Vor der Bio-Metzgerei wartet eine ca. 30 m lange Menschen-Schlange.
Es ist mild draußen.
Wunder dauern etwas länger, aber heute ist ein guter Tag dafür.
Der Blick vom Balkon führt ins Grüne. Die Meisen besuchen uns immer um die Mittagszeit.
Auf ARD läuft Familie Becker.
Hier ist es warm und gemütlich.
Ein Traum.
Ein kleiner Traum.
Nachtrag:
Das Vermeiden von Unglück ist eine Lebensstrategie.
Der vorweihnachtliche Vollmond scheint durch das Fenster. Strahlend und klar. Vielleicht ist sein Vorbild der Komet, der einst am Himmel stand.
Ich bin glücklich. Auf eine leise und und unspektakuläre Weise. Alles ist da, was ich brauche. Alles ist so wie ich es mag. Für den Augenblick.
Klar, da gibt es im Hintergrund noch diese Sorgen. Sie werden mir auch im nächsten Jahr nicht von der Seite weichen.
Doch für den Augenblick müssen sie zurückstehen. Sich hinten anstellen.
Das Röcheln in meinen Bronchien sitzt fest. Ich will das nicht haben! Es gehört nicht zu mir.
Ha, ha.
Wie ausgeprägt mein Drang nach Selbstbestimmung ist! Komplett irreal.
**************************
Der Weihnachtscountdown läuft und da draußen tun viele so, als wäre alleine sein an Weihnachten ein kleiner Weltuntergang. Eine Folter, eine Todesart.
Als käme es nicht vor, dass die Hölle die anderen sind.
Ich fange am besten gar nicht damit an, Statistiken zu zitieren. Vielleicht geht es darum, einen Mythos aufrecht zu erhalten: Wir sind nur glücklich, wenn wir alle vereint unter dem Tannenbaum leiden und schwitzen.
Aber he, Leute. Wir sind unterschiedlich! Es gibt unterschiedliche Arten glücklich zu sein. Es gibt lautes und leises Glück. Es gibt geselliges und einsames Glück. Manchmal reicht auch Zufriedenheit aus!
Nehmt euch das Glück, das zu euch gehört und lasst die anderen ihre Geschichten erzählen. Es ist so wichtig, in der eigenen Lebensgeschichte die Hauptrolle zu spielen. Das macht viel mehr Freude!
*******************
Den Vögeln habe ich es draußen nett zurecht gemacht. Bin am Ausprobieren, was ihnen am Besten gefällt.
Ich freue mich auf die Stille.
Auf die Ruhe.
Auf das Lesen.
Ich freue mich auf dieses Meer an Zeit, das vor mir liegt.
Der Briefwechsel zwischen Brigitte Reimann und ihrer Freundin Irmgard Weinhofen ist für mich so etwas wie der Höhepunkt, der biografischen Lektüre von Brigitte Reimann.
Die Briefe gehen unter die Haut. Ganz besonders, die im letzten Drittel des Buches, als die Krankheit von Brigitte Reimann immer weiter fortschritt.
Sie kann dann oft gar nicht mehr selbst schreiben und Freunde von ihr halten den Kontakt zu der in Amsterdam lebenden Freundin aufrecht.
Schonungslos ist das Wort, das einem dazu einfällt.
Grausam ehrlich wird das Endstadium der Krankheit geschildert.
Der Tag breitet sich vor mir aus und entzieht sich sofort wieder. Auf mein Zeitgefühl ist kein Verlass.
Die Zeit dehnt sich und verfliegt dann ganz unvermittelt. Sie fühlt sich schwer an und ungelenk.
In zehn Tagen ist Heiligabend. Ein Anker im Zeitenstrudel. In zehn Tagen steht die Welt kurz still.
Ich werde lauschen und zum Himmel schauen. Meinen Herzenswunsch dem Universum vorsummen.
Facebook macht ein Filmchen aus meinem Jahr 2018 und übrig bleibt der Urlaub und die lieben Freundinnen.
Den langweiligen Bürokram und die Nervensägen verstecke ich offline.
So wie mein Gesichtsausdruck so ganz und gar nicht meine Emotionslage wiederspiegelt, so bildet mein Online-Leben nicht meine Lebensrealität ab.
Trotzdem ist es ein Teil davon.
Ein wichtiger Teil. Ich mag das Spiel mit dem Dokumentieren des eigenen Leben. Die eigene Geschichte schreiben.
Der Frankfurter Bahnhof atmet Adventstimmung ein und aus. Die obdachlosen Frauen verlieren die Nerven, die Pendler hasten weiter in ihrem Trott. Ungeübte Reisende versperren den Menschenströmen die gewohnten Wege.
An der Seite steht das Klavier und wenn ich daran vorbei gehe und jemand darauf spielt, dann klingt das ganz wunderbar. Vielleicht trauen sich nur Menschen an das Klavier, die richtig gut spielen können. Mag aber auch sein, dass alles nur Zufall ist.
Erst heute Morgen an den Bahnhofsdisplays erfahre ich, dass es gestern wieder Tote gab. Schüsse, die Menschenleben vernichten. Gewalt in besinnlichen Zeiten. Der Terror ist wieder da.