Journal27072019

Mit der Welt einen eigenen Frieden schließen.

Tag um Tag. Stunde um Stunde.

An das Gute glauben und das innere Sonnenkind streicheln.

Hoffnung immer ganz oben auf den Stapel legen.

Und die Geduld nicht aus den Augen verlieren.

Journal26072019

Gestern um 22 Uhr den Fehler gemacht und die Fenster geöffnet. Falsch. Ganz falsch.

Großer Fehler. 38 Grad strömten in kürzester Zeit in meine Wohnung.

Heute Morgen um sechs Uhr 27 Grad in der Bergerstraße. Das sind nicht mehr nur tropische Nächte. Das sind mörderische Nächte. Meine kläglichen Versuche die Wohnung zu lüften würden als Slowmotion sicher bezaubernd aussehen. Aber immerhin: als ich die Wohnung verlasse zeigt der Thermostat 26 Grad. Juhu! Besser geht es nicht.

In der Arbeit ist plötzlich höchste Konzentration angesagt. Es geht mal wieder rund. Ohne offizielle Worte. Jeder schiebt jedem den schwarzen Peter zu und die Beschäftigen zittern.

Auf dem Papier wirkt die Maßnahme klein, in der Ausführung erschüttert es die Menschen.

Hab jetzt alle meine Worte in die Waagschale des Landtages gelegt. Wohlwissend, dass die Fakten rollen, auch wenn die Verantwortlichen sich in Deckung ducken.

Nachtrag: Die Tour. Fast vergessen. Die Etappe wegen Schneefall abgebrochen.

Journal24072019

Die Hölle muss zugefroren sein. Die überhitzten Büros dürfen verlassen werden. Ich eile nach Hause in die abgedunkelte Wohnung und pflege meine innige Freundschaft mit dem Kühlakku.

Die Erinnerung an Kindertage steigt hoch, dieses Gefühl des zwanghaft eingesperrt Seins. Um die Mittagszeit durften die Kinder in unserem Wohnblocks im Sommer nicht draußen sein. Davon bekäme man einen Hitzschlag, sagten sie. Aber wir hatten nie einen Hitzschlag bei einem Menschen gesehen. Wahrscheinlich gab es den ebenso wenig wie den Kirchbaum, der aus dem Blinddarm wuchs, wenn man einen Kirschkern verschluckte.

Wir fühlten uns schwer gegängelt, getäuscht und unterdrückt in der mittäglichen Dunkelheit. Nachmittags konnten wir dann wieder raus zum Spielen. Aber im Schatten bleiben, hieß es. Sonst gibt es einen Sonnenstich.

Den Sonnenstich hielten wir für einen Vetter des Bienenstichs. Der machte uns keine Angst und ließ auf Süßes hoffen.

Einkauf aktuell

Mit Anlauf in den Untergang. Es gibt so viele Seltsamkeiten in dieser kapitalistisch aufgestellten Welt in der der Markt rein gar nichts reguliert.

Wenn mir die Postbotin auf ihrem Arbeitsweg begegnet, bedauere ich sie. Der Wagen, den sie vor sich herschiebt, ist vollbepackt mit Plastikscheiss. Wie kann es sein, dass die Menschen immer weniger Papierpost bekommen und die Postboten immer größere Berge hin- und herschleppen?

Jetzt lese ich in einem Artikel, dass seit 2014 Menschen versuchen, gegen diesen Plastikwahn, der sich Einkauf aktuell nennt, anzugehen. Erst mit einer Petition, aktuell mit einem Gerichtsprozess. Soweit, so verständlich und nachvollziehbar.

Aber dann folgt der Hammer: Die Post fürchtet um ihr Geschäftsmodell. Das ganze Gedöns soll einen Jahreserlös von 300 Millionen bringen.

Und genau da sind wir wieder beim altbekannten Thema. Wenn der Staat sich nicht mehr um die Infrastruktur sorgt, sondern sie als Geschäftsmodell weiterverkauft, kommt so ein Irrsinn raus. Statt Menschen mit Briefen zu versorgen, wird ein Geschäft an Land gezogen, das der Umwelt und somit uns allen schadet. Auf Kosten der Allgemeinheit wird ein Nebengeschäft kurz mit eingeplant, das einigen wenigen ein Gewinn bringt.

