Submission

Kennt ihr das Video Submission? Das Video, das Theo van Gogh zusammen mit Ayaan Hirsi Ali realisierte und das ihn das Leben kostete?

Eigenes Fenster
Theo van Gogh war ein sehr provokanter Mensch mit wenig Achtung und Respekt vor den Religionen; ich weiß nicht, ob ich ihn gemocht hätte, wenn ich ihn kennengelernt hätte. Nicht wegen seiner Nichtachtung der Religionen, sondern eher wegen seiner derben, provozierenden Sprache. Aber sein Tod hat mich damals sehr entsetzt. Wie weit hat sich die Welt seitdem verändert? Ich weiß es nicht.

Lesezeichen

In der Sammelmappe gibt es jetzt eine Lesezeichen-Seite. Dort sammle ich meine Schmuckstückchen. Die Texte, die mir in der Sammelmappe am besten gefallen; die eigenen Favoriten, mein gesammeltes Eigenlob. (Verzeiht mir diese kleine Eitelkeit.)

Die Links zu den Blogs, die ich gerne lese und die nicht alle auf die Blogroll passen, finden sich wie immer auf der Link-Seite. Etwas unstrukturiert, aber dennoch geliebt und oft verwendet.

Meine weiteren Internetprojekte, die ich offen unter meinem Namen betreibe, habe ich auf der Projektseite zusammengestellt. Ob sie vollständig ist? Ich denke nicht oft darüber nach.

Zwischen Vorurteilen und Courage

Wir pflegen unsere Vorurteile ebenso liebevoll, wie die Amerikaner. Ein schönes Beispiel dafür, ist das Interview Die Probleme der Blogger. Die der deutschen Blogger ist gemeint, und die Antwort weiß ein Amerikaner. Was er von den bloggenden SchweitzerInnen und den ÖsterreicherInnen hält, hat er verschwiegen. Oder weiß er vielleicht gar nicht, dass es sie gibt?

Ganz und gar kein Vorurteil ist, dass die deutschen Journalisten alle couragiert sind. Aber immerhin, es gibt sie. Einige von ihnen haben den Wächterpreis erhalten.

Jörg Schindler und Matthias Thieme hatten ihn monatelanger Arbeit das fragwürdige Finanzgebaren des Kinderhilfswerks Unicef beleuchtet.

Make Love Not War

Die ersten und einzigen Panzer, die ich in meinem Leben auf der Straße fahren sah, fuhren im September 1977 auf den Straßen von Bonn, sie konnten Hanns Martin Schleyer nicht das Leben retten. Nicht, dass irgendwer zu diesem Zeitpunkt gedacht hätte, dass ihm irgendwas das Leben retten könnte. Selbst uns unpolitischen Jugendlichen auf der Klassenfahrt war klar: Jetzt steht Drohung gegen Drohung, da kommt er nicht lebendig raus. Nur die Art und Weise hat uns doch etwas geschockt. Eine Armee lässt die Toten nicht im Kofferraum liegen. (Was wusste ich damals schon von einer Armee.)

In meinem Herzen war ich Pazifistin; Waffen bringen immer nur Leid und Gewalt in das Leben der Menschen und Gewalt kann nur sinnlos enden. Auf fruchtbaren Boden fiel das Motto: Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin! Das war das Motto, das alles auf den Kopf stellte. Stell dir vor, du kümmerst dich nicht weiter um das, was der Staat von dir verlangt und was er selbst nicht zu geben bereit ist. Stell dir vor, die Gewalt wird eingestellt. Stell dir vor, Macht, Gewalt und Hass i n t e r e s i e r e n niemanden mehr. Stell dir vor, die Menschen wollen leben und lieben.

