„Verteidige dein Recht zu denken. Denken und sich zu irren ist besser, als nicht zu denken.“
Hypatia
„Wenn du deine Federn gut geölt hältst, wird das Wasser der Kritik von ihnen abperlen wie von dem Rücken einer Ente.“
Ellen Swallow
„Die Außenseiterposition ist nicht zu verwerfen, sie ist die wirkliche Position des Menschen.“
Martina Gedeck
„Ich glaube, es gibt nur eine Sorte von Leuten. Leute.“
Harper Lee
„Ich bin nicht genügsam, will jeden Tag das Einzige und Letzte.“
Annemarie Schwarzenbach

Ich war mein größter Feind
Adele Neuhauser
Als Tatort-Darstellerin kommt Adele Neuhauser gut an, ihr Talent als Schriftstellerin hingegen hält sich in Grenzen.
Ihre Autobiografie wirkt streckenweise wie ein langatmiger Monolog in dem sie sich über ihr eigenes Leben versichert. Vielleicht bekommt man so ein Verhältnis zur eigenen Lebensgeschichte, wenn man sie zum Zweck der regelmäßigen Interviews zum neuesten Film- oder Theaterprojekt immer wieder medial knackig aufbereiten und auf Hochglanz bringen muss.
Da gehört ein Anteil Draufgängertum, schweres Schicksal, eine Prise Exotisches und ein Hang zum Widerstand dazu.
Das kommt alles vor, ist aber extrem bieder aufbereitet.
Da ist eine nicht schlecht darin, sich ihr Leben ins gewünschte Licht zu rücken. Die Leserin wird auf professionelle Distanz gehalten.
Im Vorbeigehen las ich gestern auf allen Displays in den U-Bahn-Stationen, dass die „Rente ab 63“ nur noch für harte körperliche Arbeit gelten solle.
Abgesehen davon, dass die Rente ab 63 schon jetzt erst nach 63 möglich ist, weil die Altersstaffel ja schon lange angelaufen ist und sie nur für Menschen gilt, die 45 Jahre rentenversicherungspflichtig gearbeitet haben, erscheint mir der Begriff der „harten körperlichen Arbeit“ doch sehr polemisch. Wieder mal wird der Versuch unternommen einzelne Arbeitnehmergruppen gegeneinander auszuspielen.
Längst ist der Anteil der psychisch bedingten Erwerbsminderungen auf dem Treppchen der Top-3 angekommen.
Körperliche Belastungen sind hart. Das ist unstrittig. Aber auch psychische Belastungen führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die die Lebensqualität ebenso wie die Lebenserwartung einschränken.
Körperliche Belastungen sind aber auch Belastungen, die erst auf den zweiten Blick auffallen. Im Kindergarten zum Beispiel durch Lärm, Ansteckungsgefahr, Belastung des Immunsystems oder ergonomischen Überanstrengungen. Ich bin sicher, das verbirgt sich nicht unter der populistischen Formulierung.
Solange das eigentliche Problem der gerechten Verteilung von Wohlstand nicht angegangen wird, sind solche Forderungen ein gefährlicher Nährboden für Unfrieden in der Gesellschaft.


Mit Virginia Woolf durch England
von Luise Berg-Ehlers
Ein Reiseführer, der Virginia Woolfs Leben und Schreiben durch England folgt, ist eine reizvolle Idee und die Umsetzung in diesem Buch ist der Autorin gut gelungen. Virginia Woolf war eine ausgeprägte Spaziergängerin und in ihren Büchern, Briefe und Tagebüchern sind viele Orte, Wege, Landschaften beschrieben. Aber auch Häuser, Gebäude, Fahrten in Bus und Bahn. Es macht Spaß mit ihr durch England zu reisen. Vor allem wenn eine schon mit ihrem Werk vertraut ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass dieser spezielle Reiseführer Menschen neugierig macht, die ihr Werk nicht so gut kennen.
Joan Didion ist jetzt 82 Jahre alt. Auf Netflix läuft gerade eine wunderbare Dokumentation über ihr Leben, ihr Werk und ihr Leid. Ihr Neffe führt die Regie in „Die Mitte wird nicht halten“.
Joan Didion ist eine amerikanische Schriftstellerin und scheint immer gerade dort gewesen zu sein, wo der amerikanische Lifestyle boomte. Sie arbeitete bei der Vogue, schrieb für alle amerikanischen Medien, lebt in New York oder in Kalifornien.
Ich bin erst durch die “Blaue Stunden“ auf sie aufmerksam geworden. In dem Buch in dem sie über den Tod ihrer Tochter Quintana trauert. Nach und nach legt sie darin schonungslos ihre Beziehung offen. Die Beziehung einer exponierten Mutter zu ihrer Adoptivtochter, die von Anfang an immer nach Stabilität sucht, sie aber nicht zu finden scheint.
Es ist ein intensives Buch, geschrieben in einer empfindsamen Sprache.
Ich finde es genial, wie viele Frauen-orientierte Filme und Serien bei Netflix zu finden sind. Da kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen glatt einpacken. Ob das jetzt Unterhaltung, Komödie, historische Projekte oder Krimis sind. Die Vielfalt ist erstaunlich.
Da sind die Telefonistinnen, Call the Midwife, grazyExGirlfriend, Gypsi, Grace and Frankie, Gilmore Girls, Orange is the New Black und und und
Für mich ist das Angebot ein echter Gewinn.
claudia Oktober 28th,2017
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Glückserwartung und Sehnsuchtsorte.
Wir sterben an Einsamkeit. – Nicht wenn wir Freundschaften pflegen.
Umstellung auf Winterzeit naht. In der Bahnhofsbuchhandlung steht ein Weihnachtsbaum. Ich schneide meinen Kalender in dünne Streifen.
Es ist nicht mehr viel übrig von diesem Jahr. Ein kläglicher Rest.
Vielleicht hilft ein bisschen Glitter, schließlich war früher mehr Lametta.
Es gibt kein Recht auf Ernsthaftigkeit in diesem Leben. Auf keiner Seite.
Gut ist es, wenn am Ende des Tages noch die Zeit bleibt um das Gemüt auszulüften und den Alltagsramsch aus der Seele zu kehren.
Viel zu viel Müll fällt täglich an, der die Tendenz hat, sich überall festzusetzen. Wie eine Kruste legt er sich über meine Persönlichkeit und ich habe alle Mühe mich wieder davon zu befreien. Den Glanz der vergangenen Jahre kann ich schon lange nicht mehr wiederherstellen. Das Strahlen der Vergangenheit verblasste selbst in der Erinnerung.
Ich bemühe mich redlich jeden Tag um Seelenhygiene. Aber es ist ein schwerer Job. Vielleicht auch, weil mir die Hilfsmittel fehlen.
den Stift zum Schreiben ansetzen
um im gleichen Moment festzustellen
dass gerade dieser Gedanke
nie nach außen dringen darf
claudia Oktober 25th,2017
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