Wir sind schon ganz richtig auf unserem Weg: Mit Anlauf und selbstverursachten Rückenwind in den Untergang.

Journal21072019

Hab den Fehler gemacht mir das Restwochenende mit einem Blick auf die Wettervorhersage zu vermiesen. Ja, ja ich weiß. Es ist Sommer und das soll alles so sein. Wäre ich ja auch dafür, wenn ich das mit dem höllischen Büro besser aushalten würde.

Ich komme mir ziemlich wehleidig vor mit dieser ständigen Hitze-Jammerei. Als gäbe es keine andere Sorgen auf dieser Welt. Kein Glück und kein Leid.

Lästige Liebe

Schon 1992 schrieb Elena Ferrante ihren Debütroman. Er ist nicht ganz so ausuferndend wie die Neapolitanische Sage. Kompakter, aber ähnlich mitreißend.

Ganz stark finde ich die Nähszenen und das Atmosphärische in dieser Geschichte. Durch und durch geht mir die Alltagsgewalt, die sich für die Frauen nicht abschütteln lässt und den verqueren Liebesbegriff.

Stark. Richtig stark ist das Buch.

Journal19072019

Spiegelung einer Hand vor einem verregneten Fenster

Den gestrigen Tag hab ich mit einem Schleifchen versehen und in die Generationenkiste gepackt. Ab jetzt wird es also ein Doppelgeburtstag sein.

Mental bin ich wieder mal im Nachdenklichkeitsmodus angelangt, er passt wohl am Besten zu mir.

Die Sprachlern-App ist jetzt von Spanisch, portugiesisch und türkisch auf französisch umgeschaltet. Ein neues Ziel im Auge. Aber vorher geht es nach Österreich zur Denkumenta.

In dieser Woche ist mir wieder mal klar geworden, wie sehr das Internet mein Bildungsmedium geworden ist.

Und was ich noch gern mag ist diese Erinnerungsfunktion. Das Abrufen der Augenblicke der Vergangenheit auf so vielen Kanälen. Das ist eine Form des Erinnerungswohlstand.

Journal17072019

Jetzt habe ich ein paar Wochen nach einem eBook-Reader gesucht, der auch Hörbücher und Onleihe kann, bis ich Blitzmerkerin realisierte: den gibt es nicht.

Es gibt keinen fucking-stromsparenden Reader mit langlebigen Akku, der Onleihe kann. Mein alter angenagter Kindle-Touch hat eine Beta-Version instaliert zum Hören von Musikdateien. Aber langsam wird der Akku träge, also dachte ich, es ist Zeit mich umzusehen, nach einem Gerät, das mir meine nachhaltigen Wünsche erfüllt.

Aber nichts! In all diesen Jahren haben sie geschlafen und nur neue Reader entwickelt, die eigentlich Tablets sind und somit eben nicht wochenlang ohne aufladen auskommen. Es ist zum Haare raufen. Immer sitze ich da mit meinem diversen Gerätepark und träume davon, wie wundervoll es wäre, nur noch die zwei von mir ersehnten Geräte managen zu müssen.

Aber der Zug ist wohl abgefahren. So wie der mit dem Individualverkehr oder den Verbrennungsmotoren. Nachhaltig kann der Kapitalismus nicht. Wofür auch?

Alltagsgedicht

wenn es mir doch gelänge
in Pausen zu dichten
beim Ausatmen
und zwischendurch

wenn es mir doch gelänge
in den Zwischenräumen
zu schreiben

ganz leise nur


doch mit Platz
für mich

Journal13072019

Der Falter erschreckt mich. Warum wählt er nicht die friedliche Methode? Raus aus dem Zimmer und zurück zur Natur? Es hätte so einfach für ihn sein können. Aber er wollte diesen Weg nicht wählen. Was blieb mir nun anderes übrig?

Ich hoffe, die kühle Luft draußen tut ihm jetzt gut und er erholt sich bald wieder. Falls er ein trockenes Plätzchen fand unter triefenden Bäumen.