Dokumentieren, archivieren, festhalten. Das Leben zwischen Zeilen pressen. Mit Fotos Augenblicke festhalten.
Erinnerungen formen. Zeitpunkte herausstellen. Leben neu erzählen. Geschichten weitertragen. Ahnen und wissen.
Besessen sein vom Wiedergeben und Aufbewahren.
Die Auswahl ist diffizil. Erfordert Fingerspitzengefühl. Was ist Junk? Was ist ein Schatz? Was ist langweilig? Was überzeugend? Aussortieren ist wichtig für eine gute, eine runde Dokumentation.
Nach einer Weile entfaltet die Dokumentation ihre Faszination, ihre Anziehungskraft.
Ein wohliges Gefühl entsteht dadurch.SSehr angenehm.
Die Mützenfalterin schreibt:
Alle Erklärungen sind Lügen
Ich fühle meine Kraft täglich schwinden. Die körperliche. Die geistige Kraft. Die psychische Kraft. Auch die.
Alle Energie verschwindet in einem schwarzen Loch, das sich Alltag nennt. So richtig kann ich nichts anfangen mit den Mythen, die sich um das zeitgenössische junge Alter ranken.
Du bist so alt wie du bist. Das ist meine Wahrheit.
Klar nehme ich mich hin und wieder als das Kind wahr, das ich einmal war, als die junge Frau, die es einmal gab.
Manchmal spüre ich diese Personen, die es früher einmal gab, in mir. Viele verschiedene Personen unterschiedlichen Alters leben in mir.
Aber wenn sich der Tag dem Ende zu neigt, bin ich müde und erschöpft. Alle Energie ist entwischen.
Ich bin alt geworden. Oder das Leben meint es alt mit mir. Das ist die Wahrheit. Die reine Wahrheit.
Und sie ist alt.
Es könnte alles so schön sein, wenn nicht dieser Wahnsinn des Krieges wäre.
Sage nicht es hat schon immer Kriege gegeben, damit überzeugst du mich nicht. Kriege wohl. Aber nicht den Krieg. Aber einmal wird ein neues Ideal entstehen, und es wird mit dem Krieg zu Ende sein.
Käthe Kollwitz
Ein Abreißkalender für das Jahr 1990 dem die Wende dazwischen gekommen ist.
Auf Twitter.Nur lesbar mit Demut im Herzen.


Delphine de Vigan – Tage ohne Hunger
Ein Buch über die Abgründe der Magersucht. Intensiv geschrieben mit einem Hauch von Schwärmerei und ohne Ekelszenarien.
Über Magersucht oder andere Essstörungen zu schreiben ist immer schwierig. Gilt wahrscheinlich für andere psychische Krankheiten noch mehr, aber wer achtet schon darauf?
Hier wird die Krankheit literarisch verarbeitet. Sehr individuell und ganz sicher nicht als Schablone zur Nachahmung vorgesehen.
claudia Januar 13th,2018
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2 Comments
Gedanklich bin ich immer noch bei der Neapolitanischen Saga und sehr damit beschäftigt zu ergründen, was das für ein Erreger ist, der das Ferrante-Fieber auslöst.
Vielleicht geht es um das Zelebrieren der Freundschaft.
Die Freundschaft wird ausgelotet nach allen Seiten. Sie nimmt sich Raum und dreht den beiden auch ihre dunkle Seite zu.
Sie ist wie ein Netz, aus dem sie sich nicht entwinden können.
Lenù versucht ja manchmal als Erzählerin der Geschichte Lila übernatürliche Kräfte zuzuschreiben. Die gelten wohl der Freundschaft an sich.
Es ist so ein Fest, diese Bücher zu lesen.
claudia Januar 12th,2018
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Das Murmeltier ist es leid. Es mag nicht mehr grüßen.
Vor allem und schon gar nicht täglich.
Das Murmeltier hat es satt. Von unten bis oben. Nie, nie, nie wäre eine Begrüßung die Option.
Das Murmeltier schlummert nur leicht. Auch in dieser Hinsicht ist sein Versprechen trügerisch.

Es ist selten, dass eine Frauenfreundschaft so vielfältig, spannend und intensiv im Mittelpunkt eines literarischen Projektes steckt, wie in der Neapolitanischen Saga von Elena Ferrante.
In den insgesamt 2000 Seiten prasselt alles auf die Leserin ein, was in einem Leben denkbar ist. Das Lesen fühlt sich deshalb fast so an, als wird man mitgeschleift. Noch bin ich am Verarbeiten der einen Episode in der es um familiäre Gewalt geht, aber schon stecke ich in einer Szene die die trostlose Infrastruktur beschreibt, dann folgt eine Szene voller Selbstbehauptung, eine Dramaturgie wie ein Theaterstück, wie ein Filmauszug. Manchmal fühle ich mich als Leserin veräppelt und an der Nase herumgeführt, manchmal möchte ich die Haupfiguren schütteln und ihnen den Kopf zurechtrücken. Sie in eine Bahn stupsen.
Dass ich nicht genervt bin und von der Geschichte erdrückt werde, liegt ausschliesslich daran, dass die gespannte Freundschaft zwischen Lila und Elena so einen Bann ausübt. Was ist das für eine Kraft, die die beiden immer wieder um einander kreisen lässt. Sie hat viele Seiten und nicht wenige davon sind düster. Eine Kraft, die aus dem Dunkeln kommt und ins Licht will. Oder manchmal auch umgekehrt. Das ist nicht immer ganz klar.
Diese Saga wird mich noch lange beschäftigen.
Alltag, das ist das was müde macht. Das was in die Knochen fährt. Ins Gemüt und auf die Seele.
Alltag, ist manchmal auch das, was sich vertraut anfühlt. Sicherheit gibt. Einen Rahmen und Stabilität.
Deshalb ist Alltag auch ein Privileg.