Journal12052020

Tag 50 Kontaktverbot

Die Müdigkeit hat sich tief in mir eingelagert. Ich bestehe nur noch aus Müdigkeit. Im Morgengrauen laufe ich durch die Stadt, froh darum, nicht in diese schreckliche U-Bahn einsteigen zu müssen.

Die Tage sind angefüllt mit ungewohnten Handlungen, die Konzentration richtet sich auf bedeutende und unbedeutende Kleinigkeiten. Die Telefonkonferenzen saugen regelrecht die Energiereserven aus Leib und Seele. Das ist also dieser neue Alltag.

Monatelang lässt sich das nicht mehr durchhalten. Irgendwann werden die Kräfte erlahmen. Was wird dann sein?

Zahlen des Tages: 172.905 und 7693 Tote, sowie ca. 18.000 aktive Fälle

Journal11052020

Kontaktverbot Tag 49

Es wird jeden Tag lächerlicher, hier das Wort Kontaktverbot zu schreiben.

Heute morgen stürmisches Wetter, die U-Bahn um 6 Uhr morgens gut gefüllt. Zu gut für mein Sicherheitsgefühl. An der Arbeit immer mehr ungute Diskussionen. Es gelingt mir nicht mich so verständlich zu machen, wie ich es gerne möchte. Jeden Tag fallen nun Entscheidungen an, die mich in große Verlegenheit bringen.

Mein Regenhut hält dem Sturm auf dem Rückweg nicht stand. Besser gesagt: er möchte sich gerne selbständig machen. Unter Schirm, Kapuze und Jacke kämpfe ich mich nach Hause. In Sicherheit. In virenfreie Sicherheit.

Ein bisschen Mut fehlt mir heute. Und Zuversicht.

Tief durchatmen. An etwas anderes denken. Morgen sieht die Welt schon wieder besser aus.

Zahlen folgen noch.

Journal10052020

Tag 48 Kontaktverbot

Die kleine Kugel rollt. Vorhersehbar und mit Ansage. Das war klar.

Jetzt gerät sie in Geschwindigkeit und niemand wird die Lawine stoppen können.
Fraglich ist, ob sie jemand stoppen will.

Die Wirtschaft werden sie auf diese Weise nicht retten. Auch wenn sie das hoffen.

Die Psychologie der Massen geht berechenbare Wege und trotzdem gelingt es nicht, diese Massen einzufangen.
Mitgegangen, mitgehangen.

Dieses Land wird über seine Überheblichkeit stolpern.

Es fühlt sich nicht gut an, in die Zukunft blicken zu können. Ganz und gar nicht gut.

Weltweit haben wir die vier Millionen Grenze überschritten.

Zahlen des Tages: 171.704 und 7.549 Tote.

Journal09052020

Tag 47 Kontaktverbot

Regen ziemlich viel Regen.

Es ist nicht möglich, ein Paket nach Kuba zu verschicken. Niemand weiß, für  wie lange wie lange. Gerade jetzt, wo sie die Sachen so dringen brauchen.

Durch die Städte ziehen die Menschenmassen, es ist ein irrationales Gefühl sie zu sehen. Einerseits das Kontaktverbot, andererseits diese Riesen-Maschinerie, die nicht zur Ruhe kommen will.

Seltsame Gestalten  kommen jetzt aus ihren Löchern. Online wie offline. Sie halten es für ihr gutes Recht, ihre Mitmenschen zu dominieren. Über sie zu bestimmen. Sie zu kontrollieren. Kein Argument ist zu schade, um den eigenen Kopf durchzusetzen. Traurig ist das.

Zahlen des Tages: 171,021 und 7.525, ca. 21000 aktive Fälle.

Journal08052020

Tag 46 Kontaktverbot

Hab jetzt ein Tablet mit Stift und komme mir vor, wie eine Fee mit Zauberstab. Cooles Teil.

Hab jemandem eine Freude gemacht und freue mich am meisten selbst darüber, weil es so rundherum gelungen ist.

Ansonsten hat die Welt nicht viel Verstand zu bieten. Der ist etwas abhanden bekommen. Aber ich will nicht klagen. Der Blick nach links und rechts lässt noch mehr Klugheit vermissen.

Zahlen des Tages: 169.901 und 7.404, sowie 21.000 aktive Fälle.

