Kinderlos

Gerade wieder die Frage auf Facebook: Warum bekommen so viele Menschen keine Kinder und was könnte der Staat machen, dass sich das ändert.

Warum hört das mit der Fragerei nie auf? Soweit ich es sehe, ist das erstens eine individuelle, persönliche Entscheidung für die sich eins nie rechtfertigen müssen sollte. (Genauso wie im Fall des Kinder haben’s, egal in welcher Lebenssituation, Alter, soziale Umstände usw.) Zweitens ist nach wie vor die Überbevölkerung ein real existierendes Problem – das Problem eines „aussterbenden Volkes“ bzw. Nation ein inszeniertes.

Vor erstens kommen natürlich noch die nicht unerhebliche Prozentzahl von Menschen, die keine Kinder bekommen. Ich lasse das können an dieser Stelle mal weg, weil das schon eine Diskriminierung bedeutet. Jedenfalls aus meiner Sicht.

Selbstverständlich könnte aber die Gesellschaft schon etwas mehr für Kinder tun. Die Betonung liegt dabei auf den Kindern. Sie achten und wertschätzen und dafür sorgen, dass sie sich entwickeln können, unabhängig davon wie ihre Startbedindungen im persönlichen Umfeld sind. Die Gesellschaft könnte auch mehr Akzeptanz für Menschen aufbringen, die gerne Kinder großziehen, auch wenn sie nicht in der „idealen“ -Anführungszeichen, weil sie sich oft anmasst zu wissen, was ideal sei in diesem Zusammenhang -Lebensituation sind.
Und da zählt soviel dazu. Die Gesellschaft rümpft die Nase, wenn die Eltern zu jung, zu alt, zu arm, zu krank, zu anders sind. Oder wenn es zuviele sind.

Jahresrückblick

Ich traue mich kaum die Tasten zuberühren. Mach die Mächte nicht aufmerksam auf dein Glück, lautet ein heimliches Motto von mir. Sie könnten eifersüchtig werden. Glück geniese ich am liebsten still und innig. Sehr egoistisch, ich weiß.

2013 ist ein Jahr, das mich glücklich macht. Anders als 1980. Das Jahr, das ich als das glücklichste meines Lebens betrachte. Damals war es die Welt, die mich glücklich machte. Die Freiheit, die auf die endlose Zeit der Kindheitsabhängigkeit folgte. Bevor ich wieder eingefangen wurde. Wovon? Das ist eine andere Geschichte.
2013 ist das Jahr, in dem ich so bewußt lebe, wie nie zuvor. Mit einer Intensität mir meiner Selbst bewusst, die mich durch und durch bewegt. Eine Intensität, die nicht anhalten kann – jedenfalls nicht ewig – die so kostbar ist, dass ich sie als Erinnerung in mein Herz schließen möchte. Für spätere Tage. Für kommende Augenblicke.
2013 ist ein ganz besonderes Jahr. Obwohl es so unspektakulär daher kommt. Außer dem Umzug keine herausragenden Ereignisse. Keine emotionalen Höhepunkte – und zum Glück auch keine Schicksalsschläge. Trotzdem ein Anker in meinem Leben.
Ein paar Entscheidungen habe ich getroffen. Einige, die ich nicht umsetzte, einige andere, die überraschend, spontan kamen und so gar nicht mit der Linie übereinstimmten, die ich mir verordnet hatte. Mein Verstand ist etwas eigensinnig, aber er kann sich nicht immer durchsetzen. Manchmal ein Segen, manchmal ein Fluch in meinem Leben. Wohin mich dieses Mal seine Niederlage führt, wird mir dass Jahr 2014 zeigen. Nicht immer führt das Herz und das Gefühl in die richtige Richtung. Jedenfalls bei mir. Beruflich war es wirklich an der Zeit, dass ich den Abschied aus der IT akzeptiert habe. Aber mein Herz hat mir den Ausstieg nicht leicht gemacht. Dass ich jetzt so stimmig mit mir leben kann, hängt aber auch sehr mit diesem Ausstieg zusammen. Dann begebe ich mich halt in die Rolle der Personalrätin, als die mich alle sehen und akzeptieren. Ich weiß, dass es eine Rolle ist. Nicht mein Leben.
Seltsam, wenn das Bild, das andere von einem haben, so hartnäckig ist. Ich bin offensichtlich ein Mensch, in den andere gerne ihre Projektionen manifestieren. Das ist mir seit meines Lebens so ergangen. Menschen sehen etwas in mir und das so fest und unerschütterlich, dass es zum Konflikt kommt, wenn ich diesem Bild nicht entspreche. Selbst tolerante Menschen entwerfen ein sehr, sehr enges Bild von mir und sind überraschend sauer, wenn ich schon in Nuancen davon abweiche. Es ist immer das gleiche Muster und endet immer ähnlich. Mit viel Aggresivität und Enttäuschung. Nicht meinerseits. Ich habe gelernt, mich davon nicht irritieren so lassen. Das war nicht einfach, denn selbstverständlich nahm ich lange eine Reaktion auf meine Person persönlich. Jetzt kann ich das trennen, es irritiert mich nicht mehr so sehr. In diesem Fall kann ich gerne die Rolle der Personalrätin annehmen. Aber ich weiß, dass sie nur ein Ausschnitt aus meinem Leben ist und dass es wieder viele Enttäuschungen gibt, wenn die Zeit gekommen ist, diese Rolle abzulegen.

