Im Patio

Glücklich in Kuba.

Bildbeschreibung: Selfie von Claudia im schwarzen Shirt mit Sonnenschutz im Hintergrund ein begrünter Patio.

Nominierung

Die goldenen Blogger werden bis zum 9.1. nominiert und ich hab Piri mit ihrem Blog Voller Worte vorgeschlagen.

Weil sie so lange schon über ihren Alltag mit ihren beiden erwachsenen, pflegebedürftigen Kindern bloggt. Unermüdlich hält sie durch und könnte etwas Aufmerksamkeit gebrauchen, die zu mehr praktischer Unterstützung führt. Weil Carearbeit sichtbarer werden soll.

Helft ihr mit?

Journal02012024

Mein letztes fremdbestimmtes Arbeitsjahr beginnt mit dem heutigen Tag. Ich trage meine Termine in den Übersichtskalender ein, blockiere Zeitfenster für wiederkehrende Aufgaben. Markiere die Tage der Denkumenta, die SightCity – das ist die Messe für Blinde oder sehbehinderte Menschen – Klagenfurt schreibe ich im Juni in den Kalender. Dann noch ein paar familiäre und dienstliche Anlässe. Dann ein Paukenschlag und ich darf gehen.

Journal30122023

Der Besuch im Pflegeheim fühlt sich immer an, als falle ich durch ein Zeitloch. Es macht wumm und ganz plötzlich läuft die Welt in Zeitlupe ab. Die Bewegungen sind langsamer, die Gedanken werden zu einem zähen Brei und die Gefühle liegen unter einem Wattebausch.

Ich kann nicht beschreiben, welche Verwandlung da vor sich geht. Aber ich ahne, dass die Welt sich nicht begreifen lässt, solange dieser Fleck so blind bleibt.

Journal26122023

Festhalten möchte ich die Stille. An mich halten. Aber schon sind sie wieder vorbei.

Lange darauf gefreut, jetzt sind die Feiertage im Meer der Zeit versunken. Es ist ein Klischee, aber eins, das Wort hält: Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit. Vor allem die guten Tage.

Journal24122023

Hab meinen Morgenspaziergang unter dem Regenschirm gut geschützt gemacht und dabei an so vieles gedacht. Das nächste Jahr wird ein Jahr der Veränderungen werden, aber ich bin nicht gut in Veränderung.

Auf dem Heimweg lehne ich es ab, für einen obdachlosen Menschen Kaffee zu holen. Er streckte mir das Geld für den Kaffee hin, weil er auf seinen Einkaufswagen aufpassen muss. Ich überlege kurz und lehne ab. Es ist zu früh, ich kenne weit und breit kein Geschäft, bei dem ich an diesem Tag und um diese Uhrzeit einen Kaffee bekomme.

Es fühlt sich nicht gut an, Wünsche nicht erfüllen zu können. Nicht mal die kleinen.

Und dann bleiben immer noch die großen Wünsche.

Friede auf Erden ist so einer. Ich wünsche ihn mir.

Friede auf Erden und in mir.

Foto in schwarzweiß, Innenraum eines Cafés mit Theke, Barhocker und Weihnachtsdeko. Im Vordergrund eine brennende Kerze auf einem Tisch.

Bildbeschreibung: Foto in schwarzweiß, Innenraum eines Cafés mit Theke, Barhocker und Weihnachtsdeko. Im Vordergrund eine brennende Kerze auf einem Tisch.

Journal23122023

Ganz langsam wird es still. Ich genieße das. Freue mich lange vorher schon auf diese Tage. Ich tauche ein in die Stille. Ganz und gar.

Was für eine schöne Zeit. Ich lasse mich fallen. Es gibt keine Last. Nur atmen.

Es gibt ein Wir. Das ist das schönste Geschenk.

Marktstand mit Äpfeln, im Hintergrund ein geschmückter Weihnachtsbaum

Bildbeschreibung: Marktstand mit Äpfeln, im Hintergrund ein geschmückter Weihnachtsbaum

Journal19122023

Meine Müdigkeit nimmt ein episches Ausmass an. Es gelingt mir schon lange nicht mehr meine Kräfte einzuteilen. Ich muss mit den paar Tropfen Lebenssaft leben, die die Lebenspresse aus mir herauströpfeln lässt. Das muss reichen in diesen Tagen.

Ansonsten sind die Kranken weiterhin krank. Der Versuch aus der Krankenwelt auszubrechen, endet mit weiteren Krankheitstagen. Meine Güte! Das ist beängstigend im Ausmass. Die Viren feiern die Feste wie sie fallen.

Ich wünschte mir, ich könnte die Augen schließen und mich wegträumen. Weg von der Last. Weg von der Gewalt. In eine Welt in der Hoffnung keine Drohung ist. Und Menschlichkeit kein Schimpfwort.

Journal16122023

Das Alltagskarussell dreht sich so schnell, dass mir schwindelig wird. Vorweihnachtszeit. Dienstlich drehen sie auf, ein Teil der Beschäftigten ist immer krank. Termine werden vereinbart, abgesagt, neu vereinbart. Alles ein großes Durcheinander, das mich viel Kraft kostet.

Meine Ziellinie ist ungefähr 200 verbleibende Arbeitstage entfernt. Das müsste zu schaffen sein.

Journal08122023

Ich plane für Kuba. Dieses Mal mit tropischer Expedition. Will ich wirklich irgendwo hin fahren, wo ich ein Mosikitonetz brauche? Die Mücken finden mich doch selbst in mückenfreien Räumen? Es ist zu spät. Ich hab zugesagt. Jetzt brauche ich Reisetabletten und Moskitonetz und wer weiß noch was. Eigentlich weiß ich gar nicht mehr, wie eine einen Koffer packt. Sind zwar noch ein paar Tage hin, aber für Kuba gilt halt nicht der übliche Spruch „Das kannst du alles Vorort kaufen.“ Da muss alles vorher durchdacht sein. Genau überlegt und abgewogen.

Ich packe meinen Koffer – zunächst nur im Geiste, ist ja noch ein bisschen Zeit – und lege Medikamente, Geschenke und Batterien hinein. Seife und allerlei Hygienekram. Akkus, Stecker und Stromanschlüsse. Tücher, Haarbänder, Schreib- und Malsachen. Ein bisschen Raum noch für mich.

Ich packe meine Vorfreude und meine Expeditionslust ein.

Sogar jede Menge Vorbuchungen gibt es dieses Mal. Das ist neu. Fahrkarten für den Viazul. Eine kubanische Simkarte für Tourist*innen lässt sich nur am Flughafen abholen, wenn sie vorher online gekauft wurde. Nach der Einreise und vor dem Zoll. Oder umgekehrt. Hab es vergessen. Aber es ist wichtig. Du kommst sonst nicht mehr dran.

So viel zu recherchieren, so viel zu entscheiden.