Journal 09082018

Ich ändere jetzt meine Hitzebestastungsstrategie und erkläre diesem Sommer meine uneingeschränkte Liebe.
Mit jeder Faser meines Herzens werde ich ihn erdrücken.
Darin bin ich sehr gut.

Ich werden ihn erdrücken bis er nur ein klägliches Restchen Spätsommer ist.
Auf dass er dann genug Kraft in sich trägt, um sich zu einem gemäßigten goldenen Herbst zu mausern.

Letzte Chance für ihn.

Allerletzte Chance.

P.S. Falls ihr den Regenguss gesehen habt, der hier immer wieder angekündigt wird und nicht auftaucht: Schickt mir ein Foto von ihm. Mir dürstet.

Journal 07082018

Meine Selbstdisziplin ist dahin geschmolzen in der wochenlang anhaltenden Hitzehölle. Ich kann nicht mehr. Vorallem kann ich mir selbst nicht mehr zuhören. Seit Tagen – Wochen – fixiere ich die Wetterdaten, aber die Abkühlung kommt nicht. Andere Menschen halten die Hitze besser aus und das macht mich kirre.
Ich will das nicht! Ich möchte robuster sein und belastbarer. Wie ein Kind im Trotzalter akzeptiere ich meine Grenzen nicht. Das ist ungewohnt für mich. Normalerweise kenne ich meine körperlichen Grenzen recht gut und kann es auch aushalten, dass andere Menschen weitere Grenzen haben.
Aber hier in der Hitzehölle kommt doch etwas anderes hoch. Etwas Existentielleres. Ich gerate in Panik, weil ich nicht mehr funktioniere. Keine Kontrolle mehr habe.

Also jammere ich. Ich jammere mir meine Kontrolle wieder herbei.

Die Hoffnung auf Donnerstag scheint sich auch in Luft aufzulösen.
Satz mit x. War wohl nix mit der Abkühlung.

let the sky explode

Jedes Jahr wenn es August wird, heiß, Sommer, dann kommt die Erinnerung an das Schreckliche. An das Grauen.
An den kleinen Jungen. The Little Boy. So nannten sie die Bombe.

Nie, nie, nie hab ich das Leid ermessen können.

Hiroshima.

There’s a shadow of a man at Hiroshima
where he’d pass the noon
in a wonderland at Hiroshima
’neath the August moon

And the world remembers his face
– remembers the place was here…

Fly metal bird to Hiroshima
and away your load
Speak the magic word to Hiroshima
let the sky explode

Journal 05082018

Der Hitzehöllen-Kreislauf wird noch bis zum Donnerstag in Schwung bleiben. Gebannt schaue ich von Stunde zu Stunde auf die Wettervorhersage.
Heute Nacht scheint es gut abzukühlen. Am Dienstag ist ein Hitzehöllen-Wetter mit gefühlten 40 Grad angesagt. Mag mir wirklich nicht vorstellen, wie die Menschen in Portugal sich bei 47 Grad fühlen.
Das bite-away hitzt bis 50 Grad auf, wird sechs Sekunden angewendet und die Freundin bekam Brandblasen davon.

Zum Glück habe ich heute noch die treue Begleitung meines Kälteakkus.

Überschätzt

Menschen überschätzen systematisch ihre Fähigkeiten. Der Dunning-Kruger-Effekt erklärt auch, dass Menschen, die Fähigkeiten von anderen systematisch unterschätzen.

So kommt ein abstruses gesellschaftliches Gebilde heraus, in dem sich jede ihre eigene Perspektive zulegt, bis sie am Ende gemütlich vom Aussichtsplateau auf alles unter ihr kucken kann.

Alles dreht sich um mich. Ich bin der Mittelpunkt meines eigenen Universums und wie Pipi Langstrumpf rücken wir uns die Welt zurecht, wie sie uns gefällt.

So erklärt sich das Selbstvertrauen von so vielen Menschen, die völlig ungeniert ihre Unwissenheit wie eine Trophäe vor sich hertragen.

