Mit fortschreitendem Alter wird das Sortieren der Zukunft zu einer wichtig, dringlichen Angelegenheiten. Akribisch wird der Ist-Stand ermittelt und trotzdem durchgängig darauf hingewiesen, wie unplanbar und unberechenbar die Zukunft daher kommt.
Aber eins wird immer klarer: Sie wird kostbarer. Jedes Tröpchen Lebenszeit wird kostbarer. Tag um Tag.
Ich reagiere mit verdichteter Dokumentation auf die vergebende Zeit. Ich halte mein Leben fest.
Und meine Liebe.
Ich ordne meine Gedanken und meine Zuversicht.
Schlage meine Erinnerungen in schöne Tücher ein, suche nach Lebensbildern und Gruppenfotos. Details werden herausgeputzt und durch gebürstet. Familienerzählungen vom Staub befreit und neu gepolstert. In den Ritzen des alten Sofas wird nach den Ahnen gefragt und der Stammbaum erforscht.
Aber vor allem eins wird getan: es wird alles aufgeschrieben.
Twitter gratuliert mir zum zehnjährigen Jubiläum. Die Online-Dokumentation meines Lebens nimmt langsam historische Dimensionen an.
Es sind die kleinen Spuren im Leben, die mich faszinieren. Die, die mich auf Abwege führen. Links und rechts vom Wegesrand.
Dreimal tief durchatmen, dann weitergehen. Für die nächste Woche habe ich mir Ruhe verordnet. Bisher ist mir nur noch nicht ganz klar, wo ich diese abholen kann.
Irgendwann, da bin ich ganz sicher, werde ich lernen, mich gut auszuschütteln.
claudia April 14th,2018
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Freitag der 13te um vierzehn Uhr, Christine.
Wisst ihr noch?
Ich habe etwas gebraucht um zu merken,
dass heute Freitag der dreizehnte ist.
Zuerst war wieder Wandertag durch Frankfurt angesagt. Keine U-Bahnen, keine Straßenbahn.
Mein kleiner roter Koffer rollt sich knatternd seinen Weg durch die Stadt. Noch bin ich gut zu Fuß und von oben bleibt es trocken.
Das miese Karma der vergangenen Tage wird in die Berger Straße eingehämmert.
Das reicht aber nicht, das langt nicht, flüstert mir das Schicksal zu. Mir reicht es nun und ich schließe meine Bürotür konsequent von außen ab.
Freiheitsberaubung für jegliches mieses Karma.
War ja klar, dass das ein Trugschluss ist. Spätestens als dann die Straßenbahn von der Seite gerammt wurde.
Alles gut, flüstere ich mir zu.
Alles, alles gut.
Würde man für jedes Opfer des Holocausts eine Schweigeminute halten, wäre es elf Jahre still.
claudia April 12th,2018
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das Herz
klopft sich durch die Magengrube
pocht und poltert
erstickt zum Schein die Kehle
um danach
höhnisch
durch den Bauch
zu kullern
„Wenn einer erst einmal beschlossen hat: Wo gehobelt wird, da fallen Späne, ist er nicht mehr erreichbar für seine Freunde, denn er hat bereits entschieden, keine mehr zu haben, er hat sie bereits alle geopfert.
Lauter Späne.“
Auszug aus dem Denktagebuch von Hannah Arendt.
Sie wäre eine geniale Bloggerin und Twitterin gewesen.
claudia April 9th,2018
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„… musz viel schlafen vermutlich Vorzustand des Sterbens, Nächte sehr perforiert …“
Friederike Mayröcker
Pathos und Schwalbe
claudia April 8th,2018
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noch zögere ich
mit dem Liebesgedicht
aber irgendwann
nehme ich mein Herz
an die Hand
und überreiche es dir
denn ohne dich
schlägt es nicht
claudia April 8th,2018
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Die erste Eidechse dieses Jahres huscht vor mir über den Weg. Wie heiß sich 21 Grad in der Sonne nach dem Winter anfühlen!
Seit dreißig Jahren laufen wir den vertrauten Weg an der Neckarwiese entlang. Es spricht viel dafür, dass es unser letzter Frühling dort ist.
Die Bäume haben sie regelrecht massakriert entlang des Ufers. Vielleicht waren sie krank? Immer der gleiche Gedanke, die gleiche Ahnungslosigkeit.
„Augenblicke verändern uns mehr als die Zeit“ der Titel der Autobiografie von Charlotte Wolff lässt mich nicht mehr los. Das Buch eher enttäuschend. Bin mir nicht sicher, ob das an mir oder an dem Buch liegt. Den Briefwechsel mit Christa Wolf fand ich so viel inniger und intensiver.