Biografien und Autobiografien sind mein liebster Lesestoff. Ich mag den Blick in fremde Lebenswelten. Den von außen genauso gern wie den von innen.
Bei ist es nicht mal wichtig, ob es sich um fiktive oder reale Lebensbeschreibungen handelt. Irgendwie wird ja aus jedem realen Leben etwas Fiktives, sobald eine beginnt es zu beschreiben.
Bestimmt ist das auch der Grund, dass ich soziale Medien so gerne mag. Blogs, Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat – ich mag sie alle. Mag den Blick in die Lebenswelten, die sie mir gewähren. Immer mit dem Wissen, dass ich dort genau das zu sehen bekomme, was mir die Menschen von sich zeigen wollen.
claudia August 27th,2017
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Wie viele Bücher könntest Du in der Zeit lesen, die du am Smartphone verbringst?
Schon die Frage irritiert. Ich lese sehr viele Bücher auf dem Smartphone. Zunächst mal alle die, die ich über die geniale Onleihe der Stadtbücherei ausleihe, dann aber auch manchmal welche in der Kindle-App.
Den alten, zerkratzten Kindle Touch mit den sichtbaren Gebrauchsspuren hole ich fast nur hervor, wenn es die Umstände erfordern. Auf Reisen, in der Sonne, am Strand. Ich bin etwas traurig, dass die Onleihe nicht mit dem Kindle zusammen funktioniert, bin aber nicht amboniert genug, mit meinem ganzen Lesekram zu wechseln. Die Abneigung vor der Krake namens Amazon ist bisher nicht groß genug, aber irgendwann siegt vielleicht der Wunsch, die Onleihe auf einem Reader lesen zu können, dann schaffe ich mir einen weiteren Reader an.
(Um Himmelswillen! Mit dem Tablet und dem Diensthandy habe ich unterwegs schon vier mobile Geräte zu versorgen. Diesen Gedanken sollte ich schnell wieder vergessen.)
Allerdings lese ich in letzter Zeit auch wieder deutlich mehr Papierbücher. Die alten Lieblingsbücher, die ich in der Endlosschleife lese und die Schätzchen, die ich mir aus der Bücherei abhole.
Das Leben wird notiert.
Nebenbei und mittendrin. Es lässt sich festhalten, ohne das Geringste zu offenbaren.
Es verblasst von Jahr zu Jahr.
Alle großen Gefühle sind schon gefühlt, alle Kämpfe gekämpft. Alle Sehnsüchte verflüchtigt.
Dennoch wird weiter notiert und gelistet. Fleißig dokumentiert.
Weil das Leben manchmal eine Buchhalterei ist. Was am Ende übrig bleibt, soll stimmen.
Am Besten ist es, wenn es im Guten endet.
Aber wer will die Bilanz erstellen, wenn die Notizen fehlen?
Wer will ohne Fakten die Zeilen und Spalten füllen.
Wer wagt sich, ein Fazit zu ziehen?
Tag um Tag wird weiter notiert. Das Leben vage umrissen. In Eile skizziert.

Das Buch „Eindeutiger Versuch einer Verführung“ von Alissa Walser ist eine Empfehlung für alle die, die es beim Lesen kurz mögen.
Denn diese Geschichten sind extrem kurz. Mehr als 50 Alltagsminiaturen auf ca. 130 Seiten. Schnell erzählt, beinahe beiläufig. Das Milieu ist immer das gleiche: zeitgenössischer Mittelstand. Die Geschichten sind manchmal melancholisch, manchmal sarkastisch oder auch lakonisch.
Das große Drama ist in diesem Alltag nicht zu finden. Immer wieder geht um Frauen, Mütter und Männer. Um Genervtheit, Sehnsucht, Erinnerung und Täuschung. Oft rettet nur noch Sarkasmus die Situation. Manchmal tröstet die Landschaft, aber manchmal zeigt auch sie nur ein höhnisches Gesicht.
Die Texte sind vielseitig, aber nicht tiefgründig. Wie der Alltag eben so ist.
claudia August 24th,2017
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Durch die Worte auf die Seele blicken.
Im Schreiben, im Sprechen.
Diese Selbstvergewisserung, die immer funktioniert.
Die Zärtlichkeit des Beschreibens, die Sanftheit des Begreifens.
Den Dingen auf den Grund fühlen, den Gedanken folgen.
Die Worte tragen fort, weit in die Welt hinein. Aber sie kommen auch wieder zurück. Ungeplant und unberechnet. Segen und Fluch führen sie mit. Sei dir dessen bewusst!
Sei sorgsam im Umgang mit ihnen.
Sie tragen Macht in sich.
Worte tendieren dazu sich selbstständig zu machen. Denke daran!
