Das Private ist politisch. Kann gar nicht anders sein. Jede Entscheidung ist politisch. Ob ich will oder nicht, das spielt keine Rolle.
Bleibt immer noch die Möglichkeit, diese Tatsache zu verdrängen. Oder sie umzudeuten. Den Entscheidungen eine andere Interpretation zuzuschreiben. Die Tatsachen hin und her zu wenden, bis das Weltbild wieder passt.
So sind wir Menschen nun mal. Wir lügen im Zehn-Minuten-Takt. Wir phantasieren uns ein Selbstbild zusammen. Die einen mehr, die anderen weniger. Die Wissenschaft ist der Meinung, dass das zu unserem Wesen gehört.
Wir erzählen uns ständig unsere eigene Geschichte neu. Immer wieder. Wir sind unsere Geschichte.
Und unsere Geschichte wird immer eine politische sein.
Der Samstag zeigt sich von seiner freundlichen, sommerlichen Seite.
Wäsche waschen und auf dem Balkon aufhängen, Schuhe für das große Fest kaufen, quer durch den Wochenmarkt laufen und einen Stopp bei der Mokkateeria einlegen.
Das beste Leben im Doppelpack. Schöner als je ausgemalt.
Ich bin eine Frau, die im hohen Alter immer noch übt, gut auf sich aufzupassen. Geduldig gebe ich mich mit dem zufrieden, was ich mir mühsam erarbeitete. Allerdings stockt mein Lesefluss in den letzten Wochen doch sehr. Mein Leseparadies scheint etwas ausgetrocknet, das geschieht immer, wenn eine Unruhewelle mich überschwämmt.
Draußen ist Sommer. Richtiger schöner „Blauer-Himmel-weiße-Wolken-Sommer“. Mit angenehmen Temperaturen. Noch nicht zum Wegschmelzen.
Heute Morgen an den #12von12 gedacht und mir mit dem Weg zum Büro ein bisschen mehr Zeit gelassen.
Es ist ein schöner Weg am frühen Morgen. Seht selbst.
Gartenzwerg im Vorgarten Blick in unseren Innenhof am frühen Sommermorgen Die menschenleere obere Bergerstraße am frühen SommermorgenDer Wochenmarkt in Bornheim Mitte wird aufgebaut.Einer sorgt für Sauberkeit in der Bergerstraße. Am Hauptbahnhof in Frankfurt geht es steil nach oben.Am Busbahnhof arbeitet auch jemand.
Es gelingt mir nicht den Hashtag Llanca zu muten. Jedes Mal, wenn ich die Fotos auf Instagram sehe, stolpert mein Herz ein klein wenig. Ich zucke zusammen und kann nicht richtig erklären, was in mir abläuft. Die Landschaft und das Meer sind so traumhaft schön, dass mir die Erinnerung schmerzt.
Du musst den Hashtag löschen, sage ich mir dann. Das kannst du nicht die ganze Saison ertragen, sage ich mir.
Aber dann meldet sich dieses leise Stimmchen in mir, das wispert: nur noch ein kleines bisschen, dann kannst du immer noch entsagen. Du kannst das noch ein Mini-Bisschen aushalten.
Ich nehme an, das fällt unter die wunderliche Seite des Alters. Plötzlich bist du in einen Ort verliebt.
An die Denkumenta vor fünf Jahren denke ich gerne zurück.
Obwohl – ich muss es dazu sagen – mir diese Art und Größe der Veranstaltung sehr zusetzt. Besser sind für mich entweder größere anonymere Veranstaltungen oder sehr kleine Veranstaltungen mit intensivem Austausch. Zum Glück habe ich aber endlich begriffen, dass ich mich nicht überfordern muss, nur weil mein Maßstab nicht der der anderen Menschen ist.
Der Himmel tobt und brüllt. Er lodert in faszinierenden Rottönen vor meinem Fenster. Heute steht Wetter auf dem Tagesplan. Heftiges Wetter.
Geschafft, denke ich beim Verlassen des Büros. Die Woche ist geschafft und die Verpflichtungen für die Feiertage sind überschaubar. Die ganze Welt könnte ich umarmen, so erleichtert bin ich.
Aber es ist wohl so: wir stecken ziemlich fest. Zu viel Regeln, zu viel Kontrolle, zu viel Vorgaben, zu viel Konformität.
Früh übt sich, wer das Regelwerk als Erwachsene intus haben will.
Meine Müdigkeitsskala ist nach oben offen. Weit offen. Auf meinem Tagesticker stehen neben den gewohnten Daten jetzt auch die des Blutdrucks. Seit Tagen schwanke ich. Innerlich. Die niedrigen Werte erklären einiges, das war es dann aber auch.
Alle Ratschläge habe ich mir selbst schon gegeben. Alle Ziel sind längst abgesteckt. Vielleicht hilft es einfach mit den Achseln zu zucken und das Wetter verantwortlich zu machen. Wetter geht immer.
Zur Ablenkung lese ich in Verena Lettmayers Buch über ihre Alpenüberquerung. Genau die Literatur, die ich mag. Es ist ein bisschen wie im Geiste mitlaufen. Vom Sofa aus. Denn meine 10.000 Schritte für heute, sind schon erreicht.
Kurz auf Spiegel Online gelesen. Von Polizisten, die sich dienstlich Telefonnummern von 13jährigen Mädchen erpressen und diese dann belästigen. Oder 15jährigen Mädchen belästigten, die wegen digitaler Gewalt und Mobbing Strafanzeige stellten. Weiter scrollen und lesen, dass in Japan alte Männer anordnen, dass Frauen ihre Gesundheit mit High Heels runieren müssen. Weil das besser angebracht erscheint oder so ähnlich.
Nur falls sich eine fragt, in welcher Welt wir leben. Immer noch und viel zu lange schon.
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Hab ich die Hitze schon erwähnt? Bin mir nicht ganz sicher, ob ich noch bei mir bin. Aber für morgen sind wohltuende, liebliche 20 Grad angesagt.