Binde zwei Vögel zusammen

Binde zwei Vögel zusammen ist der Titel des Romans von Isabelle Lehn.

Als ich einen Auszug aus dem Roman bei den Lesungen zum Bachmannpreis in Klagenfurt hörte, war ich ratlos und wusste so gar nicht, was dieser Text will.
Krieg, Krieg spielen, Krieg üben, Krieg simulieren. Dazu die Verbindung mit prekären Lebensverhältnissen. Ein Text der viel will, viel kann, viel konstruiert. Ein Text, der seine Herkunft aus einem Literaturinstitut nicht verstecken kann.

Nach dem Lesen des ganzen Romans sind viele Fragen geblieben.
Ein Spiel mit den Identitäten. Was ist Traum? Was ist Wahn? Was ist Realität?
In welchem Leben kann der Protagonist noch leben?

Vieles bleibt rätselhaft.
Aber die Bedeutung des Krieges für unsere Gesellschaft wird schonungslos herausgestellt. Auch die Schäden, die der Krieg selbst dort anrichtet, wo er gar nicht direkt ausbricht. Die bösen Schwingungen der Gewalt und des Militärs.
Das ist gnadenlos beobachtet.

sauer

Ich bin stinksauer.
Und müde.
Und entschlussfreudig.

Mir reicht es.
Jahrelang habe ich mir das Mittelstandsgequatsche angehört, jetzt bin ich raus aus der Diskussion. Ich habe mich selbst davon überzeugt, dass ich mir das nicht mehr antun muss. Diese überheblichen, arroganten Diskussionen über das Leben in Armut bzw. an der Armutsgrenze. Was da alles möglich und machbar ist. Was alles passieren soll.
Wie wir das alles am Besten so gestalten, dass der Mittelstand kein schlechtes Gewissen haben muss.

Ich habe das so satt. Zu den schlimmsten Auswirkungen der Armut gehört, immer von oben herab betrachtet zu werden. Ausgegrenzt zu werden. Außerhalb deines wirtschaftlichen Wirkens nicht wahrgenommen zu werden.
Respekt. Wo bleibt der Respekt?
Der scheint nicht nötig zu sein. Vergessen wird dabei, dass aus einer Machtposition heraus diskutiert wird.
Egal wie groß die Angst des Mittelstands vor dem Abstieg ist, noch sind sie nicht abgestiegen. Noch ist das Machtgefälle da. Aber weil sie sich zwanghaft vormachen müssen, dass sie ihre Würde auch in Armut aufrechterhalten, sprechen sie sie den anderen kurzerhand ab.

Ich habe die Nase jetzt voll.
Ich bin raus aus der Diskussion. Wer meint von oben her und aggressiv diskutieren zu müssen, kann das tun.
Ohne mich.

vergewissern

Mich schreibend vergewissern.
Tag um Tag den Anker auswerfen und ihn dann doch wieder einzuholen.
Im Blog. Auf dem Papier. Im Geiste und im Geheimen.

Das Leben wird wahr, wenn es beschrieben ist. Es verselbständigt sich und schafft eigene Erinnerungen. Neue Lebenswege.

Schreibend Fakten schaffen. Neue Perspektiven einnehmen.

Im Großen und im Ganzen. Im Kleinen und im Verborgenen.

resist

Immer daran denken

Bernice King, die Tochter von Bürgerrechter Martin Luther King, nennt 10 hilfreiche Regeln für Aktivismus gegen die derzeitige US-Regierung.

travelling lady

Wortschnittchen geht auf Reisen.

Freundschaften

Vielleicht bin ich in den letzten Jahren schlechter in Sachen Freundschaften geworden.
Falls ja, wäre das keine schöne Entwicklung. Ich bin ungeduldiger und vielleicht auch anspruchsvoller – auf eine unschöne Art – geworden.
Es mag am Lebensalter liegen oder an der Arbeitssituation. Die üblichen Ausreden halt, die einer so einfallen mit schlechtem Gewissen.
Oder vielleicht doch die Notwendigkeit mit der Lebensenergie haushalten zu müssen. Als introvertierter Mensch standzuhalten, in einem Job, der Extro-Kompetenzen erfordert.

