Menopause

Die Kaltmamsell fordert auf zum Menopausenbloggen und ein Kommentarsturm setzt ein. Wieder ein Lebensthema, dass so viele betrifft und über das wir so wenig wissen. Es ist gut möglich, dass die von mir vermisste Leichtigkeit der letzten Jahre auch auf das Konto der Menopause geht.
Ich habe mein ganzes Leben lang sehr schwer unter den Periodenschmerzen gelitten und die letzten Jahre waren die Blutungen durch das Myom, das sich gebildet hatte, vor allem im Arbeitsalltag eine große Belastung. Körperlich und psychisch. Die Skala der Anstrengung und Belastung schien nach oben offen zu sein. Die Menopause stand die ganze Zeit am Horizont wie ein leuchtendes Gestirn. Als Ziel, das es zu erreichen gilt, aber auch als Berg der Herausforderung. Der unbekannten Herausforderung.
Als Frau, die ihr ganzes Leben lang an einem ausgeprägten PMS litt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich einfach so hinübergleiten würde in die neue Lebensphase. Soviel war mir klar, aber was wird wirklich auf mich zukommen?
Einmal habe ich einen Anlauf gemacht und mich mit ein paar Frauen zum Gesprächskreis zum Thema Menopause getroffen. So richtig hat mich das nicht weiter gebracht. Wir wollten das Gespräch bald fortsetzen, aber irgendwann ist das Vorhaben dann im Sand verlaufen.
Es gibt ja so einen Ansatz, die Menopause auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach dem Motto: Wir Frauen von heute sind doch noch lange attraktiv und lebendig, da muss eine keine Angst vor der Menopause habe. Im Gegenteil, eine Zeit der sexuellen Freiheit käme auf uns zu. Keine Verhütungsproblematik mehr, nur Unabhängigkeit.
Ehrlich gesagt bin ich als kinderlose Frau schon seit Jahrzehnten unabhängig, das ist kein Aspekt bei dem ich einen großen Freudenausbruch bekomme.
Für mich bleibt die Unberechenbarkeit, die mich verunsichert. Was passiert da mit mir? Mit meinem Gemüt, mit meiner Seele, mit meinem Körper?

Da gibt es auch noch eine andere Sache, die mir auf dem Magen liegt in diesem Zusammenhang. In meinem Berufsleben habe ich Jahrzehnte lang beobachtet, dass Frauen in oder nach den Wechseljahren im Berufsleben ziemlich übel angegangen wurden. Sie wurden viel häufiger gemobbt und benachteiligt als junge Frauen. An Männern im vergleichbaren Alter konnte ich das nicht feststellen. Die wurden immer gleich behandelt. Ganz unabhängig vom Lebensalter.
Mir hat das schon immer zu denken gegeben, weil ich das ziemlich unfair fand. Irgendwann werde ich an dieser Stelle sein und dann werde ich es mir nicht gefallen lassen, dass ich so behandelt werde, habe ich mir vorgenommen. Obwohl ich doch weiß, dass es schwer ist, sich aus solchen Mobbingstrukturen zu befreien.

Comments (4)

ClaudiaBerlinMai 16th, 2016 at 11:00

Auch ich war als kinderlose Frau immer schon „unabhängig“ und führte ein selbstbestimmtes Leben. Dennoch erlebte ich die Menopause als einen erstaunlichen Schub hin zur geistigen Freiheit, den ich gar nicht erwartet hatte.

Der Schleier der Hormone – Abenteuer Altern

Die „2.Pubertät“, die manche erleben, oft mit einem Aufblühen des erotischen Lebens, liegt meines Wissens am Testosteron-Überschuss, den Frau erlebt, wenn die Östrogene drastisch zurück gehen. Zeit für Abenteuer… es harmonisiert sich später dann wieder.

SammelmappeMai 16th, 2016 at 11:25

Ich kann mich an diesen Artikel von dir erinnern. Aber er ist genau in dem Ton geschrieben, in dem ich mich nicht wiederfinden kann. Du packst dein ganzes Leben rein, kommst von den ungefärbten Haaren der achtzehnjährigen zu den nachlassenden Kräften ab 40, sprichst als 60jährige und endest über die große geistige Freiheit bei der atemberaubenden Sexualität.

Das meine ich nicht kritisch oder herablassend, ich verstehe schon, was du damit sagen willst. Aber es ist dann doch eher eine Zusammenfassung über das Altern und eine komplett andere Herangehensweise als meine.

claudiaMai 16th, 2016 at 11:33

Wobei es sehr wichtig ist, dass jede ihre eigene Form des Umgangs findet.

ClaudiaBerlinJuli 6th, 2016 at 22:38

Dank Antje Schrupp auf „Beziehungsweise weiter denken“ bin ich wieder hier gelandet – und lese deine Antwort. Was meinst du mit der „anderen Herangehensweise“??? Ich hab offenbar, anders als du, weniger zu leiden gehabt an den physischen Aspekten der Menopause – bzw. von dir lese ich eigentlich mehr über das Leiden an der „noch nicht eingetretenen“ Menopause. Wenn alles PMS, die ganze Bluterei etc. weg ist, dann ist frau doch ziemlich befreit von „internen“ Belastungen, egal wie leicht oder schwer die individuell mal waren. So richtig verstehe ich das Problem damit nicht, jedenfalls nicht dessen Varianten bei kinderlosen, immer schon emanzipierten Frauen.

Dass „alte Frauen“ in der Gesellschaft nicht gerade zu den meistbegehrten Leuten gehören, ist nicht erst seit heute so – aber ich bin nicht „die Gesellschaft“ und du eigentlich auch nicht! Mir fehlt dieses Begehrtwerden aufgrund der glatten weiblichen Jugendlichkeit nicht, und im beruflichen Sektor arbeite ich vom Homebüro aus, was dazu führt, dass ich tatsächlich nach Leistung und Nützlichkeit beurteilt und nachgefragt werde, nicht nach Optik und alle dam. Das ist vielleicht ein Vorteil, aber ich kannte immer auch ältere Frauen in Institutionen, die einfach unverzichtbar waren und sind! Weil sie Verantwortung tragen können und Dinge wuppen, vor denen jugendlichen Karrierist_innen eher Reissaus nehmen… weil sie eben nicht vornehmlich an sich, sondern an die Sache denken, um die es grade geht – und dabei das große Ganze im Blick haben.

„Was passiert da mit mir? Mit meinem Gemüt, mit meiner Seele, mit meinem Körper?“

Der Körper verfällt, je älter wir werden. Den in Schuss zu halten, macht zunehmend Arbeit. Arbeit an der Gesundheit (und wer mag, Geld und Zeit einsetzt: Schönheit) – und jede darf zum Glück noch selbst entscheiden, wieviel ihr das wert ist. Z.B. kann ich nurmehr drüber lachen, wenn mich wer vor diversen Schadstoffen in der Ernährung und in den Klamotten warnt. Bis sich das nämlich entfaltet/auswirkt, bin ich lange tot! (Heißt jetzt nicht, dass ich nicht auch Petitionen / Kampagnen gegen sowas unterstütze!)

Gemüt, Seele – leider ist es mir offenbar nicht gelungen, dieses Befreiungserlebnis so rüber zu bringen, dass du es nachvollziehen konntest, das ich mit dem „Schleier der Hormone“ meinte. Vielleicht liegt es aber eben daran, dass du diesen Schleier noch trägst – ich weiß es nicht. Wie weit ist es denn bei dir in Sachen Menopause?

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