Journal08072019

Der Termin für die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt für das nächste Jahr ist raus. Schnell wollte ich die Buchung für die Übernachtung vornehmen, damit es mir nicht so ginge, wie in diesem Jahr. Beim Anblick der Preise wird mir ganz schummrig. Will ich das wirklich, frage ich mich? Die Hotelpreise liegen doppelt so hoch wie vor vier Jahren. Will ich das wirklich? So viel Geld ausgeben für eine kurze Reise, die ich im jeden Jahr in ein enges zeitliches Korsett drängen muss, damit An- und Abreise mit dem Zug sich eng in meinen beruflichen Rahmen schmiegen. Bisher habe ich es immer bejaht und die Anstrengungen der 12-stündigen Hin- und Rückfahrt auf mich genommen. Mit Freuden.

Aber bei diesen Preisen kann ich das nicht mehr. Es ist ähnlich wie damals bei der re:publica. Klar, könnte ich es mir leisten. Würde ich auch gerne. Aber da ist eine Schamgrenze zur Dekadenz. Das kann ich dann echt nicht mehr machen.

Für die Alternative auf Komfort zu verzichten und Mehrbettzimmer oder andere Ungemütlichkeiten auf mich zu nehmen, bin ich zu alt. Und zu unwillig.

Es gibt da so eine dünne Prinzessinnenlinie, die ich nicht überschreiten mag. Da könnt ihr euren Glitzer halt für Euch behalten. Ich hab keine Lust mich mit ins Land der unbeschränkten Geldströme abtreiben zu lassen.

Aus die Maus.

Schade.

Comments (5)

englJuli 8th, 2019 at 13:39

was???!!!??? (der eintritt ist doch voll umsonst!!!)

Antje SchruppJuli 8th, 2019 at 15:43

@engl – das ist interessant, ich war ja noch nie dort, aber wenn der Eintritt umsonst ist, dann ist das mit den so krass gestiegenen Hotelpreisen ja noch absurder. Dann ist die „Gentrifizierung“ der Veranstaltung sozusagen nicht einmal von den Veranstaltern verursacht, sondern tatsächlich NUR vom Kapitalismus.

claudiaJuli 9th, 2019 at 06:28

Ich glaube die Hotelpreise hängen nicht mit den TDDL zusammen, die sind generell gestiegen. Jedenfalls hätte jetzt – 11 Monate vor dem Termin – das günstigste Hotelzimmer für eine Person in Laufnähe als ca. 2,5 km Entfernung ca. 450 Euro gekostet.
vor ein paar Jahren habe ich 200 Euro bezahlt. Dazu kommen 200 Euro für die Bahnfahrt 2. Klasse mit Bahncard 50.

In meiner aktuellen persönlichen Situation brauche ich immer die Möglichkeit, dass ich eventuell stornieren kann. Da muss ich mich dann entscheiden, ob ich das Risiko eingehe etwas günstiger zu buchen und das Risiko zu tragen oder lieber etwas mehr zahle.

Klar, das drum herum ist dann günstig. Kein Eintritt, viele Einladungen mit Essen und sogar Trinken. Aber mir geht es ja nicht darum, mich möglichst billig und günstig durchzuschlagen. Ich mag einfach nicht einkalkulieren, dass ich zu solchen Preisen übernachte. Das passt nicht zu meinem Lebensstil.

englJuli 9th, 2019 at 09:41

wer geld hatte sollte dieses für gutes einsetzen, nur so funktioniert es. was hilft es denn, wenn niemand mehr in literatur investiert? literatur an sich ist doch dekadent, außer für die (meisten), die sie schaffen. auf die art sitze ich, wenn ich wirklich alt bin, allein in einer 12qm-hütte und kann den tddl nicht einmal mehr streamen. weil es ich nicht mehr gibt. danke!

claudiaJuli 10th, 2019 at 12:02

Ja, ja. Du hast Recht. Das ist ein Argument, dass mich absolut überzeugt.

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