Journal26092019

Auch heute könnte ich meinen Müdigkeitspost fortsetzen. Immer weiter schlafen wäre ein Traum.
Das Wochenende verspricht Müdigkeitslinderung.

Auch heute könnte ich meinen Müdigkeitspost fortsetzen. Immer weiter schlafen wäre ein Traum.
Das Wochenende verspricht Müdigkeitslinderung.
Ich könnte ein Müdigkeitstagebuch schreiben. Tag um Tag, Nacht um Nacht. Mich macht alles müde: das Büro, die Welt, das Wetter, die Menschen, die Luft.
Die Freude, die Traurigkeit, die Angst und die Hoffnung, das Gestern und das Morgen.
In mir wächst die Müdigkeit von Generationen an. Kleine Müdigkeitspflanzen entwickle ich schleunigst zu einem Müdigkeitsdschungel.
Ich bin müde und gehe jetzt schlafen.

Schlaflos unaufgeregt.
Aufgeregt schlafend.
Die Tendenz ist noch nicht geklärt.
Schlaft gut, ihr Lieben!
Ein sonniger Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Ein Himmel so blau, dass Du ihm alles zutraust. Eine Stadt, die Dein Zuhause ist.
Eine Dokumentation der Idylle. Ein Stillleben ohne visuelle Störung.
Alles Weichgezeichnet. Da sind keine Extrafilter notwendig.
Lass es perfekt sein.
Für diesen Tag.
Wütend. Weil der Stinkefinger der Mittelschicht so überheblich und arrogant in eine Richtung zeigt.
Politik ist auch das, was ihr jeden Tag lebt. Schon vergessen?
Wer nimmt einen unterwürfigen Proleten ernst? Nicht mal einen würdigen Namen habt ihr noch dafür.
Unterschicht. Bildungsferne Schicht. Hartz4ler. Altersarmut. Kinderarmut. Obdachlose. Wohnungslose. Unschuldig in Not-gekommene. Tafel-Gängerinnen. Kundinnen bei der Arbeitsagentur. Menschen mit Migrationshintergrund. Clan_Familien. Überhaupt: Problemfamilien und Problemkinder.
Ich bin stinkwütend über diese Arroganz und Überheblichkeit. Über die Super-Heldinnen-Geschichten und die globale Mittelstandsvernetzung.
Wer erzählt denn die Geschichten der Gedemütigten und der Stillen? Wer bestimmt die Rahmen und wer legt das Punktesystem fest?
Heimat ist dort, wo die Menschen mich finden.
Die Sammelmappe trägt mich durch einen Teil meiner Erinnerungen. Behutsam und konsequent.
Die wichtigsten Eigenschaften für eindringliche Poesie.
Weit hinaus.
Die Träume kennen kein Ziel. Nur einen Zustand.
Sie fließen.
Weit hinaus.

Wie so oft vergesse ich vor lauter Sehen und Hören das Fotografieren. Später werden sie mir fehlen, die ungemachten Fotos. Die visuellen Erinnerungen werden sich ihre eigene Vorstellung kreieren. Mit viel Phantasie weit ab vom Wahrheitsrand.
Ich bin hier. Ich bin ich. Ich bin ein sehendes und hörendes Etwas. Ein Wesen auf Input eingestellt. Solange bis alles zuviel wird und sich die Schotten schließen.
Diese Woche schaue ich nicht nach rechts. Denn dort ist es viel zu ungemütlich. Ich schaue in die Welt und darüber hinaus.
Wie die Zeit plötzlich dahinrennt, wenn die 60 nahe am Horizont erscheint.
Wie kostbar die Tage und Stunden mit einmal werden.
Wie dein Körper dir in vielen Sprachen und noch mehr Dialekten mitteilt, dass er sich in keine Schablone mehr pressen lässt.
Wie dein eh schon empfindliches Mimosenseelchen auf Schonhaltung besteht.
Wie die Erinnerungen immer wertvoller werden.
Wie deine Lebenserfahrung einen schalen Beigeschmack gekommt angesichts der anstehenden Veränderungen.
Wie das Wesentliche dann doch erhalten bleibt.
Und wie das innere Kind, die alte Frau tröstet.
Hab ich in der Sammelmappe schon den Account der Tante Inge bzw. der Ingeborg Loh erwähnt? Sie hat einen großen Schatz an Lebens- und Alltagsdokumentation in Form von Fotos und Kalendern hinterlassen, den ihr Neffe in Form eines Twitter- und Instagram-Accounts präsentiert.
Ich bin fasziniert. So ein Schatz.
Und die Standseilbahn hat eine Liste a getippt, die die Namen von Schriftstellerinnen enthält nach denen Krater auf der Venus benannt wurden. Die Frauen sind also ausgelagert auf einen anderen Planeten. Nur das Universum teilen wir uns noch. Wenigstens das.