Wahltag

Der Wahlabend ist ein Zeitpunkt des erzwungenen Realitätsabgleichs.
Dieses Mal heißt das auch: dem Faschismus ins Auge sehen. In sein verleumderisches, gewalttägiges, kaltes Auge.

Demokratie bedeutet halt doch mehr als alle vier Jahre ein Kreuz zu machen und sich dafür lobend auf die Schulter zu klopfen. Wenn Demokratie gut läuft, ist sie harte Arbeit. Läuft sie schlecht, weht der Wind des Populismus hart in das Gesicht der Schwachen.
Sie verbraucht sich in Windeseile selbst. Das können wir gerade in Echtzeit am Beispiel der verschiedensten Staaten erfahren.

Es gibt kein strukturelles Arrangement, das eine Demokratie von sich aus für immer stabil hält. Demokratie braucht Menschen und Medien, die sie mitgestalten.

Nicht nur am Wahltag.
Aber an dem natürlich auch.

Die Wand

Lese „Die Wand“ von Marlen Haushofer zum wiederholten Mal und erstarre immer noch vor Ehrfurcht beim Lesen.
Was für eine Geschichte! Was für eine Weisheit!

Fast auf jeder Seite markiere ich Sätze und Gedanken.

Da schreibt sich eine Frau ein Universum zusammen. Tiefgründig und intensiv.
Alles Oberflächliche wird rausgefiltert und zurück bleibt das Leben in seiner Schwere. Wie es über uns hängt und von Tag zu Tag verlangt, dass wir es bewältigen. Da ist die pure Reinheit. So rein, dass es mir ab und an eiskalt über den Rücken läuft. Vielleicht ist das Buch eine Metapher für mein weiteres Leben. Einiges spricht dafür.
Vielleicht ware ich in einigen Jahren froh, es gäbe die Wand.
In diesen Tagen scheint mir alles möglich zu sein.

Exoplaneten

Über Exoplaneten und die Such nach Außerirdischen

Geschrieben von Aleks Scholz

Verinnerlicht

Es dauert immer eine Weile bis sich dieses Gefühl wieder einstellt. Dieses Gefühl bei mir zu sein. Ein Leben zu führen.
Mein Leben spielt sich im wesentlichen leise ab.
Und innen.
Das ist ganz besonders wichtig.

Ich kann nur bei mir sein, wenn ich mich in mich hineinversetzen kann. In mein Herz, in meinen Kopf in mein Gemüt.
Nur dann fühle ich mich wirklich lebendig.
Es ist nicht immer einfach, das Getöse, der Außenwelt abzuschalten.
Sie ist aufdringlich, sie ist penetrant, ist wirbt um Aufmerksamkeit. Sie braucht Aufmerksamkeit.
Ich sehe das ein, denn die Welt ist in Not. Ist in der permanenten Krise. Aber gerade weil ich das einsehen, verstehe und ebenso stark empfinde, brauche ich den Einstieg ins Innere.

Das Referendum

Vierzehn Menschen wurden verhaftet, die Stimmzettel beschlagnahmt. Das lese ich bei SPON.
Hier im kleinen Ort werden immer mehr Fahnen und Plakate aufgehängt. Der Freiheitsbaum trägt ein Democracia-Banner. Si, Si, steht überall.
Ab und an ist ein Plakat zerrissen. Wenige.
Jetzt tauchen neue Plakate auf, die eine neue Republik willkommen heißen.
Auf Facebook wird das so kommentiert, dass sich der Speckgürtel selbstständig machen will. Es geht um viel Geld.
Sehr viel Geld.
Aber es geht auch um Macht und Würde.

Wenn Populisten Politik machen, kommt meistens Gewalt heraus. So sieht es in Spanien im Moment auch aus. Ein korrupter Politiker der Partei, die von Franco gegründet wurde kennt nicht das Wort Diplomatie. Alles spitzt sich zu.
Überfall tanzen die Fahnen im Wind.

