Die Hölle muss zugefroren sein. Die überhitzten Büros dürfen verlassen werden. Ich eile nach Hause in die abgedunkelte Wohnung und pflege meine innige Freundschaft mit dem Kühlakku.
Die Erinnerung an Kindertage steigt hoch, dieses Gefühl des zwanghaft eingesperrt Seins. Um die Mittagszeit durften die Kinder in unserem Wohnblocks im Sommer nicht draußen sein. Davon bekäme man einen Hitzschlag, sagten sie. Aber wir hatten nie einen Hitzschlag bei einem Menschen gesehen. Wahrscheinlich gab es den ebenso wenig wie den Kirchbaum, der aus dem Blinddarm wuchs, wenn man einen Kirschkern verschluckte.
Wir fühlten uns schwer gegängelt, getäuscht und unterdrückt in der mittäglichen Dunkelheit. Nachmittags konnten wir dann wieder raus zum Spielen. Aber im Schatten bleiben, hieß es. Sonst gibt es einen Sonnenstich.
Den Sonnenstich hielten wir für einen Vetter des Bienenstichs. Der machte uns keine Angst und ließ auf Süßes hoffen.
Mit Anlauf in den Untergang. Es gibt so viele Seltsamkeiten in dieser kapitalistisch aufgestellten Welt in der der Markt rein gar nichts reguliert.
Wenn mir die Postbotin auf ihrem Arbeitsweg begegnet, bedauere ich sie. Der Wagen, den sie vor sich herschiebt, ist vollbepackt mit Plastikscheiss. Wie kann es sein, dass die Menschen immer weniger Papierpost bekommen und die Postboten immer größere Berge hin- und herschleppen?
Jetzt lese ich in einem Artikel, dass seit 2014 Menschen versuchen, gegen diesen Plastikwahn, der sich Einkauf aktuell nennt, anzugehen. Erst mit einer Petition, aktuell mit einem Gerichtsprozess. Soweit, so verständlich und nachvollziehbar.
Aber dann folgt der Hammer: Die Post fürchtet um ihr Geschäftsmodell. Das ganze Gedöns soll einen Jahreserlös von 300 Millionen bringen.
Und genau da sind wir wieder beim altbekannten Thema. Wenn der Staat sich nicht mehr um die Infrastruktur sorgt, sondern sie als Geschäftsmodell weiterverkauft, kommt so ein Irrsinn raus. Statt Menschen mit Briefen zu versorgen, wird ein Geschäft an Land gezogen, das der Umwelt und somit uns allen schadet. Auf Kosten der Allgemeinheit wird ein Nebengeschäft kurz mit eingeplant, das einigen wenigen ein Gewinn bringt.
Wir sind schon ganz richtig auf unserem Weg: Mit Anlauf und selbstverursachten Rückenwind in den Untergang.
Hab den Fehler gemacht mir das Restwochenende mit einem Blick auf die Wettervorhersage zu vermiesen. Ja, ja ich weiß. Es ist Sommer und das soll alles so sein. Wäre ich ja auch dafür, wenn ich das mit dem höllischen Büro besser aushalten würde.
Ich komme mir ziemlich wehleidig vor mit dieser ständigen Hitze-Jammerei. Als gäbe es keine andere Sorgen auf dieser Welt. Kein Glück und kein Leid.
Schon 1992 schrieb Elena Ferrante ihren Debütroman. Er ist nicht ganz so ausuferndend wie die Neapolitanische Sage. Kompakter, aber ähnlich mitreißend.
Ganz stark finde ich die Nähszenen und das Atmosphärische in dieser Geschichte. Durch und durch geht mir die Alltagsgewalt, die sich für die Frauen nicht abschütteln lässt und den verqueren Liebesbegriff.
Spiegelung einer Hand vor einem verregneten Fenster
Den gestrigen Tag hab ich mit einem Schleifchen versehen und in die Generationenkiste gepackt. Ab jetzt wird es also ein Doppelgeburtstag sein.
Mental bin ich wieder mal im Nachdenklichkeitsmodus angelangt, er passt wohl am Besten zu mir.
Die Sprachlern-App ist jetzt von Spanisch, portugiesisch und türkisch auf französisch umgeschaltet. Ein neues Ziel im Auge. Aber vorher geht es nach Österreich zur Denkumenta.
In dieser Woche ist mir wieder mal klar geworden, wie sehr das Internet mein Bildungsmedium geworden ist.
Und was ich noch gern mag ist diese Erinnerungsfunktion. Das Abrufen der Augenblicke der Vergangenheit auf so vielen Kanälen. Das ist eine Form des Erinnerungswohlstand.
Jetzt habe ich ein paar Wochen nach einem eBook-Reader gesucht, der auch Hörbücher und Onleihe kann, bis ich Blitzmerkerin realisierte: den gibt es nicht.
Es gibt keinen fucking-stromsparenden Reader mit langlebigen Akku, der Onleihe kann. Mein alter angenagter Kindle-Touch hat eine Beta-Version instaliert zum Hören von Musikdateien. Aber langsam wird der Akku träge, also dachte ich, es ist Zeit mich umzusehen, nach einem Gerät, das mir meine nachhaltigen Wünsche erfüllt.
Aber nichts! In all diesen Jahren haben sie geschlafen und nur neue Reader entwickelt, die eigentlich Tablets sind und somit eben nicht wochenlang ohne aufladen auskommen. Es ist zum Haare raufen. Immer sitze ich da mit meinem diversen Gerätepark und träume davon, wie wundervoll es wäre, nur noch die zwei von mir ersehnten Geräte managen zu müssen.
Aber der Zug ist wohl abgefahren. So wie der mit dem Individualverkehr oder den Verbrennungsmotoren. Nachhaltig kann der Kapitalismus nicht. Wofür auch?
Der Falter erschreckt mich. Warum wählt er nicht die friedliche Methode? Raus aus dem Zimmer und zurück zur Natur? Es hätte so einfach für ihn sein können. Aber er wollte diesen Weg nicht wählen. Was blieb mir nun anderes übrig?
Ich hoffe, die kühle Luft draußen tut ihm jetzt gut und er erholt sich bald wieder. Falls er ein trockenes Plätzchen fand unter triefenden Bäumen.
Die Erkältung hab ich weggeschlafen. Mich tapfer in den letzten Arbeitstag geworfen. Selbstbild der letzten Tagen ziemlich abgegriffen. Der Fels in der Brandung, die ruhige Person am Horizont, zu der alle aufsehen.
Das Alter bringt einige Begleiterscheinungen mit sich. Würde im Glammerpack. In der Glitzerausgabe.
Der Triumph der grauen Haare.
Aufstieg mit der Rolltreppe am Hauptbahnhof in Frankfurt.