Am Anfang

Am Anfang weiß man nicht, dass es ein Anfang ist, dass etwas beginnt.

Manchmal erklärt dir das Leben erst später, dass es diesen Augenblick gab, der der Anfang war.

Du versuchst dich zu erinnern, an diesen Tag, an diese Stunde, an diesen Moment, der so vage in deinem Gedächtnis sich verbirgt. Nur im Film kündigen sich die historischen Augenblicke mit spannender Musik an. Im eigenen Leben musst du schon sorgfältig selbst nachspüren, um deine eigene Geschichte nicht zu verpassen.

Mondfinsternis

Die spektakuläre Mondfinsternis mit dem attraktiven #mofi ist Morgen.

Das Heute wird belebt durch kernigen Allergie-Schnupfen, eine zünftige Zugverspätung in klimatisierten Zügen und einem abstrusen Fehlalarm.

Journal25072018

Um halb sechs am Morgen zeigt das Display an der Apotheke 24 Grad an. Es ist nicht weiter herunter gekühlt in dieser Nacht. Es wird ein heißer Tag im Büro werden, aber wer will schon jammern, wenn in den Nachrichten die Todesopfer der Waldbrände in Griechenland gezählt werden.

Verbrannte Erde, verbrannte Menschen. Die Klimakatastrophe zeigt erst ganz langsam was sie kann. Sie wird uns das Fürchten lehren.

Aber vorher gehe ich noch mal ins Büro. Wie jeden Werktag.
Ich schüttle mich, drehe mich um und ziehe mir ein anderes Leben an.

Mit direktem Draht in ein ganz spezielles Paralleluniversum.
Heiß wie die Hölle, unfruchtbar wie eine Wüste.

Journal24072018

150 Tage seit der Rückkehr aus Kuba.

Ich sammle Zahlen, um meinen Leben einer Struktur zu geben.

Die hohe Kunst den Weltschmerz intensiv zu zelebrieren, gehört zu meinen persönlichen Kulturkompetenzen.

(An dieser Stelle verlangt die Vorstellungskraft das Gif einer wunderschönen Frau, die traurig durch den Regen schreitet.)

Dass die Welt aus den Fugen gerät, kannst du leicht daran erkennen, dass am Polarkreis die Wälder brennen.

Oder die Jungs in den schwarzen Klamotten eine Währung hypen, die nach Energie hungert. (Sie verbraucht schon jetzt ein Mehrfaches des Energiebedarfs von einigen Staaten.)

Wir taumeln gemeinsam am Abgrund entlang.

Begleitet vom gröllenden Gesang der Populisten.

Es wird ein lauter Weltuntergang.

(Freitagnacht ist Mondfinsternis. Ein Highlight bei Nacht passt in diese Zeit.)

Nah und fern

Die Nähe hat sich als Irrtum herausgestellt
Leider mit dem falschen Maßstab vermessen
Keine Freude für die geschundene Seele
So fern, so weit

Im Traum dann doch
Zum Greifen nah.

Hitzeschäden

Im Krimi macht sich eine Hitzewelle immer gut. Nicht erst seit dem Fenster zum Hof. Die Sonne brennt, die Temperamente kochen hoch, die Nächte sind schwül und gefährlich, die Spannung steigt.

Im Alltag bringt die Hitze Ödnis mit. Lethargie und erschöpfte Energie.

Dieser Sommer will es wissen, möchte eingehen in die Historie. Der Sommer des Gedenkens, der Liebe und der Freundschaft.

Es ist dunkel geworden, aber noch nicht abgekühlt. Ich lausche den letzten startenden Flugzeugen nach.
Gehe die Einkaufsliste für morgen durch.

Hoffnung und Ängstlichkeit gehen Hand in Hand.

Lichtblicke

Dass ich am gleichen Tag wie Nelson Mandela geboren bin, ist mir eine große Freude.
Gerade jetzt in dieser Zeit in der wir sehenden Auges wieder in ein faschistisches Zeitalter schlittern, sind mir die Lichtblicke, die Hoffnungsschimmer so wichtig.

Es geht auch anders, zeigt mir das Schicksal.

Es fühlt sich ein bisschen an, wie Rückenwind aus dem Universum.

Danke für euch alle, die ihr nicht aufgegeben habt.

Danke für den Lichtblick.

Danke für die gute Saat.

Nachts zwischen zwei und drei

Nachts zwischen zwei und drei nehme ich es der Zeit übel, dass sie vergeht. Mit all meiner Gedankenkraft versuche ich die Welt anzuhalten, sie davon abzuhalten sich mit diesem Schwung immer weiter zu drehen.

Es heißt, unsere Zeit sei schnelllebig.

Schwindelerregend schnell pustet sie uns mit sich fort. Nachts zwischen zwei und drei wird sie ganz langsam.
Da trägt sie die Hoffnung mit sich, ein Jetzt zu sein.

Ein Hier und Jetzt.

Tröstlich

Für mich ist es jeden Tag ein Trost zu wissen, dass es Menschen wie das Fräulein Read On gibt.

Abwägen

„Es kommt der Zeitpunkt im Leben, an dem Du aufhören solltest ganze Ozeane für Menschen zu überqueren, die noch nicht mal über eine Pfütze für Dich springen würden.“
So spricht die Travelling Lady.
Und die muss es schließlich wissen.