Sie werden wählen.
Da bin ich mir sicher

Katalonien

Die katalanische Flagge weht in der steifen Brise über dem Platz. Sie hat sie zur Hälfte befreit und das Resultat ist jetzt, dass sie absurd mit dem Wind tanzt. Wahrscheinlich misst sie mehr als fünf Meter – mein Auge ist nicht so gut im Messen – sie ist riesig. War es schon immer.
In den letzten Tagen sind neue Flaggen dazu gekommen. Das große Si! in der Comic-Kommentar-Variante hängt an vielen Balkonen. Daneben die großen Democracia-Banner.
Selbst am Apartment hängt ein Statement, das gab es noch nie in drei Jahrzehnten.

Es geht um Geld, aber auch um Würde. Es läuft etwas schief würde ich sagen. Dieser Machtkampf wird ungut ausgehen. So ist das wenn Populisten Politik machen. Alles was sie hinterlassen ist verbrannte Erde.
Die Katalanen halten aus in Barcelona. Was da geschieht, das mögen sie nicht.

Take Care

2017 – das Jahr in dem Berufspolitikerinnen nicht ahnen, wie notwendig Care-Arbeit ist.
Das liegt einfach daran, dass Berufspolitiker sich von Anfang an selbst gebären, stillen, ernähren und wickeln. Später sind sie nie krank. Außerdem begleiten sich Berufspolitikerinnen in allen Krisenzeiten gern selbst, nutzen höchstens die familienfreundlichen Facilities der Ämter.
Auch zum Ende ihres Lebens als Demenzkranke oder körperlich beeinträchtigte Menschen brauchen Berufspolitiker never ever Care-Arbeit.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wissen Berufspolitiker auch heute noch nicht, was Care-Arbeit alles leistet.

Halleluja!

Heimat ist dort, wo die Träume mich finden

Tage gemessen am Format des Sprüchekalenders
Weisheiten gelöffelt und für unverdaulich gehalten
die wichtigsten Lebensentscheidungen nach Feng Shui ausgerichtet

Immer mit Netz und doppeltem Boden trainiert
das Herz in der Hand betrachtet
leise summend die letzten Lebensgeister vertrieben
Heimat ist dort, wo die Träume mich finden

Du sagst es

Du sagst es

von Connie Palmen

Cover mit den Portraits von Sylvia Path und Ted Hughes

Das Buch kommt als fiktionale Biografie daher und brachte mich mindestens auf 180. Preisgekrönte Literatur, die sich auf einer schäbigen Klatsch-und-Tratsch-Ebene ausagiert.

Ted Hughes hat sich zu Lebzeiten nicht geäußert zu seiner Ehe mit Sylvia Plath, wie gut dass da eine Frau daher kommt und fiktional in seinem Sinne spricht. Damit endlich klar wird, dass alle anderen Zeitzeugen nur von ihren niedrigen Instinkten geleitet wurden, als sie sich über Sylvia Plath äußerten.

Das Buch ist ärgerlich. Wie authentisch es ist, kann ich nicht sagen, weil mir das Hintergrundwissen fehlt. Aber das spielt da auch schon fast keine Rolle mehr.

Ich habe nichts grundsätzlich gegen Klatsch und Tratsch, denn der gehört zur menschlichen Kommunikation und erfüllt in einer Gesellschaft bestimmte Funktionen. Ist unter anderem dazu da Spannung abzubauen, Gemeinschaftsgefühle zu erzeugen. Was ich nicht mag, ist wenn er sich als intellektuelle Analyse tarnt. Als neue Perspektive, die noch niemand eingenommen hat. Das ist dann doch etwas zu schäbig und nicht nach meinem Geschmack.

Als ob sie träumend gingen

Als ob sie träumend gingen
von Anna Baar

Sprachmächtig? Ja, insofern es eine mit seiner Sprache komplett erschlagen kann.

Das muss nicht für jede Leserin gelten. Ich brach das Buch ab, weil es mir nicht gut tat es weiter zu lesen. Die Beschreibung einer gewaltsamen Zeit in einer gewaltigen Sprache, war mir einfach zu viel.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das Buch seine Leserinnen findet. Nicht zu mimosenhaft sollten sie sein und fasziniert von der Vergangenheit.

Den Titel finde ich ganz wunderbar. Er klingt in mir und löst zahlreiche Bilder aus. Allerdings nicht solche, wie sie dann der Roman offenbart.