Wenn sie nicht mehr im Schutz deiner Begleitung wirken, entfalten sie ihre vollständige Kraft. Im Guten wie im Bösen.
Lass sie deine Seele mit sich führen.
Wenn ich etwas kann, dann Weltschmerz. Der wurde mir sorgsam in die Wiege gelegt. Mit dem Auftrag ihn zu hegen und pflegen. Ihn nicht aus den Augen zulassen. Immer in Rufweite.
So habe ich ihn über die Jahre groß gezogen und wir wurden vertraut miteinander. Ein untrennbares Paar.
Der Weltschmerz lastet schwer auf meinen Schultern. Manchmal wiegt er so schwer, dass ich befürchte, dass er den Lauf der Welt anhalten wird. Denn er verlangsamt alles. Unerbittlich.
Wer erschuf die Welt so, dass sie sich unbeirrt immer weiterdreht? Das Schreckliche geschieht und das Unsagbare passiert und nichts brinkt die Welt zu wanken.
Aber der Schmerz der Welt hallt in meinem Ohren. Ein lautes Echo.
Unendlicher Widerhall.
Die Landschaft ist schön.
Das war ihr Standardsatz auf die Frage, wie es ihr denn gefällt. Hier in dem Ort. Die Frage, die immer sofort kam.
Sie hatte den Satz schnell gefunden, denn er ging ihr leicht von den Lippen und er bewährte sich von Anfang an. Die fragenden Menschen schienen geschmeichelt, als hätten sie vergessen, dass diese Antwort eine mögliche Option war. Sie waren zufrieden.
Die Landschaft ist schön, das hatten sie vergessen. Übersehen.
Sie hatten nicht mehr daran gedacht.
Dieser Satz bildete ihr Bollwerk gegen weitere Fragen. Voller Ehrlichkeit lenkte er von der Tatsache ab, dass die Frage mit ihm nicht umfassend beantwortet war.
Manchmal reißt er ihr das Wort aus dem Mund. Dann bleibt sie eine Weile stumm.
Schweigt bis zum nächsten Anlauf. Nimmt sich ein Herz und spurtet los mit ihrer Idee. Atemlos.
Da setzt er von der Seite an und unterbricht ihren Gedankengang.
Schon sind sie alle wieder im seichten, wortreichen Männer-Gewässer. Es gibt jetzt eine App, mit der sie die Redezeit stoppen kann.
Er spricht.
Sie verstummt.
Der ewige Kreislauf, der ihr nie zu viel werden darf. Manchmal fragt sie sich, wie oft sie noch die Kraft hat, sich das Wort wieder zu erkämpfen, nachdem es ihr mit Gewalt entrissen wurde.
Das Leben in Listen packen. Sorgfältig mit ToDo-Listen ausgestattet und mit Einkaufslisten gepolstert. Abgesichert durch Wunschlisten und gewissenhaft mit Ersatzlisten gestreckt.
Priorisiert und geclustert.
Mit Farbe unterlegt und Erledigtes sorgsam durchgestrichen. Täglich aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht. Akribisch überarbeitet bei Bedarf und auf Verlangen.
Die Träume protokolliert und nach Kategorien gelistet.
Was ungelistet bleibt, hat nie existiert.
Auf Listenplatz eins bleiben die altbewährten Spitzenreiter. Gelistetes Vertrauen, gelistete Vertraulichkeiten.
Alltagstauglich ist ausschließlich, was auch listentauglich ist.
Die App unterstützt gekonnt, die neue Listenseligkeit.
Was in der Zukunft zählt, lässt sich heute schon in der Liste erkennen.
Das Leben sehr sorgsam in Listen verpackt.
Sieg und Niederlage sind keine Kategorien die in meiner Lebenswirklichkeit zählen. Im Gegenteil, es sind Kategorien denen ich misstraue.
Heute wieder, wie so oft an diesen Terrortagen. Den Terror nicht siegen lassen. Der Satz kommt reflexhaft im gleichen Atemzug mit dem Bedauern über die Toten und Verletzten.
Als dürfe sich die Trauer nicht mal diesen einen Moment nehmen, in dem sie einfach nur Trauer ist. Trauer, Bitternis und Wut über das brutale Verlassenwerden.
Nein, diese Kategorien taugen nichts. Sie führen unweigerlich dazu in Rituale zu fallen.
Ein böses Spiel, das seine Gewinner und Verlierer sucht.
Aber wer mitmacht hat schon verloren.
Der Terror ist etwas furchtbares. Und egal wie sehr es immer weiter wiederholt wird, selbstverständlich kann er uns vernichten. Die, die getötet wurden, hat er schon vernichtet. Ihre Lieben auch.
Worte holen sie nicht zurück.
Es gilt vorsichtig zu sein: mit den Worten und den Kategorien.