2013 ist auch ein besonderes Jahr, weil zum ersten Mal ein Neubeginn einhergeht mit dem Wissen um die Vergänglichkeit. Wissen ist nicht das richtige Wort, denn eins weiß ja immer um die Vergänglichkeit. Sie erleben trifft es mehr. Sie wahrzunehmen beim zaghaften Versuch einer Jahresplanung für das neue Jahr. Ich kann mich nicht mehr so verhalten als wäre mein Leben ausgenommen von der Vergänglichkeit. Im Gegenteil: sie ist mir sehr präsent. Vielleicht ist das, das wichtige Detail, das mich dieses Jahr so intensiv erleben lässt. Diese Präsenz der Vergänglichkeit.

endlose Hoffnung

auf das Frühjahr
wird immer gewartet
weil es die Illusion
mit sich bringt
dass sich jemals
etwas
ändert

Weihnachtshimmel

Leider schaffe ich es nicht das Panorama vor meinen Fenstern nur halbwegs zu fotografieren. Deshalb nur ein winziger Ausschnitt von diesem glühenden Weihnachtshimmel.

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Liebesgedicht

noch zögere ich
mit dem Liebesgedicht
aber irgendwann
nehme ich mein Herz
an die Hand
und überreiche es dir

denn ohne dich
schlägt es nicht

Störung

Was für ein Tag! Im Büro alles leise. Besinnlich sozusagen. Selbst der Pendlerzug ganz ruhig. Weihnachten feiere ich nicht, aber die Feiertage geniese ich trotzdem. Schön, schöner, am Schönsten. Die Sonne kommt raus. Erfreut sich an mir. Oder ich an ihr. Ich geniese den Tag und kaufe alles ein, was ich es so zum Einkaufen gibt. Ich twittere: „jetzt hole ich meinen Schatz ab. An meinem Bahnhof! In meiner Stadt! – Alles meins heute!“ Ich bin bei mir. Ich bin in mir.

In der U-Bahn der Randalierer. Laut. Unangenehm. Ich kommandiere. Lade die Frau aus Mittelamerika ein sich zu mir zu setzen. Die Straßenmusiker bleiben hinter mir. Der Randalierer randaliert weiter. Isoliert in seiner Ecke. An mir kommt er nicht vorbei. Alle im U- Bahn-Wagen auf der Hut. Was passiert? An mir kommt er nicht vorbei. Versucht es nicht einmal. Die verbale Attaken reduziert auf seine Ecke. An mir kommt er nicht vorbei. Ich stehe auf, lasse die anderen vor. An mir kommt er nicht vorbei. Er pöbelt weiter. An mir kommt er nicht vorbei.
Manchmal bin ich sehr stolz auf mich. Dann zum Beispiel, wenn ich merke, dass mein Schneckenhaus mich nicht daran hindert, Stellung zu beziehen.

Todesstrafe in Hessen

Ja, sie steht da noch drin. Immer wenn ich davon sprach, wurde ich ausgelacht. Todesstrafe. Bei uns doch nicht. Warum auch? Wird ja nicht vollstreckt.
Nein, sie wurde nicht vollstreckt. Aber sie wurde auch nicht abgeschafft. Warum auch?
Ist ja praktisch, sie in der Hinterhand zu haben. Könnte ja sein, dass es dringend mal eine andere Entscheidung auf Bundesebene gibt: dann wäre sie sofort wirksam.
Standby, sozusagen.
Könnte ja sein, wegen der Kinderschänder und denen, die aggressiv etwas propagieren, was nicht gottgewollt ist. Oder das, was eins sich so vorstellt von gottgewollt.

Sodom und Gomorrha. Ihr wisst schon.

Das gesunde Volksempfinden.
Mir ist schlecht.

Pfälzisch

Ich bin aufgewachsen unter Pfälzern. Vorderpfälzern. Sehr laute Menschen. Sehr extrovertierte Menschen. Seltsamer Weise war ich da als introvertierte Person sehr gut aufgehoben. Alle meine Kulturschocks beruhen auf der Tatsache, dass introvertierte Menschen so schnell untergehen, dass sie von anderen Menschen mit Neugierde betrachtet werden, aber nicht unbedingt mit Wohlgefallen.
Wenn ich die Pfalz spüre, dann bin ich zuhause. Es ist das Signal: jetzt brauche ich mich nicht mehr anzustrengen, alle sind laut, aber niemand nimmt mir mein Leisesein übel.
Niemand betrachtet das Leise sein als Nichtinteresse oder – noch schlimmer – als Überheblichkeit. Ich kann sein, wie ich bin und bin da. Mitten im Lärm, von meiner Stille umhüllt.

Ledschdie Woihnacht.

Allerweltsweisheit

wenn das Herz verstummt
gefriert
die Liebe

Vernunft

Das gesunde Volksempfinden ist ein Erbe der Nazizeit. Das ist keine Zuspitzung von mir, sondern die historische Herkunft des Begriffs.

Ich hab Angst vor diesem gesunden Volksempfinden. Wahrscheinlich durch das politische Erbe, das ich als so stark empfinde. Aber manchmal geht es auch anders. Da diskutiert und demonstriert sich das Volk in eine bessere Welt.