
Seit gestern hängt die Lampe. Das Foto zeigt sie leider nicht in ihrer vollen Pracht. Sie ist nach mir geraten und nicht sehr fotogen.
Jetzt leide ich an Projektentzug und muss mir ein weiteres Lampendrahtgestell suchen.
Hat jemand von euch noch zufällig eins übrig? Die Drahtgestelle sind still und leise ausgestorben. Aber vielleicht hat bei euch ja noch ein Exemplar überlebt?
In der Nacht ist mir etwas eingefallen, das ich unbedingt bloggen wollte. Heute morgen wusste ich auch noch, was es war, aber die Sammelmappe war wieder durch den Angriff blockiert und jetzt ist der Anlass für immer in meinem Unbewussten verschwunden. Verdrängt und vergessen.
So schnell geht’s.
Hier ein Link zu einem umfangreichen Artikel über Virginia Woolf. Es geht vor allem darum, wie sie wahrgenommen wird. Die Verzerrung der Sicht auf ihre Person durch die Selbsttötung.
Die eingeschränkte Perspektive auf ihr Leben und ihre Persönlichkeit.
Hier ein zweiter Link auf eine animierte Einführung in ihr Leben und Werk auf Open culture.
Seit Tagen wird die Sammelmappe angegriffen.
Das fühlt sich komisch an. Ein bisschen so als stünde jemand ständig klingelnd und klopfend vor der Wohnungstür. Ich weiß, er hat keinen Schlüssel und kann nicht rein, aber meine Fantasie sieht durchaus noch andere Möglichkeiten, wie er reinkommen könnte.
Unheimlich ist das.

Es gibt Bücher, da klopft mein Herz, wenn ich sie entdecke.
Mit der Linie 4 durch die Welt von Annett Gröschner ist so ein Titel. Hab gerade damit angefangen.
Die Welt beim Straßenbahn fahren entdecken! Was für eine schöne Idee!
Gefühlt habe ich meine halbe Schulzeit in der Straßenbahn bzw. mit dem Warten auf die Straßenbahn verbracht. Das Besondere an unserem Kaff war damals, dass die Straßenbahn in die nächste Stadt fuhr. Nur einmal in einer Stunde, aber immer hin.
Noch heute fahre ich gerne Straßenbahn. Aber auch U-Bahn, Bus und Zug. Aber ich gebe zu, dass Straßenbahn, das beste aller Verkehrsmittel ist.
Es klingelt. Achtung, sie fährt los.
kein Startschuss am Anfang
keine Flagge
auf dem Höhepunkt
und schon gar
kein Zieleinlauf
es nennt sich Leben
und die Zeichen
muss du
suchen

Nur ganz langsam komme ich mit der Lampe voran. Aber das stört nicht. Hat keine Eile.

Draußen vor meinem Fenster tanzen die Bäume. Der Wind spielt mit ihnen. Ich halte meinen Bauch warm und bedauere mich. Kuscheliges Selbstmitleid aktiviert Heilungskräfte.
Nachts flüstere ich mir meine Lebensgeschichten ins Ohr. Direkt in den Traumfluss.
Das schmeichelt der Seele.
Das Garn war dieses Mal ziemlich überdreht. Sah lustig aus nach dem Entspannungsbad. Ganz wirr mit sich selbst verdrillt. Leider vergesse ich in solchen Augenblicken immer zu fotografieren. Das Foto zu Dokumentationszwecken ist immer noch nicht in meiner Alltagsroutine angekommen.
Manchmal mache ich mit bei der #12von12 Challenge. 12 Fotos aus dem Alltag aufgenommen am 12. eines Monats. Aber meistens schaffe ich die 12 Fotos nicht.
Dazu bin ich einfach nicht visuell genug ausgerichtet. Ich merke mir selten wie Straßen, Häuser oder Menschen aussehen. Wie Menschen gekleidet sind oder welche Frisuren sie haben erreicht mich ganz selten.
Beschreibungstechnisch meine ich damit.
Ganz im Ernst könnte ich mit einem Menschen im Nachthemd oder im Schlafanzug ohne zu Zucken ernsthafte geschäftliche Verhandlungen führen.
Eindeutig ein Vorteil in der Karnevalzeit.
Was mich allerdings ängstigt, sind Masken, die den Kopf völlig verdecken.
Da bekomme ich Horrorclown-Gefühle, weil mir das menschliche Angesicht als Anker fehlt.
Ein seltsamer Tag geht zu Ende. Viel zu angefüllt und mächtig über das Tempolimit hinausgeschossen. Trotzdem möchte ich ihn am Liebsten am Zipfel festhalten. Geh noch nicht weg! Bleib noch kurz bei mir!
Manchmal fehlt mir die Pause-Taste im Leben. Damit ich hinterher komme und nichts verpasse. An das Vorbeirauschen werde ich mich nie gewöhnen.
Genauso wenig wie an die abenteuerliche Autokorrektur auf dem Tablet in meiner Hand.
Zum Glück kann ich mir mit jedem Tag mehr Unzulänglichkeiten verzeihen. Hat so lange gedauert, bis ich diese Lebenstechnik begriff.
The Bletchley Circle ist eine Krimi-Serie mit vier ganz unterschiedlichen Protagonistinnen, die eins gemeinsam haben: Ihre Vergangenheit. Sie arbeiteten im zweiten Weltkrieg als Kryptoanalytikerinnen in Bletchley. Dort wurden die Codes der deutschen Wehrmacht von den Engländern auseinander genommen und oft auch geknackt.
Es sind kluge, außergewöhnliche Frauen, die nach dem Krieg ins zivile Leben kehren und dort die für Anfänger der Fünfziger üblichen Frauenleben führen. Bis sie sich in den Kopf setzen, einen Serienkiller zu finden.
Nicht der schlechteste Aufhänger für eine Krimiserie.
Anmerkung:
Bletchley Park war eine militärische Einrichtung mit einem außergewöhnlichen Hintergrund. Streng geheim. Die Menschen, die dort mitarbeiten, durften lange mit niemandem darüber reden. Auch – oder gerade nicht – mit den Angehörigen.