Mit Virginia Woolf durch England reisen
Mit Virginia Woolf durch England
von Luise Berg-Ehlers
Ein Reiseführer, der Virginia Woolfs Leben und Schreiben durch England folgt, ist eine reizvolle Idee und die Umsetzung in diesem Buch ist der Autorin gut gelungen. Virginia Woolf war eine ausgeprägte Spaziergängerin und in ihren Büchern, Briefe und Tagebüchern sind viele Orte, Wege, Landschaften beschrieben. Aber auch Häuser, Gebäude, Fahrten in Bus und Bahn. Es macht Spaß mit ihr durch England zu reisen. Vor allem wenn eine schon mit ihrem Werk vertraut ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass dieser spezielle Reiseführer Menschen neugierig macht, die ihr Werk nicht so gut kennen.
Joan Didion
Joan Didion ist jetzt 82 Jahre alt. Auf Netflix läuft gerade eine wunderbare Dokumentation über ihr Leben, ihr Werk und ihr Leid. Ihr Neffe führt die Regie in „Die Mitte wird nicht halten“.
Joan Didion ist eine amerikanische Schriftstellerin und scheint immer gerade dort gewesen zu sein, wo der amerikanische Lifestyle boomte. Sie arbeitete bei der Vogue, schrieb für alle amerikanischen Medien, lebt in New York oder in Kalifornien.
Ich bin erst durch die “Blaue Stunden“ auf sie aufmerksam geworden. In dem Buch in dem sie über den Tod ihrer Tochter Quintana trauert. Nach und nach legt sie darin schonungslos ihre Beziehung offen. Die Beziehung einer exponierten Mutter zu ihrer Adoptivtochter, die von Anfang an immer nach Stabilität sucht, sie aber nicht zu finden scheint.
Es ist ein intensives Buch, geschrieben in einer empfindsamen Sprache.
Ich finde es genial, wie viele Frauen-orientierte Filme und Serien bei Netflix zu finden sind. Da kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen glatt einpacken. Ob das jetzt Unterhaltung, Komödie, historische Projekte oder Krimis sind. Die Vielfalt ist erstaunlich.
Da sind die Telefonistinnen, Call the Midwife, grazyExGirlfriend, Gypsi, Grace and Frankie, Gilmore Girls, Orange is the New Black und und und
Für mich ist das Angebot ein echter Gewinn.
Input
Glückserwartung und Sehnsuchtsorte.
Wir sterben an Einsamkeit. – Nicht wenn wir Freundschaften pflegen.
Zusammenstellung
Umstellung auf Winterzeit naht. In der Bahnhofsbuchhandlung steht ein Weihnachtsbaum. Ich schneide meinen Kalender in dünne Streifen.
Es ist nicht mehr viel übrig von diesem Jahr. Ein kläglicher Rest.
Vielleicht hilft ein bisschen Glitter, schließlich war früher mehr Lametta.
Es gibt kein Recht auf Ernsthaftigkeit in diesem Leben. Auf keiner Seite.
Am Ende des Tages
Gut ist es, wenn am Ende des Tages noch die Zeit bleibt um das Gemüt auszulüften und den Alltagsramsch aus der Seele zu kehren.
Viel zu viel Müll fällt täglich an, der die Tendenz hat, sich überall festzusetzen. Wie eine Kruste legt er sich über meine Persönlichkeit und ich habe alle Mühe mich wieder davon zu befreien. Den Glanz der vergangenen Jahre kann ich schon lange nicht mehr wiederherstellen. Das Strahlen der Vergangenheit verblasste selbst in der Erinnerung.
Ich bemühe mich redlich jeden Tag um Seelenhygiene. Aber es ist ein schwerer Job. Vielleicht auch, weil mir die Hilfsmittel fehlen.
Nie nach außen
den Stift zum Schreiben ansetzen
um im gleichen Moment festzustellen
dass gerade dieser Gedanke
nie nach außen dringen darf
Fürsorgliche Neandertaler
Aus dem Spiegel lerne ich heute, dass Neandertaler fürsorgliche Betreuer für ihre behinderte Verwandte waren.
Die Care Revolution hat wohl früher angefangen als gedacht.
Geschafft
Es ist getan. Aus, fertig, vorbei, geschafft.
Wieder einmal. Die jährliche Last auf der Seele und auf dem Gemüt darf verabschiedet werden. Aber der Jubelschrei bleibt stecken. Tief drinnen in mir gibt es die Ahnung, dass es sofort wieder weiter geht.
Es ist schon dunkel draußen, obwohl die Uhr noch nicht umgestellt ist. Am Wochenende ist wenigstens diese Erleichterung in Sicht.
Mit Ernst und Zuversicht sehe ich der dunklen Jahreszeit entgegen. Weiß ihre Besonderheiten zu schätzen. Ihre Intensität. Ihren direkten Draht ins Innere meines Gemüts.
Es ist still in meiner Wohnung. Kein Geräusch dringt von außen herein. Ich könnte genauso gut auf einem menschenleeren Planet zuhause sein.
Ohne es zu ahnen.
Oktobertage
Der Regen prasselt auf die Bäume. Noch ist genug Laub da, um den speziellen Regensound zu erzeugen. Dieses beruhigende Geräusch, das die Kuschelhormone freisetzt, solange du selbst trocken in der geheizten Wohnung sitzen kannst.
Bei mir löst das Regenrauschen Assoziation zu vergangen Campingtagen aus. Mit viel Liebe, Freiheit, Abenteuer und Geborgenheit.
Ich kann mich nicht aufraffen, meinen Pflichten nachzugehen. Räumen, packen, vorbereiten und ein bisschen zittern vor den zwei Tagen, die noch anstehen.
Lieber bleibe ich hier liegen und lausche dem Regen und den vergangenen Tagen.
Damals als das Glück sich wortlos in meinem Leben einnistete. Hartnäckig und nachhaltig.
So unvermutet lang.