Noch immer schaffe ich es nicht, die schimpfenden Stimmen in mir auszublenden. Rechtfertigung für alles und jedes ist ständig nötig.
Aber dann schaue ich zum Fenster hinaus und denke daran, dass der Frühling kommt.
Und alles wird gut.

Davon träume ich.

Please like me

„Please like me“ ist der Name der australischen Serie, die mich total in ihren Bann gezogen hat.
Netflix sei Dank, bewege ich mich im vorangeschritten Alter geistig aus dem Bereich des deutschen öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehns heraus und erhalte Zugang zu neuen Welten.

Ich lasse mich ein auf die Geschichte und lerne Charaktäre kennen, die ich innig mag. Nie habe ich erlebt, dass psychische Krankheiten mit ihren Höhen und Tiefen so ernsthaft-komisch, so seriös-lustig in einem filmischen Medium verarbeitet wurden.
Und nebenbei habe ich einiges über schwulen Sex gelernt.

Die Serie, die halbbiografisch um das Leben des australischen Komikers Josh Thomas kreist, gehört wohl leider in die Kategorie hoch gelobt von den Kritikerinnen und mit Auszeichnungen überhäuft, aber eine kleine, begeisterte Zuschauergemeinde. Jedenfalls nicht genug um die Serie nach der vierten Staffel fortzusetzen.

Ich schreibe mit Absicht nicht mehr über den Inhalt der Serie in diesen Blogartikel, weil ich niemandem den Einstieg in die Atmosphäre der Geschichten vermasseln möchte.
Mich hat es jedenfalls eiskalt erwischt.

Das war Liebe auf den ersten Blick.

Augenblicke

So viele Jahre. So viele Augenblicke. Geblieben ist die Sehnsucht nach dem tiefen Gefühl.
Oft so bittersüß. Manchmal atemraubend.
Die Liebe, die Liebe.
Sie wandelt sich.

Meine Zauberkraft ist die Liebesfähigkeit.
Mein Rezept ist das Einlassen und das Durchdringen.
Meine Hoffnung hält stand.

So viele Jahre.

So viele Augenblicke.

Reise nach Orkney

Reise nach Orkney von Amy Sackville

Es gibt diese Geschichten, die voller Spannung sind, obwohl äußerlich gar nicht viel passiert. Die Reise nach Orkney fällt eindeutig in diese Kategorie. Von Anfang an hängt eine düstere Vorahnung über den beiden Protagonisten, die sich in der Landschaft, dem Meer und dem Wetter widerspiegelt.
Amy Sackvilles beschreibt grandios die Stimmungswechsel und die Atmosphäre der Insel auf der ein ungleiches Paar ihre Hochzeitsreise verbringt. Dazu packt sie noch die Mythen und Sagen aus der Vergangenheit in ihre poetische Erzählung.

Ein stilles Buch, das die Dramatik ganz aus den lyrischen Beschreibungen zieht.
Atmosphärisch großartig.

feuerrot

Der Himmel ist feuerrot, aber das ist auf dem Foto nicht zu sehen.

Es gibt so viele Varianten der Realität.
Das ist beruhigend und beunruhigend zugleich.

Ich entscheide mich jedenfalls heute für die feuerrote Variante. Das ist die, die mir am Lebendigsten erscheint. Die einzige für die es sich zu leben lohnt.
Feuerrot.

Heute habe ich keine Angst mehr vor den alternativen Fakten. Das Patriarchat wankt als Zombie daher. Es kann nicht sterben, ohne noch ein einziges Mal so zu tun, als wäre es noch lebendig. Wir sehen ihm beim Sterben zu.
Nichts wird groß dabei und nichts lebendig.