Lektüre, die unter die Haut geht. Ein Buch, das etwas in mir in Bewegung bringt. Einen Gedanken, eine Idee vor mir ausbreitet und einen Ton erklingen lässt.
Schau dir das Mädchen noch mal an.
Hör deiner Erinnerung zu.
Woher bist du gekommen? Lohnt es sich weiterzugehen? Was hat dir das Mädchen von damals zu sagen?
Für einige Jahre war ich mir sicher, dass ich sie hätte trösten können. Alles wird gut! Würde ich ihr gerne aus der Gegenwart in die Vergangenheit rufen.
Alles wird gut!
Seit einiger Zeit denke ich, das Mädchen kann mir vielleicht mehr aus der Vergangenheit in die Gegenwart vermitteln, als ich je zu lies.
Viel könnte ich wieder von ihr lernen.
Nach so vielen Jahrzehnten der Anpassung ist mir viel verloren gegangen.
Wenn ich es wiederfinden möchte, sollte ich ihr zuhören.
Es wird Zeit.
In Llanca trägt der Freiheitsbaum Weihnachtsbeleuchtung. Sehnsüchtig scrolle ich mich durch den entsprechenden Instagramm-Hashtag.
Vor meinem Fenster tanzen die Bäume den Wintertanz. Der Wind meint es ernst mit ihnen und der Himmel bietet mir ein Spektakel als wolle er mich trösten.
Mit der Schere zerschneide ich die zerrissene Jeans, bereite sie auf ihr neues Leben vor. In Gedanken zähle ich die Tage. Zuwenig Zeit ist das Ergebnis. Es bleibt einfach zu wenig Zeit.
Wie immer bin ich maßlos, wenn es um mein Leben geht.
Es gibt gefühlt einhunderttausend Ratgeber, die auf dreihundert Seiten beschreiben, wie du dein Glück visualisieren sollst.
Deine Ziele, dein Weg, dein Glück.
Geht etwas schief unterwegs, greifst du zum Ratgeber „Glückliches Scheitern“. Egal was passiert, es endet immer im Glück.
Aber falls es einmal nicht da endet, fang einfach von vorne an: das Leben als Endlos-Schleife und weit und breit kein Escher, der dir den Ausgang zeigt.
Abgeschnürt und abgedrückt. Der Lebenshahn ist zugerostet. Lässt sich nur mit Mühe drehen.
Die Alleswisser haben Oberwasser.
Vorübergehend, aber das ahnen sie zum Glück nicht.
Perspektiven sind zum Wechseln da.
Sagen die, denen die Welt zu Füssen liegt.
Ich nehme den Weihnachtsstern und stecke ihn in die Tasche, während das Rentier wackelt.
Was sollte mir besser zeigen, dass ich nicht passe?
Die Nachbearbeitung scheitert kläglich.
Nur der Traum tröpfelt unaufhörlich weiter durch mein Gemüt.
“An deinem Anruf nimmt niemand teil.“
Wenigstens das Telefon ist kompromisslos ehrlich, täuscht keine Kommunikation vor. Facebook wird gar philosophisch und erinnert mich daran, dass es selten etwas nutzt recht zu haben, wenn man miteinander auskommen muss. Trello erweist sich als Lebenshilfe-Werkzeug für Struktur-Junkies.
Mir war nie klar, dass ich in diese Kategorie gehöre.
Der Montagsblues geht nahtlos über in eine Regen-Unruhe.
Regnet es noch? Regnet es schon wieder?
Den wichtigsten Tag des Jahres erlebt. Ein Höhepunkt mit Blick auf Vergangenheit und Zukunft. Der Ausblick macht Angst und schmerzt. Es gibt Wege, die kannst du nur ein einziges Mal gehen.
Es ist nicht die Zeit, um an Liebe zu sparen. Im Moment ist es angebracht, sie überall auszubreiten. Es ist genug für alle da.
In dieser schwierigen Lebenszeit beruhigt dieses Wissen.
Die Liebe ist das einzige, das sich vermehrt, wenn du es verteilst.
Es regnet den ganzen Tag. Tropfen für Tropfen holt sich die Natur ihre Normalität zurück.
Grau in grau in grau liegt die Landschaft vor mir. Am letzten Tag hat der November gewagt, sein Gesicht zu zeigen.
Die Nebeln hangeln sich am Berg entlang.
Begrüßen mich.
Den Lebensticker vermissen. Keine Ahnung, wie er von Neuem in Gang gesetzt wird. Die Zahlen laufen durch das Spruchband im Kopf.
Ungeprüft und ungefiltert.
Die Realität reichert sich gerne an: mit Verunsicherung und einem Stück Pustekuchen.