Geboren im Zeichen der Schnecke. Habe es nie geleugnet, dass ich einen Hang zur Langsamkeit in mir hege.
Ich denke langsam, ich fühle langsam, ich erlebe langsam und ich verändere mich langsam. Bis dann der Punkt des Wechsels des Aggregatzustands kommt. Dann kann plötzlich alles sehr schnell gehen und die Schnecke verwandelt sich in eine Traumtänzerin oder eine Bienenkönigin oder was auch immer.
Im Moment sieht es aber eher so aus als verwandle ich mich in geschmolzene Buttercreme. Die Hitze steigt in mir hoch und entgegen den Beschreibungen, die ich kannte, löst sie ein angenehmes Wohlbefinden aus.
Ich schmelze dahin und wieder zurück. Es fühlt sich sehr intensiv an. Sehr stark. Es passiert etwas mit mir, das Körper und Seele erfasst. Eindrücklich. Nachdrücklich.
Gestern las ich, dass es eine neue Theorie zu den Figurinen wie z.B. die Venus von Willendorf gibt. Diese kleinen Skulpturen sind die ältesten dreidimensionalen Menschendarstellungen und finden sich an weit von einander entfernten Fundorten. Es sind immer Frauen, immer ohne Kopf, immer sehr ausgeprägte Brüste und Bäuche. Jetzt sagt eine Theorie, diese Statuen könnten dadurch entstanden sein, dass die schwangeren Frauen diese Statuen als Selbstbildnis angefertigt haben, in dem sie an sich herunter schauten!

Was für eine Perspektive!
Und irgendwie ergibt es Sinn.
Ist einleuchtend.
meine Lebenslautstärke ist leise
meine Empfindungen sind tief
meine Hoffnungen umfassen die ganze Welt
meine Liebe ist stark
meine Lebensgeschwindigkeit ist auf langsam eingestellt
meine Gedanken umkreisen die Welt
meine Träume regen auf
meine Zeit vergeht
mein Leben bleibt
Samstagabend. Der Kampf mit dem Backup endet unentschieden.
Schlimmer als kein Backup, ist ein Backup, das so tut als läuft es einwandfrei.
Lebenszeit in Gigabyte umgerechnet. Übertragungszeit besser gesagt.
Ob sich das alles wirklich noch lohnt wegen der ollen Sammelmappe?
Auf der WordPress-Plattform hab ich noch eine einfachst Kopie der Sammelmappe mitlaufen. Ohne Medien, aber wenigstens die Textbeiträge importiert.
Wenn ich dran denke, wie viel Zeit ich früher in das Blog stecken musste. Heute ist alles so easy und ich hab trotzdem keine Lust mich damit zu beschäftigen. Bin bequem geworden.
Aber noch bin ich nicht so bequem, dass ich die Sammelmappe ganz aufgebe. Ich mag einen Platz im Internet haben an dem ich immer weiter schreiben kann.
Genau wie an den anderen Schreiborten, die mir lieb und teuer sind.
Die EU DSGVO tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und geistert als abschreckendes Blogg-Gespenst durch die virtuelle Welt.
Drei- viermal habe ich in den letzten Wochen einen Anlauf gemacht, mich darum zu kümmern, hab aber immer relativ schnell entmutigt aufgegeben. Mir fehlt die Zeit, die Geduld und das Gemüt mich durch die fremde, komplizierte Materie zu wühlen.
Aber ich habe mich entschieden weiter zu bloggen, allen Schnickschnack-Kram aus der Sammelmappe zu entfernen und mich dem Minimalismus hinzugeben. Hoffentlich habe ich nichts übersehen.
Aber was soll’s. No risk, no fun.
Datenschutz ist ein blödes Wort, denn wer will schon Daten beschützen. Datenschutz bedeutet eigentlich Schutz von Personen. Von Persönlichkeiten. Von Leben.
Mir ist es schon wichtig, das richtig zu machen. Aber dass dieser irrwitzige Abmahnkram immer noch möglich ist, das nervt mich schon.

Zum dritten Mal sehe ich mir den Talk mit Chelsea Manning an.
Sie ist klug, warmherzig, mutig, klar. Eine großartige Frau.
Mir kommen die Tränen, wenn sie von der Zeit im Gefängnis erzählt. Es gibt einen Podcast von amnesty international in dem ein Sprecher – sie durfte das damals nicht selbst aufnehmen – aus ihrem Leben berichtet.
Auch der ist sehr empfehlenswert.
Die wunderbare Chelsea Manning mit der keynote zur re:publica 18.
Ich könnte mir keine bessere denken. Auf Twitter lese ich ihre Weisheiten nach.
Sie ist so bescheiden, so klug, so bodenständig.
„Du kannst keine Debatte mit jemandem führen, der einen Genozid will“
„I‘m stronger, I‘m older and I‘m more experienced, but I‘m the same person I was 10 years ago.“
„Maybe we can all be our own role model“
Vielleicht finde ich nachher auch noch das Video zu ihrem Auftritt, um es hier zu verlinken. Stimmen wie die ihre sind wichtig.
Hier ist der Link!
Ich wiederhole mich: sie ist so wunderbar! Eine großartige Frau.
Diese Runde ging eindeutig an die Pollen. Kein Sieg nach Punkten, eher ein klassischer Knockout.
Der Körper reagiert mit allerlei Symptomen auf die Allergie. In großer Panik versucht er sich zu wehren und erreicht das Gegenteil.
Draußen stürmt der Wind und bläst die Bäume kräftig durch. Die Wolkenfelder ziehen leider immer nur am Rand entlang. Der Flieder lässt sich zerzaußen gibt aber längst nicht auf.
Nur ich bin erschöpft zu Boden gegangen.
Derweil kann ich auf Twitter zu meiner Unterhaltung Träumen beim Platzen zusehen. Die Vorhersage der Zukunft durch das Lesen von Tweets ist zuverlässiger als beim Kaffeesatzlesen. Katastrophen kündigen sich an noch bevor die betroffene Person ahnt, was auf sie zukommt. Ein Mikrozittern erschüttert die Timeline.
Die Seherin versteckt sich besser in ihren eigenen Träumen.
Weitere fallengelassene Worte aufgesammelt:
Das schlechte Gewissen der Homophonie gegen den Kontrapunkt.
Ansonsten schniefende Erschöpfung. Niedergeschlagen durch eine erbarmungslose Polleninvasion.
Am Wegrand des heutigen Tages Sätze aufgesammelt:
Alle sagen es ist Frieden. Aber keiner ist friedlich.
Hier in Bornheim nicht. Hier ist bekannt, dass die Menschen besonders freundlich sind.
Ist es leichter glücklich oder unglücklich zu sein?
In Paris lügt es sich leicht.
Auf Netflix die Havanna-Krimi-Schnulze. Vier Jahreszeiten dieser schönsten Stadt. Sehnsucht nach Havanna fast in Heimweh-Stärke. In einem früheren Traumleben könnte ich schon dort gelebt haben.
claudia April 28th,2018
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Ein bisschen Frieden in Korea und ABBA singen wieder.
So kann’s kommen an einem Freitag an dem du denkst, dass es schön wäre, wenn dein Hamsterrad wenigstens quietschen würde.