
Ankommen, abfahren, weitergehen.
Die Woche hinter mir lassen funktioniert nicht so einfach. Sie wird in die Tasche gepackt und mitgenommen.
Ballast. Physisch und psychisch.
Lange schon dran gewöhnt.
Ich sitze gerne im Zug. Fahren um des Fahrens Willen. In den leeren Zügen fast ein Genuss. Die Gedanken wählen sich dabei ihr eigenes Tempo. Wandern voraus, fallen zurück und holen mich wieder ein.
Ein ganz eigenes Lebensgefühl.
An Gleis 17 kommt das Glück an, das ist schon lange klar. Irgendwann werde ich mich daran erinnern, wie einfach es war, auf das Glück zu warten und es in die Arme zu schließen.
Manchmal pünktlich, manchmal mit Verspätung. Aber immer mit der Gewissheit: das Glück kommt an.
Nein, der Bulle war’s!
Der DAX klettert über die historische 13000er-Marke. Der Bulle steppt an der Börse und Menschen wissen nicht, wie sie im Alter über die Runden kommen sollen.
Kinder wachsen in Armut auf.
2004 lag der DAX bei unter 4000. Reformziel erfüllt.
Es lebt sich leicht in der Welt der Reichen und Schönen, wenn die Armen schweigen. Nur schade, dass sie sich dabei so oft nach rechts umdrehen.
Könnte sein, dass das nicht im Sinne des Erfinders war.
Aber wir machen weiter. Beharrlich und bedächtig heben wir die Gräben zwischen den Gesellschaftsschichten aus.
Sieht so aus als gäbe es einige Liebhaberinnen des Lebensmotto: Tanz auf dem Vulkan.
Heute lange über längst Vergangenes gesprochen und darüber, wie diese Vergangenheit Gänsehaut auslöst, wenn sie plötzlich greifbar wird.
Das gilt für alte Fossilien genauso wie für Dokumente, die plötzlich vor dir liegen und von Geschichten erzählen, die stattfanden, als das eigene Leben nicht mal im Konzept denkbar waren.
Eine Unterschrift, die das Leid besiegelt, das sie dir verschwiegen.
Es erschien dann an anderer Stelle wieder im Leben. Gut getarnt.
Was wäre gewesen, wenn sie dir die Geschichte erzählt hätten. Du hättest so vieles besser verstanden, hättest nachträglich mitempfinden können.
Einen anderen Blick auf das Leben erhalten.
Was hat sie davon abgehalten?
Die Scham?
Das Leid?
Ich stecke fest.
Ziemlich tief eingefahren. Fest gefahren.
Ich warte auf den Einfall, der nicht kommt. Auf die Idee, die nicht zündet.
Alle Tricks sind erfolglos ausprobiert. Kein Licht in Sicht.
Die Tage vergehen, die Deadline kommt näher. So nah. Eigentlich ist sie schon abgelaufen.
Noch nie war es so schwer, die Worte zu finden.
Keine Ahnung woran das liegt. Das Vertrauen schwindet.
Täglich steigt die Spannung. Ich halte dagegen. Versuche mich zu beruhigen. Aber wie könnte ich mir jemals vertrauen?
Bisher hat sich immer alles von selbst gefügt. Irgendwann fühlte es sich gut an, dann wusste ich: Jetzt ist es stimmig. Jetzt ist es rund. Jetzt kann ich vertrauen.
Die Sammelmappe ist für mich auch ein Versuch, die Tage festzuhalten. Sie aufzuhalten. Sie einzusammeln in ein Blogkörbchen.
Der Versuch einer symbolischen Ernte. Das zusammenzustellen, was übrig bleibt. Vom Tag. Von der Woche. Von der Zeit. Von meinem Leben.
Trotz Facebook, Twitter und Instagram bleibt das Bloggen doch etwas Besonderes. Ein eigener Bereich. Ein virtuelles Wohnzimmer. Ein Spielplatz auf dem eigenen Grundstück.
Manchmal ein Ort der Besinnung, des Rückzugs.
Für mich aber auch ein Spiegel. Ein Spiegel, der mir ständig den Lauf der Zeit vor Augen führt.
Da sind die flüchtigen Gedanken und die, die immer wieder kommen.
Ich halte sie fest. Für einen Augenblick.
Aber nie für die Ewigkeit.
Jetzt ist es Herbst geworden. Die Zeit der Kartoffelfeuer an die ich so gerne zurück denke. Früher mochte ich den Herbst sehr gern. Den Wind, der die Blätter durcheinander wirbelt. Die Bewegungen der Bäume. Die Farben sowieso.
Heute steht der Herbst eher für den Beginn der langen dunklen Jahreszeit. So viele Monate bis das Licht wieder kommt. Mir fehlen eindeutig die Feuer. Die machten den Übergang erträglich.
Ich stehe jetzt auch im Herbst meines Leben. Eine Tatsache, die ich immer wieder erstaunt zur Kenntnis nehme. Die Lebenskerze brennt dem Ende entgegen. Noch ist Frühherbst. Aber die Tage werden schon deutlich kürzer.
Hab die restliche Wolle rausgekramt, um mir mit der Handspindel noch Wolle für die letzte Lampe fertig zu spinnen. Es hat lange gedauert, aber einmal bin ich mit einem Lampenschirmmodell noch fündig geworden. Allerdings in einer Form, die mich vor Strickrätsel stellt. Bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das lösen kann. Angefangen habe ich, die Inspiration wird sich hoffentlich noch einstellen.
Das Spinnen, Haspeln, Wickeln, Zirnen, erneut Haspeln und Wickeln kommt mir endlos vor. Trotzdem mag ich die Handspindel sehr. Es ist einfaches Prinzip und das Ergebnis ist ein tolles Material. Es macht so viel Spaß, das Garn anwachsen zu sehen.
Nur den Goldfaden, den kann ich noch nicht spinnen.

Es stürmt ein Wind quer über Deutschland, den ich nicht kommen sah. Die Filterbubble löscht den Sturm radikal aus meinen Nachrichten aus.
Jetzt habe ich versehentlich den völligen Bubble-Status erreicht.
Ein doppeltes Feuer durch das der Leser auf die Handlung blickt, so beschreibt die Wikipedia die Erzählperspektive bei „Wuthering Heights“.
Feuer durch Wind entfacht, mehr und größer kann die Metapher für Leidenschaften kaum ausfallen.
Es irritiert mich, dass mich jetzt wichtige Nachrichten in der Filterbubble nicht mehr erreichen.
Ich werde in mich gehen. Mich ans Gleis setzen und warten, dass das Glück ankommt.
Morgen auf Gleis 17 habe ich eine gute Chance.
Pass auf dich auf!
Sei achtsam mit dir!
Wie geht das überhaupt? Wie passt eine auf sich auf? Wie sorgt sie sich um sich?
Die großen Erwachsenenfragen sind nicht immer einfach zu beantworten. Nicht mal für fürsorgliche Menschen.
Achtsamkeit wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Auch nicht davor. Aber wenigstens habe ich mit den Jahren eine Ahnung davon bekommen. Wie sie aussehen könnte. Wie sie sich anfühlen könnte.
Leider entfernt sie sich trotzdem immer wieder von mir. Ehe ich mich sehe, habe ich wieder nicht aufgepasst und sie ist verschwunden. Einfach aus dem Blickfeld geraten und nicht wieder aufgetaucht.
Dann geht die Suche von neuem los. Ich versuche sie anzulocken und zu überzeugen, dass sie be mir bleibt. Ein endlicher Kreislauf.
Tödlich endlich.