Journal 22082018

Diese bittersüße Gefühl, das sich Weltschmerz nennt, zieht vorsichtig wieder ein in mein Gemüt.
Das Leben ist endlich. Jetzt ist es mehr als eine Phrase. Und es verfügt über so viele Möglichkeiten mit seinen Endlichkeits-Muskeln zu spielen.

Einer davon ist das Verblassen. Wenn die Liebsten ganz langsam aus dem Leben verschwinden. Wenn sie hier sind, aber nicht mehr da. Ihre Persönlichkeit verblasst. Wie die Fotos aus den 80ern.

Der Kopf weiss, was vor sich geht. Aber das reicht nicht.

Es entstehen Welten. Räume. Sorgen. Träume. Alles was wahr ist wird falsch.

Was mich dabei überrascht: Nie war mein Anspruch an mich selbst stärker.
Dieser übermächtige Wunsch alles gut und richtig zu machen.
Nein, nicht zu machen.

Gut zu sein.
Das trifft es besser.

Journal 20082018

Der Blick auf meinen Terminkalender erschreckt mich. Zu gerne würde ich mir lauter Termine mit dem Betreff “Claudia“ eintragen. Aber hilft ja nichts. Wer zahlt bestimmt, heißt es.
Ich werde bezahlt und bestimmt.

Auf der Blinkist-App gab es heute “Die Freiheit, frei zu sein“ von Hannah Arendt zu entdecken. Viel Stoff zum Nachdenken.

Ein 60. Hochzeitstag ist eine Diamantene Hochzeit. Noch mehr Anlass nachzudenken.

Im Notfall ist es gut sich auf Instruktionen zu verlassen oder einen Plan zu haben.

Im Dunkeln die Angst wegzusingen klappt im Alter eher weniger gut.

Mit jedem Lebensjahr erfreue ich mich mehr an meinen Erinnerungen.

Bei mir

In den letzten Tagen den Zustand der Introvertiertheit kontinuierlich erhöht. Die Skala scheint nach oben offen zu sein. Noch ist kein Ende abzusehen.

Dieser Zustand versetzt mich oft in ein Stadium des schlechten Gewissens. Wahrscheinlich fühlt es sich einfach zu wohlig an, dieses Gefühl ganz bei mir zu sein.
Was so kuschlig ist, muss einen Harken haben. Außerdem ist es ein Verhalten, das gesellschaftlich keine gute Reputation besitzt. Das Gegenteil von „offen“ halt. Offen ist das meist zitierteste Wort, das bei Auswahlentscheidungen fällt, um die Entscheidung zu untermauern.
Die Zuschreibung ist eindeutig: offene Personen sind gut, introvertierte Personen schlecht bzw. sie taugen gerade um sie vor Exceltabellen in eine abgelegene Kammer zu setzen.

Das Gegenteil von offen ist verschlossen und wer sich verschließt, sperrt andere aus, das mögen sie nicht.
Was für ein Blödsinn!
Und dennoch so weit verbreitet.

Manchmal – ich sage manchmal, weil es da eben keine berechenbaren Zusammenhänge gibt – manchmal ist die Fähigkeit „Bei-Sich-Zusein“ die Grundlage für ein besonderes Verständnis anderer Menschen.
Dadurch ist eine ganz spezielle, intensive Kommunikation möglich. Es entsteht ein Austausch auf Ebene, die eine starke Wahrnehmung zulässt.

Für mich heißt das, das so manche introvertierte Seele ihre Türe zum Innern sehr viel weiter öffnet, als das andere Menschen tun. Das kostet Kraft.
Mich jedenfalls.
Deshalb schließe ich manchmal die Tür und verreise ins Land der Träume, bin ganz bei mir, aber so gar nicht hier, bis ich wieder Erdung fühle, die Fenster und Türen zum Herzen öffne und alle Willkommen heiße: die Wohlgesonnenen und die anderen meistens auch.

(Aus der Reihe „Texte zum Wiederverwenden“. Juni 2015.)

