Festgefahren

Ich stecke fest.
Ziemlich tief eingefahren. Fest gefahren.

Ich warte auf den Einfall, der nicht kommt. Auf die Idee, die nicht zündet.
Alle Tricks sind erfolglos ausprobiert. Kein Licht in Sicht.

Die Tage vergehen, die Deadline kommt näher. So nah. Eigentlich ist sie schon abgelaufen.
Noch nie war es so schwer, die Worte zu finden.
Keine Ahnung woran das liegt. Das Vertrauen schwindet.

Täglich steigt die Spannung. Ich halte dagegen. Versuche mich zu beruhigen. Aber wie könnte ich mir jemals vertrauen?
Bisher hat sich immer alles von selbst gefügt. Irgendwann fühlte es sich gut an, dann wusste ich: Jetzt ist es stimmig. Jetzt ist es rund. Jetzt kann ich vertrauen.

Das Festhalten der Tage

Die Sammelmappe ist für mich auch ein Versuch, die Tage festzuhalten. Sie aufzuhalten. Sie einzusammeln in ein Blogkörbchen.
Der Versuch einer symbolischen Ernte. Das zusammenzustellen, was übrig bleibt. Vom Tag. Von der Woche. Von der Zeit. Von meinem Leben.

Trotz Facebook, Twitter und Instagram bleibt das Bloggen doch etwas Besonderes. Ein eigener Bereich. Ein virtuelles Wohnzimmer. Ein Spielplatz auf dem eigenen Grundstück.
Manchmal ein Ort der Besinnung, des Rückzugs.
Für mich aber auch ein Spiegel. Ein Spiegel, der mir ständig den Lauf der Zeit vor Augen führt.
Da sind die flüchtigen Gedanken und die, die immer wieder kommen.

Ich halte sie fest. Für einen Augenblick.

Aber nie für die Ewigkeit.

Kartoffelfeuer

Jetzt ist es Herbst geworden. Die Zeit der Kartoffelfeuer an die ich so gerne zurück denke. Früher mochte ich den Herbst sehr gern. Den Wind, der die Blätter durcheinander wirbelt. Die Bewegungen der Bäume. Die Farben sowieso.
Heute steht der Herbst eher für den Beginn der langen dunklen Jahreszeit. So viele Monate bis das Licht wieder kommt. Mir fehlen eindeutig die Feuer. Die machten den Übergang erträglich.

Ich stehe jetzt auch im Herbst meines Leben. Eine Tatsache, die ich immer wieder erstaunt zur Kenntnis nehme. Die Lebenskerze brennt dem Ende entgegen. Noch ist Frühherbst. Aber die Tage werden schon deutlich kürzer.

Weiter Spinnen

Hab die restliche Wolle rausgekramt, um mir mit der Handspindel noch Wolle für die letzte Lampe fertig zu spinnen. Es hat lange gedauert, aber einmal bin ich mit einem Lampenschirmmodell noch fündig geworden. Allerdings in einer Form, die mich vor Strickrätsel stellt. Bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das lösen kann. Angefangen habe ich, die Inspiration wird sich hoffentlich noch einstellen.

Das Spinnen, Haspeln, Wickeln, Zirnen, erneut Haspeln und Wickeln kommt mir endlos vor. Trotzdem mag ich die Handspindel sehr. Es ist einfaches Prinzip und das Ergebnis ist ein tolles Material. Es macht so viel Spaß, das Garn anwachsen zu sehen.

Nur den Goldfaden, den kann ich noch nicht spinnen.

Das Wochenende fest im Blick

Sturmhöhe

Es stürmt ein Wind quer über Deutschland, den ich nicht kommen sah. Die Filterbubble löscht den Sturm radikal aus meinen Nachrichten aus.

Jetzt habe ich versehentlich den völligen Bubble-Status erreicht.

Ein doppeltes Feuer durch das der Leser auf die Handlung blickt, so beschreibt die Wikipedia die Erzählperspektive bei „Wuthering Heights“.
Feuer durch Wind entfacht, mehr und größer kann die Metapher für Leidenschaften kaum ausfallen.

Es irritiert mich, dass mich jetzt wichtige Nachrichten in der Filterbubble nicht mehr erreichen.

