Manchmal muss du einfach losgehen und hoffen, dass du irgendwo ankommst. Mich fasziniert, dass so viele Menschen immer noch Worte finden. Ich befürchte allerdings, das Haltbarkeitsdatum dieser Sätze ist längst abgelaufen.
Es ist schwer, in die Glaskugel der Zukunft zu schauen. Gerade weil da gerade ganz sicher gezeigt wird, was kommt. Allerdings scheinen das nur einige wenige deutlich sehen zu können. Der Rest träumt von einer Fiktion, hält fest an etwas, das es nie gab.
Ich suche nach einem festen Stand. Oder wenigstens einem sicheren Unterschlupf. Die Zeiten werden schwierig werden für Menschen, die gerne aufrecht stehen.
Weiter bloggen heißt auch, immer wieder den passenden Ton zu finden. Der Ton, der mit der Weltmelodie zusammengeht. Im Moment also eine Stimme zu finden, die selbst in dieser lauten Disharmonie noch klar kommt. Mehr als ein Summen traue ich mir da gerade nicht zu.
Bei mir dauert das immer etwas. Das Finden der Stimme. Das Auffinden einer Perspektive, die mich nicht überfordert. Das Einordnen. Das Zurechtrücken.
Geboren im Zeichen der Schnecke suche ich akribisch nach meiner Position in dieser chaotischen Zeit. Es dauert noch etwas.
Die Vögel singen im Morgengrauen den Tag herbei. Ihre Energie scheint grenzenlos zu sein. Meine ist nur ein Hauch auf dem Morgen des Tages. Schlaflosigkeit ist bei mir eingezogen. Eine Dauerschleife des Erwachens. Immer und immer wieder. Etwas klopft Nachts an meinem Gemüt an und gibt sich nicht zu erkennen. Versteckt sich wieder im Dunkel, sobald ich wach bin.
Hab acht. Hab acht.
Ja, doch. Aber ich bin müde. Ich pass auf. Auch wenn sich die Augen gleich schließen.
Es war sehr kalt heute morgen im #Bethmannpark. Der kleine Teich noch gefroren. Aber sehr, sehr viel Winterlicht und ein bisschen auch Wintersonne.
Bildbeschreibung: Chinesischer Pavillon im Bethmannpark im Vordergrund der zugefrorene Teich.
Ich tue mir immer noch sehr schwer damit, die neuen politischen Fakten zu verarbeiten. In gewisser Hinsicht hilft mir meine Vorbereitung auf die Reise nach Nordirland etwas dabei. Die Auseinandersetzung mit der Gewalt, die in deine privates ten und intimsten Räume rückt.
Letztendlich ist das Fazit aber immer ähnlich. Gewalt bricht Menschen. Krieg sorgt für Generationen von Traumata. Faschismus ist tödlich und zerstörerisch.
Aber zwischendrin müssen Menschen leben, aufwachsen, Träume hüten.
Und die Natur macht weiter. Mal mit den zauberhaftesten Farben, mit Licht, das direkt ins Gemüt scheint. Oder mit der Kehrseite davon. Das kann sie auch.
Mir ist die Weltlage krass ins Gedärm gefahren. Meine Seele japst im Takt dazu.
Heute erweist sich die KI als einfühlbar und sucht mir gleich ein passendes Zitat heraus.
„Ich ertrage das Gewicht der Welt, aber manchmal schwankt meine Seele unter seiner Last.“— Clarice Lispector
Das stimmt mich etwas versöhnlicher, unglücklich bleibe ich aber sowohl körperlich als auch seelisch. Wir werden nicht mehr sicher sein. Das schreibt sich gerade rein in meinen Körper. Die Zeiten werden finster und ich muss mich erst an die Finsternis gewöhnen. Das werde ich. Bestimmt. Irgendwann. Aber heute weiß ich noch nicht, wie das geht. Ich werde es herausfinden. Später. Erst mal gebe ich mich dem hin, was mein Körper so ausspuckt. Der zeigt sehr direkt, was er von all diesen finsteren Machtmännern hält.
Pausen in der Sammelmappe können unterschiedliches bedeuten. Das Leben drängt sich auf, die Worte fehlen, es geht mir schlecht, es geht mir gut, ich habe Entwürfe geschrieben und nicht abgeschickt. Manchmal denke ich darüber nach, das Bloggen sein zu lassen. Es ist wie eine Gewohnheit aus vergangenen Tagen, vielleicht passt es einfach nicht mehr zu mir. Aber spätestens, wenn diese Idee sich etwas in mir verfestigen möchte, wehrt sich etwas in meinem Gemüt. Das ist meine Sammelmappe. Ist egal, ob sie aus der Zeit gefallen ist. Sie ist mir ein wichtiges Zeitdokument für mein Leben.