Journal 03082018

Kein Ende, kein Ende.
Mit großer Verzweiflung sehe ich mir die Wettervorhersage an und frage mich, wie ich die Tage noch überstehen soll. Irgendwie sah es heute morgen noch so aus, als wäre es morgen etwas kühler. Aber nein, nein. Kein Erbarmen, keine Besserung.
Die Hitzehölle lässt mich nicht entkommen. Mit Selbstdisziplin ist ihr nicht beizukommen. Der Körper macht schlapp. Die Seele verzweifelt, das Gemüt schmilzt dahin.

Das Gejammere nervt und ich hasse es selbst, aber es entlastet wenigstens ein bisschen von dieser Verzweiflung.

Der Sommer meines Lebens findet also nicht im Freibad sondern in der Hitzehölle statt.

Journal 01082018

Zur Hitze ist alles gesagt und doch fehlt noch so viel.
Es geht weiter und weiter und weiter. Jenseits aller Arbeitsschutzbestimmungen beginnt und endet der Tag.
Wir machen weiter, ich leide weiter.

Jeden Tag ein wenig mehr.

Ein Ende ist nicht abzusehen.

Es ist einsam im heißen Land.

Freundschaften festigen

Vielleicht brauchen wir überhaupt mehr Freundschaftsrituale, die Freundschaften festigen. Ihnen Tiefe geben und dafür sorgen, dass sie gut verwurzeln können.
Allein so ein Artikel bringt Bewegung in unser Freundschaftsbild.
Da wir mit der sich verändernden Gesellschaftsstruktur in Zukunft mehr soziale Verantwortung über Freundschaften statt wie früher ausschließlich über Familie und Verwandtschaft abdecken müssen, sollten wir schon mal mit dem Üben beginnen.

Nachdenken über Freundschaft durch die Anregung eines Artikels, der die Sinnhaftigkeit des Standartsatzes auf Krisen der Freundinnen anzweifelt: „Melde Dich, wenn Du etwas brauchst.“

In vollen Zügen

Das Leben in vollen Zügen genießen. Die Bahn übertrifft sich mal wieder selbst mit ihren schlechten Nachrichten. Ein liegengebliebener Güterzug. Technische Störungen am Vorgängerzug. Ein Zugausfall aus undurchsichtigen Gründen. Eine Streckenänderung mit Verspätung, weil auf der Strecke ein Zug entgleist ist. Die Bilanz eines Wochenendes. Nur Hin und zurück auf eine Entfernung von weniger als 100 km. Keine Deutschlandtour oder Europa-Rundreise.

Ich trage es mit Anstrengung und Fassung. Immerhin: die Züge fahren und bringen mich hin.

Sie lenken ab von den Sorgen. Den Wolken, die über mein Leben ziehen. Der Lauf der Welt. Altbekannt und doch so anders, wenn die Mühlräder des Lebens dich und deine Nächsten erfassen.
Das Leben kann schmerzen. Kann das Herz sprengen.
Manchmal scheint es sich in Luft aufzulösen.

Auf festen Grund möchte ich weitergehen.
Immer vertrauend auf die Stimme, die mir die Vor- und Nachteile des eingeschlagenen Weges flüstert.

Journal 29072018

Einen mehrwöchigen Sommerschlaf würde ich gerne machen. Aufwachen, wenn das Thermometer wieder auf vernünftige 25 Grad sinkt. Der Blick auf die Wettervorhersage zeigt für die nächsten zehn Tage keinen Tag unter 30 Grad an. Die Hitzewelle rollt mich platt, bin zu nichts mehr zu gebrauchen.
Draußen zirpen die Grillen und die Autos sind laut, ein schwüler Hauch Luft findet den Weg durchs geöffnete Fenster.

Ich denke an die Lebenszeit, die vergeht. Kostbare Tage. Unbrauchbar gemacht, mir selbst triumpfierend vor die Füsse geworfen.

Es ist Sommer.
Er zeigt mir nachdrücklich, wo der Hammer hängt.