kurz von der einzigen Sitzgelegenheit aus, sehr schwankend bewegt. Immer nur in eine Richtung taumelnd, dann wieder zurück. Bis es mir zu heikel wurde und ich den Besuch der Ausstellung abbrach.
„Die kleinen Dinge, die Frauen jeden Tag tun, sind die Dinge, die die Welt zusammenhalten.“ – Barbara Kingsolver
Jetzt zeige ich euch noch das zweite Bild aus der „Nähmaschinen-Reihe“ von Martha Jiménez, das ich letztes Jahr in Camagüe in ihrer Werkstatt kaufte. Diese Bild hat eine komplett andere Atmosphäre und strahlt eine fast explosive Energie aus.
Es vereint kraftvolle Symbolik mit einer surrealen Ästhetik. Im Mittelpunkt steht eine Frau, deren gestreifte Kleidung mit den grün-gelben Streifen der Nähmaschine harmoniert, wodurch sie fast mit ihr zu verschmelzen scheint. Die Nähmaschine, traditionell ein Werkzeug des Handwerks und der häuslichen Arbeit, wird hier zu einem Objekt, das weit über seine Funktion hinausweist. Das kleine Herz, das sie schmückt, könnte auf die Verbindung von Arbeit und Fürsorge anspielen, wie sie oft in Care-Arbeiten zu finden ist. Die wehenden Haare und die dynamische Haltung der Frau lassen Sehnsucht und Bewegung spüren, die durch den warmen Farbverlauf im Hintergrund noch unterstrichen werden.
Das Werk lädt gerade dazu ein, über die Rolle der Nähmaschine in der Geschichte weiblicher Arbeit nachzudenken.