Bis der Schnee Gewicht hat

Ich sammle ja schöne Titel und dieser gehört sofort in jede Schöne-Titel-Sammlung:

Bis der Schnee Gewicht hat

Reisevorbereitungen

Reisen beginnt im Kopf.
Bei mir jedenfalls. Vor fast einem halben Jahr geplant, rückt die Reise jetzt näher. Mir auf die Pelle sozusagen. Denn sofort geht die Panik los. So viel zu bedenken, nichts vergessen. Sommer mitten im Winter. Fast ein bisschen pervers.

Auf der Kippe

Brot und Spiele war gestern. Heute ist Dschungel und Rechtsruck.
So fühlt es sich also an, Zeitzeugin beim Herannahen einer politischen Katastrophe zu sein. Ein Land rückt nach rechts.
Oder besser gesagt: ein ganzer Kontinent.
Die europäische Idee ist ausgeträumt. Grenzen und Zäune haben Hochkonjunktur. Innen und außen. Manche umwickeln ihr Herz mit Nato-Draht, damit ihnen nicht aus Versehen jemand zu nahe kommt.

Die Zeit scheint in eine Zeitschleife geraten. Sie wiederholt sich vor neuem Hintergrund und mit moderner Begleitmusik. Trotzdem ist das Muster alt und abgegriffen.
Plötzlich erwachen die alten Nazi-Zombies wieder zum Leben.

Sie waren nie tot. Nur ruhig gestellt.
Sie hegten und pflegten ihren kümmerlichen Hass, der jetzt über sie hinaus wächst.
Sich seinen Weg bahnt in die weite Welt.

Weltraum kucken

Mit der fliegenden Webcam Weltraum kucken.

Nachts

Nachts zwischen zwei und drei nehme ich es der Zeit übel, dass sie vergeht. Mit all meiner Gedankenkraft versuche ich die Welt anzuhalten, sie davon abzuhalten sich mit diesem Schwung immer weiter zu drehen.

Es heißt, unsere Zeit sei schnelllebig. Schwindelerregend schnell pustet sie uns mit sich fort. Nachts zwischen zwei und drei wird sie ganz langsam. Das trägt sie die Hoffnung mit sich, ein Jetzt zu sein. Ein Hier und Jetzt.

Auf der Suche

Auf der Suche nach der Hoffnung.
Ganz besonders am Holocaust-Gedenktag.
So schaurig die Vergangenheit. So kalt die Gegenwart.
Die Geister, die sie riefen, sind doch längst schon wieder unterwegs. Lautstark, pöbelnd, gefährlich.

Lüge gegen Lüge.
Überwachung statt Freiheit.
Demokratie als Deckmäntelchen für die Macht des Geldes. Des Öls.
Immer noch.

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Nein, da liegt man nicht eng.
Traurig und frei.

Virginia

Virginia hat Geburtstag heute.
Wenn sie nicht gestorben wäre.

Gedenktage haben ihre eigene Dynamik. Ihr innere Logik.

Die Vergangenheit hisst ihre Anker in der Gegenwart.

Kackbraun.
Aber wie bei den Kleidern der Kaiserin:
Sie riechen die Scheiße alle nicht.

Aber mir wird schlecht davon.

Annalieder

Nadine Kegele schreibt Hardcore-Bücher. Geschichten über Frauenleben. Dass die einzige Rezension ihres Buches Annalieder von ihrem Halbbruder stammt und über genau einen Amazon-Stern verfügt, passt gut zu ihren Geschichten. Aber nicht zu der Qualität ihrer Literatur.

Annalieder – Zwölf Geschichten, die es in sich haben.
Die Frauenfiguren sind brüchig, leiden unter den gesellschaftlichen Umständen. Sie haben Träume und Vorstellungen, werden aber vom Sumpf des Patriarcharts langsam verschlungen. Manchmal gibt es eine Zweisamkeit. Die nie bunt sein darf. Als Farbe kommt nur Blut in Frage. Der Körper ist immer präsent in diesen Geschichten. Er macht Geräusche, riecht, schmerzt, ist in Bewegung oder still gelegt. Er hat Wunden, Narben und Krusten. Manchmal ist er auch schwanger.
Die Satzstruktur zögert, stolpert, deutet an und stoppt. Sie dreht sich überraschend und wendet sich.
„Alles was wertvoll war, wurde eingeschlossen.“ Eine realistische Welt in Literatur gepackt.
„Manche hatten noch nie gehört, dass es auch einen Tod im Leben geben könnte …“

Hier wird beides beschrieben: Das Leben und der Tod.
Zwei Geschichten aus Annalieder gratis als Kindle-Download gibt es hier.

Aber Vorsicht: Das Leben in Hardcore-Version. Die Hochglanzvariante gibt es sicher anderswo.

Schwarz-weiß

Wie wohl der Gedanke aufkam, dass Träume nicht farbig sein sollten? Das ist doch genauso absurd, als wären sie ohne Stimmen und Geräusche.
Ich kann mir nur vorstellen, dass es irgendwas mit dem Aufkommen der Schwarz-Weißen Fotos und Filmen zu tun hat.
Diese damals so überwältigende Erfahrung, die Bilder der Vergangenheit abzubilden. Sie war so stark, dass die Menschheit vergaß, dass Träume nur farbig sein können.

Vernünftige Lösungen

Vernünftige Lösungen haben es schwer. Die Menschheit steht nur ganz selten auf Vernunft. Die Frage der Fortbewegung z.B. die wird ganz unvernünftig angegangen. Autofahren löst offensichtlich Gefühle aus, die Glückshormone ausschütten. Das hat nicht die Wissenschaft festgestellt, das schließe ich aus meinen Beobachtungen. Das Auto fährt auf der Emotionsspur und lässt alle vernünftigen Lösungen ausdörren. Wir gestalten uns eine Welt in der wir nur zeitweise leben können mit dieser autokonzentrierten Welt. Die Weg werden immer weiter, immer länger.

Aber das Auto ist nicht das einzige unvernünftige an der Menschheit. Ihr Hang zur Unbarmherzigkeit ist besonders unvernünftig.