Klar, ich habe noch die anderen Schreibgelegenheiten. Die Tagebuchkladden, die ich seit Ewigkeiten führe. Die spontanen Einträge, die ich im digitalen Zettelkasten jetzt auch schon seit 16 Jahren weiterführe. Die sind näher an mir dran, intensiver, da sie nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aber gerade deshalb war die Sammelmappe für mich eben immer eine besondere Herausforderung. So zu schreiben, dass ich nicht zu viel enthülle und mich doch darin wieder erkenne. Obwohl ich ja am meisten wirklich für mich geschrieben habe, ging es halt auch darum, für andere mitzuschreiben. Das ist mir nicht immer leicht gefallen. Mein Interesse an hitzigen Diskussionen ist nicht sonderlich groß. Polarisierung überfordert mich. Ungefragte Ratschläge bringen mich aus dem Takt. Nein, eine große Kommunikatorin bin ich hier nie gewesen. Ich wollte eher die leise Schreibwelt zum Klingen bringen. Raum für die leisen Töne schaffen. Einige der Lesenden haben das gemerkt und sind immer wieder gekommen. Vielen Dank dafür!
Vielleicht ist es gerade diese Zwiespältigkeit, die ich an der Sammelmappe mag. Sie ist schwierig zu füllen, manchmal auch etwas kryptisch. Aber sie gehört zu mir. Sie ist ein Ausschnitt aus meinem Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen. Und das ist es, was sie für mich so wertvoll macht.
„Demokratie muss mehr als einmal verteidigt werden. Sie muss immer wieder neu erkämpft, geschützt und gestärkt werden – von jeder Generation aufs Neue.“ – Madeleine Albright
Auch heute habe ich mit dem Chatbot wieder länger diskutiert, bis er mir dieses Zitat vorschlug. Demokratie funktioniert nur solange, wie die Menschen an sie glauben, sie leben und sie verteidigen. Im Moment sind wir Zeitzeug*innen einer Welt in der Demokratien sterben. Manche laut zappelnd und schreiend, manche still und nach Luft ringend, manche melden sich ab und niemand hört mehr von ihnen. Anscheinend gibt es viele Todesarten für Demokratien.
Unsere scheint so einen Mischmasch-Tod entgegen zu laufen. Von allem ein bisschen. Aber wenn die große Schwester in der USA gestorben ist, dann ist ihre Lebenserwartung nur noch sehr gering.
Ihr seht: Mein Optimismus ist trockengelegt. Es wäre jedenfalls schön, wenn ich zu schwarz sehe. Ich lasse mich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen.
Rebecca Solnit: „Die Welt ist voller Geschichten, und wir sind alle Teil davon.“
Meine tägliche Auseinandersetzung mit den Chatbots, bis sie mir ein brauchbares Zitat von einer Frau auswerfen, ist pure Comedy. Es beginnt immer mit den üblichen Verdächtigen: Virginia Woolf, Audre Lorde oder Maya Angelou. Zwischenzeitlich hatte ich sogar eine Liste von Autorinnen erstellt, um gezielt nach Zitaten zu suchen, ohne dass diese Klassiker immer wieder auftauchen. Doch stattdessen bekomme ich oft religiöse oder esoterische Zitate, deren Inhalt sich als ziemlich flach herausstellt.
Wenn ich das kritisiere, erfinden die Bots manchmal Autorinnen, die es nicht einmal gibt. Das merke ich erst, wenn ich nach der Quelle frage – was ich aber nicht immer tue. Schließlich ist die Sammelmappe keine wissenschaftliche Hausarbeit, sondern eher ein kleines persönliches Blog. Das Schema wiederholt sich bei allen Chatbots, die ich bisher ausprobiert habe. Ein Sprüchekalender ist kreativer als die lieben Bots!
Ach ja, einen ihrer cleveren Moves habe ich noch vergessen: Sie ignorieren die Eingabe „Frau“ und jubeln mir stattdessen Männer unter. Wie im richtigen Leben, könnte man sagen – nur in intelligent und superschnell. Dadurch wirkt es noch öder.
Es ist fast so, als ob die Bots eine eigene Agenda verfolgen, die sich nicht mit meinen Erwartungen deckt. Man fragt sich, ob sie wirklich verstehen, was ich suche, oder ob sie einfach nur ihre vorgefertigten Antworten abspulen. Vielleicht liegt es daran, dass sie in einem Meer von Informationen schwimmen, ohne die Nuancen menschlicher Erfahrungen zu erfassen.
Ich habe mir vorgenommen, weiterhin nach Zitaten und Stimmen von Frauen zu suchen, die oft übersehen werden.
Vielleicht finde ich eines Tages einen Bot, der meine Suche nach inspirierenden Frauen wirklich ernst nimmt. Bis dahin bleibt mir nur, die Komik dieser digitalen Interaktionen zu genießen und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass es irgendwann besser wird.