Vierundzwanzig Stunden nach der Abreise aus Llanca sehe ich mir Videos auf YouTube von Llanca an.
Regenvideos. Wenn die Sonne oft scheint, ist der Regen das große Ereignis.
Die Sonne ist selbstverständlich. Ein bisschen so wie im wirklichen Leben.
Da merken wir manchmal auch erst wenn der große Sturm kommt, dass nicht immer alles sonnig bleibt.
Nun ja, mit 50++ muss ich das nicht mehr lernen, das habe ich längst verinnerlicht.
Selbst als ich jung war, habe ich jeden Lichtstrahl, der auf mich fiel als ein besonderes Geschenk betrachtet.
Mir hat nie jemand einen Rosengarten versprechen müssen und ich wäre auch nie auf den gedanken gekommen, dass es rote Rosen für mich regnen sollte. Ruhe habe ich mir immer gewünscht.
Stille. Liebe. Leises Leben.
Ruhe habe ich jetzt mehr als früher im Leben.
Aber seltsamer Weise wächst das Bedürfnis immer weiter.
Vielleicht auch eine Alterserscheinung.
Oder eine andere Form des Bedürfnis nach: mehr.
Ankommen.
Wiederkommen.
Heimkommen.
Vorbeikommen.
Nach Hause kommen.
Gar nicht so einfach, dieses “zwischen den Welten wechseln“. Ich komme nach Hause und sehe mich ungläubig um. Hier ist es also, dieses Leben, das zu mir gehört. Es fremdelt dann immer noch eine Weile mit mir und ich gebe mir Mühe, es freundlich wieder in Besitz zu nehmen.
Minute für Minute. Raum für Raum.
Dieses Leben, das so genau nach meinen Bedürfnissen maßgeschneidert ist, dass ich es manchmal mit der Angst zu tun bekomme. Prinzessinnendasein. Diva-Alarm.
So fremd, so vertraut.
Da stecke ich drin in meiner Haut und kann nicht wieder raus.
Nur für Momente sah es so als, als hätte ich eine andere Wahl.
Da standen sie heute alle in der Schlange. Die nationalistischen alten und jungen Menschen mit und ohne Kinder. In der Nacht davor wurden die Urnen an geheimen Plätzen aufbewahrt und zu den Wahllokalen gebracht.
Da standen sie auch später noch und bewachten die Türen zum Kulturzentrum und mit etwas Abstand dazu die zwei Polizisten, die am Morgen schon das Wahlgeschehen beobachteten.
In Barcelona ging es ganz anders zur Sache und nach den vergangenen Tagen war schon klar, was für Bilder folgen werden. Gewalt gegen Menschen, die zur Wahlurne gehen kommt irgendwie nie gut rüber. Egal wie umstritten das Referendum ist.
So kommt es immer, wenn Populisten Politik machen. Eigentlich können sie immer nur eins: die Muskeln der Staatsmacht spielen lassen.
Aber das ist im Prinzip keine Politik. Das kann auch ein Bandenchef in der organisierten Kriminalität. Das ist zuwenig, wenn es um Politik geht.
Warum wird das nicht häufiger diskutiert?
Heimat – ein Ort des Abkommens.
Die intensivste Leseerfahrung der letzten Wochen bereitete mir das Lekture-Blog zu den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson.
Birte Förste schreit darin jede Woche etwas zu Gesine Cresspal und ich kann darin schwelgen und mich erinnern, an diese wunderbare Lektüre über ein fiktionalen Leben, das so lebendig und klar vor mir erscheint.
Diese Woche widmet sie dem Begriff der Heimat in den Jahrestagen einen schönen Artikel. Dem Gedanke, dass die Heimat, der Ort des Ankommens ist.
Ein Ort, der seine Bedeutung durch unser Tun erhält und dass er langsam entstehen kann, dort wo ihn keine vermutet.
Von Woche zu Woche erscheinen diese wunderbaren Texte.
Mittlerweile kenne ich schon die Wellen, die in jedem Urlaub über mich hereinbrechen. Sie sind schlimmer geworden, seit ich die fünfzig Überschriften habe. Extremer.
Urlaubsstimmumgsschwankungen.
Zuerst das Gefühl nicht weg zukommen, weil es immer noch etwas gibt, an das gedacht werden muss. Dann diese ewig lange Zeitspanne, die vor mir liegt und nur darauf wartet mit meinen Bedürfnissen gefüllt zu werden. Dann diese Hoffnungslosigkeit, dass die entliehene Zeit nicht mal für ein Bruchteil von dem reicht, was ich gerne machen würde, dann das Abschalten, dann der Zorn darüber, dass das nicht so einfach ist.
Dann das Loslassen. Dann mein Abheben.
Zum Schluss dieses „Mich wieder einfangen“.
Mit einem Laso oder einem Kunstgriff. Mich beugen und nicht wissen vor wem.
Urlaub.
Dieses große unbekannte Dinge. Ein Privileg mit scharfen Seiten. Leicht kannst du verbluten an einer Wunde, die du dir zufügst.
Damit wenigstens ein Urlaubs-Klischee-Foto hier seinen Platz findet:

claudia September 28th,2017
Fotos | tags:
Erholung,
Llanca,
Urlaub |
No Comments
Es gab selten ein Urlaub der so ohne Bilder ablief. Ohne Fotos.
Dabei ist das Meer so blau wie es nur sein kann. Der Himmel klar, die Wolken zart dahingepinselt, die Berge majestätisch schön.
Alles wie die Vorstellung es sich ausmalt an grauen Bürotagen mit dem Blick auf den Innenhof, der eindeutig den Charme eines Gefängnishofs zur Schau stellt.
Hinzu kommen in diesen Tagen, die vielen Fahnen, die Plakate und Aufrufe für das Referendum. Dieses Dorf ist so politisch wie nie zuvor. Einseitig politisch, denn hier gibt es viel zu verlieren oder viel zu gewinnen, je nach Perspektive. Alles in Geld umgerechnet selbstverständlich, denn eine andere Währung zählt hier nicht.
Manche Tage sind so schwierig in Worte zu fassen. Da ist ein Gefühl, das so schwer wiegt und sich über den Alltag legt. Selbst wenn der Alltag in der Gestalt des Urlaubs daher kommt.
Worte wiegen so wenig. Jedenfalls wenn sie wirklich auf der Waage des Lebens liegen. Aber es sind die Worte, denen wir meistens folgen.
Am Liebsten denen, die mit sonorer Stimme ausgesprochen werden. Die Stimmen des Vertrauen haben einen ganz bestimmten Klang. Und nur noch selten sind es weiblich Sirenentöne, denen wir folgen wollen.
Daran erinnern doch nur noch die längst vergessenen Sagen und Mythen.
Sie Häuschen Wahrheiten aus längst vergessenen Zeiten.
Jetzt haben sie den Ätherraum neu entdeckt.
Um ihn schützen zu können.
Ich nehme an, das nennt sich analog zum Helfersyndrom Schutzsyndrom. Alles muss geschützt werden.
Nur vor dem Feinstaub muss uns nimmt schützen.