Journal07052020

Tag 45 Kontaktverbot

Oh, nein. ca. 1300 Neuinfektionen. Klar Verzögerungen aus dem langen Wochenende, aber trotzdem. Mag meinen Optimismus noch nicht beiseite legen.

Andererseits: Menschen, die wissen wovon sie sprechen, erinnern wieder an die Vorräte. Bei mir stehen die Vorräte mangels anderer Möglichkeiten im Zimmer herum.

Das Robert-Koch-Institut wird keine Pressekonferenzen mehr geben. Die Grenzen für die Maßnahmen beim Wiederaufflackern der Neuinfektionen sind für die Städte viel zu hoch. Die Logik, dass die Landkreise zuständig sind, wird wahrscheinlich zu weniger Tests führen.

Alles in allem ist das wohl jetzt die sogenannte neue Normalität mitten in der Pandemie.

(Im Büro ist es anstrengend und emotional. Morgen noch mal. Erst dann ist es geschafft.)

Zahlen: 169.015 und 7.342, sowie ca. 21.000 aktive Fälle.

Journal06052020

Tag 44 Kontaktverbot

Von allen Seiten wird gelockert. Nicht allen gefällt das. Mir tut es weh, Menschen an denen mir viel liegt, mit dieser Angst und Furcht zu sehen. Viel Energie geht darauf, die Fassung zu bewahren. Zu funktionieren.

Wie soll das alles weitergehen?

Das Unheil lauert dem Schicksal auf.

Zahlen des Tages: 167.372 und 6.993, sowie ca. 22.000 aktive Fälle

Journal05052020

Tag 43 Kontaktverbot

Stille im Homeoffice. Grübeln. Sonne. Büroentscheidungen. Immer noch keine Lösung für das Kuba-Paket-Problem. Nichts überstürzen, sagte die Schnecke und zog sich in ihr Schneckenhaus zurück.

Zahlen des Tages: 166.490 und 6.993 Tote.

Balkonführung

Journal04052020

Tag 42 Kontaktverbot

Alle meine Befürchtungen sind wahr geworden. Die Büroflure sind so voll, als gäbe es keine Hausverfügung. Die Menschen sind nicht mehr so halten. So möchten raus, sie möchten sich wertgeschätzt und wichtig fühlen. Sie wollen alles nur nicht zu Hause bleiben.

Ich zerbreche mir den Kopf wie ich Medikamente nach Kuba schicken kann. Google ist keine Hilfe in dieser Hinsicht. Überhaupt nicht.

Ich bin müde, das merke ich immer wieder. Es tut mir weh, die nächste Frauengeneration mitzuerleben, die eins vor den Bug bekommt.

Hab es gerne mitangesehen, wie sie sich behauptet haben.
Manchmal mit Verwunderung über so viel Kraft, Energie und Selbstbewusstsein.

Und jetzt das.

Homeschooling, Homeoffice mit Kinderbetreuung und Pflege.

Es ist zum Verzweifeln.

Schau mir in die Augen, Baby. It’s Pandemie-Time.

Was ich gerade gerne mache: Instagram-Stories mit Musik unterlegen.

Zahlen des Tages: 165.786 und 6.893, sowie ca. 33.000 aktive Fälle und die Neuinfektionen im dreistelligen Bereich.

Journal03052020

Tag 41 Kontaktverbot

Sonntag. Der Regen ist schon wieder weitergezogen. Ich wache früh auf, krame mir mein Zimmer zurecht, schlafe wieder ein, tief und fest.

Ein einsamer Spaziergang in der ungewohnten Richtung, Himbeerkuchen aus der Mokkateeria, ein opulentes Mittagsmahl, wieder bin ich müde und schlafe ein.

Jetzt ist das lange Wochenende schon bald wieder vorbei. Ich mag den Gedanken nicht, bin noch nicht bereit mich schon wieder auf die Arbeit einzulassen.

Arbeitsschutz ist eine schwierige Angelegenheit in diesen Tagen, in bin empfindlich an dieser Stelle. Mein wunder Punkt.

Wir brauchen Infektionszahlen im niedrigen dreistelligen Bereich.

Unter 100 wäre noch besser.

Aber wir tanzen noch im Porzellanladen.

Alles wird gut. Ich will so sehr daran glauben. Alles wird gut.

Zahlen des Tages: 165.138 und 6.812