MLNW: Make Love Not War stand auf meinen Jeans, in meinen Heften, auf dem Mäppchen und oft auf meinen Händen. In runden Buchstaben ineinander geschlungen. Make Love Not War und das Peace-Zeichen dazu. Mich bekennen war wichtig. Bekennen und behaupten. Neue Ideen waren das für mein Umfeld, aber man ließ die Träumerin träumen, weil die Träumerin so leise war und ihre Kreise nicht störte. Was weiß ein Mädchen schon vom Krieg? Was weiß ein Mädchen von Gewalt und Hass. Es ist lange her, als ich die Panzer in Bonn fahren sah.
Am Abend sah ich den Lehrer auf dem Flur am Boden liegen. Ertappt sprang er hektisch auf: Ich wollte nur sehen, ob sie Licht anhaben, rechtfertigte er sich. Wir und unsere Eltern hatten vor der Reise unterschrieben, dass wir auf Geschlechtsverkehr während der Klassenfahrt verzichten – Make Love Not War war nur in der Theorie eine Option.
Der Lehrer ist doch trotzdem immer in der Verantwortung, murmelte der Lehrer vor sich hin, während er sich wieder nach dem Lichtstrahl unter der Tür umsah. Mir tat er leid, denn ich wusste: die beiden hinter der Tür, die hält kein Gelübde der Welt davon ab, miteinander zu schlafen. Die einzige und letzte Gelegenheit würden sie sich ganz sicher nicht entgehen lassen.
Sie wird dir Pille nicht vergessen haben, tröstete ich ihn. Ihr Vater schlägt sie tot – oder versucht es zumindest, wenn sie schwanger wird.
Sie wird ihre Pille ganz sicher nicht vergessen haben, sie liebt ihren Vater und will ihm keine Aufregung verursachen.
Ja, beruhigte sich der Lehrer. Dann besann er sich und schlug mit der Faust an die Tür.

Körpernähe

Kann mich nicht entscheiden, ob das preiswert oder teuer ist. Körpernähe

Anleitung zu poetischem Verhalten

Pick mich auf, mein Flügel

So beginnt der ungefähr vierseitige Text von Friederike Mayröcker, der so umwerfend ist, dass ich hier die ersten Zeilen notieren möchte:

Gehen Sie abends im Mai nach schmerzhafter Zahnbehandlung über die Strudelhofstiege langsam abwärts, sehen Sie in alle Grasspalten, Vogeltitte, Reservationen, bleiben Sie an der Büste von Gido Hasen stehen, werfen Sie viele Blicke in die klappe &daken der Heilsarmee, in den Versammlungsraum mit der Äskulapnatter, verankern Sie sich im winzigen Rasenmäher von nebenan, gehen Sie ganz an ihn heran so dasz er mit einem schrecklichen Aufjaulen – und fort! erinnern Sie sich an den Hafen von rya-rya, an resatill delphi …

An dieser Stelle breche ich das Zitat gewaltsam ab, aus Furcht die Zitiergrenze zu überschreiten. Der Text setzt sich fort mit einer Ansammlung von Imperativen wie z.B. Rufen Sie Ihr Auto heimlich Jesus oder Versuchen Sie knapp vor dem Einschlafen zu Winken!

und endet:
(Fliegen Sie über sich selbst hinweg!
fliegen Sie über sich selbst hinweg!
fliegen Sie über sich selbst hinweg!
& fort!)

Das nenne ich eine präzise Anleitung zum poetischen Verhalten – besonders für Traumtänzerinnen!

Zweitausendeins

Habe mir heute drei Bücher gekauft:

Julia Frank – Der neue Koch
Friederike Mayröcker – Veritas
John Steinbeck – Tortilla Flat

Aus Gendersicht ist das ein starkes Kontrastprogramm. Zweitausendeins macht’s möglich. Immer noch und immer wieder. Nicht gekauft habe ich einen modernen Roman von einem chinesischen Autoren, der als Internet-Bestseller angepriesen wurde und einen RAF-Wälser. Der eine war zu teuer, der andere zu schwer.

C’est la vie: Der Mensch ist faul und hängt an seinem Geld.

Verschlimmbessern

SuMuze verschlimmbessert ihre Texte jetzt zusammen mit Dirk Schröder auf Variationen. Der Taubenvergrämer lobt die starke Gemeinschaft der Fernbleiber. Audrii führt Strichlisten und memoriert die Liebenden, während Frau A. von echten und gefakten Krankheiten geplagt wird.

Auf alle Fälle weiß

Immer weiß. Auf alle Fälle weiß – würde ich sagen.

Und die Entdeckung, die nach mir genannt werden würde, die stammt aus dem Fachgebiet der Liebeskunde.

(Das sind meine Antworten zu den zwei Fragen zur Selbstfindung bei Alternativen)

Stehaufmännchen

“Der Kopf einer etwa Vierjährigen wird von einer mütterlichen Orkanwatsche in das Genick zurückgeworfen und rotiert einen Augenblick hilflos wie ein Stehaufmännchen, das sein Gleichgewicht verloren und daher größte Mühe hat, wieder in den Stand zu kommen.”

aus “Die Klavierlehrerin” von Elfriede Jelinek, die nicht zögert, die Worte gewalttätig erschallen zu lassen.