Herzenssache

meine Liebe
mein kostbarstes Gut

mein Herz
ist nie verschlossen
nur in sich

gekehrt

Sommer – jetzt auch für mich

Jetzt ist endlich auch für mich Sommer. Seit ein paar Tagen lebe ich wieder. Glücklich. Sommerlich.

Mit ein paar Sorgen im Herzen. Etwas Hoffnung und mit dem Bewusstsein, dass diese Zeit etwas Besonderes ist.
Es ist nicht mehr so wie früher. Da schien ein Meer von Zeit vor mir zu liegen. Das Meer hat sich weit zurückgezogen.

Abschied nehmen ist nun eine Vokabel die einen festen Platz in meiner Geschichte hat. Abschied nehmen. Ich bin ungeübt darin. Nicht mutig.
Aber jetzt geht es auch ohne Mut.

Mir ist es wichtig, dem Lauf der Zeit ins Auge zu sehen.

Aber es fällt schwer und mein alter Körper ächzt und stöhnt als Begleitmusik dazu.

Abendspaziergang

Journal 14082018


Sag den Wölfen ich bin Zuhause – ein wunderschöner Buchtitel und ein noch schöneres Buch.
Hab gestern bis um 2 Uhr Nachts gelesen. Seite um Seite, obwohl klar war, dass mein Tag um 5:15 starten muss. Kurz vorm Ende zögerte ich und entschloss mich dann, nicht mehr weiter zu lesen. Um eine Nacht und einen Tag, die verschiedenen unterschiedlichen Möglichkeiten des Ausgangs der Geschichte in mir zu tragen.

Was für eine Lesefreude!
Was für ein Vergnügen!

Dabei ist sie so traurig, die Geschichte.

#12von12 im August 2018

Stimmen in mir

Du könntest längst fertig sein.
Und viel erfolgreicher.

Du könntest es besser machen, länger und weiter.
Du müsstest mehr rechnen und resoluter entscheiden.

Das meiste kannst du sowieso nicht.
Und falls doch, dann machst du alles falsch.

Es braucht Jahrzehnte die Stimmen zum Schweigen zu bringen, die sie in dir säaten, nur zu deinem Besten. Das flächendeckende Kontaminieren von Kinderseelen wurde empfohlen von Staat, Kirche, Gesellschaft und den Nachbarn sowieso.

Journal 10082018

So ein bisschen Zorn bleibt ja immer.
Dieser Groll darüber, dass die Welt so ungerecht ist, wie sie ist.
Das Schicksal sowieso. Da bleibt nur demütiges Fügen.

Aber die Menschen, die machen mich kirre.

Wie sie sich so selbstverständlich den Rahm vom kapitalistischen Leben abschöpfen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie es so toll anstellen, die anderen Menschen auszubooten.

Hurra, wir sind die Gewinner, wir schubsen täglich andere Menschen weg vom Futtertrog, aber wir wissen doch alle, dass in Deutschland niemand verhungert.

Ha ha. Wir setzen uns ein Rahm-Häubchen auf, vielleicht auch zwei oder drei und prämieren die tollste Rahm-Häubchen-Trägerin. Wir tragen Wettbewerbe aus, damit wir eine klare Rahmhauben-Rangfolge unter uns ausmachen.
So viel Rahmabschöpferei wie heute war noch nie.

Und die, die nicht zum Rahmtopf vorstoßen können oder die, die nicht wissen, wo er steht, sind irgendwie doch alle selbst schuld. Wahrscheinlich sind sie einfach ein bisschen langsam und nicht so tüchtig.

Deshalb brauchen sie weder Butter auf ihr Brot noch Messer, um es zu bestreichen.
Ach ja, und die Teller würden sie auch nur belasten, die sind doch zerbrechlich. Es weiä ja schließlich jede, dass diese Menschen nicht auf Zerbrechliches aufpassen können.

Dann nehmen wir ihnen diese Sorge doch auch gleich ab.

Wie gut das alles klappt. Wie leicht das Rahmabschöpfen doch fällt.