Ich werde in mich gehen. Mich ans Gleis setzen und warten, dass das Glück ankommt.

Morgen auf Gleis 17 habe ich eine gute Chance.

Achtsamkeit

Pass auf dich auf!
Sei achtsam mit dir!

Wie geht das überhaupt? Wie passt eine auf sich auf? Wie sorgt sie sich um sich?
Die großen Erwachsenenfragen sind nicht immer einfach zu beantworten. Nicht mal für fürsorgliche Menschen.

Achtsamkeit wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Auch nicht davor. Aber wenigstens habe ich mit den Jahren eine Ahnung davon bekommen. Wie sie aussehen könnte. Wie sie sich anfühlen könnte.
Leider entfernt sie sich trotzdem immer wieder von mir. Ehe ich mich sehe, habe ich wieder nicht aufgepasst und sie ist verschwunden. Einfach aus dem Blickfeld geraten und nicht wieder aufgetaucht.
Dann geht die Suche von neuem los. Ich versuche sie anzulocken und zu überzeugen, dass sie be mir bleibt. Ein endlicher Kreislauf.

Tödlich endlich.

Ruhetag

Vierundzwanzig Stunden nach der Abreise aus Llanca sehe ich mir Videos auf YouTube von Llanca an.
Regenvideos. Wenn die Sonne oft scheint, ist der Regen das große Ereignis.
Die Sonne ist selbstverständlich. Ein bisschen so wie im wirklichen Leben.
Da merken wir manchmal auch erst wenn der große Sturm kommt, dass nicht immer alles sonnig bleibt.
Nun ja, mit 50++ muss ich das nicht mehr lernen, das habe ich längst verinnerlicht.
Selbst als ich jung war, habe ich jeden Lichtstrahl, der auf mich fiel als ein besonderes Geschenk betrachtet.
Mir hat nie jemand einen Rosengarten versprechen müssen und ich wäre auch nie auf den gedanken gekommen, dass es rote Rosen für mich regnen sollte. Ruhe habe ich mir immer gewünscht.
Stille. Liebe. Leises Leben.

Ruhe habe ich jetzt mehr als früher im Leben.
Aber seltsamer Weise wächst das Bedürfnis immer weiter.
Vielleicht auch eine Alterserscheinung.

Oder eine andere Form des Bedürfnis nach: mehr.

Ankommen

Ankommen.
Wiederkommen.
Heimkommen.
Vorbeikommen.

Nach Hause kommen.
Gar nicht so einfach, dieses “zwischen den Welten wechseln“. Ich komme nach Hause und sehe mich ungläubig um. Hier ist es also, dieses Leben, das zu mir gehört. Es fremdelt dann immer noch eine Weile mit mir und ich gebe mir Mühe, es freundlich wieder in Besitz zu nehmen.

Minute für Minute. Raum für Raum.
Dieses Leben, das so genau nach meinen Bedürfnissen maßgeschneidert ist, dass ich es manchmal mit der Angst zu tun bekomme. Prinzessinnendasein. Diva-Alarm.

So fremd, so vertraut.
Da stecke ich drin in meiner Haut und kann nicht wieder raus.

Nur für Momente sah es so als, als hätte ich eine andere Wahl.

Staatsmacht

Da standen sie heute alle in der Schlange. Die nationalistischen alten und jungen Menschen mit und ohne Kinder. In der Nacht davor wurden die Urnen an geheimen Plätzen aufbewahrt und zu den Wahllokalen gebracht.

Da standen sie auch später noch und bewachten die Türen zum Kulturzentrum und mit etwas Abstand dazu die zwei Polizisten, die am Morgen schon das Wahlgeschehen beobachteten.

In Barcelona ging es ganz anders zur Sache und nach den vergangenen Tagen war schon klar, was für Bilder folgen werden. Gewalt gegen Menschen, die zur Wahlurne gehen kommt irgendwie nie gut rüber. Egal wie umstritten das Referendum ist.

So kommt es immer, wenn Populisten Politik machen. Eigentlich können sie immer nur eins: die Muskeln der Staatsmacht spielen lassen.
Aber das ist im Prinzip keine Politik. Das kann auch ein Bandenchef in der organisierten Kriminalität. Das ist zuwenig, wenn es um Politik geht.

Warum wird das nicht häufiger diskutiert?