Mittlerweile sind es über hundert Infektionen, die aus diesem einen Gottesdienst hervorgingen. Wir sind jetzt Schweden. Nur dass die meisten von uns immer noch nicht ihre Angehörigen besuchen konnten.
Es wird absurd. Infektionsschutz auf persönlicher Ebene. Das wird langsam albern. Schütze sich wer kann. Vor Infektion und Armut. Sie bringen sich in Stellung. Üben den altbekannten Klassenkampf.
Derweil bringt sich das Virus in Stellung. Es tut, was es kann. Ist nur eine Frage der Zeit, wann es mutiert. Freie Bahn hat es ja.
Abschlussseufzer.
Wir werden unsere eigenen Regel finden müssen. So geht es jedenfalls nicht.
Tief in meinem Innern steckt eine Optimistin. Sonst wüsste ich gar nicht, wie ich mit soviel Unsinn umgehen kann.
Ausbrüche im Gasthof und beim Gottesdienst. Alles passiert mit Ansage und Anlauf. Seit sie sich entschieden haben, das Virus nicht zu eliminieren, ist klar, dass lange, harte Zeiten vor uns liegen. Dennoch bin ich jedes Mal aufs Neue enttäuscht, wenn das Absehbare eintritt.
Ich würde jubeln vor Glück, wenn es anders käme!
In der Zwischenzeit denke ich verzweifelt darüber nach, worin virustechnisch der Unterschied zwischen dem Ablauf eines Gottesdienst und dem von Schulunterricht besteht.
Erschwerend stellt sich heraus, dass sie die Kontakte bei den Gottesdiensten nicht gut verfolgen können. (Tiefer Seufzer)
Dafür planen sie die Frankfurter Buchmessezwar den Oktober. (Weiterer tiefer Seufzer)
Mein Gesichtsvisier für das Büro ist angekommen. Ein Tropfen auf den heißen Stein der Infektionsabwehrmassnahmen. (Abschließender Seufzer)
Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel
Es hat länger gedauert bis ich mich an den Roman rantraute. Ein Roman über eine Pandemie, die eine zerbrechliche Welt aus den Angeln hob. Jetzt bin ich froh, dass ich das Buch gelesen und gehört habe. Selbst in der größten Zerstörung, gibt es Hoffnung. Darin bestätigt es mich. Wenigstens das. Besonders gut finde ich, dass die Kunst darin so beiläufig ihre Existenz behauptet.
Zahlen des Tages: 179.500 und 8.228
11 % der Infektionen in Hessen betreffen das Pflegepersonal. Zuviel aus meiner Sicht. Reihentests sollen von den Krankenversicherungen übernommen werden. Also von den Arbeitnehmer:innen. Lufthansa wird mit Rekordsummen gestützt. Arme Menschen bekommen nicht einmal Geld um ihre Masken zu bezahlen. Der Kauf von umweltversiffenden Autos soll gefördert werden. Schulen bleiben zum Ausgleich in ihren versifften Gebäuden.
Die Zahlen gehen wieder nach oben. Aber durch das lange Wochenende wird das jetzt ein paar Tage wieder so aussehen, als sei alles nicht so schlimm. Dann haut es erst so richtig rein.
Du kannst staunend vor diesen Grafiken sitzen und den Kopf schütteln. So nah dran und dann alles so versieben. So nah. Es hätte klappen können.
In Frankfurt ist eine Flüchtlingsunterkunft betroffen. Neuinfektionen mit Ansage.
Noch ein Arbeitstag im Büro, dann habe ich vier Tage frei. Der erste freie Tag seit den Weihnachtsfeiertagen.
Ich freue mich drauf. Fühle eine Erleichterung. Beginne zu spüren, was für eine Last von mir genommen wird. Selbst der hartnäckige dienstliche Bullshit, der sich in mein Gemüt eingefressen hat, löst sich langsam auf. Meine Seele bekommt ihr nicht.
Zahlen des Tages: 177.574 und 8.081 Tote, sowie ca. 12.000 aktive Fälle
Bildbeschreibung: graphische Darstellung des SARS-CoV-2 Virus von Johanna Thompson
Seltsam, dass angesichts der allgemeinen Krisensituation, die persönlichen Nadelstiche trotzdem so sehr schmerzen. Harmlose Ungerechtigkeiten in einer gefährlich ungerechten Welt.
Das Virus hat sich etwas aus der Berichterstattung zurückgezogen. Nichts ist wirklich gut, aber wir üben die Fasade.
Ich werde mir meine eigenen Kontaktregeln aufstellen. Die schwierigsten Rahmenbedingungen knirschen am Arbeitsplatz. Solange die Infektionsgefahr besteht, wird es die Spannung zwischen den vorsichtigen und den Präsenztieren geben.
Corona-Himmel. Wieder einmal. Ich will nicht an die Schwere denken. Nicht an die Paketstation in Hainsberg, die geschlossen wurde, weil so viele Mitarbeiter:innen infiziert sind. Das Virus spürt zuverlässig alle Schwächen im Arbeitsschutz auf.
Bildbeschreibung: Blick auf den Teich im Ostpark, gespiegelt
Ich ertappe mich dabei, wie ich meine eine kleine Reise plane. Eine Zusammenkunft der Herzen. Vielleicht reicht mein Virenglück bis dahin.
Mein neues Tablet ist der Hammer. Soll niemand sagen, dass es Glück nicht zu Kaufen gibt.
Es gibt noch so ein klitzekleines Problem außerhalb der tragischen Weltkonstellation, das mir sehr zu schaffen macht. Das klammert sich an mein Gemüt und nagt daran. Unnötig, aber nicht auszumerzen. Wie das Virus. Einmal infiziert und Pech gehabt.
Zahlen des Tages: 175.752 und 7.938, sowie ca. 15.000 aktive Fälle.